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Alternative Zahnmedizin

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_05_19 - 02.05.2019

Text:  Marion Kaden

Körper- und Zahngesundheit bedingen einander. Deshalb kann eine Störung beim Kauen Rückenschmerzen verursachen oder krank machen. Was bedeutet das für die zahnärztliche Praxis?

@ unsplash.com, kal-visuals

Für ganzheitlich arbeitende Zahnmediziner sind Mundhöhle, Zähne, Zahnhalteapparat und Kiefer keine isolierten Organe, sondern Elemente des ganzen lebendigen Menschen. Die Lebensfunktionen im Mundraum sind zutiefst in den Körper als ganzen integriert: So ist jeder einzelne Zahn und seine direkte Umgebung über Blutgefässe, Nerven oder Lymphbahnen mit dem Körper insgesamt und reflektorisch mit einzelnen, auch entfernt liegenden Organen verbunden. Deshalb kann eine Störung beim Kauen, ausgelöst durch z.B. einen fehlenden Zahn oder einen falsch sitzenden Zahnersatz, fatale Auswirkungen haben. Passen nämlich Füllung, Inlay oder Prothese nicht hundertprozentig, verhindert dies die natürliche Okklusion: die passgenaue Verzahnung der Zähne von Ober- und Unterkiefer, die für das Beissen und Kauen überlebenswichtig ist.

Ist die Okklusion dauerhaft gestört, kann dies nicht nur lokal Kauschmerzen auslösen, sondern auch schmerzhafte Probleme wie Migräne oder Knie- und Hüftgelenk-Beschwerden. «Zudem gibt es viele ungelöste Probleme hinsichtlich unklarer Gesundheitsstörungen durch die vielen in der Zahnmedizin verwendeten Materialien. Fremdkörper wie Metalle oder Kunststoffe werden von der modernen Zahnmedizin bisher relativ unkritisch in den Körper eingesetzt», sagt Urs Weilenmann, Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für ganzheitliche Zahnmedizin. Die Frage, ob es einen aus ganzheitlich-zahnmedizinischer Sicht gänzlich unproblematischen Werkstoff gäbe, beantwortet er mit einem knappen «Nein». Jeder Werkstoff könne theoretisch – eventuell erst nach Jahren – Komplikationen hervorrufen.

Weilenmann verweist darauf, dass neben den gängigen Materialien der Zahnmedizin auch zahlreiche Toxine aus unserer Umwelt problematisch für die Zahn- und damit die allgemeine Gesundheit sein können: «Viele Umweltgifte stehen im Wechselspiel mit körperlichen Prozessen, stören zentrale Lebensfunktionen und können Erkrankungen auslösen.»

Gesunde Zähne

Amalgam spielt in der Schweiz nur noch eine marginale Rolle, heisst es in einer Meldung der Schweizerischen Zahnärzte-Gesellschaft: «Neue Amalgamfüllungen werden kaum gebraucht, alte durch Komposit ersetzt.» Sollte Amalgam verwendet werden, so sei das Einverständnis des Patienten zum Behandlungsvorgang absolut notwendig, heisst es weiter.

Fluor
Bei gesunder Ernährung
ist das Fluorisieren des Zahnschmelzes nicht nötig. Vor allem naturheilkundlich orientierte Kinderärzte lehnen Fluor vehement ab, weil sie es für ein zu starkes und für die Entwicklung des Kindes schädliches Element halten. Im Standardwerk «Die Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde» von 1958 ist zu lesen, dass gesunde Zähne weniger Fluor enthalten als kariöse Zähne.

Kaugummi
Zuckerfreie Kaugummis
helfen nach dem Essen, ein Gefühl der Frische zu erzeugen. Sie steigern zudem den Speichelfluss. Speichel enthält nicht nur Verdauungsenzyme, sondern hat auch reinigende, regenerierende und antimikrobielle Effekte im Mundraum. Das Kauen von Kaugummi fördert zudem eine kräftige Kaumuskulatur, stabilisiert die Kieferknochen und festigt die Zähne. Für jene, die an zu geringer Speichelbildung (und dadurch bedingtem Mundgeruch) leiden, ist das Kauen von Kaugummi eine der wirksamsten natürlichen Gegenmassnahmen. Ebenso wirksam ist das Kauen von Kümmel, Fenchelsamen oder Salbeiblättern.

