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Sonnencreme richtig anwenden

Kategorie: Gesundheit, Beratung
 Ausgabe_07_08_19 - 06.08.2019

Text:  Sabine Hurni

Finden Sie es manchmal auch anstrengend, von den vielen Möglichkeiten die beste zu wählen?

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20 000 Entscheidungen fällen wir pro Tag. Auch beim Kauf von Sonnenprodukten haben wir die Qual der Wahl. Dabei geht es schon lange nicht mehr nur um die richtige Filterhöhe zur angemessenen Verlängerung des Eigenschutzes unserer Haut. Wir müssen zusätzlich entscheiden, ob wir einen chemischen oder einen physikalischen Filter einsetzen wollen. Ob die Salbengrundlage frei von Mikroplastik und Nanopartikeln ist oder nicht, ob das Produkt Palmöl enthält oder nicht. Daneben sollte die Konsistenz stimmen – nicht zu zäh soll die Creme sein, aber frei von Nanopartikeln. Wasserfest wäre ebenfalls praktisch; jedoch sollte nicht der halbe Sandstrand an den Beinen kleben. Beim Wandern brauchen wir einen hohen Schutz, doch die Creme sollte nicht in den Augen brennen. Und eine halbe Stunde lang im Badeanzug in der Wohnung herumtigern, bis die Creme eingezogen ist und sie keine Flecken mehr auf den Kleidern verursacht, ist irgendwie auch mühsam. Ja, wenn wir im Sommer Haut zeigen wollen, dann geht es nicht ohne Kompromisse - es sei denn, wir entscheiden uns für den Sonnenhut mit breiter Krempe und das luftige, knöchellange Sommerkleid mit langen Armen.

Wir können es drehen und wenden wie wir wollen: Die ideale Sonnencreme für alle Bedürfnisse gibt es nicht. Dabei geht es nicht nur um unsere eigene Gesundheit – viele Sonnenschutzmittel verschmutzen die Meere und haben negative Auswirkungen auf Meerestiere und Korallenriffe. Selbst wasserfeste Sonnenlotionen waschen sich im Wasser teilweise ab oder gelangen spätestens beim Duschen übers Brackzumindest teilweise ins Grundwasser und so schliesslich auch in die Meere. Nach Angaben der amerikanischen Meeresbehörde NOAA erreichen jedes Jahr weltweit bis zu 6000 Tonnen Sonnenschutzmittel die hochsensiblen Ökosysteme der Korallenriffe.

Was den Korallen vor allem schadet, sind die hormonähnlichen, chemischen Filter Oxybenzon und Octocrylen. Sie sind wasserunlöslich und werden schlecht abgebaut; sie können sich deshalb in Tieren wie auch auf dem Meeresboden anreichern und stehen in Verdacht, das Wachstum von Meeresorganismen zu beeinflussen. Wie italienische Ökologen von der Universität Bologna kürzlich zeigten, wird auf dem Meeresboden der Adria kein anderer synthetischer Sonnenschutz so häufig gefunden wie diese beiden. Manche Hersteller verwenden aus diesen Gründen neu den Filter Bemotrizol. Über diesen liegen noch keine Studien vor.


Problematisch | Wirklich nachhaltig sind leider die wenigsten Sonnenschutzmittel.

Vielleicht sagen Sie sich jetzt: Mich betrifft das nicht, ich kaufe nur Sonnenschutz mit physikalischen Filtern. Das ist leider ein Trugschluss. Damit Cremen mit mineralischen Filtern nicht zu zäh sind und sich gut einschmieren lassen, werden Kleinstpartikel verwendet, sogenannte Nanopartikel. Und diese tauchen vermehrt in Wasserflöhen auf, die wiederum Nahrungsquelle vieler Fische und Vögel sind.

Wirklich nachhaltig sind leider die wenigsten Sonnenschutzmittel. Das gilt auch für andere Kosmetika: Viele Kosmetikinhaltsstoffe basieren auf Plastik, der unter anderem in Form von Mikroplastik in grossen Mengen in die Gewässer gelangt. Es handelt sich dabei um Filmbildner, Füllstoffe sowie Bindemittel, die als Polymethyl, Methacrylate, Polyurethane, Acrylate oder Polymere deklariert sind. Ein weiteres Problem in vielen Kosmetika ist das Palmöl. Es schadet zwar nicht direkt der Umwelt; doch zur Produktion von günstigem Palmöl wird massenhaft Regenwald abgeholzt. Palmöl sollte deshalb, wenn überhaupt, aus nachhaltiger Produktion stammen, wie das bei den meisten Naturkosmetikherstellern der Fall ist. Doch ganz ohne Palmöl kommen leider auch die Naturkosmetikhersteller nicht aus.

Was also tun? Wenn wir die Haut vor UV-A- und UV-B-Strahlen schützen, zugleich aber die Umwelt nicht belasten wollen, dürfen wir nur Sonnencremes verwenden, die frei von chemischen Sonnenschutzfiltern, Nanopartikeln, Mikroplastik und Palmöl sind. Das hat den Vorteil, dass die Entscheidung sofort viel einfacher wird. Denn plötzlich stehen nur noch eine Handvoll Produkte zur Auswahl, meist aus dem Sortiment der Naturkosmetik, erhältlich im Reformhaus oder in Drogerien.

Es ist wichtig, auch für unser Seelenheil, dass wir anfangen, Verantwortung für unser Handeln zu übernehmen. Wie oft haben wir doch die Wahl und können das gesunde, umweltverträgliche Produkt einkaufen! Das ist wichtig, selbst wenn wir am Strand die einzigen sein sollten, die den oben genannten Aspekten Beachtung schenken. Es ist unmöglich, immer alles korrekt zu machen. Aber wir sollten unser Bestes geben. Zumal allein die Flugreisen in unsere oft exotischen Feriendestinationen die Umwelt vermutlich mehr belasten als die schlimmste Sonnenmilch.

Unser Bestes geben sollten wir aber nicht nur in Bezug auf den Kauf der Sonnencreme. Geben Sie auch Ihr Bestes, wenn es darum geht, den Sommer in vollen Zügen zu geniessen! Wir brauchen die Sonne zum Leben und sollten in den Sommermonaten möglichst viel Sonnenlicht tanken.

Wichtig ist auch, hie und da, immer mal wieder, einfach so grosszügig mit sich selbst zu sein. Wir sollten uns öfters den wirklich wichtigen Entscheidungen hingeben: Zum Beispiel der Qual der Wahl vor der Kühltruhe in der Gelateria stehend, wo die Auswahl weit über Schoggi, Erdbeer und Vanille hinausreicht. Wie wäre es zum Beispiel einmal mit Amarena-Pistazie, Tiramisu-Haselnuss, Grüntee- oder Basilikumeis? Eine oder zwei Kugeln? Oder heute ausnahmsweise mal drei oder gar vier? Ach wie schön kann es doch sein, die Wahl zu haben!


Sabine Hurni*

 

* Sabine Hurni ist dipl. Drogistin HF und Naturheilpraktikerin, betreibt eine eigene Gesundheitspraxis, schreibt als freie Autorin für «natürlich», gibt Lu-Jong-Kurse und setzt sich kritisch mit Alltagsthemen, Schulmedizin, Pharmaindustrie und Functional Food auseinander.

Fotos: iStock.com | sebastiano bucca
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