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Oligotherapie

Kategorie: Gesundheit, Therapien

Text:  Lioba Schneemann

Die Oligotherapie ist eine Heilkunde, die sowohl der Prävention als auch der Heilung dient. Dabei werden kleinste Mengen von Spurenelementen verabreicht. Sie sollen dem Körper helfen, gestörte Stoffwechselfunktionen wieder zu normalisieren

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Sind wir krank, erkältet oder haben Schmerzen, besteht eine Disharmonie im Körper, ein Ungleichgewicht. Zur Gesundung braucht es oft mehrere sich ergänzende Massnahmen, um wieder in Harmonie zu kommen. Dabei ist Selbstverantwortung ebenso wichtig wie Kenntnisse über seinen Körper. Neben einer gesunden Lebensführung ist zur Unterstützung oder Stärkung der Abwehrkräfte die Gabe von Spurenelementen hilfreich. Essenzielle Spurenelemente sind chemische Elemente, die für ein Lebewesen nötig sind und in Massenanteilen von weniger als 50 mg/kg im Organismus vorkommen. Bei Konzentrationen von weniger als 1 µg/kg wird gelegentlich auch von Ultraspurenelementen gesprochen. Unser Körper braucht eine Vielzahl von ihnen, damit die biologischen Funktionen optimal ablaufen. Die Oligotherapie setzt hier an, wie schon der Name sagt: Oligos bedeutet auf Griechisch «in sehr kleiner Menge».

Wenig bewirkt viel
Mit der Nahrung und in der orthomolekularen Medizin – der Lehre von Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen – werden Vitamine und Mineralstoffe eher hoch dosiert verabreicht. Bei der Oligotherapie hingegen werden kleinste Mengen an Elementen zugeführt. Dies soll den Körper befähigen, wieder besser zu funktionieren.

Ein Spurenelement hat eine katalytische Funktion wie das Beispiel von Hämoglobin zeigt: Es ist für den Sauerstofftransport und den Abtransport von Kohlendioxid zuständig. Eisen ist dabei der Katalysator, der die Funktion des Hämoglobins ermöglicht. Bei Eisenmangel funktioniert die zelluläre Sauerstoffaufnahme weniger gut. Betroffene sind rasch aus dem Atem und oft erschöpft.

Alle Lebewesen brauchen diverse Elemente wie Wasserstoff, Kohlenstoff, Stickstoff, Sauerstoff, Phosphor, Schwefel, Kalium, Kalzium, Mangan, Eisen, Kupfer, Zink, Schwefel oder Selen. Mindestens neun Spurenelemente gelten als essenziell, das heisst für uns lebensnotwendig. Andere wie Silber, Gold oder Zinn sind wichtig, jedoch nicht lebensnotwendig. Viele Elemente braucht es nur in Spuren (Selen 0,1 mg/d), von anderen braucht es deutlich mehr (Magnesium 300 mg/d). Die Aufgaben der Spurenelemente sind vielfältig. Zink etwa reguliert das Hormon- und Nervensystem, unterstützt die Blutbildung, ist wichtig für ein starkes Immunsystem sowie für eine gesunde Haut und das Bindegewebe. Frauen brauchen in der Regel etwa 7 mg, Schwangere 30 mg und Männer rund 10 mg Zink pro Tag.

Mit speziellen Kombinationen kann die Oligotherapie bei diversen Leiden helfen. Kontraindikationen gibt es nicht. Der Therapeut muss jedoch über fundierte Kenntnisse über die Stoffwechselvorgänge im Körper verfügen, denn nur durch die richtige Diagnose und die richtige Auswahl des entsprechenden Elements, sowie die exakte Dosierung kann es zu einer positiven Reaktion kommen. Bei Infekten und zur Vorbeugung gegen Covid-19 empfiehlt Yvonne Weber von der in Nyon (VD) beheimateten Firma Bioligo, einem Pionier in Sachen Oligotherapie, folgende Spurenelemente: Kupfer, Gold, Silber, Mangan, Magnesium und Zink sowie zusätzlich Propolis.

In der Romandie verbreitet

Der Begründer der Oligotherapie, der französische Arzt Jacques Ménétrier, vertrat folgende Hypothese: «Eine Gesundheitsstörung entwickelt sich in kleinen Schritten, wobei zelluläre Prozesse zunehmend gestört werden. Ursache ist eine abnehmende Kompensationsfähigkeit durch gestörte enzymatische Prozesse. Die mangelnde Enzymaktivität findet ihre basale Ursache in einer unzureichenden biologischen Verfügbarkeit von Spurenelementen.»

