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Lüften im eigenen Haus

Kategorie: Gesundheit

Text:  Anja Huber

Das Weltklima ist derzeit das dominierende Thema in Politik und Gesellschaft. Aber wie steht es eigentlich um das Klima in unseren eigenen vier Wänden?

Die Luft ist unser wichtigstes Lebensmittel: Täglich atmet ein Mensch etwa 15 000 Liter ein, umgerechnet sind das gut 15 Kilogramm. Grund genug, um sich für saubere und gesunde Luft einzusetzen. Dazu hat der Bundesrat im April 2018 eine Änderung der Luftreinhalte-Verordnung mit verschärften Emissionsgrenzwerten genehmigt. Das Nationale Beobachtungsnetz für Luftfremdstoffe (NABEL) ermittelt die Luftqualität an ausgewählten Standorten in der ganzen Schweiz und dokumentiert die Entwicklung der Belastung durch Ozon, lungengängigem Feinstaub, Stickoxiden, flüchtigen organischen Verbindungen, Ammoniak sowie krebserregenden Luftschadstoffen, wie etwa Dieselruss oder Benzol. In seinem Bericht zur Luftqualität 2018 resümiert das Bundesamt für Umwelt (Bafu) zwar, dass «die Qualität der Luft seit 1985 deutlich besser geworden ist»; aber trotzdem sei «das gesetzlich verankerte Ziel einer sauberen Luft in der Schweiz noch nicht erreicht». Vor allem die Immissionsgrenzwerte von Feinstaub, Stickstoffdioxid (NO2) und Ozon werden noch teilweise überschritten. «Diese Schadstoffe stellen in der Schweiz ein lufthygienisches Problem dar», schreibt das Bafu in seinem Bericht.

Viel CO2 in Innenräumen
Wer nun am liebsten nicht mehr lüften mag, um die Schadstoffe aus den eigenen vier Wänden rauszuhalten, treibt den Teufel mit dem Beelzebub aus. Denn auch der Mensch selbst produziert durch Ausatmen ständig Kohlenstoffdioxid, kurz Kohlendioxid oder eben CO2. Aussenluft hat heutzutage üblicherweise eine CO2-Konzentration von etwa 400 Milliliter pro Kubikmeter (ppm). In der Zeit der Dinosaurier, vor 235 bis 66 Mio. Jahren, schwankte der CO2-Gehalt zwischen 1000 ppm und 2200 ppm.


           Birkenfeige                    Einblatt                     Bromelie

Die ausgeatmete Luft des Menschen enthält etwa 30000 ppm CO2. Deshalb steigt die Kohlenstoffdioxid-Konzentration in schlecht gelüfteten Räumen sehr schnell an. Beispielsweise kann in einem kleinen, drei bis vier Quadratmeter grossen geschlossenen Raum mit einer einzigen Person der CO2-Gehalt in nur 45 Minuten von 400 ppm auf über 1000 ppm ansteigen. Vor allem in Büros, Sitzungszimmern und Klassenräumen – ergo immer, wenn sich viele Menschen in geschlossenen Räumen aufhalten – kann die CO2-Konzentration binnen kürzester Zeit auf 2500 ppm ansteigen. Ab 2000 ppm gilt die Luftqualität bereits als hygienisch inakzeptabel und entspricht nicht mehr den Vorschriften.

In einer Studie der Harvard School of Public Health stellte sich heraus, dass hohe Kohlendioxid-Werte direkte negative Auswirkungen auf die Konzentrationsfähigkeit haben. Viele Menschen reagieren auch mit Kopfschmerzen auf «dicke», abgestandene Luft. Kohlendioxid-Konzentrationen von über 100 000 ppm rufen Bewusstlosigkeit und Zittern hervor; Werte von mehr als 250 000 ppm können sogar zum Tod führen.


        Orchidee                         Efeu                     Philodendron

Richtig lüften
An regelmässigem Lüften geht also nichts vorbei! Zumal die Innenraumluft bis zu fünfmal stärker verschmutzt sein kann als die Aussenluft – etwa durch eine zu hohe Luftfeuchtigkeit oder Schadstoffe in Möbeln, Bausubstanz, Haushaltsgegenständen und Putzmitteln. Deshalb empfiehlt es sich, Öko-Möbel und andere Produkte vorzuziehen, deren Emissionen geprüft und beschränkt sind. Produktelabels wie z. B. «natureplus», «Blauer Engel», «ÖkoControl», die «Umwelt-Etikette» für Farben, Lacke und Beschichtungen, «GEV-EMICODE EC1» für Verlegewerkstoffe, «GUT» für Teppichböden und «Oekotex Standard 100/ Standard 1000» für Wohntextilien beinhalten eine solche Prüfung.

