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Meridiantherapien

Kategorie: Gesundheit, Therapien

Text:  Lioba Schneemann

Auch in der Komplementärtherapie verbindet sich altes Wissen mit neuen Erkenntnissen. Beispielhaft zeigen das die Akupressur-Massage nach Radloff und die LBQi-Akupressur-Therapie.

@ iStock.com

«In jeder Kultur und in jeder medizinischen Tradition vor uns erzielte man Heilung, indem man die Energie in Bewegung brachte.»

Mit diesem einfachen Satz erklärt der Nobelpreisträger Albert Szent-Györkyi eine Grundlage des Wissens über die Gesundheit, die auch von der Schulmedizin mehr und mehr anerkannt wird. Das Wissen um die Bedeutung feinstofflicher Energien für unsere Gesundheit und Heilung sowie deren enge Beziehungen zu unseren seelisch-geistigen und mental-emotionalen Dimensionen ist uralt. Konzepte von Energiekörpern gibt es in den meisten Kulturen bis heute: der Atem des Lebens, Äther oder Odem, die Chakrenlehre, das Qi oder Prana, die Lebenskraft «Od» des Chemikers Carl von Reichenbach, die «Orgonenergie» von Wilhelm Reich oder die Vitaleenergie der heutigen Gesundheitswissenschaften. Es scheint da eine Lebenskraft aus der Atmosphäre zu geben, die der Mensch anzapfen und für sich nutzen kann.

Viele Therapien beeinflussen gezielt den Energiefluss des Menschen. Die Akupunktur etwa. Sie zählt neben Arzneimitteltherapie, Massagetechniken, Bewegung und Diätetik zu den fünf Säulen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Gemäss TCM fliessen Energien in Meridianen (Leitbahnen) durch den Körper, wodurch alle lebenswichtigen Funktionen gesteuert werden. Fliesst die Energie normal, ist der Organismus gesund. Krankheit hingegen ist die Manifestation von Störungen im Energiefluss. Wobei Blockaden dazu führen, dass in verschiedenen Körperregionen oder Organsystemen ein Zuviel oder ein Mangel an Energie herrscht. Ein Beispiel: Ein Mangel (Leere) oder Zuviel (Fülle) an Energie im Blasenmeridian, der das Gebiet des Rückens versorgt, führt zu einer Störung im Rücken, was sich in Rückenschmerzen äussern kann.

Lehre vom Gleichgewicht
Bei der Akupunktur werden mit einer Nadel bestimmte Körperpunkte gereizt und damit Organe respektive Meridiane angeregt. Eine Sonderform der Akupunktur sind Akupunktur-Massagen (APM), wie die APM nach Penzel und die APM nach Radloff, die östliches mit westlichem Denken in Bezug auf Diagnostik und Therapie verbinden. Im Unterschied zur Akupunktur werden bei der APM nach Radloff sowohl Meridiane als auch Akupunkturpunkte gereizt, allerdings ohne dafür Nadeln zu benutzen. Die Reizung erfolgt mit einem Stäbchen. «Durch die Behandlung der Meridiane versucht man die energetischen Flussbedingungen zu verbessern, sodass der Schalter, sprich die Akupunkturpunkte wieder optimal ihre Steuerfunktion erfüllen können. Darum werden zu Beginn einer Behandlung ganze Meridiane oder Meridianabschnitte, aber auch Gelenke, Narben sowie muskuläre Dysbalancen und das Bindegewebe behandelt», erläutert Peter Jeker vom Lehrinstitut APM nach Radloff im solothurnischen Schönenwerd. «In einer zweiten Behandlungsphase werden organische Störungen eruiert und energetisch behandelt. In einer dritten Phase schliesslich werden emotionale Themen des Klienten durch vertiefte Punkt-, aber auch durch Organbehandlungen beeinflusst.»

Leitbahnen | Es gibt zwölf Hauptmeridiane. Auf den Meridianen liegen die Akupunkturpunkte, die bei Akupunktur mit Nadeln, bei Akupressur mit Fingerdruck behandelt werden.

Die Methode unterscheide sich wesentlich von den «Richtungen» innerhalb der Akupunktur, die nach Punktrezepten arbeite, betont Jeker: «Die APM geht nicht schematisch vor. Vielmehr geht es um eine Auseinandersetzung mit dem individuellen energetischen Zustand jedes einzelnen Klienten aufgrund der Lehre vom Gleichgewicht.» Wichtig bei der Diagnose sei insbesondere die Ohr-Reflexzonen-Kontrolle nach Radloff; aber auch verschiedenste körperliche Anzeichen lieferten wichtige Informationen. Im Gegensatz dazu würde die TCM Symptome beobachten und mithilfe der Zungen- und Pulsdiagnose zu Syndromen zusammenfassen. 

