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Baden für die Gesundheit

Kategorie: Gesundheit

Text:  Angela Bernetta

Winterzeit ist Badewannenzeit. Gleichwohl ziehen viele die schnelle Dusche vor. Wer sich allerdings auf ein Bad in der Wanne einlässt, fördert nicht nur das seelische Wohlbefinden, sondern auch die körperliche Gesundheit. Vorausgesetzt man verwendet die richtigen Badezusätze.

@ mauritius-images.com

« Ein Vollbad benötigt dreimal so viel Wasser und Energie wie eine Dusche. Allerdings gönnt man sich ein Vollbad weitaus seltener als die Dusche. »

Duschen macht wach und fit – und braucht relativ wenig Wasser und geht vor allem schnell. So schnell, dass man darob leicht die Mussestunden vergisst, die mit einer ausgiebigen und behutsamen Körperpflege einhergehen. Nicht wenige rennen deshalb in den Wellnesstempel, um diesen Mangel auszugleichen. Doch auch in den eigenen vier Wänden lässt sich wunderbar entspannen. Alles, was man dazu braucht, ist eine Badewanne, Ruhe und viel Zeit. 

Ein warmes Bad ist nicht nur Balsam für die Seele, wenn es draussen stürmt und schneit, sondern hilft auch gegen Stress, Verspannungen oder eine drohende Erkältung. Christian Jäger, Geschäftsführer Kneipp Schweiz, formuliert es folgendermassen: «Baden ist ein Ritual, das in unserer eng getakteten, schnelllebigen und digitalen Lebenswelt die Möglichkeit der Besinnung auf sich selbst bietet.» 

Damit man sich in der heimischen Wanne genussvoll im warmen Wasser räkeln kann, braucht es die nötige Musse, eine stimmige Atmosphäre und die passenden Pflegeprodukte. Aber Achtung: Zu heiss und/oder zu lange baden, kann der Haut schaden. Neben der Wassertemperatur und der Dauer (siehe Box) beeinflussen auch die Badezusätze den Effekt eines Bades. Einige wirken entspannend, andere anregend, verschiedene sind pflegend oder helfen gegen eine aufkommende Erkältung; nicht wenige verbreiten einen wohltuenden Duft. Stundenlange Basenbäder wiederum sollen bei der Entgiftung helfen. «Entgegen der landläufigen Meinung schadet tägliches Baden der normalen Haut nicht», sagt Jäger. Wer die richtigen Badezusätze verwende und seine Haut danach mit Pflegeprodukten verwöhne, sei auf der sicheren Seite.

Tipps für das ultimative Badeerlebnis 



Kurze und kühlere Bäder bis 35 Grad Celsius beleben. Ausserdem funktioniert bei 35 °C die sogenannte Badeosmose besonders gut (Entgiftung). 

Entspannungsbäder sollten zwischen 36 und 37°C warm sein. Wassertemperaturen ab 37°C sorgen für die nötige Bettschwere. 

Bei Bluthochdruck oder Kreislaufproblemen nicht wärmer als 36°C baden. 

Die ideale Badezeit liegt bei 15 bis 20 Minuten. Basische Bäder hingegen dauern mitunter mehrere Stunden. Denn die Badeosmose beginnt erst ab ca. 45 Minuten zu wirken. 

Kerzenlicht und leise Musik fördern ein entspannendes Ambiente. Bei langen Bädern verhindert eine gute Lektüre Langeweile. 

Beine beim Baden hochlagern. So fliesst das Blut besser zum Herzen zurück. 

Ein Erkältungsbad lindert die Symptome. 

Bei Fieber besser nicht Baden, da das den Kreislauf unnötig belastet! 

Bevor man aus der Wanne steigt, die Beine kalt abspülen. Das stärkt den Kreislauf. 

Nach dem Baden die Haut eincremen (nach einem Öl- oder Basenbad besser darauf verzichten) und eine halbe Stunde relaxen – oder gleich ab ins Bett.

Ätherische Öle richtig anwenden 
Ja nach Grösse der Badewanne braucht man für ein Vollbad etwa 150 Liter Wasser. Eine Fünf-Minuten-Dusche verbraucht maximal 50 Liter. Ein Vollbad benötigt also dreimal so viel Wasser und Energie wie eine Dusche. Allerdings gönnt man sich ein Vollbad weitaus seltener als die Dusche, unter die sich nicht wenige sogar morgens und abends stellen. 

