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Schafgarbe

Kategorie: Gesundheit, Heilpflanzen

Text:  Steven Wolf

Die Schafgarbe ist eine weibliche Zauberin. Eine Visionärin und Gelehrte. Verbunden mit dem Feuer und der Luft, hilft sie uns Menschen, Entscheidungen zu treffen. Und sie ist eine hervorragend krampflösende und harmonisierende Frauenpflanze.

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In der Zeit der Sommersonnenwende, um den 21. Juni, erreichte das Feuer des Lebens seinen Höhepunkt, der sich über Wochen tief in den Hochsommer hineinzieht. Mutter Erde und Vater Sonne teilen sich in dieser Zeit die Verantwortung für das Leben. In den alten Büchern heisst es: «Jetzt ist der Reifeprozess vollkommen und alles bewegt sich in einem einzigen Gesang bewegender Ekstase aus sich heraus. Dies göttliche Paar löst sich von ihrem Selbst und gemeinsam segeln sie über das dunkle Zeitenmeer, um die Insel des Lichts, die Wiedergeburt, zu suchen. Nun gilt es auch für den Menschen, seine Verantwortung wahrzunehmen und über sich hinaus zu wachsen. Denn ans Licht zu bringen, was so gern verborgen schlummert, ist es Zeit.» Eine häufig in Wiesen, an Feld- und Wegrändern vorkommende, aber von den meisten kaum beachtete Heilpflanze hilft uns dabei: die Schafgarbe (Achillea millefolium).

Sowohl-als-auch: Sie vereint Gegensätze
Die Schafgarbe ist geprägt von Gegensätzen – die sie auf meisterhafte Weise zu vereinen schafft. Aufgrund des Blütenstands sieht sie im ersten Moment aus wie ein Doldenblütler; bei genauerem Betrachten erkennen wir jedoch einen Korbblütler vor uns. Diese Signatur lässt uns das Thema «Hinter das Augenscheinliche blicken» erkennen. Der Blütenstand bildet eine horizontale Ebene, die dem vertikalen Stängel wie aufgesetzt, fast schwebend erscheint. Das ist ein Zeichen für das polare Aufeinanderstehen zweier Ebenen im Raum. Der Stängel ist hellgrün, aufrecht, sehr stabil und hart; die gefiederten Blätter dagegen sind weich, dunkelgrün und filigran. Sie signalisieren Ausdehnung und Offenheit. Die Stängel hingegen weisen auf Verhärtungen und Verdichtungen hin. Die feingliedrigen, federähnlichen Blättchen bilden zudem einen starken Kontrast, insbesondere zum harten Stängel, an dem sie fremd wirken, fast deplatziert. Nicht zuletzt schmeckt die Schafgarbe einerseits bitter, hat aber andererseits ein wärmendes, aromatisches Aroma.

Die Schafgarbe steht also nicht für ein Entweder-oder, sondern für ein Sowohl-als-auch. Sie hilft uns, eine offene Sichtweise zu erlangen, die nichts ausschliesst. Wenn wir unterscheiden können, können wir auch entscheiden. Dazu müssen wir nicht nur die gegensätzlichen Aspekte einer Sache erkennen, sondern auch die Zusammenhänge. Denn nur wenn in den Widersprüchlichkeiten, die uns täglich begegnen, der gemeinsame Kern erkannt wird, der die Vielfalt zu einem Ganzen verbindet, gelingt es, die Prioritäten richtig zu setzen. Ohne diese Fähigkeit besteht die Tendenz, zu polarisieren und von einem Extrem ins andere zu fallen.

Dies zu verhindern, dabei hilft uns die Schafgarbe. Sie schärft das Unterscheidungsvermögen bei Entscheidungsprozessen und kann für das Erkennen des nächsten Schrittes klärend und helfend wirken. Sie unterstützt Menschen, denen es schwerfällt, sich zu entscheiden. Sie schützt jedoch gleichzeitig jene, die unter dem Gegenteil leiden: Menschen, die zu schnell handeln und sich voreilig ihre Meinungen bilden. Auch jenen, die ihre Meinungen wechseln wie die Fahne im Wind, können von der Schafgarbe profitieren, indem sie unsere innere Ausrichtung und den Selbstwert stärkt.

