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Heilpflanze Sanikel

Kategorie: Heilpflanzen, Natur
 Ausgabe_05_20 - 25.05.2020

Text:  Steven Wolf

Der Sanikel ist nicht leicht zu finden. Er verschmilzt so innig mit seiner Umgebung, dass die Heilpflanze sich dem menschlichen Blick komplett entziehen kann.

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Es scheint fast so, als hätte der Europäische Sanikel (Sanicula europaea) die Gabe, sich unsichtbar zu machen. Im letzten Frühling brauchte ich für die Herstellung eines Pflanzenpräparats frischen Sanikel. Doch ich hatte keine Ahnung, wo ich mit der Suche beginnen sollte. Auf meinen unzähligen Streifzügen durch die Natur hatte ich die Pflanze noch nie gesehen. Doch dann, plötzlich, am Wegrand, direkt vor meinen Füssen, an einem Ort, an dem ich schon Dutzende Male gewesen war, steht er da: der Sanikel. Als ob er sich mir extra für die Herstellung meines Präparats vor die Füsse geschmissen hätte. Seit ich meine Sanikel-Blindheit überwunden habe, finde ich immer mehr Stellen, an denen diese wunderbare Zauberpflanze wächst.

Kraftstrotzender Wundheiler
Sobald ich mich in Ruhe hinsetze und mit dem Sanikel meditativ in Verbindung trete, wird mir klar, weshalb die Heilpflanze so schwer zu Gesicht zu kriegen ist. Auf der energetischen Ebene begegne ich einem Pflanzenwesen, das vor Kraft strotzt und im grünen Mantel mit knorrigem Wanderstock und wildem Wurzelhut ruhig im Wald steht. Ich erahne, dass mir ein Pflanzenwesen begegnet ist, das man nicht so oft findet: Vor mir steht der kleine Mann des Waldes, vereint mit der elfenhaften, luftig weissen Sanikelblüte. Der Name «Sanicula» kommt aus dem Lateinischen und bedeutet «die kleine Heilerin». Weitere bezeichnende Namen sind «Heil aller Schäden», «Bruchkraut» oder «Wundsanikel».

Der Sanikel zeigt sich nicht jedem und schon gar nicht einfach so. Die Pflanze will gefunden werden, soviel ist klar. Deshalb müssen wir uns auf die Suche nach ihr machen, mit ihr in Resonanz treten und in unserem Herzen vorab das Anliegen bekunden, den Sanikel zu finden. Verfügbar ist die Pflanze das ganze Jahr über, sogar unter dem Schnee. Er gehört zwar nicht zu den typischen immergrünen Pflanzen, doch trotzt er dem Winter, was auf verfestigende Eigenschaften hinweist. In der Tat enthält Sanikel reichlich Kieselsäure, was ihn zu einem knochenstärkenden Heilmittel macht. Bewährt hat er sich auch bei chronischen Erkrankungen, die ja auch ausdauernd sind.

Der bis zu 30 Zentimeter hohe Sanikel bevorzugt schattige, nur schwach lichtdurchflutete Buchenwälder mit feuchtem Boden. Weil solch feuchte Auenwälder je länger je rarer werden, gehört der Sanikel zu den bedrohten Arten.

Pflanzen, die das feuchte, schattige Waldklima lieben, verwende ich innerlich und äusserlich als Salbe und Tee sowie für feuchte Umschläge bei Entzündungen, Wunden und Blutungen der nicht lichtexponierten Stellen des Körpers. Der Sanikel ist ein wertvolles Wundkraut bei Quetschungen, Geschwülsten, Geschwüren, Eiterungen, Ekzemen, Furunkeln, Schleimhautentzündungen und dergleichen. Bei diesen Erkrankungen begünstigt in der Regel ein feucht gehaltenes Wundmilieu die Zellteilung und die Regeneration von Gewebe. So heilt die Wunde schneller ab. Die Schulmedizin entdeckte den Sanikel vor einigen Jahren für die Behandlung von Magenblutungen und Atemwegserkrankungen.

Gegen Pilz- und Virenerkrankungen
Wie viele andere Waldbewohner, die grelles Licht meiden, besitzt auch der Sanikel eine fungizide Wirkung, weshalb er bei Pilzerkrankungen zum Einsatz kommt. So nutze ich zum Beispiel Sanikelkraut als Tee oder Sitzbäder um den Vaginalpilz Candida albicans zu behandeln oder Entzündungen im Genitalbereich zu lindern. Die dunkelgrünen Blätter zeigen mir eine antibiotische, antivirale, fungizide, entzündungshemmende und immunsystemstimulierende Wirkung auf. Die Urkraft des Sanikels wirkt sogar antiviral auf das Parainfluenza-Virus Typ 2 und Influenza A.