Doch wie nachhaltig sind Badezusätze wie Badeöle, Badesalze, Schaum- oder Sprudelbäder? Und wann kann man welches Produkt anwenden? «Badezusätze dienen primär der Reinigung und Pflege der Haut», sagt Jäger. Nun reinigen Schaumbäder die Haut zwar gründlich, aber: «Wäscht man die Haut mit Seifenschaum, wird sie tendenziell stärker entfettet», sagt Mirjana Maiwald, Dermatologin am Hausärzte-Zentrum am Zürisee. «Wer zu trockener Haut neigt, dem ist das nicht zu empfehlen.» Gleichwohl bereitet ein Schaumbad mitunter viel Freude. Menschen mit normaler Haut müssen laut Maiwald nicht darauf verzichten, wenn sie die Haut danach gut pflegen. 

Idealerweise verwendet man indes Badeöle oder Badezusätze, welche die Haut bereits beim Baden nähren. «Sie verbinden sich mit der Fettschutzsicht der Haut und können diese so vor Feuchtigkeitsverlust schützen», erklärt Maiwald und fügt an: «Hierfür werden Mandel-, Rizinus-, Sojaoder Kokosöl verwendet. Diese rückfettenden Substanzen helfen auch Menschen, die an einer Neurodermitis leiden.» Christian Jäger ergänzt: «Unsere Ölbäder und Badesalze beinhalten pflanzliche Wirkstoffe wie ätherische Öle und haben einen regenerierenden, pflegenden oder stimulierenden Effekt.» Kneipp bietet als bewährte Klassiker Badezusätze gegen Stress (Rosmarinöl und Wasserminzeextrakt), gegen Erkältung (Eukalyptusöl), für einen gesunden Rücken (Teufelskrallenextrakt und Cajeputöl) sowie hautpflegende Produkte mit Mandelöl an. 

Dermatologin Maiwald gibt zu bedenken, dass ätherische Öle nach Möglichkeit nicht direkt auf der Haut angewendet werden: «Empfindliche Menschen könnten allergisch reagieren. Insbesondere wer an entzündlichen Hautkrankheiten leidet, sollte vorsichtig sein.» Jäger: «Damit unsere Badezusätze ihre spezielle Wirkung entfalten können, setzt das einen gewissen Anteil an pflanzlichen Inhaltsstoffen wie ätherischen Ölen voraus. Da wir die Inhaltsstoffe auf den Verpackungen deklarieren, kann der Konsument selbst entscheiden, welche Produkte er verwenden will und welche nicht.» Kneipp-Pflegeprodukte seien auf ihre Verträglichkeit hin dermatologisch getestet.

« Badesalze gelten als altbewährte Heilmittel gegen Hautkrankheiten. »

Basisch baden 
Badesalze gelten als altbewährte Heilmittel gegen Hautkrankheiten. Mirjana Maiwald bezweifelt allerdings, dass sich Salzverhältnisse, wie man sie in Thermalquellen oder im Meer vorfindet, in der Badewanne herstellen lassen. Sie sagt: «Von der gesunden Haut werden Badesalze gut vertragen.» Jedoch sei bei bestimmten Hautkrankheiten Vorsicht geboten: «Die Salze können die Haut reizen oder Entzündungen verschlimmern.» Gleichwohl können schwefelhaltige Badezusätze, Meeressalz oder Salz aus dem Toten Meer gegen Krankheiten wie Schuppenflechte (Psoriasis) helfen.

Gefragt: Christian Jäger*



 «Badekultur im Wandel» 

Christian Jäger, wie hat sich die Badekultur über die Zeit verändert?
 
Die Ursprünge der europäischen Badekultur liegen in der Antike, als öffentliche Thermen neben der Reinigung eine wichtige soziale Funktion hatten. Im Mittelalter wurde diese Tradition in Europa mit den vergleichsweise bescheiden dimensionierten Badehäusern wieder aufgenommen. Die Badekultur der Neuzeit ist eng mit der Entstehung von Kurorten mit Thermalquellen sowie Seebädern verbunden. Während der verschiedenen Epochen war die Bedeutung des Badens immer eng an die jeweils geltenden Hygienevorstellungen geknüpft. 

Wie badete man früher im Unterschied zu heute? 
Die meisten Menschen in Europa hatten erst ab dem 20. Jahrhundert eigene Badezimmer in den Wohnungen und Häusern. Mit wachsendem Wohlstand kamen Badewannen dazu. Früher hatte man mehr Zeit und badete deshalb ausgiebiger. Heute ist die Badewanne insbesondere in urbanen Gebieten der zeit- und platzsparenden Dusche gewichen. Im Zuge der Corona-Pandemie steigen die Menschen allerdings wieder häufiger in die Wanne. Viele gönnen sich so eine Auszeit im Home-Spa. 

