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Musik und Heilung

Kategorie: Gesundheit

Text:  Carmelina Bonanno

Unsere Lieblingsmusik lässt uns leicht und beschwingt fühlen, entspannt unsere Sinne, weckt Erinnerungen und nährt die Seele; sie schenkt uns Glücksgefühle, lässt uns tanzen und jauchzen. Musik kann aber noch viel mehr. Sie kann heilen.

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Eine leichte Schwingung vibriert durch den Körper; die Augen sind geschlossen, warme Klänge durchdringen Raum und Sinne. Einige Menschen liegen unter dem Piano, andere wiederum sitzen meditativ auf der Bühne und im Publikum. Sie lauschen fasziniert der 432 Herz Translational Music des weltbekannten Zellbiologen und Musikers Emiliano Toso. Körper und Gesichtszüge entspannen sich immer mehr, viele sind emotional berührt, haben Tränen in den Augen.

Toso spielt seine Musik mit akustischen Instrumenten, die auf 432 Hz gestimmt sind. Diese Frequenz soll die Synchronisation beider Gehirnhälften stimulieren, besonders Entspannungszustände fördern, Stress reduzieren und die Konzentrationsfähigkeit und Kreativität steigern (siehe Box rechts). «Normalerweise hören wir Musik, die sich auf der Frequenz von 440 Herz bewegt. Diese ist leicht verschieden von der universellen Sprache des Körpers und der Natur. Auf 432 Herz gestimmte Musik ist im Einklang mit dem Puls der Erde und reflektiert die Gesetzmässigkeiten und die Harmonie der Natur.» 

« Wenn man wissen möchte, ob ein Königreich gut regiert ist, ob seine Moral gut oder schlecht ist, liefert die Qualität seiner Musik die Antwort. » Konfuzius, 551–470 v.Chr.

Tosos Musik wird von vielen Krankenhäusern, Gesundheits- und Meditationszentren genutzt, ebenso von Künstlern aller Art zur Förderung ihrer Kreativität. Wer Tosos Musik hört, erfährt Entspannung und Stille von Geist und Körper. Sie soll den Kontakt mit unserer tiefsten, spirituellsten Essenz bis in die Zellebene erleichtern.

Musik in der Intensivstation
In seinen Studien untersucht Toso die Beziehung zwischen Musik und Zellen sowie die biophysikalischen Effekte wie Wohlergehen und Heilung im Körper. «Wer meine Konzerte in 432 Hz hört, fühlt sich sofort zu Hause und im Einklang mit den Frequenzen, die wir in der Natur antreffen. Wenn wir an unserer Gesundheit arbeiten wollen, ist es wichtig, dass wir in der gleichen Sprache sprechen wie die Natur», sagt er. «Wenn ich spiele, spiele ich mit der Intention der Liebe. Ich glaube, die Liebe ist eine der stärksten Vibrationen, die zur Heilung beitragen.»

432 Hertz – die Frequenz für eine harmonische Welt
Damit sie miteinander harmonieren, werden in der Musik alle Instrumente auf die gleiche Frequenz, d. h. Tonhöhe gestimmt. Diese wird in Hertz (Hz) gemessen (Anzahl Schwingungen pro Sekunde). Den Referenzton nennt man Kammerton oder auch Stimm- und Normalton. Vor 1939 war er auf 432 Hz gestimmt. Die grossen Komponisten wie Beethoven, Brahms, Haydn, Händel oder Mozart haben ihre Werke für diese Tonlage geschrieben. 
Schon die Sumerer, Hebräer und alten Ägypter sollen ihre Instrumente nach dem Kammerton 432 Hz gestimmt haben. Und auch Pythagoras verwendete diesen Referenzton, der deshalb auch als «pythagoreische Sexte» bezeichnet wird. 432 Hz gilt als natürliche Tonfrequenz, die mit dem Menschen, der Natur und dem Kosmos in Ein-Klang schwingt. 
1939, unmittelbar vor dem 2. Weltkrieg, wurde bei einer int. Konferenz in London der Kammerton in vielen Ländern auf 440 Hz festgelegt. In deutschen und österreichischen Sinfonieorchestern ist jedoch sogar 443 Hz üblich, in der Schweiz 442 Hz.  
Damit ist der moderne Kammerton etwa ¼ Ton höher als der ursprüngliche. Kritiker sagen, diese modernen Frequenzen seien unharmonisch und würden die Aggressivität fördern. Immer wieder haben Musiker, etwa John Lennon oder Luciano Pavarotti, dafür plädiert, den Kammerton wieder auf 432 Hz zu setzen.  
Der Unterschied ist beträchtlich, das kann jeder selbst hören, z.B. auf YouTube (432 Hz eingeben). Zunächst hört sich die umgestimmte Musik falsch an; das ist wohl der Gewohnheit geschuldet. Denn viele Menschen berichten, dass sie mit 432 Hz-Musik besser entspannen können und eine 432-Hz-Stimmgabel eine besonders heilsame Schwingung habe. krea