Seine Blätter sind am Rand gezahnt, handförmig, glänzend und langgestielt. Die gezahnten Blätter ermahnen mich an ein Sägeblatt. Pflanzen mit solchen Blättern wirken oft zusammenziehend, blutstillend und desinfizierend, was sie zu guten Heilpflanzen zur Wundbehandlung macht. Die Handform der Blätter signalisiert mir eine allgemeine zerteilende und auflösende Eigenschaft. Zudem verweist sie in Richtung Stoffwechsel, Lymphe und Lunge. Deshalb empfehle ich das getrocknete Kraut als Tee bei Ödemen, Bronchitis, Nebenhöhlenkatarrh, Schleim und Eiterbildungen. Die Festigkeit und der Glanz der Blätter sowie der harte Stängel lässt mich wissen, dass der Sanikel einen Bezug zu Verhärtungen hat und eine zusammenziehende und festigende Wirkung auf das Bindegewebe besitzt. Die Blätter schmecken, ähnlich wie die Petersilie, bitter, krautig und würzig. Das deutet darauf hin, dass sie vitalisierend wirken, die Abwehrkräfte stärken und die Verdauungsdrüsen anregen. Ich nutze bitter-würzige Pflanzen auch für die Stärkung von Lunge und Psyche.

Entgiftende Wirkung
Der Sanikel gehört zu den sogenannten Kraut-Blattpflanzen. Das heisst, dass die Blüte und die Wurzel eher klein sind im Vergleich zum Blattwuchs. Nach dem schnellen Emporstreben des Blütenstängels, das allen Doldengewächsen eigen ist, bildet der Sanikel weisse, weiss-rosa bis rötliche halbkugelige Doldenblüten, die nur kurz zwischen April und Juni blühen. Diese Familie besitzt nur wenige Farben, meist sind sie grünlich-weiss. Ihr Duft ist schwach und oft nicht sehr ausgeprägt. Die Blüten sitzen wie kleine Wolken auf den dünnen, strahlenförmigen Stängeln und sehen aus, als würden sie zum Himmel streben. Nach den Blüten beobachte ich die Bildung des Samenstandes. Der Sanikel bildet kleine, kugelige und mit dichten Haken versehene Samen. Es sind sogenannte Klettfrüchte, die an Fell und Stoff hängen bleiben und sich so verbreiten. Die Signatur der Klettfrüchte verheisst eine verbesserte Ausscheidung sowie eine allgemein entgiftende und Toxin bindende Wirkung.

Wie alle Pflanzenfamilien haben auch die Doldengewächse ihre übergeordnete Heilwirkung. Das Auffallende in der Familie der Doldenblütler, zu denen der Sanikel gehört, sind die Blätter. Sie gestalten sich in einer unübertrefflichen Vielfalt. Wächst der Doldenblütler am Wasser oder im Gebirge, haben die Pflanzen oft einfache, ganzrandige Blätter; solche mit gezähnten, gekerbten und handförmig zerteilten Blättern wachsen eher an den feuchten und schattigen Orten. Doldenblütler haben zudem oft einen hohlen Stängel oder besitzen bauchige, aufgeblasene Blattscheiden. Auch Luftkammern in den Wurzelstöcken können gebildet werden.

In Kombination mit den strahlenförmigen Blüten, der starken Blattausbildung, den aromatischen bis feurigen Geschmäckern und der Eigenart dieser Familie, sich Luft anzueignen, widerspiegelt sich mir das Element Luft: Die Doldenblütler sind von oben bis unten von einer durchlüftenden Tendenz geprägt. Der luftig verzweigende Wuchs des Blütenstands dieser Familie erinnert an das Drüsensystem, das sich vom einfachsten bis zum höchst Komplizierten verzweigt. Drüsenorgane gehören dem Flüssigkeitsorganismus an und sind wichtig für unsere Lebenstätigkeit. Sie wirken verdauungsfördernd, sind flüssigkeitsausscheidend, harn- und schweisstreibend.

Zu Heilzwecken verwendet man die Blätter und die Wurzel des Sanikels. Im Frühling, kurz vor der Blüte, können die Blätter gesammelt werden, ab Juli die Wurzeln. Wer selber loszieht, um den Sanikel zu sammeln, soll – vorausgesetzt, man findet ihn – nur so viel davon nehmen, wie er wirklich braucht – damit der Magier auch im folgenden Jahr mit uns Verstecken spielen kann.



 * Steven Wolf hat
schon als Kind von seiner Grossmutter altes Pflanzenwissen gelernt und weiss um die Kraft der Natur mit all ihren sichtbaren und unsichtbaren Wesen. Er lebt im Jurtendorf in Luthernbad, wo er zusammen mit seiner Partnerin ganzheitliche Pflanzenkurse für interessierte Menschen durchführt.
 www.pflanzechreis.ch 

Fotos: mauritius-images.com | zvg

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