Welche Badezusätze wurden früher gerne verwendet? 
Früher wuschen sich die Menschen eher mit Seife. Später reinigten sie sich in Schaumbädern, bevor Badeöle und Badesalze immer beliebter wurden. 

Wie kann man die Leute dazu bringen, wieder vermehrt in die Wanne zu steigen? 
Das muss man gar nicht. Das Badezimmer als Rückzugsort und Home-Spa ist gefragter denn je. Wie bereits erwähnt, hat sich dieses Bedürfnis nach Privatsphäre in den eigenen Wänden im Zuge der Pandemie noch verstärkt. Man denke da an den Corona-Lookdown im Frühling 2020, als Familien auf engem Raum zusammenleben mussten. Da boten sich Badezimmer und Badewanne als idealer Rückzugsort an, wo man sich entspannen konnte. 

* Christian Jäger ist Geschäftsführer von Kneipp Schweiz.

Im Gegensatz zu sauren Salzen wie Meersalz (NaCl) sind basische Salze wie Natron (NaHCO3) oder andere Hydrogencarbonate (z. B. KHCO3 oder NaHCO3) sowie Carbonate (z. B. MgCO3 oder CaCO3) sehr viel besser verträglich. In der Antike galten Basenbäder als eigentliche Jungbrunnen, in denen man viele Stunden verbrachte, was auch alle möglichen Leiden gelindert habe. Naheliegend ist das, ist die Haut doch das grösste Ausscheidungsorgan. Und die Ausscheidung über die Haut kann mit der sogenannten Badeosmose angeregt werden. Dabei werden Säuren (= Krankheitsfaktoren) aus dem Körper ausgeleitet. Bei regelmässiger Anwendung macht die Badeosmose die Gelenke geschmeidig, beruhigt die Haut und beugt, indem sie entgiftet, degenerativen und entzündlichen Gelenkerkrankungen wie Gicht, Arthrose und Arthritis vor. Ein Basenbad (bei ca. pH 7,7–8,5) dauert mindestens eineinhalb, besser zwei oder deutlich mehr Stunden. Nach rund 45 Minuten beginnt die Entgiftung über das Prinzip der Osmose; sie steigert sich, je länger man badet. Man sollte während des langen Bades genug stilles Wasser oder Tee trinken. Das Wasser sollte 37° Celsius nicht überschreiten; ideal sind 35° Celsius. Zwecks Entgiftung sollte man regelmässig ein bis zwei Basenbäder pro Woche nehmen. Und täglich basisch essen: möglichst wenig tierische Produkte und Getreide, dafür viel Obst und Gemüse. Wer Bluthochdruck oder Kreislaufprobleme hat, sollte auf lange Bäder verzichten oder zumindest vorgängig mit dem Arzt oder Heilpraktiker klären, ob diese für ihn ratsam sind.

« Mit Wasser aus einem reinen Becken habe ich mich gebadet, mit Soda lange mich gereinigt, mit gutem Öl mich schön gemacht. » Tontafel der «Sumerischen Beschwörungen», 3. Jahrtausend v. Chr.

Nach dem Basenbad sollte man auf Hautpflegeprodukte verzichten. Wer mag, kann das Baderitual aber abrunden, indem er sich abschliessend Zeit für die Körperpflege nimmt und den ganzen Körper cremt, ölt oder massiert. Da die Hautporen beim Baden geöffnet werden, ist die Haut nach dem Bad besonders empfänglich dafür. Umso wichtiger ist es, ein exquisites Körperöl ohne problematische Inhaltsstoffe zu verwenden. Ein solches schmeichelt nicht nur Haut und Nase, sondern verwöhnt auch Geist und Seele.

Kräuter und ihre Wirkung



Die Wirkung eines Kräuterbades ist so unterschiedlich, wie die der verwendeten Kräuter. Allerdings sind sie lediglich eine unterstützende Massnahme gegen Beschwerden, die vorab mit einem Arzt abgeklärt werden sollten. Nachstehend eine Auswahl an Kräutern und ihre Wirkung. 

Arnika hilft bei Muskelkater. 
Baldrian gegen nervöse Beschwerden, für einen gesunden und tiefen Schlaf. 
Kamille gegen Schnupfen, Hautunreinheiten und Hautausschläge. 
Lavendel wirkt beruhigend und schlaffördernd. 
Majoran hilft bei Erkältungen. 
Melisse zur Beruhigung und Entspannung. 
Pfefferminze erfrischt und belebt. 
Rosmarin wirkt anregend und belebend. 
Salbei bei Hautunreinheiten. 
Thymian gegen Husten und Schnupfen; wirkt schleimlösend.

Fotos: gettyimages.ch | mauritius-images.com | ZVG

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