Wohnräume sollte man mindestens drei Mal pro Tag richtig gut durchlüften, idealerweise morgens, mittags und abends. Einige Experten raten sogar dazu, alle zwei Stunden einen kompletten Luftwechsel in den Innenräumen vorzunehmen. Dazu muss man die Fenster vollständig öffnen. Besonders wirksam ist die sogenannte Querlüftung mit Durchzug, da so viel Luftfeuchtigkeit aus dem Raum abgeführt wird. Gut ist auch Stosslüften, wobei die Fenster ebenfalls komplett geöffnet werden, gleichzeitig jedoch die Tür zum jeweiligen Raum geschlossen wird. Nach fünf bis zehn Minuten ist die Luftfeuchtigkeit abtransportiert und die Raumluft komplett erneuert. Das schützt nicht nur unsere Gesundheit vor giftigen Schimmelpilzsporen, sondern auch das Bauwerk vor Feuchteschäden. Tipp: Während des Lüftens die Heizventile zudrehen, um Energie zu sparen.

[   Gesundheitstipp  ] offeriert von www.zehnder-systems.ch



Überlassen Sie das Lüften nicht dem Zufall

Wohnen
, Arbeiten und Freizeit – wir verbringen durchschnittlich 90 Prozent unserer Zeit in Innenräumen, wie eine aktuelle YouGov-Umfrage in 14 Ländern Europas und Nordamerikas ergab. Deshalb spricht man auch von der sogenannten Indoor-Generation. Dieses ausgeprägte «Indoor-Life» erhöht jedoch die negativen Einflüsse auf unsere Gesundheit. So steigert sich grundsätzlich durch die Atmung von Mensch und Tier der CO2-Gehalt in der Raumluft. Auch aus Möbeln und Oberflächen austretende Schadstoffe und Lösungsmittel vermehren den Schadstoffgehalt der Luft, die wir atmen.

Regelmässiges Lüften ist aber oft nicht möglich. Und insbesondere im Winter öffnen die meisten Menschen nur ungern das Fenster. Einen effizienten Lösungsansatz bietet hier die komfortable Raumlüftung: Je nach Raumnutzung und Anzahl der Bewohner leitet ein Lüftungsgerät automatisch Frischluft in die Räume und führt die verbrauchte, feuchte Raumluft ab. Und dank integrierter CO2-Sensoren kann das Lüftungsgerät jederzeit auf einen erhöhten Schadstoffgehalt reagieren.

Weitere Tipps für ein gesundes Raumklima im Winter gibt es unter www.zehnder-systems.ch/de/gesunde-raumluft-im-winter.


Trockene Heizungsluft
Heuschnupfen-Geplagte sollten während ihrer Leidenszeit dann lüften, wenn am wenigsten Pollen in der Luft schweben: In der Stadt ist die Pollenkonzentration meist abends am höchsten, hier also am besten nach dem Aufstehen kräftig lüften und die Fenster abends und nachts geschlossen halten; auf dem Land hingegen ist der Pollenflug meist morgens am intensivsten. Deswegen gilt es dort, erst abends – kurz vor dem Zubettgehen – für Durchzug zu sorgen. Tipp: Pollenschutzgitter können ein Eindringen der Pollen bremsen.

Im Spätherbst und Winter haben Allergiker erstmal Ruhe vor den Pollen. Dafür reizt nun trockene Heizungsluft unsere Schleimhäute. Viren und Bakterien können leichter in den Körper eindringen, wenn die Schleimhäute nicht ausreichend feucht sind. Nasensprays oder -spülungen auf Basis von Salzlösungen oder Meerwasser können Ausgleich schaffen. Auf abschwellende Nasensprays hingegen sollte man besser verzichten, da sie die Schleimhäute zusätzlich austrocknen!

Um die Luftfeuchtigkeit der Innenräume während der Heizperiode zu erhöhen, kann man elektrische Luftbefeuchter einsetzen oder einfach wassergefüllte Gefässe auf die Heizung stellen. Das ist besser, als nasse Tücher darüber zu legen, da die Abdeckung der Heizkörper zu einer schlechteren Energieeffizienz führt. Ausserdem müssen Tücher rasch erneut angefeuchtet werden. Auch Zimmerpflanzen erhöhen die Luftfeuchtigkeit – besonders Zyperngras, Zimmerbambus, Zimmerlinde und andere Gräser, deren Blätter Spaltöffnungen haben, wodurch sie mehr Feuchtigkeit an die Luft abgeben. Hydrokultur-Pflanzen sorgen ebenfalls für eine höhere Luftfeuchtigkeit.


               Grünlilie                           Drachenbaum

Pflanzen als Schadstoffkiller
Überdies können Zimmerpflanzen die Konzentration von Schadstoffen, die über die Aussenluft in unsere vier Wände gelangen, sowie Schadstoffe von innen (z. B. Ausdünstungen aus Möbeln, Baustoffen etc.) senken; zudem nehmen Pflanzen bei der Photosynthese CO2 auf und produzieren gesunden Sauerstoff. Um das Raumklima nachhaltig zu verbessern, haben sich vor allem grossblättrige Arten wie Zimmerlinde, Nestfarn, Zyperngras, Ficus (Birkenfeige oder auch Benjamini genannt), Kolbenfaden sowie Aralien-Arten bewährt.