Ihre Botschaft: Wachse über dich hinaus!
In meinem meditativen Dialog mit der Schafgarbe offenbarte sie mir Folgendes: «Ich helfe dir, den Schlüssel aller spirituellen Lehren zu erlernen. Ich unterweise dich darin, dich nicht von den Emotionen beherrschen zu lassen. Ich lenke dein Bewusstsein in Richtung moralische Aufmerksamkeit und seelische Gerechtigkeit und somit zu den Themen des Zorns. Eine meiner Eigenschaften ist es, dein allzu aggressives kämpferisches Potenzial zu mildern. Sodass du eine distanzierte Unterscheidungsfähigkeit wahrnehmen kannst. Doch verstehe mich nicht falsch: Du darfst zornig sein. Es ist gut, diesen Zorn wahrzunehmen; verurteile niemals diese Emotion. Du darfst deinem «gerechten Zorn» Ausdruck verleihen. Doch der Ausdruck des gerechten Zorns beinhaltet die Fähigkeit, zwischenmenschliche Grenzen mit Respekt, Mitgefühl und Demut zu setzen. Denn niemand sollte sich ausbluten lassen oder zum gesellschaftlichen Fussabstreifer werden. Auch bin ich vor allem jenen Menschen zu empfehlen, die sich bedingt durch ihr Phlegma allzu leicht aufopfern, auch wenn keine Veranlassung dazu besteht. Und ich tue all jenen gut, die durch die Geschlechterrolle und Erziehung dazu konditioniert worden sind, nicht aufzumucken. Ich helfe dabei, mutig Stellung zu beziehen. Ich heile deine Wunden und schenke dir die Kraft des Feuers der Beharrlichkeit. Ich mildere die schmerzhaften Folgen von allzu starken Reizen und mache sie auf der seelischen und körperlichen Ebene leichter verdaulich. Ich fördere die Eigenschaft, dich zu emanzipieren, die Gleichheit zwischen Mann und Frau unter Wahrnehmung ihrer Verschiedenheiten anzuerkennen und anzunehmen und dich selbstständig und unabhängig von den Meinungen anderer und von traditionellen Werten zu entwickeln, dich von den sozialen Sitten zu befreien und deren Druck standzuhalten. Um einen gesunden Willen und eine tapfere Entschlossenheit zu entwickeln, um für deine Rechte einzustehen, auch dafür bin ich da. Wachse über dich hinaus! Erlebe dein inneres Feuer der Reife und beschreite deinen Neuanfang.»

Die Augenbraue der Venus, daran erinnern mich die Blätter der Schafgarbe. Wenn du genau hinschaust, kannst du jeder zarten Verästelung und Verzweigung folgen, die sich erneut verästeln und verzweigen. Tausendfach (lat. mille = tausend; folium = Blatt), wie ein kleiner Ausblick in die Unendlichkeit. So sanft, zartgeschwungen, filigran – die Schafgarbe ist sprichwörtlich fein. Fein nicht im Sinne von schwacher Wirkung, sondern fein in ihrer Verträglichkeit. Die Schafgarbe ist nicht wie die Enzianwurzel ein Tritt in den Allerwertesten. Im Gegenteil reicht sie uns sanft, aber wirkungsvoll die Hand und begleitet uns geduldig auf dem Weg zur Gesundheit.

 



Nomen est omen
| Balsamkraut, Blutkraut, Frauendank oder Heil aller Schäden wird die Schafgarbe genannt. Die Volksnamen beziehen sich auf die heilenden Eigenschaften der Pflanze, die als eines der Frauenkräuter schlechthin gilt.

