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Herzblut

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe 03 - 2010 - 01.03.2010

Text:  Regine Elsener

Regelmässiges Training und richtige Ernährung halten das Herz in Form. Doch das Herz ist mehr als eine blosse Pumpe: ein Organ, das Kunst und Kultur prägt.

Wie jeder Muskel, der trainiert wird, nimmt auch das Herz an Volumen zu; es wird leistungsfähiger und arbeitet ökonomischer: Sein «Arbeitsaufwand», um die nötige Menge Blut in den Kreislauf zu pumpen, verringert und der Ruhepuls senkt sich. Vor 50 Jahren erkannten das noch nicht viele Mediziner. Mittlerweile ist diese Erkenntnis längst etabliert.

Nicht von ungefähr werden heute alle – Junge, Alte, Männer, Frauen, ja sogar Kinder – dazu angehalten, ihrem Herzen Sorge zu tragen. Man soll auf die Ernährung achten, Sport und Bewegung in den Alltag einbauen, Laster wie Völlerei, Rauchen, Alkohol und Nichtstun minimieren.

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Fatburner oder Fettverbrennung durch Sport – Mythos und Wahrheit
Schweizerische Herzstiftung
Das Herz: Aufbau und Funktion

Am besten Intervalltraining

Wie jedes Organ, das nicht gebraucht – oder eben: nicht trainiert – wird, vermindert auch das Herz seine Leistung und verkümmert schleichend. «Inaktivität ist das Schlimmste für das gesunde Herz», betont Urs Boutellier, Professor für Sportphysiologie an der ETH und Universität Zürich. «Ist jemand etwas übergewichtig, jedoch körperlich aktiv, so ist das viel besser als wenn jemand zwar schlank ist, aber physisch faul.» Das ist jedoch kein Freipass für massloses Schlemmen. Auch Boutellier begrüsst es, wenn man seinen überschüssigen Kilos zu Leibe rückt – es bedinge jedoch ein Umdenken: «Wer abnehmen will, muss die Einstellung zum gewohnten Lebensstil in seinem Kopf ändern – dort fängt nämlich alles an.» Das heisst, sich bewusst werden, was und wie man isst, respektive wie man seinen Menüplan langfristig umstellt. «Kurzfristige Diäten bringen nichts», sagt der Physiologe. «Zwar ist gesund essen teurer als Billig-Food, doch man kann sich durchaus auch mit schmalerem Budget gesund ernähren. Es muss ja wirklich nicht immer Fleisch sein.»

Anatomie und Funktion
Rund drei Milliarden Mal schlägt ein Herz während seines Lebens und bewegt dabei rund 250 Millionen Liter Blut durch den Körper. Das Herz entspricht etwa der Grösse der geschlossenen Faust des betreffenden Menschen und wiegt durchschnittlich 300 Gramm. Zusammen mit den Blutgefässen bildet es das Herz-Kreislauf-System. Über das Blut werden die fernsten Körperzellen mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt und es transportiert Kohlendioxid ab. Zwei Drittel des Organs befinden sich in der linken, ein Drittel in der rechten Brustseite. Eigentlich bilden zwei im gleichen Takt schlagende Pumpen das Herz, getrennt durch die Herzscheidewand (Septum cardiale). Es versorgt zwei ineinandergreifende Kreisläufe: Das linke Herz pumpt Blut in den Körper-, das rechte in den Lungenkreislauf.

