Artikel Gesundheit :: Natürlich Online Kräftige Haare | sabine hurni | Natürlich

Kräftige Haare

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_04_19 - 02.05.2019

Text:  Sabine Hurni

Was aus dem Haarboden spriesst, ist Ausdruck dessen, was uns ausmacht – es spiegelt die Lebensenergie, die Lebenseinstellung, die Gedanken- und Gefühlswelt.

@ iStock.com

Ob ein Mensch dunkle oder weisse Haare hat, einen Wuschelkopf oder eine Glatze, das spielt im Grunde keine Rolle: Was sich im Kopf selbst abspielt, das ist wichtig. Müsste man meinen. Die Realität sieht indes anders aus: Viele Menschen definieren sich über ihre Haarpracht und haben höchste Ansprüche an ihre Frisur. Entsprechend breit ist das Angebot an Haarpflegemitteln. Für jeden Effekt gibt es das passende Shampoo oder Stylingpräparat. Das Haar wird fixiert, gefärbt, geglättet, in Locken geworfen, geschnitten, gestylt und mit Kunsthaar verlängert oder fülliger gemacht. Das Haar ist jedoch weit mehr als ein Modeaccessoire. Es ist eng verbunden mit unserem Körper und unserer Psyche. So macht das Haar einen Teil der Persönlichkeit nach aussen sichtbar. Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, ist kaum einer so richtig verliebt in sein Haar; meistens will man es anders haben, als es effektiv ist.

Wie die Finger- und Fussnägel bestehen auch die Haare aus Horn. Es sind Hautanhanggebilde aus abgestorbenen Zellen, die weder Blutgefässe noch Nerven besitzen. In den 85 000 bis 150 000 Haarwurzeln der Kopfhaut produziert der Körper ständig neue Haarzellen. Diese schieben sich an die Hautoberfläche und bilden ineinander verdrehte Spindeln, die schliesslich zu einem Haar werden, das während zwei bis sechs Jahren täglich um 0,35 Millimeter wächst. Danach fällt es aus und ein neues Haar beginnt zu wachsen.

Für richtig langes Haar ist also ein langer Wachstumszyklus nötig, den man nicht beeinflussen kann. 85 bis 90 Prozent der Haare befinden sich jeweils in der Wachstumsphase, 10 bis 15 Prozent in der Ausfallphase. Demzufolge ist ein Haarverlust von täglich 80 bis 100 Haaren völlig normal. Im Sommer eher mehr, im Winter eher weniger. Von Haarausfall spricht man erst, wenn über einen längeren Zeitraum hinweg mehr Haare ausfallen, als nachwachsen. Auf diese Weise dünnt das Haar aus oder es entstehen kahle Stellen. Für Betroffene ist dies sehr belastend, vor allem dann, wenn die Haare ohnehin dünn und fein sind. 

Gründe für den Haarausfall gibt es viele. Der wohl häufigste betrifft hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren oder nach der Schwangerschaft. Hier regeneriert das Haar von selbst, wenn der Hormonspiegel wieder stabil ist. Doch auch Pilzinfektionen der Kopfhaut, chronische Erkrankungen und die Einnahme von bestimmten Medikamenten können zu Haarausfall führen. Ebenso Stress, ein übersäuerter Stoffwechsel, Nährstoffmangel, Durchblutungsstörungen in der Kopfhaut sowie Substanzen aus chemischen Intensivtönungen und Haarfarben – wobei bei diesen Produkten der Haarausfall wohl das kleinste Übel ist: Chemische Colorationen enthalten noch immer diverse Stoffe, die als krebserregend und allergieauslösend gelten. Verwendet man sie monatlich, dringen die Chemikalien während der Einwirkzeit von zwanzig bis dreissig Minuten über die Haarwurzeln in den Körperstoffwechsel ein. Es spielt dabei keine Rolle, ob es sich um eine Haarfarbe, ein Tönungsshampoo, eine Intensivtönung oder einen Tönungsschaum handelt. Sie sind allesamt abzulehnen und sollten durch natürliche Produkte ersetzt werden.

Um Haarausfall effektvoll zu behandeln, muss man die Ursache kennen. Die Haarwurzelzellen gehören immerhin zu den wohl teilungsaktivsten Zellen des Körpers. Ist ihre Aktivität eingeschränkt, braucht es Geduld, Zeit und geeignete Nährstoffe, um die Haare in ihrem Wachstum optimal zu unterstützen. Ideal sind Präparate mit essenziellen Aminosäuren, zum Beispiel Cystin, B-Vitamine, Hefeextrakte, Hirse, Kieselerde, Weizenkeimöl, Biotin, Eisen oder Zink. Dabei muss es nicht immer ein teures Präparat sein. Auch Gerstengras oder Schüsslersalze stärken die Haare. Gerstengras gleicht den Säure-Basen-Haushalt aus, enthält fast alle essenziellen Aminosäuren und sehr viele Mineralstoffe. Die beiden Schüsslersalze 8 und 11 wiederum sorgen für einen gesunden und regelmässigen Haarwuchs, indem sie die haarschaftbildenden Zellen aktivieren. Ergänzend dazu sorgen durchblutungsfördernde Haarelixiere oder die eher aus der Mode gekommenen Haarwasser für eine gesunde Kopfhaut und für kräftiges Haar. Je nach Anbieter enthalten sie Coffein, Rosmarin, Pflanzenextrakte oder Mineralsalze, die das Haarwachstum stimulieren und die Kopfhaut stärken. Auch Kopfmassagen mit etwas Pflanzenöl und kräftige Bürstenmassagen mit nach vorne geneigtem Kopf sind hilfreich, um die Durchblutung, den Lymphfluss, die Talgdrüsentätigkeit und die Aktivität der Haarfollikel anzuregen. Das ist wichtig, damit die Nährstoffe zur Haarwurzel gelangen und dort das Haar von der Basis her stärken. Und so gehts: Benetzen Sie die Finger mit Öl (Kokosöl, Rizinusöl, Jojobaöl, Olivenöl) und bewegen Sie die Finger sanft kreisend vom Nacken her zum Scheitel. Beim Scheitel und bei den Ohren darf man ruhig ein bisschen verweilen. Idealerweise massiert man den Kopf drei bis fünf Minuten lang und lässt das Öl danach 20 bis 45 Minuten einziehen. Die Massage führt man ein bis zwei Mal pro Woche durch. Es gibt fast nichts Schöneres für unseren vielbeschäftigten Kopf als eine Kopfmassage. Vor allem dann, wenn jemand anderes die Massage durchführt und man sich einfach nur entspannen kann.

* Sabine Hurni ist dipl. Drogistin HF und Naturheilpraktikerin, betreibt eine eigene Gesundheitspraxis, schreibt als freie Autorin für «natürlich», gibt Lu-Jong-Kurse und setzt sich kritisch mit Alltagsthemen, Schulmedizin, Pharmaindustrie und Functional Food auseinander.

Buchtipp:



Anka Schmid, Bernd Müllender: «Haarig! Revolte, Magie, Erotik-Geschichten vom feinsten Körperteil», Edition Zeitblende 2019, Fr. 45.–

 Fotos: sebastiano bucca, hana solenthaler, zvg, iStock.com
Tags (Stichworte):

Kategorie: Gesundheit

Stress lass nach!

Länger anhaltende Belastungen stören unsere Hormon-Balance nachhaltig und...

Kategorie:

Kategorie: Gesundheit

Gentechnik: Fremde Gene im Blut

Gene können von der Nahrung ins menschliche Blut gelangen.