Auch in einigen Schweizer Krankenhäusern wird die heilende Kraft der Musik erfolgreich über alle Fachbereiche hinweg angewendet. Wie z. B. in der Neonatologie am Universitätsspital Zürich (USZ). Das Licht in der Intensivstation für Frühgeborene ist gedämmt, die Stimmung wirkt ruhig, nur durch regelmässiges Piepsen unterbrochen. Bei jedem Inkubator steht ein Liegestuhl, bei Bedarf können die Eltern einen Vorhang ziehen, damit sie mehr Privatsphäre haben. 

Ab der 25. bis zur 27. Schwangerschaftswoche nimmt das Kind im Mutterleib Klang und Stimmen wahr. Deshalb reagiert das Neugeborene sehr oft auf die ihm bereits vertraute Stimme der Mama. «Im Mutterleib hören die Kinder den Herzschlag und das Rauschen vom Blut der Mutter. Man nimmt an, dass diese optimale Sinneswelt im Mutterleib zu einer optimalen Entwicklung im Hirn der Kinder führt. Da setzt die Musiktherapie an», sagt die Musiktherapeutin Friederike Haslbeck. Musik, Klang und Sprache fördern die Hirnentwicklung und sind die Voraussetzung, um kommunizieren und sprechen zu lernen.

Tipps
Musik statt Medikamente?
Seit Urzeiten wird Musik von vielen Völkern zu Heilzwecken genutzt. Die positiven Effekte auf das psychische und physische Wohlbefinden sind in vielen Studien wissenschaftlich belegt: Musik reduziert Stress, fördert Kreativität und Konzentration, entspannt bei medizinischen Eingriffen und lindert z.B. Depressionen. Die Zeitschrift Nature berichtet über die Veränderung der Biochemie des Körpers, wenn Menschen Musik mit bestimmten Eigenschaften hören, wie z.B. den Anstieg des «Glückshormons» Oxytocin oder auch Dopamin. Diese sind für unser Wohlbefinden verantwortlich.  
Wo finde ich einen Therapeuten?  
Eine Therapeutenliste findet sich auf der Webseite des Schweizerischen Fachverbandes für Musiktherapie (SFMT) www.musictherapy.ch.
Wer trägt die Kosten?
Die Kostenübernahme durch die Krankenkassen wird unterschiedlich gehandhabt; es empfiehlt sich eine Abklärung bei der jeweiligen Krankenkasse. Viele Krankenhäuser bieten Musiktherapie ohne zusätzliche Kosten an.

Von der Wiege bis zur Bahre 
Friederike Haslbeck gehört zu den Pionierinnen der wissenschaftlichen Forschung von Musiktherapie in Europa. Ihre jüngste Studie im USZ belegt, dass sich die Entwicklung des Gehirns der Kinder mit Musiktherapie stark verbessert und einen signifikanten Unterschied zu Kindern ohne Musiktherapie aufweist. Dazu gehören vor allem Gehirnregionen, die für Konzentration, Koordination und Gefühlskontrolle ausschlaggebend sind. Sie sagt: «Die Musik entsteht in der Beziehung. Die Mutter singt für ihr Baby nicht nur zur Beruhigung, sondern auch um Nähe, Sicherheit und Geborgenheit zu spenden.»
Haslbeck singt für die Frühgeborenen gemeinsam mit den Eltern oder auch alleine, wenn die Eltern nicht anwesend sein können. Die Musiktherapie dauert in der Regel 20 bis 30 Minuten und findet zwei bis drei Mal pro Woche statt. Oft begleitet Haslbeck ihre Lieder mit den zarten Klängen des Monochords, einem einfachen Saiteninstrument. «Musik kann eine Brücke bilden und Emotionen auffangen. Gerade Eltern, die ein Frühgeborenes haben, trauern oft um die verkürzte Schwangerschaft. Die Mütter haben das Kind oft nicht einmal gespürt im Bauch. Da ist es wichtig, dass wir die Eltern in ihrer Elternrolle stärken und die Bindung zum Kind unterstützen.»

