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Mundhygiene

Kategorie: Gesundheit

Text:  Stella Cornelius Koch

Eine sorgfältige Mundhygiene kommt nicht nur Zähnen und Zahnfleisch zugute. Sie wirkt sich auch positiv auf den gesamten Körper aus. Naturheilkundliche Massnahmen können dabei helfen.

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Die Mundhöhle ist, nebst der Scheide, wohl das komplexeste Biotop des menschlichen Körpers und ein wahres Schlaraffenland für Mikroben. Normalerweise halten sich nützliche und schädliche Mikroben gegenseitig in Schach. Doch eine zuckerreiche Ernährung, Stress, Rauchen, Alkoholkonsum, ein geschwächtes Immunsystem, die Einnahme von Medikamenten wie Antibiotika, Kortison oder Immunsuppressiva sowie Krankheiten wie Diabetes oder Krebs können das empfindliche Gleichgewicht der Mikroorganismen im Mund stören.

Die Folge: Der leicht basische pH-Wert des Speichels verschiebt sich in Richtung sauer. Davon profitieren Erreger, die der Mundgesundheit schaden. Werden diese nicht regelmässig entfernt, vermehren sie sich rasant und bilden mit Bestandteilen aus dem Speichel einen rauen, klebrigen Belag (Plaque) auf den Zähnen. Erhalten die darin enthaltenen Kariesbakterien weiterhin «Futter» in Form von Kohlenhydraten wie Stärke oder Zucker, entsteht Säure, die den Zahnschmelz angreift. Bildet sich im Spalt zwischen Zähnen und Zahnfleisch Plaque, können die Bakterien eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis) auslösen. Bleibt diese unbehandelt, dringen die Erreger immer tiefer in das Zahnfleisch ein und führen zu einer Entzündung des Zahnhalteapparates (Parodontitis) mit Zahnfleischrückgang und Knochenschwund. Auch Umwelttoxine, die das Immunsystem schädigen, können Parodontitis verursachen. Im schlimmsten Fall kommt es zum Zahnausfall. Doch Zahn- und Zahnfleischerkrankungen müssen nicht sein – in der Regel sind sie nur eine Folge mangelnder Mundhygiene.

Chronische Entzündungen
Bleiben Karies und Parodontitis über einen längeren Zeitraum unbehandelt, breiten sich die Bakterien unter Umständen im ganzen Organismus aus. «Bakterien aus entzündlichen Parodontaltaschen können sich über das Blut fast überall im Körper verbreiten und an vorbelasteten Stellen, zum Beispiel den Herzklappen, zu Entzündungen führen», erklärt Urs Weilenmann, Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Ganzheitliche Zahnmedizin.

Hinweise auf diese Tatsache lieferte eine Studie der japanischen Hiroshima-Universität. Hierfür hatten die Forscher 682 Personen nach ihrem Zahnputzverhalten befragt: Diejenigen, die ihre Zähne weniger als zweimal täglich zwei Minuten lang putzten, hatten ein dreifach höheres Risiko, an einem Herzinfarkt, an Herzversagen oder an einem Schlaganfall zu sterben als Probanden mit einer besseren Mundhygiene. Neben Herzerkrankungen und Schlaganfall stehen wohl auch Rheuma, Diabetes, Demenz, Unfruchtbarkeit und Nierenkrankheiten im Zusammenhang mit Keimen aus dem Mundraum.

Der eindeutige Beweis dafür, dass allein längeres Zähneputzen das Erkrankungsrisiko verringert, steht zwar noch aus – so ist es auch möglich, dass Menschen mit einer gründlichen Mundhygiene ohnehin gesundheitsbewusster leben –, unbestritten ist jedoch, dass sich eine sorgfältige Mundhygiene positiv auf die Zahngesundheit und den gesamten Organismus auswirkt. Folgende naturheilkundlichen Massnahmen können dabei helfen.

Kussmund – Schlaraffenland für Mikroben



Auf und im Menschen
leben Myriaden winzigster Lebewesen: Auf jede unserer 100 Billionen Zellen kommen zehn Fremdlinge wie Bakterien, Milben, Amöben, Pilze.

Die Mundhöhle – obschon der Speichel antibakterielle Substanzen enthält – ist eines der komplexesten Biotope des Körpers und ein wahres Schlaraffenland für Mikroben. Dank Feuchtigkeit und reich gedeckter Zunge und Zahnzwischenräume schwadern in jedem Milliliter Speichel Hunderttausende Amöben, Geisseltierchen, Hefen und bis zu einer Milliarde Bakterien. Im Vergleich dazu ist unser grösstes Organ, die Haut, geradezu bevölkerungsarm – obwohl auf den bis zu zwei Quadratmetern etwa so viele Bakterien und Pilze leben wie Menschen auf der Erde.

