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Depressionen

Kategorie: Gesundheit

Text:  Peter Luginbühl

Die Depression ist hierzulande die häufigste psychische Erkrankung. Je früher sie diagnostiziert und behandelt wird, desto kürzer ist der Leidensweg.

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Etwa jeder fünfte Mensch erkrankt im Laufe seines Lebens an einer Depression. In der Schweiz ist sie die häufigste psychische Erkrankung. Gefühle von Niedergeschlagenheit oder Traurigkeit gehören zum Menschsein. Doch ab wann handelt es sich um eine ernstzunehmende Erkrankung? Eine klare Abgrenzung ist wichtig, um relevante Symptome einer Depression früh genug zu erkennen und den Leidensweg mit professioneller Hilfe zu verkürzen. Denn Betroffene entschliessen sich oft erst für eine Psychotherapie, wenn sich bei ihnen bereits ein beträchtlicher Leidensdruck aufgestaut hat. Wer hingegen frühzeitig eine Depression erkennt und behandelt, kann negativ wirkende Verhaltensmuster leichter verändern.

Von der Verstimmung zur Depression
Wer belastenden Ereignissen ausgesetzt ist, entwickelt oft eine Verstimmung. Das kann nach einer Trennung sein, nach einer längeren Krankheit oder bei Belastungen am Arbeitsplatz oder anhaltendem Stress durch die Pandemie. Eine Verstimmung ist da gewöhnlich und in der Regel dauert sie nur relativ kurz; meist sind auch nur einzelne Lebensbereiche negativ betroffen, während in anderen weiterhin Zuversicht und Freude erlebt wird. Auch die Kontaktfähigkeit zu anderen Menschen sowie die generelle Leistungsfähigkeit sind meist wenig beeinträchtigt.

Kann ein belastender Zustand jedoch über einen längeren Zeitraum nicht ausgeglichen werden, entwickelt sich nach und nach eine depressive Symptomatik. Diese zeigt ein ganz anderes Bild als die Verstimmung. Bei einer Depression ist es in etwa so, als würde der Betroffene durch einen prächtigen Garten spazieren. Mit wunderschönen Paradiesvögeln und fantastischen Pflanzen. Die Betroffenen können aber nur das Unkraut im Garten wahrnehmen. Sie machen dies nicht absichtlich, sondern es passiert, weil ihr gesamtes Wahrnehmungsspektrum, ihr Selbstvertrauen und ihr Selbstwert stark beeinträchtigt sind. Verständlicherweise ist das Leben so nur noch unter grosser Anstrengung zu bewältigen. Und je länger das Leiden andauert, desto mehr fühlen sich Betroffene in einem destruktiven Teufelskreis gefangen.

Diagnose einer Depression
Für die fachliche Diagnosestellung einer Depression müssen verschiedene Symptome in Kombination vorhanden sein, die mindestens über zwei Wochen lang auftreten. Zu den häufigsten Symptomen zählen Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Müdigkeit, Grübeln, Appetitlosigkeit, Schlafstörungen sowie Mangel oder Verlust von sexuellem Interesse. Es können Gefühle von Ratlosigkeit, Reizbarkeit, Schuld, Angst, Hoffnungslosigkeit, Wertlosigkeit bis hin zu Suizidgedanken auftreten. Anhand des Schweregrades wird zwischen leichten, mittleren und schweren Depressionen unterschieden. Da Menschen ganzheitliche Wesen sind, wirkt sich eine Depression auch auf den Körper aus.

In ihrem Verhalten neigen depressive Menschen dazu, sich zurückzuziehen. Daher wird der Kontakt zu ihrem sozialen Netzwerk oft stark beeinträchtigt. Sie sind oft in ihrem Denken verlangsamt und haben Mühe, Entscheidungen zu treffen. Oft erleben sie eine grosse Angst, etwas Falsches zu machen, wodurch sie im Alltagsleben stark gehemmt sind.

So kann die Psychotherapie helfen
In einer Psychotherapie geht es zu Beginn darum, eine depressive Erkrankung zu erkennen, anzunehmen und zu verstehen. Hilfreiche Verhaltensweisen sowie positive Ressourcen werden im Verlauf der Behandlung wieder aktiviert. Damit schafft der Betroffene nach und nach eine gesunde Beziehung zu sich selbst und zu seiner Umwelt. Ziel ist unter anderem, den schönen Dingen im Leben wieder Beachtung zu schenken.

Wichtig zu verstehen ist, dass eine Therapie bei mittelgradiger und schwerer Depression ein langwieriger Prozess ist. Zusätzlich kann eine medikamentöse Therapie nötig werden. Die Fortführung einer Psychotherapie nach einer Depression senkt das Rückfallrisiko.

Patientenfrage an: Peter Luginbühl*



«Pflegen Sie Ihre Hobbys – und holen Sie sich rechtzeitig Hilfe»

Ich leide immer wieder unter depressiven Verstimmungen, vor allem im Winter. Welche Strategien empfehlen Sie mir als Psychotherapeut?
Tabea Weiden (28)

Liebe Frau Weiden
Aus Erfahrung kann ich Ihnen dazu raten, trotz der Verstimmung Ihren gewohnten Aktivitäten und Hobbys nachzugehen. Achten Sie darüber hinaus auf ausreichend körperliche Bewegung an der frischen Luft und genügend Tageslicht, gerade auch im Winter. Pflegen Sie Ihre sozialen Kontakte und ernähren Sie sich gesund und ausgeglichen. Lebensmittel wie Gemüse, Obst, Nüsse und Hülsenfrüchte enthalten Folsäure, Omega-3-Fettsäuren und einfach ungesättigte Fettsäuren, die sich günstig auf das Gleichgewicht der Hirnbotenstoffe auswirken.

Schaffen Sie sich auch immer wieder Raum, in dem Sie sich entspannen und erholen können. Und suchen Sie professionelle Hilfe auf, wenn Sie merken, dass Sie aus eigener Kraft nicht mehr aus der Verstimmung entkommen. Eine Depression ist mit psychotherapeutischen Ansätzen, vor allem in frühen Stadien, gut behandelbar.

* Peter Luginbühl ist eidg. Anerkannter Psychotherapeut mit Praxis in Zürich. In seiner langjährigen Arbeit hat er immer wieder erlebt, dass hinter einer Depression oder einer Krise ein Grund verborgen liegt. Ganz nach dem Verständnis «die Seele macht nichts umsonst», sieht er immer auch eine Chance in der Krise, um etwas Neues in die Persönlichkeit zu integrieren. Mehr unter www.temenos.earth

Fotos: zvg | iStock.com

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