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Befreit bergwärts

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe 04 - 2010 - 01.04.2010

Text:  Susanne Strässle

Was wie eine Tortur erscheint, erweist sich als beglückende Kombination: Fasten und Wandern. Denn wer fastet braucht Bewegung. Und ist die Umstellung erstmal geschafft, bringt Fastenwandern Sonne ins Gemüt und Klarheit für den Geist.

Leistungssport schafft man nicht, wenn der Tank leer ist. Aber Bewegung muss sein. «Beim Fasten nur zu meditieren und herumzuliegen, tut nicht gut», sagt Fastenleiterin Ida Hofstetter, die unter dem Credo «Fasten – Wandern – Wellness» selber Fastenwanderwochen anbietet und Präsidentin des Vereins für unabhängige Gesundheitsberatung UGB Schweiz ist. Zu wenig Bewegung sei einer der Kapitalfehler beim Fasten: «Bewegen fördert den Stoffwechsel und die Ausscheidung, die Atmung wird verstärkt, die Blutzirkulation erhöht, Gehirn und Zellen werden besser mit Sauerstoff versorgt. Und das Wandern trägt dazu bei, dass der von manchen Ärzten befürchtete Muskelabbau, wenn überhaupt, nur in geringstem Mass erfolgt», so Hofstetter.

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Kein Hunger

Da der Magen nie herrlicher knurrt, als wenn nach einer Wanderung in der Berghütte die Gerstensuppe dampft, ist es schwer vorstellbar, ausgerechnet in Wanderschuhen zu hungern. Doch Irrtum: Wer hungert, fastet nicht. Wer fastet, verspürt keinen Hunger. Beim Fasten etwa nach der Methode Otto Buchingers wird mit Glaubersalz oder Einläufen der Darm vollständig entleert. Die Verdauung wird daraufhin eingestellt, der Körper ernährt sich von innen und verharrt in einer Art Fastenschlaf, weil täglich weniger als 300 Kalorien in Form von Säften und ungesalzener Gemüsebrühe eingenommen werden. Das nagende Hungergefühl, das einen im Alltag gereizt werden lässt, kommt so nicht auf.

Bei Ida Hofstetter fasten Männer und Frauen zwischen 20 und 80 Jahren, eine Mehrzahl ist 40 bis 65 Jahre alt und weiblich. Die Teilnehmer wollen sich und ihrem Körper Gutes tun. «Bei vielen ist es auch der Wunsch abzunehmen», sagt die Fastenleiterin. «Die meisten wissen aber, dass sie dazu im Alltag ihre Ernährung umstellen müssen und mehr Bewegung brauchen. Eine Fastenwoche reicht da nicht, ist aber ein guter Motivationsschub.»

Entschlacken ist ein weiteres Fastenargument. Otto Buchinger, Naturheilarzt und Begründer des Heilfastens, führte den Begriff der Schlacken in den Dreissigerjahren ein. Die Schulmedizin kennt ihn nicht. Ihre Vertreter argumentieren, im Körper lagerten sich keine Gifte ab, da der Organismus bestens ausgerüstet sei, Stoffwechselprodukte zu entsorgen. Die «Ärztegesellschaft Heilfasten» hält dagegen, dass Buchinger die Metapher der Schlacken wählte, um Stoffwechselprodukte zu umschreiben, bei dessen Ausscheidung das Fasten den Körper unterstützen könne. Dazu gehörten überschüssige Fette und Eiweissverbindungen ebenso wie Cholesterin, Harnsäure, Umweltgifte und Botenstoffe wie Insulin.

Gemächlich

In einer klassischen Fastenwanderwoche wird nach zwei, drei Abbautagen fünf bis sechs Tage gefastet. Pionier und Wegbereiter der Fastenwanderbewegung war der Schwede Lennart Edrén, der 1953 erstmals zu einer Fastenwanderung aufbrach und dabei seine Blutwerte messen liess, um die gesunde Wirkung zu beweisen. Pro Tag legte er bis zu 50 Kilometer zurück. Das ist in Fastenwochen anders. Man wandert – in Bergregionen, im Winter auch auf Schneeschuhen oder am Mittelmeerstrand – gemächlich drei bis fünf Stunden, und es geht selten steil bergan. «Man sollte nach dem Wandern nicht todmüde ins Bett fallen», sagt Hofstetter. Die Bewegung solle vor allem gut tun. «Beim Fasten können vorübergehend Tiefs und Verstimmungen aufkommen. Wandern hellt die Stimmung auf und lenkt nicht zuletzt von den Gedanken ans Essen ab.»

Wer zum ersten Mal fastenwandert, sollte es in einer geleiteten Veranstaltung ausprobieren. In den ersten Tagen einer Fastenkur sind Beschwerden wie Kopfweh, Schwindel, Gelenk- oder Rückenschmerzen, leichte Übelkeit und Erschöpfung nichts Aussergewöhnliches. Ida Hofstetter kann beruhigen: «Das geht meist vorüber und ist für Gesunde kein Grund, die Kur abzubrechen.»

Nach dem Fasten ein Heilkräuter-Wochenende. Wie man die Kraft der Natur am Besten nutzt, weiss der Naturheilpraktiker Arturo Fasciati. An drei zweitägigen Exkursionen durch die Berglandschaft des Parc Ela führt er Interessierte in die Kunst der Heilkräuterkunde ein. Daten: 3.– 4. Juli, 17.– 18. Juli, 7.– 8. August 2010. Buchen: Bis spätestens 2 Wochen vor der gewünschten Kräuterwanderung bei der Info- und Buchungsstelle Parc Ela, 7460 Savognin, Telefon 081 659 16 18, infowhatever@parc-ela.ch

Einschneidendes Erlebnis

Ida Hofstetter stellt ebenfalls fest, dass viele beim Fasten eine klarere Sicht auf ihre Lebenssituation bekommen. Auch so ist Buchingers Metapher zu verstehen: Fasten als ganzheitliche, auch seelischgeistige Entschlackung. Ein Innehalten, um sich darüber klar zu werden, was man sich und dem Körper zumutet.

Der Lohn kommt nach dem Fasten auch für die Geschmacksknospen. Speisen wieder schmecken und geniessen zu können, sei ein wunderbarer Nebeneffekt des Fastens, sagt Hofstetter.

Literatur
• Anselm Grün und Peter Müller: «Fasten mit Leib und Seele», Vier Tuerme GmbH 2010, Fr. 33.90
• Francoise Wilhelmi de Toledo und Hubert Hohler: «Buchinger Heilfasten: Das Original», Trias-Verlag 2010, Fr. 35.90
• Ulrike Peters: «Fastenwandern», Conrad Stein Verlag 2005, Fr. 13.90

Fotos: fotolia.com, swiss-image/Christian Perret

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