Die Hautflora wehrt schädliche Mikroorganismen ab und schützt uns so vor Krankheiten. Andere Mikroorganismen unterstützen uns bei der Verdauung, stellen dem Körper Vitamine und Spurenelemente zur Verfügung, trainieren das Immunsystem, manipulieren unsere Psyche und prägen über spezifische Körperdüfte unser Sozial- und Sexualverhalten.

Apropos
: Zur Zeit Goethes galten stark verlauste Herren als besonders potent – angeblich würden die Läuse schlechte Säfte absaugen. krea

Natürliche Mundwässer
Herkömmliche antibakterielle Mundwässer können bei akuten Entzündungen kurzfristig sinnvoll sein. Langfristig stören sie jedoch die gesunde Mundflora, weil sie auch die nützlichen Bakterien abtöten. Milder wirken Kräutertinkturen aus Myrrhe, Salbei oder Kamille. Ein natürliches Mundwasser können Sie auch ganz einfach selbst herstellen: 1 TL Natron und 20 g Xylit (Birkenzucker, wirkt karieshemmend) in eine Glasflasche füllen, mit 250 ml lauwarmem Wasser auffüllen, 5 Tropfen ätherisches Minzöl dazugeben und kräftig schütteln. Spülung nach dem Zähneputzen verwenden.

Teespülungen
Untersuchungen zeigen, dass einfache Mundspülungen mit Grüntee genauso wirksam vor Zahnbelag und Zahnfleischentzündung schützen wie Chlorhexidin. Blutwurz-, Eichenrinde- und Salbeitee wiederum können durch ihren Gerbstoffgehalt Zahnfleischentzündungen lindern. Auch Kamillentee wirkt beruhigend und entzündungshemmend. Alternative: Ein Wattestäbchen in Wasser tauchen, 1–2 Tropfen ätherisches Nelkenöl draufträufeln und den betroffenen Zahn und das Zahnfleisch damit bestreichen.

Gewürzsamenmischung
Das Kauen von Gewürzsamen wirkt gegen Mundgeruch und unterstützt gleichzeitig die Verdauung. Folgende Gewürzmischung hat sich bewährt: 2 Teile Anisfrüchte, 2 Teile Fenchelfrüchte, 1 Teil Kümmelfrüchte und 1 Teil Korianderfrüchte mischen und in eine kleine Dose füllen. Ein paar Samen zwischendurch oder nach den Mahlzeiten kauen.

Aloe-vera-Gel
In der traditionellen Medizin wird die Echte Aloe (Aloe vera) unter anderem bei Wunden und Hautkrankheiten verwendet. Mehrere Studien belegen aber auch die Wirksamkeit bei Parodontose und Parodontitis sowie der Gesunderhaltung von Zähnen und Zahnfleisch. Auch bei kleinen Schleimhautentzündungen im Mundbereich (Aphten) ist Aloe vera einen Versuch wert. Hierzu etwas Gel 3-4-mal täglich auf die betroffenen Stellen geben.

Ölziehen
Der Körper scheidet über Haut, Haare und Schleimhäute Giftstoffe aus. Ölziehen mit Kokos-, Sesamoder Sonnenblumenöl kann helfen, Toxine an der Oberfläche zu entfernen. Daher ist das Ölziehen nicht nur gut für Zähne und Zahnfleisch, sondern auch für die Gesundheit des ganzen Körpers. Hierzu am besten morgens auf nüchternen Magen ca. 1 EL Öl etwa zehn Minuten lang im Mund bewegen und durch die Zähne ziehen; anschliessend ausspucken und im Müll entsorgen. Tipp: Auf gute Bio-Qualität des verwendeten Öls achten. Trotz positiver Effekte des Ölziehens auf regelmässiges Zähneputzen nicht verzichten!

Zungenreinigung
Die Zunge bietet mit ihrer rauen Oberfläche den idealen Tummelplatz für Bakterien. Entfernen kann man die Beläge mit speziellen Zungenbürsten oder -schabern. Ayurveda-Experten empfehlen bogenförmige Zungenschaber aus Kupfer oder Edelstahl. Morgens nach dem Aufstehen die Mundhöhle kurz mit warmem Wasser ausspülen, um sie zu befeuchten. Dann den Belag drei- bis viermal von hinten nach vorne vorsichtig mit leichtem Druck abschaben. Die Reinigung der Zunge kann gegen Mundgeruch helfen und das Geschmacksempfinden verbessern.

