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Entrümpeln

Kategorie: Gesundheit

Text:  Angela Bernetta

Ordnung ist wichtig. Aber Ermessensfrage. Doch klar ist: Wenn das Durcheinander ausufert, verliert man Zeit und Nerven. Weniger Ballast hingegen erleichtert Geist und Seele.

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«Jeder Mensch hat seine eigene Vorstellung von Ordnung. Sieht er diese bedroht, unternimmt er für gewöhnlich etwas», sagt Martina Frischknecht. Die 42-Jährige weiss, wovon sie spricht. Bei ihr lief die häusliche Ordnung nach der Geburt ihres Sohnes aus dem Ruder. «Ich musste rigoros ausmisten, sonst wäre ich im Chaos versunken.» Dabei merkte sie, dass sie das gut kann. Heute bietet Frischknecht unter dem Namen Frau Ordnung ihr Know-how als Aufräumcoach professionell an.

Entrümpeln schafft nicht nur Platz, sondern tut auch Geist und Seele gut. «Wer Ballast abwirft, macht Platz für Neues und hat mehr Zeit für anderes», sagt der Psychologe Jean-Luc Guyer. Nicht selten gehe damit auch weniger Dreck im Haus einher, da leer geräumte Räume für gewöhnlich sauberer bleiben.

Entsorgen, wegwerfen, verschenken oder verkaufen

Wer sein Heim entrümpelt hat, sitzt erfahrungsgemäss auf Sperrmüll, Abfall oder anderen Sachen, die es zu entsorgen, verschenken oder verkaufen gilt. Wer entsorgen will, findet über den Abfall-Leitfaden der Wohngemeinde hilfreiche Informationen. Auch ein Blick auf den Abfallwegweiser des Bundesamts für Umwelt (Bafu) sei empfohlen. Zu finden ist er auf: www.bafu.admin.ch 

Weitere Tipps

Entsorgen: Elektrogeräte, Batterien, Lampen: kostenlose Rückgabe im Fachhandel oder an der Sammelstelle. Weitere Infos: www.erecycling.ch 

Räumungs- oder Entsorgungsservice von privaten Anbietern oder Brockenhäusern in der Schweiz: www.brockisearch.ch oder www.auszweiterhand.ch  

Wegwerfen: Abfallmulde bestellen: http://muz.ch oder www.muldentelefon.ch 

Verschenken: «Hol und bring»-Tage in der Gemeinde nutzen, an Nachbarn und Freunde verschenken oder via www.fleedoo.com gratis abgeben.

Verkaufen: Via Kleininserat in Einkaufsläden ausschreiben oder auf dem Flohmarkt, der Kinderkleiderbörse oder im Internet anbieten:

www.tutti.ch 
www.ricardo.ch 
www.ebay.ch 
www.anibis.ch 

Entrümpeln als Familienprojekt
Doch wie geht entrümpeln? «Da jeder Mensch anders tickt, leite ich meine Kundschaft individuell an», sagt Aufräumcoach Frischknecht. «Die Methode richtet sich nach dem Ordnungsverständnis und der verfügbaren Zeit des Kunden.»

Verschiedene Aufräumprofis arbeiten mit der Drei-Kisten-Methode, die Brauchbares von vielleicht noch Brauchbarem und von Unbrauchbarem trennt. Andere favorisieren das radikale Vorgehen der japanischen Aufräum-Päpstin Marie Kondo. Entrümpeln heisst für sie, sich von allen Dingen zu trennen, die keine Freude mehr bereiten. Dies, nachdem man diese Dinge mit einem wertschätzenden Dankeschön verabschiedet hat.

Martina Frischknecht sieht es pragmatisch: «Nicht zu viel vornehmen und einen Zeitrahmen festlegen», rät sie. Zu Beginn lege man sich je einen Sack oder eine Kiste für den Abfall, fürs Brockenhaus, für die falsch versorgten Sachen und für alles, was man verkaufen will, bereit. Sie empfiehlt dann, über die Unterwäscheschublade sanft einzusteigen. «Ich rate meinen Kunden, sämtliche Kleidungsstücke anzuprobieren. So merken sie, was noch passt.» Eine Faustregel besagt, dass man entsorgen kann, was man über ein Jahr nicht getragen oder benutzt hat. Gleichwohl müsse jeder für sich selbst entscheiden, was ihm wichtig sei und was er aussortieren möchte, so Frischknecht. «Für gewöhnlich kommen die Leute beim Aufräumen in einen Flow. Dann geht das Loslassen wie von allein.»

