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Blut - ein begehrtes Heilmittel

Kategorie: Gesundheit, Therapien
 Ausgabe_04_20 - 29.04.2020

Text:  Lioba Schneemann

Bei der Eigenbluttherapie wird Blut in einen Muskel gespritzt. Das löst eine Immunreaktion aus und kann Heilungsprozesse einleiten. So soll das Verfahren gegen allerlei Leiden helfen und in gewissen Fällen sogar Operationen unnötig machen.

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Viele Therapien regen den Körper an, seine Selbstheilungskräfte zu mobilisieren und so die Heilung zu fördern. Ein alternatives Reiztherapeutikum stellt das eigene Blut dar: Eigenblut regt die im Körper vorhandenen Abwehrkräfte zu verstärkter Entgiftung an. Einen wissenschaftlichen Beweis für die Wirksamkeit der Methode gibt es nicht, dennoch wird die Eigenbluttherapie sowohl von Heilpraktikern als auch von vielen Ärzten angewandt, um eine lange Liste von Krankheiten zu bekämpfen. Dazu wird dem Patienten etwas Blut entnommen, manchmal behandelt und angereichert und wieder gespritzt. Das soll selbst bei chronischen Erkrankungen die Selbstheilungskräfte aktivieren. Andere Therapien sollen so besser wirken.

Das Blut ist Transportmedium für Nährstoffe und Sauerstoff. Zudem zirkulieren dort Informationen über überstandene Krankheiten in Form von Antikörpern und Gedächtniszellen. Erfolgt eine Rückführung des Blutes ins Gewebe, reagiert der Körper mit Abwehr, da sich das Blut normalerweise nicht dort, sondern im Blutgefäss befindet. Der Körper mobilisiert die Kräfte zur Beseitigung des Störfaktors, was sich durch den Anstieg der Leukozyten im Blut zeigt.

Nachhilfe fürs das Immunsystem
Eigenbluttherapien werden sowohl in der Naturheilkunde als auch in der Orthopädie und Sportmedizin angewendet. Oft dient die Methode zur Behandlung von Allergien, zur allgemeinen Stärkung des Immunsystems sowie bei einer Reihe von Erkrankungen und der Behandlung von Arthrose und Sehnenverletzungen.

Bei der unveränderten Eigenbluttherapie wird wenig Blut aus der Vene entnommen und dem Körper wieder zugeführt, indem es in die Muskulatur oder unter die Haut gespritzt wird. Alternativ kann auch Kapillarblut aus der Fingerspitze entnommen werden und vor der (oralen) Aufnahme zunächst homöopathisch aufbereitet werden (Eigenblutnosode). Je nach Behandlung wird eine andere Potenzierung angewendet.

Die homöopathische Eigenbluttherapie (Auto-Sanguis-Stufentherapie) stellt eine Sonderform der Eigenblutbehandlung dar. Der Mediziner Robert Heiz aus Uster wendet sie seit vielen Jahren an. Er erklärt: «Nach der Homotoxinlehre des Homöopathen HansHeinrich Reckeweg werden fast alle Krankheiten entweder als Abwehrreaktionen des Organismus gegen Gifte oder als Ausdruck von Giftschädigungen definiert. Daraus folgt, dass im Blut eines jeden Patienten die für seine Erkrankung typischen Krankheitsgifte, die Homotoxine, wiederzufinden sind.» Durch homöopathische Potenzierung über mehrere Stufen und durch Zugabe geeigneter homöopathischer Injektionspräparate werde das Patientenblut in ein wirksames Reiztherapeutikum verwandelt. «Die körpereigenen Abwehrkräfte werden so zu verstärkter Entgiftung angeregt.»

Breites Anwendungsgebiet
Als alleinige Therapie oder begleitend zu anderen Therapien wirkt die Immuntherapie bei wiederholten Erkältungskrankheiten wie Virusinfekten oder einer anhaltenden Abwehrschwäche, ebenso bei chronischer Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis), Heuschnupfen, Asthma bronchiale und bei Hauterkrankungen wie chronischen Ekzemen, Neurodermitis oder Schuppenflechte. Wirksam sei die Therapie auch bei Pilzinfektionen, Durchblutungsstörungen, Nesselfieber, Migräne sowie bei Dornwarzen wie etwa Fusssohlenwarzen oder Dellwarzen bei Kindern, so Heiz. Auch bei Wechseljahrbeschwerden und in der Rekonvaleszenz habe sich die Therapie bewährt. Und sogar bei Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und rheumatischen Erkrankungen wie z. B. chronischer Poyarthritis könne die Stufentherapie helfen.