Homöopathika
Der Einsatz homöopathischer Mittel orientiert sich an den individuellen Symptomen. Einige Mittel haben sich jedoch bei Zahn- und Mundproblemen besonders bewährt: Bei akuten Entzündungen mit klopfenden Schmerzen hilft Belladonna. Hepar sulfuris ist angezeigt bei eitrigen, entzündlichen Prozessen. Bei einer Zahnwurzelentzündung infolge von Karies ist Magnesium phosphoricum einen Versuch wert. Okoubaka eignet sich zur Entgiftung des Organismus, zum Beispiel zur unterstützenden Quecksilberausleitung.

Ernährung
Wichtig ist eine möglichst zuckerarme gesunde Ernährung. Zum einen entzieht sie kariesfördernden Bakterien den Nährboden; zum anderen begünstigen Süssigkeiten, Fast Food und Fertigprodukte eine Übersäuerung des Körpers. Äpfel, Karotten und Co. liefern neben reichlich Vitaminen und Ballaststoffen wichtige Mineralstoffe für den Zahnschmelz, massieren beim gründlichen Kauen das Zahnfleisch und regen den Speichelfluss an. Nicht zuletzt unterstützt eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr mit viel Wasser und ungesüssten Kräutertees den Speichel in seiner Spülfunktion.

Selbstgemachte Zahnpasta ohne Fluorid

2 bis 3 EL Kokosöl
1 EL Heilerde
1 EL Xylolith (optional)
1/2 TL Natron
2 bis 3 Tropfen Teebaumöl oder
5 bis 10 Tropfen Pfefferminzöl
1 Prise Zimt (optional)

Alles gut mischen und in einen Tiegel oder in ein anderes geeignetes Gefäss füllen. Nicht die Zahnbürste reintunken, sondern die Zahnpasta immer nur mit einem sauberen Löffel entnehmen. Das verlängert die Haltbarkeit deutlich. Die selbstgemachte Zahnpasta ist nicht nur gesund, sondern vermindert auch Abfall.

Tipps für die tägliche Mundhygiene

Die Schweizerische Zahnärzte-Gesellschaft empfiehlt, die Zähne mindestens zweimal, besser dreimal täglich für mindestens zwei Minuten zu putzen. Wer über Mittag keine Möglichkeit zum Zähneputzen hat, kann auf eine Spüllösung oder auf zahnschonende Kaugummis ausweichen.

Am besten eignet sich eine weiche Zahnbürste. Eine harte reinigt nicht besser, kann aber das Zahnfleisch verletzen.

● Elektrische Zahnbürsten reinigen etwas besser als Handzahnbürsten, wobei man auch mit Letzteren eine gute Putzleistung erreichen kann. Bei allen Zahnbürsten gilt: Sobald sich die Borsten nach außen biegen, sollte man sie erneuern – spätestens jedoch nach drei Monaten.

● Fluoride in der Zahnpasta bieten zwar einen gewissen Schutz vor Karies, weil sie die Remineralisierungszeit verkürzen. Man kann aber gut auf fluoridfreie Produkte ausweichen, sie wirken ebenfalls. Vorsicht vor zu hohen Fluorkonzentrationen (vor allem bei Kindern)! Sie können wahrscheinlich die Darmflora negativ beeinträchtigen.

● Man kann die Zähne statt mit Zahnpasta auch mit dem Birkenzucker Xylitol, mit Natron oder Heilerde putzen. Xylitol verhindert Karies. Natron wirkt basisch, was gut für die Mundflora ist. Die antiseptische Heilerde kann Krankheitserreger abtöten und schädliche Bakterien oder Pilze sowie Ablagerungen schonend entfernen.

● Verwenden Sie für die Zahnzwischenräume täglich Zahnseide. Interdentalbürsten sind empfehlenswert, wenn sich das Zahnfleisch schon ein wenig zurückgezogen hat und die Zahnzwischenräume etwas grösser geworden sind. Praktisch für unterwegs sind spezielle Zahnhölzer.

● Zähne und Zahnfleisch ein- bis zweimal im Jahr kontrollieren lassen. Sinnvoll ist zusätzlich eine jährliche professionelle Zahnreinigung, um hartnäckige Beläge restlos zu entfernen.

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