Haben Übergewichtige die Einsicht gewonnen, dass neben dem neuen Essverhalten auch der Sport einen festen Platz im Alltag bekommt, so müssen sie auch hier unterscheiden lernen: «Das gängige Motto, so zu laufen, dass man sich noch miteinander unterhalten kann, gilt nicht für jene, die abnehmen wollen oder müssen», sagt der Fachmann. «Walking beispielsweise genügt nicht, man kann die Zeit für optimaleres Training nutzen.» Folgendes sei angesagt: Abwechselnd intensiv und schnell, zwischendurch langsamer – also diskontinuierlich laufen. Im Sport heisst das Intervalltraining oder Fahrtspiele. Boutellier: «Das bedeutet beim Lauftraining, seiner Kondition entsprechend schnell zu rennen, was den Puls hochtreibt, man darf durchaus ins Keuchen und Schwitzen kommen. Dann drosselt man sein Tempo, bis man es erneut erhöhen kann.» Diverse Studien haben gezeigt, dass Intervalltraining die Fettverbrennung optimal ankurbelt. Und das Herz wird es danken. Auch jenes des schlanken Sportmuffels, wenn er sich endlich aufrafft zu regelmässigen Aktivitäten wie mit dem Velo zur Arbeit zu fahren oder zumindest Teilstrecken zu Fuss zu gehen.

Das tut dem Herzen gut.
• Regelmässige körperliche Aktivitäten können dazu beitragen, dass sich Cholesterinwerte und Blutdruck verbessern und arteriosklerotische Gefässveränderungen zurückbilden: Der Blutzucker sinkt. Bereits täglich eine halbe Stunde Bewegung mit mittlerer Intensität wirkt sich auf die gesamte Gesundheit positiv aus.
• Fettarme Ernährung, dafür reich an Obst, Salaten, Gemüsen, Getreideprodukten und Hülsenfrüchten. Statt tierischem Fett hochwertige Oliven- und Rapsöle verwenden. Weniger Fleisch, öfter Geflügel und Fisch. Salz und Zucker reduzieren. Die sogenannte Mittelmeer-Diät senkt laut Studien das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
• Glimmstängel weglegen, zumindest reduzieren.

Das schadet dem Herzen.

• Inaktivität richtet mehr Schaden als alles andere.
• Übergewicht fördert Folgekrankheiten wie Gefässverengung, zu hoher Blutdruck, zu hohe Cholesterinwerte, Diabetes und Gelenkschäden. Gezielte Gewichtsabnahme beugt diesen Krankheiten vor.
• Rauchen führt rund viermal häufiger zu einem Herzinfarkt als Rauch-Abstinenz.
• Stress am Arbeitsplatz oder im sozialen Umfeld wirkt sich direkt aus auf die Hormonausschüttung, den Stoffwechsel und das Herz-Kreislauf-System: Herzfrequenz und Blutdruck steigen, vermehrt gelangen Zucker und Fette ins Blut.

Die Kraft verspeister Herzen

Doch das Herz ist mehr als nur eine Pumpe. Kein anderes Organ hat es geschafft, eine derart verbreitete symbolische Bedeutung zu erlangen wie das Herz. Es symbolisiert die Liebe in all ihren Facetten – die religiöse, erotische, mütterliche, freundschaftliche. Dem Herzen wurden übernatürliche Kräfte zugeschrieben, je nach Kulturkreis war es der Sitz der Seele oder des Denkens, der Vernunft. Noch heute wird das Herz verbunden mit Stärke, Widerstand und Mut, wie ein Blick ins Wörterbuch offenbart: Wir nennen einen Menschen, der unerschrocken, gradlinig und gütig seinen Weg geht, beherzt, grossherzig und herzensgut.

Was verleiht diesem Organ, das – gezeichnet, gemalt, geschnitzt, besungen, in Stein  gemeisselt und Lyrik geehrt –weltweit in Kulturgeschichte und Kunst verewigt wurde, seinen besonderen Status? «Das Herz ist das einzige Organ, das wir spüren. Mit dem Herzschlag fühlen wir, dass wir leben», vermutet Juri Steiner, Kunsthistoriker und Direktor des Zentrums Paul Klee in Bern. «Wir sind uns hingegen selten bewusst, dass wir ständig eine Leber, eine Niere, eine Milz mit uns herumtragen. Diese Innereien fühlen wir erst, wenn sie uns schmerzen.»

Literatur
Wolf-Dieter Storl: «Das Herz und seine heilenden Pflanzen», AT-Verlag, 2009, Fr. 34.90

Fotos: Ute Grabowsky/photothek.net, zvg, jaroslavd / flickr / cc; Illustration: fotolia.com,

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