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Liebe und Nachhaltigkeit

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_09_19  - 06.08.2019

Text:  Leila Dregger

Make love, not CO2: Diesen Slogan tragen Jugendliche bei den freitäglichen Klimastreiks auf Pappschildern vor sich her.

@ iStock.com

Das Klima auf der Erde hängt, so finden sie, mit dem Klima unter Menschen zusammen. Wenn wir mehr lieben und uns öfters verlieben, tun wir damit auch der Umwelt etwas Gutes. Ist da tatsächlich etwas dran?

Sicher: Wenn wir verliebt sind, wenn allein der Gedanke an den geliebten Menschen unser Herz in verheissungsvolle Aufregung versetzt, dann brauchen wir weniger von all dem Zeug, das die Schaufenster füllt und die Werbung anpreist. Weniger Mode, Autos, Computerspiele oder Fernreisen. Die Nähe des anderen genügt, um uns erfüllt zu fühlen und uns selbst zu genügen – und so Klima und Erde zu schonen.

Wenn die Erde sprechen könnte, dann würde sie uns sicher bitten: Liebt euch mehr!

Aber das versuchen wir doch, liebe Erde! Seit Äonen! Wir haben uns verliebt, immer wieder, so tief, dass unser Herz schlingerte und wir ohne das begehrte Wesen nicht mehr leben wollten. Doch dann war da noch jemand anders, der oder die diesen Menschen auch liebte, und wir mussten besser, schöner, stärker, reicher oder weitgereister sein, um unser begehrtes Objekt zu beeindrucken – und das heisst mehr leisten, mehr kaufen, mehr erobern.

Wenn wir dann doch den Kürzeren zogen, mussten wir uns trösten – mit Mode, Autos, Computerspielen oder Fernreisen.

Und wenn es doch gelang, wenn das geliebte Wesen sich für uns entschied und wir tatsächlich mit ihm zusammen sein konnten. . . dann war das nach einer Weile nicht mehr ganz so aufregend. Man verschwieg sich dies und jenes, um den Hausfrieden nicht zu stören, man wurde erst rücksichtsvoll, dann vorwurfsvoll und, um das nicht zu spüren, brauchten wir wieder: Mode, Autos, Computerspiele und Fernreisen. Egal, wie wir es machen: Am Ende verliert immer die Erde.

Lieben wir also zu viel?
Nein!, höre ich die Erde sagen, sicher nicht! Aber vielleicht lieben wir falsch? Vielleicht haben wir noch nicht gelernt, nachhaltig zu lieben.

Wenn wir genauer hinschauen, folgen wir in der Liebe der gleichen Logik, die unser Klima und unsere Umwelt zerstört: Wir wollen immer etwas HABEN. Auch in der Liebe kalkulieren wir mit einem «Return of Investment» und wollen für alles etwas zurückhaben – Sicherheit, Treueschwüre, Liebesbeweise. Forderungen und Kalkulation in der Liebe gelten als normal, denn, so haben wir von klein auf gelernt: Geschenkt wird einem nichts. Und damit verwechseln wir die Liebe mit einer Torte: Jedes Stück, das wir abgeben, ist eines weniger für uns selbst.

Doch die Liebe ist keine Torte. Bitte, probieren sie es aus: Je mehr Liebe wir abgeben, desto mehr Liebe bekommen wir zurück. Denn je mehr Liebe wir verschenken, desto offener wird unser inneres System und desto mehr Liebe können wir empfangen – je rückhaltloser und selbstvergessener wir Liebe geben, – also ohne Forderung nach Gegenleistung – desto attraktiver und liebenswerter macht sie uns. Möglicherweise auch für den geliebten Menschen. Wer ohne Angst und Misstrauen liebt, fliesst über vor Grosszügigkeit und Fülle. So wie eine Mutter. So wie die Erde selbst. Und hier liegt der eigentliche Systemwechsel, den wir vollziehen müssen.

Leila Dregger ist Journalistin und Autorin verschiedener Bücher sowie Herausgeberin der Zeitschrift «Die weibliche Stimme – für eine Politik des Herzens». Sie begeistert sich für gemeinschaftliche Lebensformen und lebt seit 16 Jahren in Tamera, Portugal, wo sie beim Verlag Meiga und der Globalen Liebesschule mitarbeitet.

Fotos: iStock.com | ZVG 

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