Auch immer mehr Alters- und Pflegeheime setzen auf Musiktherapie, vor allem bei Demenzkranken. «Die Musik hilft uns, mit den Bewohnern in Verbindung zu treten. Im leichten Anfangsstadium der Demenz wird durch Klänge und Gesänge die Sprachfähigkeit gefördert und versucht, diese so lange wie möglich zu erhalten.» sagt Fatima Urbano, Leiterin soziale Betreuung der SAWIA Alterswohnungen in Zürich. Bei Menschen mit fortgeschrittener Demenz dämmt die Musik zudem gewisse typische Verhaltensweisen wie Unruhe, Unsicherheit oder Stress ein, beruhigt und entspannt. «In sehr weit fortgeschrittenen Demenzfällen ermöglicht die Musik es uns, uns den Menschen anzunähern. Denn Demenzkranke verlieren die Fähigkeit zu kommunizieren, ihre Wünsche und Bedürfnisse mitteilen zu können. Die Musik erlaubt uns eine Türe zu öffnen und einen Zugang zu diesen Menschen zu finden.» Insbesondere auch das gemeinsame Singen von altbekannten Liedern hat einen gesundheitsfördernden Effekt, wirkt sich positiv auf die Herzfrequenz und die Atmung aus, fördert die Stimmung und das Rhythmusgefühl. Mit dem Spielen von Instrumenten wie Rasseln, Xylophon oder Trommel wird die Feinmotorik gefördert und das Bewusstsein geschärft, dass Hände und Füsse bewegt werden können.

« Mit Musik kannst du alles vergessen – oder dich an alles erinnern. » Fatima Urbano

Bei Hirnschlag und Demenz
Eine finnische Studie aus dem Jahr 2010 zeigt, dass Schlaganfallpatienten, die die Sprachfähigkeit verloren hatten, durch Musiktherapie besser genasen. Andere wissenschaftliche Forschungen belegten, dass die Patienten die Sprache schneller wiedererlangen, indem sie lernen zu singen, bevor sie versuchen zu sprechen. Dies beruht auf der Tatsache, dass die Sprachfunktionen in der linken Gehirnhälfte und Musik in der rechten Gehirnhälfte verarbeitet wird. Daher ist trotz Sprachverlust das Summen oder Singen immer noch möglich. Ist die Sprachfähigkeit durch einen Schlaganfall oder eine Hirnverletzung verloren gegangen, kann die rechte Gehirnhälfte trainiert werden, diese Funktionen zu übernehmen.

Demenzkranke verlieren nach und nach das Sprachund Erinnerungsvermögen. Zuerst wird das Kurzzeitgedächtnis beeinträchtigt; das Langzeitgedächtnis bleibt länger erhalten und die Musikerinnerung ist die letzte, die man verliert. Daher ist trotz Demenz sogar das Erlernen eines Instrumentes möglich. «Menschen können vergessen, was vor 30 Sekunden passiert ist, aber ohne Zweifel können sie sich an die erste Kommunion erinnern», sagt Fatima Urban. «Einmal habe ich mit einer Frau gearbeitet, die kein Wort sprach, sich an nichts mehr erinnern konnte, auch nicht an ihre eigenen Kinder. Ich spielte ein bekanntes Lied vor und die Frau begann zu singen, intonierte, vokalisierte – sie erinnerte sich! Nur mit Singen konnten wir mit ihr kommunizieren – und sie ihre Emotionen ausdrücken.

Musik weckt aber nicht nur Erinnerungen, sie beeinflusst auch unsere Stimmung. Fast jeder von uns hört täglich Musik. Je nachdem wie wir uns fühlen, wählen wir ein bestimmtes Lied oder die Art der Musik. Unsere Stimmung kann sich schlagartig ändern, unsere Laune sich heben, Frust kann abreagiert werden, wir erfahren Entspannung, oder finden sogar Trost in einer bestimmten Melodie.
Doch was steckt genau dahinter? Die Musik-Streaming-Plattform Deezer wollte es wissen: Sie beauftragte die britische Akademie für Klangtherapie herauszufinden, ob es eine optimale tägliche «Dosierung» und Art von Musik gibt, die den Menschen hilft gesund zu bleiben. Die Forschungsergebnisse zeigten, dass nur schon etwa 13 Minuten täglich Musik hören – ausgewählt je nach Stimmung – für unser Wohlbefinden ausreichen. Wir sollten also unsere Musik je nach Laune zusammenstellen und uns täglich kleine musikalische Pausen gönnen.  

Literatur:
Wolfgang Zeitler «Auditive Musiktherapie – Heilsames Musikhören, mit Erfahrungsberichten und Musikbeispielen», Tredition 2016, ca. Fr. 65.–
Friederike B. Haslbeck «Wiegenlieder für die Kleinsten. Ausgewählte Lieder von Eltern für Eltern frühgeborener Kinder», amia musica 2018. Das Büchlein kann auf https://amiamusica.ch/wiegenlieder/ für Fr. 15.– bestellt werden.


Fotos: iStock.com | mauritius-images.com

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