Ein Ohr für die Organe
Diese spezielle Form der Meridiantherapie hat der deutsche Physiotherapeut Klaus Radloff in den 70erJahren des letzten Jahrhunderts entwickelt, und zwar basierend auf der APM nach Penzel. «Zentral ist die Befunderhebung mittels der ORK, der Ohr-Reflexzonen-Kontrolle», verdeutlicht Jeker erneut. «Neben Aussagen zu den einzelnen Meridianen können damit Aussagen hinsichtlich der energetischen Zustände einzelner Meridiane und Organe gemacht werden, ebenso hinsichtlich der Stellung und Artikulationsfähigkeit von Becken-, Wirbel- und Körpergelenken.» Ausserdem könne mit der ORK der Ausgleich von energetischen Fülle- und Leerzuständen der Meridiane erreicht werden, so Jeke: «Man führt gezielt Energie in Bereiche zu und tonisiert diese. Oder aber man zieht Energie aus energetisch überversorgten Abschnitten ab.»

Peter Jeker erklärt die Methodik an einem Beispiel, bei dem er ein Schleudertrauma behandelt hat. «Durch die bei einem Auffahrunfall entstehende Bewegungsenergie wird im Nacken sehr viel Energie gespeichert. Es entsteht eine energetische Fülle.» Darum könne in so einem Fall eine anregende Massnahme wie Massage, Nadeln, Wärmecremes oder ähnliches keine positive Wirkung haben. Mit der Behandlung müsse vielmehr der energetische Füllezustand abgeleitet bzw. verlagert werden. Zusätzlich würden verschobene Wirbel wieder an ihren Platz reponiert. Aus diesem Grund sei die Behandlung der Becken- und Wirbelgelenke sowie der Extremitätengelenke ein wichtiger Anteil der Methode Radloff, so Jeker: «Denn alle Gelenke können auf der energetischen Ebene den Energiefluss unterbrechen. Und auf der strukturellen Ebene können Nervenbahnen irritiert werden, was wiederum Auswirkungen in Form von muskulären Schmerzen oder Störungen eines Organs haben kann.»

Meridiantherapien

Krankheiten sind laut TCM und anderen komplementärmedizinischen Lehren Störungen des Energieflusses in den Meridianen. Es gibt eine Reihe von Therapien, die die Energie wieder zum Fliessen bringen. Eine Auswahl:

Akupunktur
Stechen der Akupunkturpunkte mit einer Nadel.

Akupressur
Akupunkturpunkte drücken.

Fa Zhen («heisse» Nadel)
Erwärmen und drücken.

Schröpfen
Saugen und evtl. bluten lassen.

Akupunkturmassage nach Radloff
Streichen der Meridiane mittels eines Metallstabes.

Akupunktmassage nach Penzel
Stimulierung gewisser Akupunkturpunkte ohne Nadeln und Streichen der Meridiane.

Tuina
Reiben und Massieren.

Klopfakupressurtechniken
Klopfen oder Pochen verwenden diese Methoden: Elektroakupunktur, Laserakupunktur, Magnet-Akupunktur.

Shiatsu
Sanfter, tiefwirkender Druck entlang der Meridiane mit Daumen, Händen, Ellbogen und Knien.

Shiraku
(japanischer Aderlass)
Bluten lassen.

Farbmeridiantherapie
nach Christel Heidemann und Farbpunktur nach Peter Mandel.

Weitere Methoden sind u. a. Japanisches Heilströmen, Meridianströmen, Yin Yoga und Stimmgabeltherapie.

Therapeuten findet man über die jeweiligen Berufsverbände. Die meisten der oben genannten Methoden werden über die Zusatzversicherung rückvergütet.

Genesungskompetenz stärken
Noch älter als die Akupunktur ist die Akupressur; die Methode ist wohl schon seit mehr als 5000 Jahren bekannt. Und auch hierbei gibt es neue Methoden.

Eine davon ist die LBQi-Akupressur-Therapie (Lightbody-Qi, chinesisch Jin Shen Shu-Qi), welche die Baslerin Shola Maoba Steinitz entwickelt hat und lehrt. Steinitz wurde von einem Shaolin-Mönch und -Arzt ausgebildet, der sein Wissen von seinen Vorfahren erhielt – Wissen, das einst dem chinesischen Kaiser und dessen Familie vorenthalten war.