Gelebter Minimalismus

Es gibt Menschen, die sich dem Konsum möglichst entziehen. Sie haben ihren Besitz minimiert und kaufen nur noch ein, was nötig ist. Sie tauschen mit anderen und teilen ihre Erfahrungen in Blogs oder schreiben Bücher mit vielsagenden Titeln wie «Buddha räumt auf» oder «Ich kauf nix!» (ausser diesem Buch . . .). Immer mehr Menschen frönen dem Verzicht und vermuten das Glück in der Entsagung. Gelebter Minimalismus setzt die Entrümplung des eigenen Heims und den radikalen Konsumverzicht voraus. Die Protagonisten haben verschiedene Motive. Die einen wollen die Umwelt schützen, die anderen haben genug vom Materialismus oder stemmen sich gegen den Kapitalismus. «Ich verstehe den Minimalismus als Entdeckung einer neuen Freiheit», kommentiert der Psychologe Jean-Luc Guyer. «Der Trend ging lange hin zum Anhäufen von Material. Dem will man sich nun entledigen, um Zeit und Raum für Wichtigeres zu gewinnen.»

Wer die neu gewonnene Ordnung bewahren will, legt Gleiches zu Gleichem und teilt jedem Gegenstand seinen festen Platz zu, wo er nach Gebrauch stets wieder hingebracht wird. «Räume gilt es zweckdienlich einzurichten und alles Unnötige wegzulassen», ergänzt Frischknecht. «Zu wissen was man hat und wo man es findet, ist sehr befreiend.»

Mit der Familie avanciert das Aufräumen und Ausmisten zum Gemeinschaftsprojekt. Vermeiden sollte man allerdings Schuldzuweisungen. Für gewöhnlich sorgen nicht nur die Spielsachen der Kinder, die Socken des Vaters oder die Malutensilien der Mutter für Unordnung. Auch darf man nie Sachen entsorgen, die anderen gehören, ohne das vorher mit ihnen abgesprochen zu haben. Gerade für kleine Kinder sind vermeintlich nutzlose Gegenstände oft sehr wertvoll. Grössere Kinder können beim Aufräumen und Ausmisten mitmachen. Allerdings nicht allzu lange, da man ihre Ausdauer sonst überstrapaziert. «Am besten führt man Kinder in einen Ordnungssinn ein, indem sie einen Vorteil sehen. Dann räumen sie von selbst auf», rät Psychologe Jean-Luc Guyer. Und Aufräumcoach Frischknecht ergänzt: «Aussortiertes Spielzeug und alte Kleider verkaufe ich gemeinsam mit meinem Sohn am Flohmarkt oder im Internet. So verdient er sein Sackgeld, das motiviert ihn sehr.» Nun erscheint entrümpeln müssig, wenn stets neue Sachen hinterherkommen. Davon können insbesondere Familien mit kleinen Kindern ein Liedchen singen. «Vor Geburts- und Feiertagen schieben wir deshalb einen Aufräummonat ein», sagt «Frau Ordnung». «Dabei geben wir täglich etwas Kaputtes, Löchriges oder Altes weg.» Auch müsse für jedes neue Spielzeug oder Geschenk ein alter Gegenstand verschwinden. «So lernen Kinder loszulassen.»

Ordnung ist Ermessensfrage
Wer Ordnung schafft, fühlt sich frei und glücklich, glauben nicht nur Aufräumprofis. Eine Studie der Universität von Kalifornien bestätigt, dass sich viele von ihrem Hab und Gut belastet, ja beinahe erdrückt fühlen. Zu viele Dinge im Auge behalten, überfordert viele. Diese loszuwerden, kann aber zur Qual werden. Weil an vielen Sachen Geschichten haften, die es erschweren, sich von den Dingen zu lösen.

Nun gibt es aber auch Menschen, die bestens mit ihren vielen Sachen zurechtkommen. «Es sind Menschen, die einen aussergewöhnlichen Orientierungssinn und ein ebensolches Gedächtnis haben», sagt Guyer. «Sie leben oder arbeiten zwar in einem für andere unüberschaubaren Chaos, finden die für sie wichtigen Sachen aber ohne Probleme.» Unordnung könne auch inspirierend sein, betont der Psychologe. «Viele Künstler beziehen aus Gegenständen und Menschen, die sie umgeben, ihre Schaffenskraft. Kreativität kann so durch Unordnung begünstigt werden.»

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