Ménétrier entwickelte in den 1940er Jahren die Oligotherapie. Michel Deville von der Waadtländer Firma Bioligo entwickelte die klassische Oligotherapie, die mit einzelnen Spurenelementen arbeitete, weiter und kombinierte diese. Mit den Spurenelementkomplexen ist die Umsetzung der Therapie sehr viel einfacher. Oligotherapie ist in der Romandie und in Frankreich ähnlich bekannt wie im deutschsprachigen Raum die Homöopathie nach Hahnemann. Einige wenige Heilpraktiker, Ärzte und Apotheken in der Deutschschweiz bieten Oligotherapie an. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht.

Katalysatoren für Heilprozesse
Prinzipiell wären wir dank einer gesunden Ernährung mit Biolebensmitteln, die auf gesunden Böden wachsen und einem gesunden Lebensstil – wenig Stress, genug Schlaf, kein Suchtmittelkonsum, geringe Umweltbelastungen etc. – ausreichend mit allen Elementen versorgt. Dass dies meist nicht der Fall ist, liegt auf der Hand: Wer erfüllt schon alle Kriterien, und das ein Leben lang? Zumal die Umweltbelastungen weiter zunehmen und viele Kulturböden ausgelaugt sind. Schweizerinnen und Schweizer leiden gemäss einer Studie aus den 80er-Jahren an einem Mangel an Eisen, Jod, Selen und Zink. Die Situation hat sich kaum verbessert. Bedeutet das nun, dass wir Spurenelemente und Nahrungsergänzungsmittel nehmen sollten, um gesund zu bleiben?

«Der Bedarf an Nährstoffen wird durch Hunderte von Faktoren bestimmt, die in der personalisierten Ernährung mitberücksichtigt werden. Das sind unter anderem Alter, Ernährungstyp, Nahrungsmittelqualität, Schlaf, Verdauungstätigkeit und Schwermetalle», sagt Pia Sangiorgio, Vitalstofftherapeutin, Heilpraktikerin und Ernährungsfachfrau in Münchenbuchsee. Sie berät seit 30 Jahren Patienten; zudem bildet sie Fachleute in Oligotherapie aus. Eine sorgfältige Anamnese des Stoffwechselstatus sei die Grundlage für eine gezielte Supplementierung mit Nahrungsergänzungsmitteln, betont sie: «Nur mal so ein Supplement aufs Geratewohl schlucken, kann den Stoffwechsel aus der Balance bringen. Denn jeder Nährstoff steht in Wechselwirkung mit seinem Antagonisten, dem Gegenspieler, der die Wirkung des Agonisten hemmt. Mit Oligotherapie geschieht das nicht, da die Spurenelemente nur in kleinsten Mengen enthalten sind.»

Die Gabe von Spurenelementen kann unter anderem helfen bei Allergien, akuten und chronischen Infektionen, Entgiftungskuren, Erschöpfung, rheumatischen Erkrankungen, Gelenkbeschwerden, Zellstoffwechselproblemen und immunologischen Gesundheitsproblemen. Besonders gute Erfahrungen hat Pia Sangiorgio bei Arthrose und Osteoporose gemacht: «Oligoelemente zeigen starke Wirkung beim Wiederaufbau von Knorpel und Knochen. Knochenbrüche heilen schneller und Knorpel kann sich neu aufbauen. Auch bei allgemeinen Entzündungen, etwa von Gelenken, Sehnen, Darm- und Magenschleimhaut oder Zahnfleisch, setzte ich Spurenelemente als Komplexmittel ein.»

Fundierte Kenntnisse der Stoffwechselvorgänge sind eine wichtige Voraussetzung, um die Oligotherapie erfolgreich einzusetzen. Will man wissen, welche Elemente fehlen, bietet sich die Haaranalyse an. «Eine Haaranalyse ist dann sinnvoll, wenn man nicht weiss, wo man suchen soll. Aber auch wenn jemand erkrankt ist und nichts mehr weiterhilft, kann sie wertvolle Informationen liefern», sagt Helga Zahnd, die als TCM-Therapeutin in Bern tätig ist. Zahnd setzt Komplexmittel oft als Ergänzung zur Traditionellen Chinesischen Medizin ein: «Ich kombiniere Spurenelemente mit chinesischen Kräutern und Vitalpilzen. Die Information, die der Körper durch diese bekommt, wird mit den Spurenelementen schneller verarbeitet.»

