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Grün ist gesund

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_04_20 - 29.04.2020

Text:  Sabine Hurni

Wenn die Bäume voller Kraft die ersten Knospen hervorbringen und grüne Pflanzenteppiche den Waldboden übersähen, gibt es kein Halten mehr: Dieser Wandel der Natur wirkt hochansteckend.

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Er treibt uns raus in die Natur; die Bewegungslust nimmt zu und oft beginnt sich auch das Ernährungsbedürfnis zu ändern. 

Wer einen eher intuitiven Zugang zur Ernährungsweise hat und nicht beharrlich an seinen Gewohnheiten festhält, kann durchaus feststellen, dass der Körper je nach Jahreszeit unterschiedliche Bedürfnisse signalisiert. Während die Winternahrung währschaft ist, mit dampfenden Kohlenhydraten, Käse und Kohlgemüse, kommt die Frühlingsnahrung leichter, schärfer und bedeutend grüner daher.

Gesund | Grüne Lebensmittel enthalten viel Chlorophyll, ein unverzichtbarer Vitalstofflieferant, der vor Krebs und Strahlenschäden schützt.

Der Stoffwechsel ist bei vielen Pflanzen im Frühling besonders aktiv; und so gilt es im Frühling auch, bei uns Menschen den Stoffwechsel anzuregen. Dazu soll die etwas farblose Winternahrung jetzt mit kräftigen Rot- und Grüntönen ergänzt werden. Jede Farbe steht für ein Organ, das durch ein entsprechendes Lebensmittel unterstützt wird. So wirken weisse Lebensmittel wie Pastinaken, Zwiebeln, Blumenkohl oder Sellerie eher beruhigend auf die Emotionen; gemäss der chinesischen Fünfelementelehre vermitteln sie ein sauberes Gefühl, reinigen die Lungen und stärken das Sehvermögen. Grün ist die Farbe des Lebens. Blattgemüse, Kräuter und Salate mit dieser Farbe stärken die Leber und sind allgemein fundamental in der Ernährung von Mensch und Tier. Rot wiederum ist die Farbe des Herzens und des Feuers; rot stärkt das Immunsystem und wärmt den Körper. Zu dieser Lebensmittelgruppe gehören zum Beispiel rote Äpfel, Erdbeeren, Kirschen, Randen oder Chilischoten. Ananas, Melonen und Getreide sind den gelben Lebensmitteln zugeordnet. Sie beeinflussen Magen und Milz.

Doch bleiben wir beim Grün.
Grüne Lebensmittel sind so besonders wertvoll für uns, weil sie den grünen Farbstoff Chlorophyll enthalten. Dieser Pflanzenstoff ist zuständig für die Photosynthese in den Blättern. Bei der Photosynthese produzieren die Pflanzen in ihren grünen Blättern aus Wasser und Kohlendioxid (CO2) mithilfe der Sonnenenergie Glukose und Sauerstoff. Den Einfachzucker Glukose benötigen die Pflanzen als Energiequelle für Wachstum, Blütenbildung und das Reifen der Früchte; den Sauerstoff geben sie an die Luft ab. Chlorophyll in Verbindung mit Sonnenlicht ist somit in der Lage, aus toter Materie lebende Substanzen aufzubauen. Für diese Entdeckung erhielt der deutsche Chemiker Richard Martin Willstätter im Jahr 1915 den Nobelpreis.

Ausgesprochen viel Chlorophyll enthalten Weizen-, Gersten- und Roggengras sowie Alfalfa-Algen. Es braucht jedoch nicht zwingend ein Speziallebensmittel, um an diesen grandiosen Vitalstofflieferanten zu kommen. Auch grüne Wild- und Gartenkräuter, Blattgemüse, Sprossen, Knospen und junge Baumblätter enthalten viel Chlorophyll.

Chlorophyll unterstützt den Körper im Aufbau neuer Blutzellen. Es fördert die Ausscheidung von krebserregenden Substanzen und schützt vor Strahlenschäden. Ausserdem verbessert die Substanz die Wundheilung und stärkt das Immunsystem. Je mehr Chlorophyll ein Lebensmittel enthält, desto höher ist sein gesundheitlicher Nutzen. Es wirkt Eisenmangel entgegen, kann vor Demenz und Diabetes schützen, behebt Magnesiummangel und hilft dabei, Umweltgifte aus dem Körper auszuscheiden.