Heilpflanzen
Kamillenblüten
(Matricariae flos), Arnikablüten (Arnicae flos) oder Salbeiblätter (Salviae folium) helfen bei Entzündungen im Mund- und Rachenbereich, denn sie wirken entzündungshemmend, antibakteriell und antiviral. Die Heilpflanzen können als Tee mehrmals täglich neu angesetzt werden (1 Esslöffel auf 150 Milliliter Wasser, aufbrühen, 15 Minuten abgedeckt ziehen lassen, abseihen), um damit warm zu spülen oder zu gurgeln. Myrrhe (Myrrha) eignet sich als unverdünnte Tinktur für Pinselungen bei Zahnfleischentzündungen, Prothesendruckstellen oder Zahnextraktionswunden. Gewürznelken (Caryophylli flos) können zur lokalen Linderung von Zahnschmerzen verwendet werden: Einfach eine ganze Gewürznelke auf den schmerzenden Zahn legen und kauen. Ersatzweise kann unverdünntes Gewürznelken-Öl (mind. 30 %) aufgetupft werden. Nie vergessen! Zahnschmerzen sind immer ein Warnhinweis. Eine zügige Abklärung durch den Zahnarzt ist sinnvoll – und vertreibt meist die Ursache des Schmerzes.

Detektivische Arbeit
In seiner Praxis in Zürich unterscheidet der Zahnarzt zwischen zwei Patientengruppen. Die eine Gruppe (60 Prozent) hat gesunde Zähne oder relativ wenige Probleme mit Zähnen, Zahnhalteapparat und der Mundhöhle. Bei diesen Patienten werden alljährliche Kontrollen (mindestens einmal im Jahr), gegebenenfalls notwendige kleinere Reparaturen sowie professionelle Zahnreinigungen durchgeführt. Die andere Patientengruppe besteht «aus schwierigen Fällen, bei denen Menschen eine grosse gesundheitliche Belastung empfinden, oft schon seit Jahren oder gar Jahrzehnten», erklärt Weilenmann. Oft leiden sie an Erkrankungen der Mundschleimhaut, Schmerzen, chronischer Müdigkeit (Fatigue) oder rheumatischen Erkrankungen. Doch wurden bei diesen Patienten bis dahin nur die Symptome schulmedizinisch mit Medikamenten behandelt – mit geringem oder gar keinem Erfolg. Was also tun?

Weilenmann nimmt in seiner Praxis zunächst eine gründliche Erhebung der Krankengeschichte vor. Sie bezieht sämtliche Allergien oder auch Befindlichkeitsstörungen mit ein. Dann folgt nach der üblichen zahnärztlichen Anamnese eine Prüfung der Kaufunktionen. Mit der anschliessend eingesetzten Kinesiologie können über spezielle Muskeltests diagnostisch komplexe Funktionsstörungen wie Störungen oder Blockaden von (Kau-)Muskelfunktionen und auch Auswirkungen von Giftstoffen abgeklärt werden. Die Spannbreite kann dabei gross sein, erklärt Weilenmann: «Neben zahnmedizinischen Materialien kann geprüft werden, ob zum Beispiel Holzschutzmittel, Pestizide oder Elektrosmog beschwerdeauslösend sind.»

Erkrankungen durch Störfelder
Wissenschaftliche Erkenntnisse und die langjährige Erfahrung in der Praxis lehrten Weilenmann, dass zahnmedizinische Erkrankungen nicht nur durch Karies, Entzündungen des Zahnfleisches oder in der Mundhöhle entstehen können. Sondern auch durch sogenannte Störfelder, ausgelöst durch Störungen des Bisses, durch wurzelgefüllte tote Zähne, Wurzelreste, Toxine, Elektrosmog oder psychische Belastungen – sie können im Körper liegende Organe «stören» und diese erkranken lassen.

