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Partnerschaft

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_05_20 - 25.05.2020

Text:  Leila Dregger

Kann man Enge in Nähe verwandeln?

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Wie werden wir in ein oder zwei Jahren auf den derzeitigen Stresstest unserer Ehen, Familien und Liebesbeziehungen zurückschauen? Als eine Zeit, wo viele neue Erdenbürger gezeugt wurden, weil die Paare endlich wieder Zeit füreinander hatten? Als eine Zeit, nach der wir der Nähe und Liebe gründlich überdrüssig waren? Als Scheidungsflut, die den Single-Markt mit vielen Frisch-Getrennten überschwemmte? Oder vielleicht als eine Lernzeit für all die Dinge, die wir noch wissen müssen, um den oder die Menschen, mit denen wir zusammenleben, tatsächlich lieben zu können?

«Love the One You Are With!» Die Hymne der Hippie-Bewegung ist in Zeiten von Corona kein Slogan mehr, sondern ein Gebot der Stunde: Liebe den oder die Menschen, mit denen du zusammen bist! Zu Hause, in der Nachbarschaft, der Gemeinde – ja, weltweit, denn spätestens die Krise hat uns unsere Zusammengehörigkeit und gegenseitige Abhängigkeit vor Augen geführt.

Meinen Glückwunsch an alle, die sich bisher wacker geschlagen haben: an diejenigen, die trotz Enge gegenseitigen Respekt und Rücksicht bewahren konnten, die nicht ihre Ängste und Unsicherheiten aneinander auslebten, sondern sich gegenseitig Raum gaben und füreinander da waren, wenn sie sich brauchten – die vielleicht sogar ihre Lust aufeinander neu entdeckt haben und ihre Liebe vertiefen konnten. Mein Mitgefühl für alle, denen das nicht gut gelungen ist; mögen ihre Verletzungen heilen und sie Versöhnung finden. Lassen Sie uns beim nächsten Mal – und es gibt immer nächste Male – besser vorbereitet sein!

Wir sollten wissen: Enge bringt die Dinge ans Licht, die immer da gewesen sind, die wir aber bisher erfolgreich unter den Teppich kehren konnten. Man war sich den grössten Teil des Tages einfach aus dem Weg gegangen. Vor Corona war das in so gut wie allen Liebesbeziehungen und Familien der Fall. Wenn SIE reden wollte, hatte ER dringend was anderes zu tun. Wenn ER Lust auf Sex hatte, war SIE mit Freundinnen verabredet. Aufkommender Ärger über den Partner liess sich geschickt auf andere übertragen, auf Nachbarn, Kolleginnen, Verkehrsteilnehmer. Um die Abgründe des Unausgesprochenen zu überbrücken, gab es ein reiches Betätigungsfeld an Ablenkungen und Konsummöglichkeiten. Doch als Shopping, Job und Fussball wegfielen, rückte all das ins Blickfeld, was wir bisher vermeiden wollten.

Enge in Nähe zu verwandeln, beginnt mit dem Beschluss, den anderen wirklich kennenzulernen. Im Film «Don Juan de Marco» fragte Marlon Brando seine Ehefrau Faye Dunaway nach Jahrzehnten des Zusammenseins: «Wer bist du?». Sie antwortet: «Und ich dachte schon, du würdest nie fragen.»

Wer ist der andere, wenn wir nicht mehr unsere eigenen Wunschvorstellungen, Projektionen, Forderungen und Alltäglichkeiten auf ihn legen? Was liebt er? Was bewegt und worüber lacht sie? Wie agiert er in Krisen? Was hat sie so verletzt? Woran entzündet sich sein Mitgefühl, ihre Leidenschaft? Wie können Sie helfen, all das Schöne in ihrem Partner zum Vorschein zu bringen? Was können Sie wirklich füreinander tun? Und wer sind Sie selbst, dass dieser unglaubliche Mensch Sie als Partner gewählt hat?

Hier beginnt eine Entdeckungsreise, die nie endet. Sie wird Ihr ganzes Wesen, Ihre ganze Herzkraft und auch Ihre Denk- und Vorstellungskraft in Anspruch nehmen; und immer wieder auch die Hilfe von besten Freunden. Es lohnt sich.



Leila Dregger
ist Journalistin und Buchautorin (u.a. «Frau-Sein allein genügt nicht», Edition Zeitpunkt). Sie begeistert sich für gemeinschaftliche Lebensformen und lebt seit 16 Jahren in Tamera, Portugal, wo sie beim Verlag Meiga und der Globalen Liebesschule mitarbeitet.

Fotos: zvg | iStock.com

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