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Liebe und Wut

Kategorie: Gesundheit

Text:  Leila Dregger

Es ist ein verbreiteter Aberglaube, dass Wut nicht zur Liebe gehöre; dass eine schöne Beziehung darin bestehe, sich gemeinsam wohlzufühlen. Die Liebe aber will mehr von uns. Die Liebe will, dass wir alles fühlen, was da ist – nicht nur das Angenehme. Also auch Schmerz, Angst oder Wut.

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Bisher versuchen die meisten tapfer, Wut und andere ungeliebte Gefühle aus ihrer Beziehung herauszuhalten. Nehmen wir den netten Kollegen im Büro: Jeder sieht es, er ist sauer auf seine Liebespartnerin. Aber während er alle anderen seinen Ärger spüren lässt, bleibt er bei ihr sanftmütig und seelenvoll. Hier ein Küsschen, da ein nettes Wort. Hauptsache Harmonie im Nest. Seine Wut – so bestätigt er auf Nachfragen – sei destruktiv, und das will er der geliebten Freundin nicht antun. Er liebt sie schliesslich. Oder?

Viele nehmen sich in einer Beziehung zurück, machen sich klein oder lassen sich mies behandeln – aus falsch verstandener Rücksicht oder aus Angst, den anderen zu verletzen oder zu verlieren.

Als in Mitleidenschaft gezogene Umwelt möchte ich an dieser Stelle ein Plädoyer für die Wut halten. Habt Mut zur Wut! Liebt sie! Und nutzt sie richtig. Denn Wut ist ein Potenzial. Ich meine damit nicht den Dauerärger, der einem den Tag vergällt und ein Magengeschwür beschert. Ich meine den sauberen und klaren Wutanfall – dort angebracht, wo er hingehört. Saubere Wut ist immer kurz – und reinigend wie ein Sommergewitter.

Wir sollten wissen: Wir können in Liebe wütend sein. Denn nichts und niemand kann uns so wütend machen wie der Mensch, den wir lieben. Niemand anderen lassen wir so nah an uns heran. Er oder sie berührt uns an Stellen, die wir sonst unberührbar gemacht haben. Und fast alle Menschen sind an diesen Stellen bereits einmal heftig verletzt worden – also besonders empfindlich. Der geliebte Mensch merkt davon oft gar nichts. Und er wird es auch nicht merken, wenn wir es ihm einfach nur sagen. Er muss es spüren, um zu begreifen, was er in uns auslöst. Und das tut er, wenn wir ihn daran teilhaben lassen. Dafür ist die Wut da.

Aber sagen wir nicht in der Wut Dinge, die uns hinterher leidtun? Schon. Aber zu diesen Dingen gehört eben auch unsere Wahrheit. Wir brauchen manchmal die gesteigerte Energie der Wut, um überhaupt herauszufinden, was wir wirklich denken und vom anderen brauchen. Jede Beziehung braucht diese Wahrheit, wenn sie bestehen möchte. Dazu aber eine Warnung: Kaum jemand kann sauber wütend werden. Es mischen sich altes Leid, Ärger auf Mama, Papa und alte Geliebte, Trotz gegen das Leben, falsche Ideologien und manches mehr hinein. Wenn wir diesen halbverrotteten Mistkübel über den Geliebten kippen, kapiert der gar nichts. Auch wenn wir uns noch so stark fühlen im Moment der Wut – wir haben kein Recht dazu, den anderen zu verletzen oder uns zu rächen.

Es geht also um deutliche Worte – nicht um Gemeinheiten. Und auch nicht darum, Recht zu haben. Mein Tipp: Sammle deine Wut. Lass sie abtropfen, sich klären und reifen. Dann wähle den richtigen Moment, vielleicht auch in Anwesenheit vertrauter Menschen; entscheide dich bewusst für deine Liebe zu dir selbst und der geliebten Person – und dann raus mit der Wut!

«Saubere Wut dauert kurz und ist reinigend wie ein Sommergewitter.»



Leila Dregger
ist Journalistin und Buchautorin (u.a. «Frau-Sein allein genügt nicht», Edition Zeitpunkt). Sie begeistert sich für gemeinschaftliche Lebensformen und lebt seit 16 Jahren in Tamera, Portugal, wo sie beim Verlag Meiga und der Globalen Liebesschule mitarbeitet.

Fotos: ZVG | GettyImages.com

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