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Der Wille des Patienten zählt (nicht)

Kategorie: Gesundheit, Beratung

Patientenverfügungen sind in der Praxis leider oftmals nutzlos. Die Informationen aus den Verfügungen sind häufig widersprüchlich oder schwer umzusetzen. Eine differenzierte Willensäusserung – das sogenannte «Advance Care Planning» (ACP) – kann hier Abhilfe schaffen.

Es klingt einfach und praktikabel: Mit dem Ausfüllen einer Patientenverfügung kann man selbstbestimmt über seine Behandlungsoptionen entscheiden – bis zum Lebensende. Die Angst, nach einem Unfall oder bei einer schweren Erkrankung urteilsunfähig dem Spektrum der medizinisch-technischen Möglichkeiten ausgesetzt zu sein, wird besänftigt. Die entsprechenden Anordnungen, welchen medizinischen Massnahmen man zustimmt und welche man ablehnt, sind verbindlich. Dennoch werden sie oftmals nicht befolgt.
Ein Grund: Was in einer Patientenverfügung steht, ist nicht immer in konkrete medizinische Handlungsanweisungen umsetzbar; manchmal sind die Patientenwünsche sogar widersprüchlich. So kommt es vor, dass die medizinischen Fachpersonen unabhängig von der Verfügung entscheiden (müssen).
Der Status quo der Patientenverfügung ist also unbefriedigend. Damit Patientenverfügungen ihren Zweck erfüllen, braucht es Änderungen. Fachleute haben dies erkannt und haben Massnahmen ergriffen, um die Situation zu verbessern. Dabei steht das Instrument der vorausschauenden Behandlungsplanung, das sogenannte «Advance Care Planning» (ACP), im Zentrum. Mit dieser erweiterten Patientenverfügung soll eine höhere Patientenautonomie und Übereinstimmung zwischen den Patientenwünschen und den durchgeführten medizinischen Massnahmen sichergestellt werden.
Das ACP zeichnet sich dabei insbesondere durch folgende neue Elemente aus:
● Fachliche Begleitung: Im Rahmen der erweiterten Patientenverfügung werden Patienten von zertifizierten ACP-Beratern begleitet, die ihnen komplexe medizinische Sachverhalte erläutern. Damit wird einerseits gewährleistet, dass die Patienten bestmöglich informiert sind. Dies ermöglicht es dem Arzt, gestützt auf diese Verfügung, seine Handlungen besser auf die Behandlungswünsche der Patienten abzustimmen.
● Situationsbedingte Unterscheidungen: Die ACP-Patientenverfügung unterscheidet zwischen verschiedenen Situationen der vorübergehenden oder bleibenden Urteilsunfähigkeit. Für jede dieser Situationen werden separate Behandlungsziele festgelegt.
● Einbindung des Umfelds: Es wird eine rechtliche Vertretungsperson für den Fall der Urteilsunfähigkeit benannt. Idealerweise ist diese auch bei den Gesprächen mit den ACP-Beratern anwesend. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Angehörige die Wünsche der betroffenen Person besser verstehen und umsetzen können. Zudem wird auch der Hausarzt verstärkt in den Prozess eingebunden.
Das Konzept der vorausschauenden Behandlungsplanung alleine reicht jedoch nicht aus. Damit es seinen Nutzen entfalten kann, muss es koordiniert, aktiv von Institutionen und Fachpersonen im Gesundheitswesen vertreten und umgesetzt werden. Die wichtigste Voraussetzung hierfür ist eine gesellschaftliche Auseinandersetzung mit Krankheiten und dem Lebensende. Hier sind abermals Fachpersonen, aber auch die Politik in der Pflicht, Aufklärung zu leisten und Betroffenen und ihren Angehörigen Ängste und Vorbehalte zu nehmen. Je besser die Betroffenen orientiert sind, desto autonomer können sie für ernsthafte Krankheitssituationen vorsorgen. Es muss im Sinne aller am Behandlungsprozess Beteiligten sein, dass künftig der Patientenwille tatsächlich (und nicht nur auf dem Papier) zählt.
Susanne Gedamke, Präsidentin des Vereins der SPO Patientenorganisation 

Mehr zum Thema Patientenrecht unter
Schweizerische Stiftung SPO
Patientenschutz, www.spo.ch 
Telefonische Beratung via Hotline 0900 567 047, Fr. 2.90/Min. Im Rahmen der SPO-Mitgliedschaft erhalten Sie diese Beratung unentgeltlich (044 252 54 22).

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