Grüne Lebensmittel sind natürlich nicht ausschliesslich wegen des hohen Anteils an Chlorophyll so gesund. Blattgemüse und Wildkräuter enthalten auch nahezu alle Mikronährstoffe, die der Körper braucht. Darunter Vitamin C, Vitamin K, Folsäure, Betacarotin, Vitamin B6, Kupfer, Kalzium, Kalium und Spurenelemente; sogar Omega-3-Fettsäuren und essenzielle Aminosäuren findet man im Grünfutter. Nicht zu vergessen die sekundären Pflanzenstoffe.

Und wie findet man Geschmack am Grün? Der erste und wohl lustvollste Schritt zur grünen Frühlingskost ist der Einsatz von Kräutern. Die frischen Kräuter sollen schliesslich nicht einfach nur den Balkon oder die Wiesen schmücken – sie dürfen auch grosszügig auf den Teller kommen. Verwenden Sie vorwiegend tiefgrünes Gemüse für ihre Salate. Werfen Sie die dunkelgrünen Blättchen des Stangenselleries nicht weg, sondern hacken Sie einige davon und geben Sie sie zum Salat. Auch bei Lauch und Krautstiel sind die tiefgrünen Teile die wertvollsten. Trotzdem landen sie häufig auf dem Kompost. Das ist schade. Auch die Blätter von Radieschen, Randen und Kohlrabi kann man essen oder für einen Smoothie verwenden. Sähen Sie Kresse an, züchten Sie Sprossen und sammeln Sie Wildkräuter für die Küche. Zum Beispiel Löwenzahn, Waldmeister, Labkraut oder Knoblauchrauke. Sie können diese für Salate, Suppen oder Aufläufe verwenden oder Saft aus ihnen gewinnen.

Grünsäfte sind äusserst gesund und heilsam für den Körper – wenn man sich an ein paar Regeln hält: Der Saft sollte zu je ungefähr einem Drittel Gemüseblättern (Spinat, Randen, Kohlrabi, Radieschen, Karotten usw.), Salatblättern und Früchten bestehen. Anstelle von Gemüse- und Salatblättern sollte man öfters Wildkräuter und ab und zu frische Pflanzenknospen verwenden. Mit frischem Wasser zusammen ergibt das einen erfrischenden, gesunden und nahrhaften Trunk, mit dem man durchaus auch eine Mahlzeit ersetzen kann. Eine weitere wertvolle, grüne Ergänzungsnahrung ist das schon erwähnte Gersten-, Weizen- oder Dinkelgras. Man verrührt zweimal täglich einen Teelöffel davon im Wasser, das man dann schluckweise trinkt. Das ist ein sehr gutes Stoffwechselgetränk im Frühling. Denn Getreidegräser wirken basenbildend und vitalisierend.

Und noch ein Aspekt zum Thema Grünkost: Versuchen Sie Möglichkeiten zu finden, wie Sie das Gemüse direkt ab Hof, auf dem Gemüsemarkt oder von einem Gärtnerkollektiv beziehen können. So vermeiden Sie lange Transportwege, und Geschmack und Vitalkraft der Lebensmittel sind noch ausgeprägt. Zudem können wir so Plastik- und andere Verpackungen vermeiden.

Und denken Sie daran, dankbar zu sein: Was uns die Erde schenkt, sollte mit grösster Wertschätzung behandelt werden. Immerhin hat das Gemüse mehrere Wochen oder gar Monate gebraucht, um zu wachsen und zu reifen. Davon kann jeder ein Lied singen, der einen eigenen Garten hat.



Sabine Hurni
ist dipl. Drogistin HF und Naturheilpraktikerin, betreibt eine eigene Gesundheitspraxis, schreibt als freie Autorin für «natürlich», gibt Lu-Jong-Kurse und setzt sich kritisch mit Alltagsthemen, Schulmedizin, Pharmaindustrie und Functional Food auseinander.

Fotos: iStock.com | sebastiano bucca

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