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Liebe - Unsere Welt ist keine Liebesaffäre

Kategorie: Gesundheit

«Liebe deinen Nächsten wie dich selbst», sagte jener Extremist, der vor über 2000 Jahren durch die Lande zog.

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Geschafft haben wir das bis heute nicht: Unsere Welt ist keine Liebesaffäre. Vielleicht ja deshalb, weil wir immer noch nicht wissen, wie das geht: uns selbst lieben. Oder können Sie etwa dieses Wesen bedingungslos lieben, das Ihnen aus dem Spiegel entgegenschaut? Es akzeptieren? Oder wenigstens schön finden? Warum fällt uns Selbstliebe so schwer – und das in einer Welt, wo doch die meisten sowieso nur an sich selber denken? Aber Halt! Beim Thema Selbstliebe geht es eben gerade nicht um Egoismus oder Eitelkeit oder Narzissmus. Selbstliebe ist die Voraussetzung, um andere überhaupt lieben zu können.

Sufi-Meister Pir Vilayat Khan sagte einmal: «Wenn du in den Spiegel schaust und findest dich nicht schön, dann hast du nicht richtig geschaut.» Wir schauen selten richtig, wenn es um uns selbst geht. Wie auch?! Wir kennen uns schliesslich allzu gut: unsere geheimen Gedanken, Unzulänglichkeiten, kleine und grosse Gemeinheiten, verpasste Chancen, dumme Fehler, die wir gemacht haben in unserem Leben. Uns selbst können wir nichts vormachen: Wir sind kein Supermensch! Da helfen auch Kosmetik und Krafttraining nichts.

Eine Liebesbeziehung verlangt vom Gegenüber also, etwas zu lieben, das viele von uns nicht so richtig lieben können: uns selbst. Damit das Unmögliche gelingt, versuchen wir, die eigenen Fehler und Schwächen zu verbergen. Anfangs machen beide wider besseren Wissens mit, frei nach dem Motto: Ich schau nicht richtig hin, wenn du es auch nicht tust. Wenn das nicht klappt, soll uns der andere trotz der Fehler lieben. Oder gerade wegen ihnen. Doch damit ist der Beziehungskrieg vorgebahnt. Es geht also nicht anders: Wir müssen bei uns selbst anfangen. Doch wie? Vor dem Spiegel!

Ich wage den Selbstversuch: Zuerst sehe ich im Spiegel ein Gesicht, an dem ich einiges auszusetzen habe. Sollte ich vielleicht Augenbrauen zupfen? Gesichtscreme auftragen? Lächeln üben? Nein, nicht ablenken, dran bleiben. Tiefer schauen: Was sehe ich da im Spiegel?

Nun. Eigentlich eine ganz interessante Zeitgenossin. Oder doch nicht? Ein Schatten aus allen Dingen, die ich je falsch gemacht habe, legt sich über das Gesicht und macht daraus eine Fratze. Interessant: Ich kann mich also hässlich-schauen. Kann ich mich dann auch schön-schauen?

Letztlich konnte ich es. Es hat fast eine Stunde gedauert. Doch dann habe ich es endlich gesehen: das Leuchten! Dieses Klare und Ewige, das ich schon als Kind hatte. Es ist immer noch da; und irgendwie ahne ich, dass es noch da sein wird, wenn ich meinen letzten Atemzug tue. Wie konnte ich es nur so lange übersehen?! Und jetzt fallen mir die Dinge ein, die ich richtig gut gemacht habe. Momente, auf die ich stolz bin, wo ich selbstlos und mutig gehandelt habe. Momente, in denen ich mit diesem Leuchten verbunden war. Wo ich ich selbst war. Aha! Ich bin also gar nicht meine Fehler.

Und darum geht es in der Liebe: Uns und andere so tief zu schauen, bis wir das Ewige sehen, das wir so bedingungslos lieben. An uns selbst und an anderen.

Übrigens: Nicht verzweifeln, wenn vor dem Spiegel das Gefühl der Erkenntnis nur kurz anhält. Einfach fleissig weiter üben. Das Gefühl wird immer länger anhalten, bis es zur gefestigten Überzeugung und damit zur persönlichen Wahrheit wird.

« Darum geht es: So tief zu schauen, bis wir das Ewige sehen, das wir so bedingungslos lieben. An uns und an anderen. »


● Leila Dregger
ist Journalistin und Buchautorin (u.a. «Frau-Sein allein genügt nicht», Edition Zeitpunkt). Sie begeistert sich für gemeinschaftliche Lebensformen und lebt seit 16 Jahren in Tamera, Portugal, wo sie beim Verlag Meiga und der Globalen Liebesschule mitarbeitet.

Fotos: iStock.com | ZVG

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