«Der Darm ist der Ort, an dem die Mehrzahl der Antigen-Kontakte – Nahrungsmittel, Umweltgifte, Erreger – stattfinden und immunologisch beantwortet werden», erläutert Heiz. «Eine Immuntherapie kann deshalb vor allem auf oralem Wege erfolgen, also wenn die Immunstimulantien über den Mund zugeführt werden.» Die Darmschleimhaut sei die erste Barriere gegenüber Fremdstoffen. Über das Lymphsystem in der Darmschleimhaut gelangten die Informationen in den gesamten Körper und verbreiteten dort ihre heilende Wirkung. Heiz setzt dazu Hilfsstoffe ein, die bewirken, dass das Blut in seiner Oberflächenstruktur verändert wird. Das, sagt er, löse eine positive Immunreaktion aus. Mit diesem einfachen Hilfsmittel könne die Eigenbluttherapie auch gegen Autoimmunerkrankungen eingesetzt werden.

Zur Herstellung des «Eigenblut-Impfstoffes» werden dem Patienten ein bis fünf Milliliter Blut entnommen, mit dem Hilfsstoff vermischt und anschliessend unter Zugabe der entsprechenden homöopathischen Mittel über neun Stufen potenziert. Die Einnahme der Tropfen folgt nach einem bestimmten Dosierungsschema.

Auch Sehnenverletzungen und sogar Arthrose im Anfangsstadium oder bei mittlerer Schwere können mit einer Eigenbluttherapie erfolgreich behandelt werden. Aufwendige Operationen können somit vielfach vermieden werden. In der Orthopädie wird diese Methode seit Jahren angewandt; so haben sich bereits zahlreiche Spitzensportler im In- und Ausland damit behandeln lassen.

Arthrose erfolgreich behandeln
Doch wie kann es sein, dass Blut so heilend wirkt? Speziell aufbereitete Eigenblutpräparate regen das Zellwachstum an, verbessern die Zellfunktionen und stimulieren die Bildung von Gewebe. Durch die im aufbereiteten Blut enthaltenen Signalproteine wird die Neubildung von Gefässen gefördert, was gerade in gering durchblutetem Gewebe von Vorteil ist. Daher ist diese Methode bei entzündlichen Gelenken und Sehnenverletzungen gut wirksam. Nebenwirkungen gibt es gemäss Angaben der Mediziner keine. Ein weiterer Vorteil: Die Therapie kann ambulant durchgeführt werden.

Eine Spezialform ist die Eigenbluttherapie mit plättchenreichem Plasma (sogenanntes «Platelet Rich Plasma» PRP). Sie wird ambulant und einmalig bei leichter bis mittelschwerer Arthrose und bei Sportverletzungen angewendet. Sie kann oft eine aufwendige und teure Operation verhindern. Beim Einspritzen in ein Gelenk (z. B. bei Arthrose) besteht die geringe Gefahr einer Infektion.

Gewonnen wird das Plasma, indem das zuvor entnommene Blut zentrifugiert und in die einzelnen Bestandteile zerlegt wird. Neben dem Verfahren mit PRP gibt es weitere Verfahren mit unterschiedlich aufbereiteten Eigenblutpräparaten. Diese werden je nach Beschwerden von Fall zu Fall individuell eingesetzt. Diese Methode wird derzeit intensiv erforscht.

Die Wirkungsweise ist leicht verständlich: Während des Heilungsprozesses eines verletzten Gewebes finden verschiedene ineinander greifende Vorgänge statt. Geregelt werden diese Abläufe unter anderem durch die sogenannten Wachstumsfaktoren. Das sind Signalsubstanzen, die von den Blutplättchen oder Thrombozyten freigesetzt werden. Thrombozyten sind ständig im Blut vorhanden und werden etwa bei einer Verletzung aktiviert. Sie schütten dann am Ort der Verletzung die Wachstumsfaktoren aus, um den Heilungsprozess zu starten und zu fördern. Wird das körpereigene Blut nun entsprechend aufgearbeitet, so kann dieser Effekt gezielt verstärkt werden.

Eigenblut hilft bei diversen Beschwerden



Eine Eigenbluttherapie wird bei vielen Erkrankungen und Beschwerden angewendet, oft auch unterstützend zu anderen Therapien. Meist erfolgt die Eigenbluttherapie acht- bis zehnmal in unterschiedlichen Intervallen. Bei allergischen Erkrankungen sollte man eine Therapie in einer Zeit ohne Beschwerden beginnen, Heuschnupfen also im Winter behandeln.

Die Therapie wird meist gut vertragen. Oft kommt es zu einer kurzen Erstverschlimmerung, was auf den Heilungseffekt hinweist. Selten treten Unverträglichkeitsreaktionen wie Schwindel, Kopfschmerzen oder Fieber auf. Kontraindiziert ist eine Eigenbluttherapie bei Menschen mit Blutgerinnungsstörungen, Venenentzündungen oder Blutungsneigung sowie bei der Einnahme von gewissen Medikamenten (z.B. Blutverdünnungsmittel, Immunsuppressiva).

Die Kosten einer Behandlung mit Eigenblut variieren. Empfohlen ist die vorgängige Rücksprache mit dem Behandler und der Versicherung.

Therapeuten
findet man über die Website der Naturärzte Vereinigung Schweiz: www.nvs.ch 

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