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Die Stimme der Liebe

Kategorie: Gesundheit

Text:  Leila Dregger

Manchmal möchte ich nichts von Liebe wissen. Sie kann mir regelrecht gestohlen bleiben!

ZVG

Dann bin ich in meiner Blase gefangen. Diese Blase heisst vielleicht Kränkung. Oder Bequemlichkeit. Tapfer übertöne ich diese leise Stimme in mir, die mir ständig zuruft: Das bist du gar nicht! Denn wenn ich sie einmal höre, diese Stimme, und sei sie noch so klein und schwach im Vergleich zu meinem Trotz und Kampf, dann hat sie auch schon gewonnen. Früher oder später werde ich dieser sanften Stimme nachgeben. Warum also nicht früher?

Diese Stimme ist die Stimme der Liebe. Es ist die innerste, schönste und wahrste Seite meiner selbst. Sie ist keineswegs immer sanft und leise; manchmal ist sie purste Entschlossenheit und Kraft, manchmal auch Empörung. Sie kann traurig und sogar wütend werden – aber nie verknäuelt und verkapselt in mir selbst, und ganz sicher nie ängstlich. Im Gegenteil: Liebe überwindet Angst. Wenn ich mich darauf besinne, was ich an einem anderen Menschen liebe, strömen mir Kraft und Mut zu, im Sinne der Liebe zu handeln und zu sprechen.

Jeder einzelne Mensch hat diese Stimme in sich. Immer wahr, immer zuverlässig. Wie anders das Zusammenleben unter Menschen wäre, wenn wir ihr folgten: Wir würden einander zeigen, was wir lieben. Wir würden nicht kalkulieren nach dem Motto: Wenn du mich liebst, dann liebe ich dich auch. Wenn du dich zurückziehst, tu ich es auch. Vielmehr würden wir rückhaltlos und geradeheraus tun, was die Liebe von uns möchte: uns verschenken im Vertrauen, dass das Leben uns auch beschenkt. So frei will uns die Liebe. In Kindern können wir diese Qualität manchmal noch beobachten. Doch wir sind so erwachsen geworden! Ein gewaltiger posthypnotischer Befehl scheint uns ständig zu zwingen, die Stimme der Liebe zu übertönen. Ist unsere Welt deshalb so laut, sind unsere Argumente deshalb so oberflächlich und unsere To-do-Listen so lang? Ist es nicht verrückt? Die Welt, die wir hervorgebracht haben, ist Schutzwall vor dem, was wir uns am meisten wünschen.

Das zu erkennen, ist schon einmal ein guter Anfang. Das Nächste ist, so zu leben, dass wir die Stimme der Liebe in uns wieder hören können. Zunächst vielleicht nur ab und zu, ganz leise, ganz vorsichtig, in stillen, unbeobachteten Momenten. Wir erkennen sie daran, dass wir sofort wissen, dass sie recht hat – selbst wenn alle Argumente dagegensprechen. Bequem ist sie wahrscheinlich nie, die Stimme der Liebe. «Entschuldige dich», könnte sie sagen – dabei waren wir doch so sicher, im Recht zu sein. «Höre deinem Kind zu» – dabei sind wir doch gerade in Eile. «Sage Nein zu dieser Einladung» – dabei hast du dich doch verpflichtet gefühlt. «Greife ein, wenn du ein Unrecht siehst» – dabei wäre Wegschauen so einfach. «Sage deiner Freundin die Wahrheit» – ohje! Spätestens an diesem Punkt wissen wir, dass wir nicht immer der Stimme der Liebe folgen können, ohne unsere Komfortzone zu verlassen.

So zu leben, dass wir die Stimme der Liebe wieder hören können, ist eine Herausforderung. Ihr zu folgen, eine Revolution. Wahrscheinlich die tiefste, sanfteste und wirksamste Revolution, die wir vollbringen können. Wir ahnen, dass sich auf diesem Weg unsere Lebensverhältnisse komplett verändern werden.

Ich rufe Sie hier nicht dazu auf, zu Helden werden. Versuchen Sie erst mal nichts anderes, als ihre innere Stimme zu hören. Geben Sie ihr einen Platz in ihrem Inneren. Und ab und zu, sehr behutsam und umsichtig, gehen Sie das Wagnis ein, ihr zu folgen. Beobachten Sie, was geschieht. Vielleicht finden Sie dabei neue Freunde und Gleichgesinnte. Ich kann Ihnen auf jeden Fall versprechen, dass es sich lohnt. Denn Sie werden jemanden sehr gut kennenlernen: sich selbst, ihr wahres liebendes Ich.



Leila Dregger
ist Journalistin und Buchautorin (u.a. «Frau-Sein allein genügt nicht», Edition Zeitpunkt). Sie begeistert sich für gemeinschaftliche Lebensformen und lebt seit 16 Jahren in Tamera, Portugal, wo sie beim Verlag Meiga und der Globalen Liebesschule mitarbeitet.

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