Wie alle komplementätherapeutischen und -medizinischen Methoden werden auch bei der LBQi-Akupressur-Therapie vor allem Genesungskompetenz, Selbstregulation und Selbstwahrnehmung gestärkt, erklärt die Ärztin und LBQi-Akupressur-Therapeutin Johanna Acket-Heusdens aus Muttenz (BL). Ihr Mentor der Allgemeinmedizin habe ihr einmal gesagt: «Egal, was wir Ärzte machen, 90 Prozent der Patienten heilen von alleine.» Tatsächlich: Selbstheilungskraft und Selbstregulation unseres Körpers sind erstaunlich, wie etwa die Heilung von Schnittwunden oder Knochenbrüchen zeigt. «Körperliche, emotionale und mentale Traumata können dieses Vermögen schwächen», weiss Acket-Heusdens.

Zur Stärkung der Genesungskompetenz sei Folgendes wichtig: «Sich seiner eigenen Ressourcen und seiner Resilienz bewusst werden und brachliegendes Potenzial entwickeln.» Des Weiteren brauche es ein Verstehen der Krankheit und der Lebensumstände sowie die Fähigkeit, diese zu bewältigen, um einen optimaleren Umgang mit sich selbst zu ermöglichen. Dies vertiefe auch die Fähigkeit, das eigene Leben selbstermächtigt und selbstbestimmt in die Hände zu nehmen, was wiederum das Selbstwertgefühl stärkt und die Lebensqualität verbessert. «Die LBQi-Akupressur-Therapie unterstützt dies mittels prozesszentrierter Begleitung und spezifischen Akupressurbehandlungen. Die dadurch ermöglichte Vergrösserung der eigenen Wahrnehmung schafft ein grösseres Bewusstsein», sagt Acket-Heusdens.

Konkret regt die Therapeutin mittels sanften Berührungen gewisser Punktkombinationen die Kommunikation aller zwölf Hauptmeridiane sowie der spezifisch behandelten Meridiane an. Dies soll laut den Anhängern der Methode das Heilungspotenzial der Patienten vergrössern. Acket-Heusdens: «Wir gehen davon aus, dass das Meridiansystem über seine multidimensionale Verbindung mit der Seele eine wichtige Rolle im Aufbau und bei der Regeneration des Energiehaushalts spielt.»

Gefragt: Katrin Wittmer*
«Der Klient ist der Experte»


Frau Wittmer, das Ziel von Meridiantherapien wie Shiatsu ist das Harmonisieren des Energieflusses im menschlichen Körper. Doch wie konkret funktioniert und wirkt Shiatsu?
Wie bei allen Methoden der Komplementärtherapie geht es im Shiatsu darum, die Eigenwahrnehmung zu schulen, Ressourcen zu stärken und den Fokus auf die gesunden Anteile im Menschen zu richten – hin zu dem, was sein möchte. Shiatsu ist eine meditative Körpertherapie. Sie ermöglicht dem Klienten oft tiefe Entspannung, ein Ankommen bei sich selbst, was zu Erkenntnissen und einem Sich-Erinnern an das, was schon immer da war und ist, auslösen kann. Anders als in der Schulmedizin habe ich als Komplementärtherapeutin keine vorgefertigte Lösung und auch keine Ratschläge. Ich nehme eine empathische, erkundende und begleitende Haltung ein – im Wissen, dass der Klient selbst Experte ist in Bezug auf seine Gesundheitsförderung. Wer zu seinen ureigenen Kräften findet und diese zu mobilisieren vermag, kann Verantwortung für seine Gesundheit übernehmen. Es geht also um Selbstermächtigung.

Für wen ist Shiatsu geeignet?
Shiatsu ist für alle Menschen jeden Alters geeignet. Besonders hilfreich ist es bei Kopfschmerzen, Migräne, Verspannung, innerer Unruhe, Nervosität und Schlafstörungen. Shiatsu kann aber allgemein bei stressbedingten Erkrankungen eingesetzt werden, ebenso zur begleitenden Unterstützung in schwierigen Lebensphasen. Und auch als Ergänzung zur schulmedizinischen Therapie, etwa bei psychischen Erkrankungen wie Burnout, kann Shiatsu helfen.

Und wann ist Shiatsu nicht geeignet?
Bei akut fiebrigen Erkrankungen und Infekten. Ansonsten sind der Shiatsu-Therapie kaum Grenzen gesetzt. Wichtig ist, dass die Therapeutin achtsam bleibt, sich ihrer eigenen Grenzen stets bewusst ist und weiss, wann es angebracht ist, eine andere Therapie oder Abklärung beim Arzt zu empfehlen.


* Katrin Wittmer
ist gelernte Medizinische Praxisassistentin und KomplementärTherapeutin mit Branchenzertifikat OdAKT Methode Shiatsu. Sie hat Praxen in Gretzenbach SO und Hirschthal AG. www.shiatsu-wittmer.ch 

 ● Links
www.radloff.ch 
www.apm-radloff.com    
www.lbqi.org

Fotos: iStock.com | ZVG 

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