Ihr Geschenk: Wohlige Harmonie
Die Schafgarbe hat stark harmonisierende Eigenschaften. Die thermische Wirkung ist neutral. Sie transformiert Feuchtigkeit und bewegt das Blut, sorgt für eine gute Durchblutung und Erwärmung der Beckenorgane und lindert schmerzhafte Menstruationskrämpfe bei schmerzhaften Krampfzuständen mit psychovegetativem Ursprung im kleinen Becken der Frau. Die ätherischen Öle der Schafgarbe haben zusammen mit den Gerb- und Bitterstoffen entzündungshemmende und entkrampfende Effekte. Diese Eigenschaften wirken sich besonders auf die Gebärmutter sowie auf die Rückenmuskulatur aus. Schafgarbe fördert eine zu geringe Menstruation und hemmt eine zu starke Blutung – auch da harmonisiert sie also Gegensätze. Selbst bei Myomen, welche die Blutungen verstärken, wirkt sie unterstützend und hemmend auf das Myomwachstum. Bei Juckreiz in der Scheide, aber auch während der Schwangerschaft kann die Heilpflanze ebenfalls angewendet werden. Oder wenn eine Neigung zu Krampfadern und Hämorrhoiden besteht. Zudem stärkt die enthaltene Kieselsäure die Harnblase, wenn diese zu Entzündungen neigt. Auch wirkt die Schafgarbe harntreibend und verdauungsfördernd. Dass die Schafgarbe direkt auf das Knochenmark einwirkt, ist nur wenig bekannt. Dort wirkt sie blutbildend und kann eine Hilfe sein bei Knochenmarksleiden und Knochenfrass. Besonders hervorzuheben ist die Fähigkeit der Schafgarbe, den Rückfluss des Blutes zum Herzen zu fördern. Dadurch wird der Kreislauf verbessert und venöse Beschwerden wie Krampfadern, dicke geschwollene Füsse, Durchblutungsstörungen des Herzens und arterielle Durchblutungsstörungen werden positiv beeinflusst.

Äusserlich wendet man einen Absud in Bädern oder als Wickel an, etwa bei Gicht, Rheuma, unreiner Haut, Hämorrhoiden, Ausfluss, Krampfadern, Blasenschwäche oder Schuppenflechte. Die Inhalation der Dämpfe – gemeinsam mit Kamille – ist bei Nabenhöhlenentzündungen angebracht.

Die Schafgarbe ist zudem eine hervorragende Küchenpflanze: Sie bereichert mit ihrem würzigen Geschmack zum Beispiel Kräutersalze, Hüttenkäse, Salate, Nudelteig, Gemüsegerichte, Kräuterbutter, Brotaufstriche oder Gewürzessig. Mmmmh! Dafür verwendet man die jungen, zarten Blätter und die Blüten: Einfach fein schneiden und in den Salat oder zum Gemüse dazugeben. Des Weiteren eignen sich die Blüten zum Aromatisieren von Getränken sowie zum Herstellen von Kräuterlimonade und Sirup.

 

Gut zu wissen

Tipps rund um die Schafgarbe


Sammelzeit
Die obersten 10 bis 15 cm des blühenden Krautes sammelt man von Juni bis Ende Oktober. Am besten während der Mittagshitze, weil dann der Gehalt an ätherischen Ölen am höchsten ist.

Standorte
In Wiesen, an Feld- und Waldrändern. Nasse Böden meidet die Schafgarbe.

Verwendete Pflanzenteile
Kraut und Blüten. Auch die zur Blütezeit gesammelten und getrockneten Triebspitzen der Pflanze kann man verwenden.

Konservieren
Blütenstände oder das ganze Kraut (ohne holzige Stängel) in Büscheln aufhängen und an einem schattigen Platz trocknen. In Stoffoder Papiersäcken oder Gläsern lagern.

Wickel
Wenn im Sommer die Venen überlastet sind und sich die Beine schwer, geschwollen und heiss anfühlen, hilft ein Schafgarbenwickel. Ebenso bei Unterleibskrämpfen und Krampfadern.

So wird es gemacht
2 EL Schafgarbenblüten (oder auch Blätter), 2 EL Steinkleekraut, ½ l Wasser. Die Kräuter mit dem kochenden Wasser übergiessen und zehn Minuten zugedeckt ziehen lassen. In ein Becken giessen und etwas auskühlen lassen. 1 l kaltes Wasser dazu giessen, ein Baumwolltuch in den Tee tauchen, auswringen und im Liegen satt um die Beine wickeln. Mindestens ½ Stunde einwirken lassen. Bei Bedarf erneuern.

 

 



* Steven Wolf
hat schon als Kind von seiner Grossmutter altes Pflanzenwissen gelernt und weiss um die Kraft der Natur mit all ihren sichtbaren und unsichtbaren Wesen. Er lebt in Escholzmatt, wo er zusammen mit seiner Partnerin ganzheitliche Pflanzenkurse für interessierte Menschen durchführt. Im Lochweidli steht dafür eine eigens gebaute Schuljurte. www.pflanzechreis.ch

 

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