Da die Spurenelemente bei der Oligotherapie in ionisierter Form, das heisst flüssig als geladene Teilchen (Ionen), oral verabreicht werden, kann der Körper sie rasch aufnehmen. Ansonsten, etwa beim Essen, durchlaufen Spurenelemente wie Vitamine und Mineralien erst den Verdauungstrakt und assimilieren so deutlich langsamer. Durch die Ionisierung kann man ausserdem mit deutlich schwächeren Dosen eine höhere Effizienz erreichen. Dies weil die Spurenelemente schon in der Mund- und Rachenschleimhaut direkt in die Blutbahn und in die Zellen gelangen.

Lebensnotwendige Spurenelementen



Gemäss der Ernährungsgesellschaften Deutschland-Österreich-Schweiz (D-A-CH) sind essentielle Spurenelemente und gute Quellen dafür:

Chrom (Cr)
Fleisch, Vollkornprodukte, Pflanzenöle, Bier.

Eisen (Fe)
Leber, Eigelb, Pfifferlinge, Sauerkraut, Linsen. Eisen aus pflanzlicher Nahrung wird besser resorbiert, durch die gleichzeitige Aufnahme von Ascorbinsäure (Vitamin C).

Fluor (F)
In Form von Fluoriden (Salze der Flusssäure) in Knäckebrot, Sojabohnen, Walnüssen, Hering, Schweineleber. Fluoridierte Salze und Zahnpasta sollte man eher meiden.

Iod (I)
Fisch, Krustentiere, Algen.

Kupfer (Cu)
Vollgetreide, Nüsse, Kakao, Innereien von Wiederkäuern.

Mangan (Mn)
Schwarztee, Nüsse, Vollgetreide, grünes Blattgemüse.

Molybdän (Mo)
Allgegenwärtig (ubiquitär).

Selen (Se)
Eier, Fleisch.

Zink (Zn)
Käse, Innereien, Muskelfleisch, Schalentiere.

Zudem wird davon ausgegangen, dass Kobalt (Fleisch, Milchprodukte) und Nickel (Rinderleber, Wirsing, Sojabohnen) auch wesentliche Funktionen in unserem Stoffwechsel haben und somit zu den Spurenelementen gezählt werden müssten. Andere Quellen zählen auch Silicium (Hirse, Erdnüsse, Bier) zu den essentiellen Spurenelementen.

 

Gefragt: Helga Zahnd*
«Auch zum Entgiften sehr hilfreich»


Frau Zahnd, wie finden Sie heraus, welche Spurenelemente Ihren Klienten fehlen?
Eine Haaranalyse gibt Informationen für individuelle Mischungen. Meist reicht jedoch eine Anamnese mit einer genauen Befragung zur Krankengeschichte, Medikamenteneinnahme, Ernährung und Lebensweise. Manchmal ergänze ich diese mit Laborwerten vom Arzt, z. B. den Blutwerten.

Wann setzen Sie die Oligotherapie ergänzend zur TCM ein?
Komplexmittel setze ich am häufigsten bei Entzündungen und Infekten ein. Und sehr oft auch bei Kindern und Jugendlichen nach wiederholter Gabe von Antibiotika, wenn diese nicht mehr gut wirken, aber auch anstelle von Cortison. Bei Blutarmut und zum Entgiften des Körpers ist die Oligotherapie ebenfalls sehr hilfreich.

Wie lange dauert eine Behandlung?
Das ist sehr unterschiedlich und abhängig von der Konstitution eines Menschen. Normalerweise rechnet man mit einer Behandlungsdauer von zwei bis vier Monaten. Eine Halsentzündung kann zwar schon nach zwei Wochen weg sein. Trotzdem ist es ratsam, die Spurenelemente für mindestens sechs Wochen zu nehmen, um langfristig gesund zu bleiben. 



Helga Zahnd
ist TCM-Therapeutin mit Schwerpunkt Herbalistik/Kräutermedizin sowie Mykotherapie. In ihren Praxen in Bern und Thun setzt sie die Oligotherapie ergänzend zur TCM ein.

Fotos: mauritius-images.com |  ZVG

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