Solche Störfelder können mit Hilfe der Kinesiologie oder spezieller Pulsdiagnostik-Verfahren (RAC-Testung) bestimmt werden. «Manchmal arbeite ich diesbezüglich auch mit anderen Fachärzten zusammen. Oft habe ich auch Patienten von komplementär tätigen Ärzten, für die ich konsiliarisch die Störfelder austeste», so Weilenmann. In jedem Falle sollten klar identifizierte Störfelder beseitigt werden, um die Beschwerden zu lindern oder ursächlich aufzuheben. Manchmal müssen nach sorgfältiger Abklärung z. B. tote Zähne entfernt und durch künstliche Zähne ersetzt werden. Auch vorhandene Füllungsmaterialien werden getestet und, wenn nötig, ersetzt. Ebenso beschäftigen den Zahnarzt die Ursachen von lang andauernden Entzündungen des Mundraumes: «Da interessieren mich vor allem chronische Schleimhautprobleme, die oft im Zusammenhang mit System-Erkrankungen wie Rheuma oder Fatigue vorkommen», erklärt Weilenmann.

Die Fallstudie



Eine Fallschilderung aus der Praxis des ganzheitlichen Zahnmediziners Urs Weilenmann zeigt, wie lang der Weg von schulmedizinischer Symptombehandlung bis zu einer erfolgreichen komplementärmedizinischen Heilung sein kann:

Bei der heute 65-jährigen Patientin wurde 2002 mittels Gewebeentnahme und -untersuchung eine Knötchenflechte der Mundschleimhaut (Lichen ruber mucosae) diagnostiziert. Es handelt sich dabei um eine Autoimmunerkrankung unbekannter Ursache. Neben unangenehmen chronischen Entzündungen litt die Patientin auch unter schmerzhaften Schleimhautgeschwüren. Die mikroskopische Untersuchung zeigte krankhafte Auffälligkeiten der Zellen des Zungenrandes (Dysplasien).

Da solche Schleimhautveränderungen entarten und zu Krebs führen können (Präkanzerose), veranlasste die Uniklinik regelmässige Kontrolltermine (alle 2 bis 6 Monate) und Gewebeentnahmen (alle 3 Jahre).

Zur Kontrolle der Entzündung und in der Hoffnung, das Fortschreiten der Erkrankung zu stoppen, wurden im Laufe der Jahre neben Antibiotika (auf die die Patientin eine Penicillin-Allergie entwickelte) zahlreiche andere Medikamente wie verschiedene Kortison-Präparate, lokale Desinfektionsmittel und anderes eingesetzt. Eine Heilung erfolgte dadurch nicht, im Gegenteil: Die Erkrankung schritt weiter voran.

13 Jahre später, im Mai 2015, kam die Patientin erstmals in die Praxis von Urs Weilenmann. Aufwendige komplementärmedizinische Testungen der individuellen Krankheitsdisposition zeigten komplexe Belastungen der Patientin durch eine Vielzahl von zahnärztlichen Materialien (neben Amalgam die Metalle Platin, Gold, Titan und Gallium), durch rund 17 Umwelt
toxine (u. a. verschiedene Pflanzenschutzmittel und Pestizide) sowie zahlreiche andere potentiell krank machende Substanzen oder externe Störwirkungen.

Über einen Zeitraum von sieben Monaten führte Weilenmann 15 Bioresonanz-, Softlaser- und neuraltherapeutische Behandlungen durch, ergänzt durch ausgewählte Nahrungsergänzungsmittel zum Ausgleich von Mangelsituationen und zur Förderung der Entgiftung.

Bereits im August 2015 verspürte die Patientin subjektiv weniger Brennen und Schmerzen im Mund. Eine Nachkontrolle an der Universität zeigte, dass keine weiteren Biopsien mehr nötig sind.

Im November 2015 wurden bei der komplementärmedizinischen Diagnostik keine Reaktionen mehr auf Gold oder Komposit-Zahnfüllungsmaterial nachgewiesen.

Im Dezember 2015 wurde eine grössere Zahnbrücke durch Zahnersatz aus nicht pathogenem Material ersetzt.

Im Januar 2016 waren auch die Beschwerden der chronischen Entzündungen von Mundschleimhaut und Zunge deutlich zurückgegangen. Die Patientin hatte keine Schmerzen mehr, ihre frühere Lebensfreude war zurückgekehrt (die Lebensqualität, im Behandlungsverlauf mit einem Standardtest zur Lebensqualität erfasst, hatte sich signifikant gebessert).