Wichtig zu wissen: Nachts kommt die Photosynthese bei den meisten Pflanzen zum Erliegen und sie geben selbst Kohlendioxid ab. Es gibt aber auch Arten, die nachts CO2 aufnehmen – sie eignen sich daher besonders, um im Schlafzimmer für ein gutes Raumklima zu sorgen. Dazu gehören unter anderem Orchideen, Echte Aloe, Bogenhanf und Bromelie. Sie sollten in Tongranulaten gepflanzt werden. Das reduziert erstens den Pflegeaufwand durch häufiges Giessen und zweitens sind die Granulate weniger anfällig für gesundheitsschädlichen Schimmelpilzbefall als Blumenerde.

Gewächse wie Efeu, Philodendron, Einblatt, Nestfarn, Drachenbaum, Echte Aloe oder die Grünlilie sind sogar in der Lage, Giftstoffe wie Formaldehyd (Spanplatten von Küchen), Benzol (Lacke und Kunststoffe) oder Trichlorethylen (Farben, Lacke, chemische Reinigungsmittel) aus der Raumluft zu filtern. Australische Wissenschaftler haben festgestellt, dass sie die Schadstoffbelastung in der Raumluft um mehr als 50 Prozent senken können. Und nicht zuletzt wirkt jedes Zuhause mit ein paar schönen Pflanzen doch gleich viel wohnlicher. 

Gefragt: Peter Mamie*



«Lüftungssysteme sind gesund für Mensch und Gebäude »

Herr Mamie, Sie leiten die Zehnder Academy, die auf Lüftungssysteme spezialisiert ist. Welche Vorteile bietet die kontrollierte Wohnungslüftung gegenüber dem Lüften von Hand?
Neben hoher Energieeinsparung durch Wärmerückgewinnung sorgt eine Lüftungsanlage jederzeit für einen ausreichenden Luftwechsel. Das ist gerade bei modernen Energieeffizienzbauten mit luftdicht gedämmten Hüllen sehr wichtig, da keine natürliche Lüftung über Ritzen und Fugen im Mauerwerk oder über undichte Fenster stattfindet. Die kontrollierte Wohnungslüftung vermeidet eine Überfeuchtung der Räume und beugt somit der gesundheitsschädigenden Schimmelbildung und auch Feuchteschäden vor. Dadurch können umfangreiche Sanierungen der Bausubstanz vermieden werden. Zudem wird verhindert, dass in den Räumen eine zu hohe CO2-Konzentration entsteht. Filter am Lüftungsgerät sorgen dafür, dass keine unerwünschten Partikel mit der Zuluft in die Raumluft geraten – so gibt es Spezialfilter für Allergiker, die Pollen abhalten, und Feinstaubfilter oder auch Aktivkohlefilter, die unangenehme Gerüche aus der Luft filtern. Da die Fenster bei einer Komfortlüftung geschlossen bleiben können, wird auch die Lärmbelastung erheblich verringert. Öffnen darf man die Fenster jedoch auch mit einem Lüftungssystem so viel man will.

Wo und wann kann man ein Lüftungssystem in seine Wohnung einbauen?
Komfortable Wohnraumlüftungen können in Neubauten und bei Renovationen eingesetzt werden. Man kann damit ganze Wohneinheiten oder gezielt einzelne Räume nachrüsten und das System durch einfach einzubauende Komponenten jederzeit erweitern und optimieren.

Mit welchen Kosten muss man dabei rechnen?
Das kommt auf die Grösse und Ausstattung der zu belüftenden Räume an. Bei einer Wohnung kann man aus unserer Erfahrung mit 11 000 bis 18 000 Franken rechnen. Für ein Einfamilienhaus mit mehreren Stockwerken belaufen sich die Kosten auf 14 000 bis 23 000 Franken. Will man einzelne Räume mit einer Komfortlüftung ausstatten, bekommt man unsere Einzelraum-Komfortlüftungsgeräte für 1200 bis 1500 Franken. Interessierte können sich in unseren Kursen an der Zehnder Academy in Gränichen darüber informieren oder über unsere Website (s. unten) eine Beratung anfragen.

* Peter Mamie, seit 2013 bei der Zehnder Group Schweiz tätig, ist Leiter der Zehnder Academy in Gränichen (AG).

Links

● Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) bietet auf seiner Website www.bag.admin.ch viele Infos rund um «gesundes Wohnen».

● Über die Informationsstelle für Umwelt- und Soziallabels «Labelinfo.ch» kann man sich einen Durchblick im Gütesiegel-Dschungel verschaffen und seinen Konsum somit gesünder und verantwortungsbewusster gestalten: www.labelinfo.ch 

● Ausführliche Informationen zum Thema komfortable und gesunde Wohnraumlüftung sowie das Kursprogramm der Zehnder Academy findet man bei der Zehnder Group Schweiz AG: www.zehnder-systems.ch 

Fotos:  iStock.com | ZVG

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