Die Patientin wünscht, dass noch zwei Bioresonanz-Behandlungen pro Jahr durchgeführt werden, da noch eine leicht weissliche Schleimhautveränderung besteht, die aber harmlos ist.

Die Situation ist bis heute (April 2019) stabil geblieben.

Gesunde Ernährung für gesunde Zähne
«Chronische Parodontitis-Probleme können auf eine gestörte, erkrankte Darmflora verweisen», fährt Weilenmann fort. Denn die Schleimhäute von Mund, Nase und Rachen sind mit denen des Darms verbunden. Alle Organabschnitte sind schliesslich Teil des von den Lippen bis zum Anus reichenden «Verdauungsschlauches». Gesundheitliche Probleme von Mundhöhle und Dickdarm können sich deshalb wechselseitig beeinflussen. Seit der Entschlüsselung des menschlichen Erbgutes durch das amerikanische Human Genome Project werden mit vielen neuen Studien die Zusammenhänge rund um die Bakterienbesiedlung des
menschlichen Körpers und ihre wichtigen Funktionen weiter bestätigt. «Folglich kann eine Parodontitis ursächlich durch ein Ungleichgewicht der Bakteriengemeinschaft im Darm mitbedingt sein», erklärt der Zahnarzt. Eine gesunde, ballaststoffreiche Ernährung ist also nicht nur für den Darm und damit für die Gesundheit insgesamt von Bedeutung, sondern auch für die Zähne. Wie die meisten Zahnärzte empfiehlt auch Weilenmann, auf Zucker und Weissmehl-Produkte zu verzichten und dafür vollwertige Nahrung aufzunehmen, die das Gebiss stärkt. So sorgt eine gesunde Ernährung für die Fixierung der Zähne in ihrer knöchernen Verankerung; diese Fixierung geht verloren, wenn die Zähne nicht oder zu wenig genutzt werden. «Gutes Kauen und Einspeicheln sind wichtig. So wird der Zahnschmelz geschützt und eine gute Verdauung vorbereitet.»

Komplementäre Behandlungen
Weilenmann setzt auch komplementärmedizinische Therapien ein, beispielsweise Mundakupunktur. Diese eigne sich als universeller Zugang zum ganzen Körper, sagt er. Die Neuraltherapie (nach Huneke) wiederum könne bei Patienten mit Nackenschmerzen, verspannter Kaumuskulatur oder offensichtlichem Zähneknirschen wirksam sein. Hierzu wird im Mundraum der Patienten nach reflektorisch betroffenen, schmerzhaften Triggerpunkten gesucht, in die dann das lokale Betäubungsmittel Procain injiziert wird. «Dies kann weitreichende, heilende Effekte auf den ganzen Organismus haben, manchmal schon nach einer einzigen Injektion.» Auch Homöopathie wird in der Praxis verwendet. Weilenmann, der eine zweijährige Homöopathie-Ausbildung absolvierte, macht mit den Globuli gute Erfahrungen. Er verwendet z. B. homöopathische Akutmittel, um ängstlich-panischen Patienten zu helfen. Ebenso findet Arnika häufige Verwendung, um Traumen zu beseitigen oder die Wundheilung zu fördern. Auch der Einsatz von Heilpflanzen sei hilfreich – denn: «Komplementärmedizinische Verfahren bieten nach meiner Erfahrung bei vielen Erkrankungen eine unverzichtbare Unterstützung», betont der ganzheitliche Zahnmediziner.

Buchtipps

Steven Lin «Mundum gesund. Die richtige Ernährung für Zähne und Immunsystem», Scorpio Verlag 2018, ca. Fr. 30.–

Hubertus Treuenfels «Gesund beginnt im Mund. Warum Zähneknirschen zu Rückenschmerzen führt und Lachen den Blutdruck reguliert», Knaur MensSana 2017, ca. Fr. 28.–

Johann G. Schnitzer «Zahnprobleme und ihre Überwindung: Wie Kaufähigkeit, natürliche Ästhetik und Gesundheit wiederhergestellt werden», Schnitzer Verlag 1993, ca. Fr. 60.– 

Link

Schweizerische Gesellschaft für Ganzheitliche ZahnMedizin: www.sgzm.ch

Fotos: unsplash.com, kal-visuals, ani kolleshi
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