Artikel Gesundheit :: Natürlich Online

Die richtige Hautpflege

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_03_19 - 27.03.2019

Text:  Sabine Hurni

@ iStock.com

Beim hochwertigen Lederschuh begrüssen wir es, wenn er mit den Jahren eigenwilliger, patinierter und weicher daherkommt. Mit unserer Haut sind wir betreffend Alterungsprozess bedeutend kritischer. Während Männer häufig stolz sind auf die Spuren des Lebens in ihrem Gesicht, fällt es vielen Frauen schwer, die Veränderung der Haut zu akzeptieren. Entsprechend breit ist das Sortiment an Pflegeprodukten, mit denen man die Haut über alle Preissegmente hinweg verwöhnen kann.

Nur – man kann des Guten auch zu viel tun. Die Haut ist mit einem feinen Ölfilm überzogen, der sie vor Verletzungen und Elastizitätsverlust schützt – vorausgesetzt man wäscht ihn nicht täglich mit Seife oder Duschmittel ab. Genauso wie das Herz oder die Nieren ist auch die Haut ein lebendiges Organ, und noch dazu das grösste des Körpers, das von innen her mit Nährstoffen versorgt wird. Die Haut speichert Fett und Wasser, reguliert den Wärmehaushalt mithilfe der Produktion von Schweiss und ist übersät von Schmerz-, Druck-, Kälte-, und Wärmerezeptoren, Haarfollikeln, Schweiss- und Talgdrüsen. Das grosse Sinnesorgan bildet die Grenze zwischen aussen und innen. Da gibt es Leute mit einer dicken Haut, an denen so manche Widrigkeit abprallt, dort die Menschen mit einer dünnen Haut, bei denen Abgrenzung und Selbstschutz oft Lebensthemen sind. Mit anderen Worten: Die Haut ist nicht einfach nur ein anatomisches Gebilde, aufgebaut aus mehreren Schichten, die einer ständigen Zellteilung unterlegen sind. Die Haut IST der Mensch, der in ihr drin steckt und nicht aus ihr raus kann. Jede Spannung, jede Emotion, die Ernährungsweise, das Stresslevel und viele weitere innere und äussere Faktoren beeinflussen den Zustand der Haut. Es wäre deshalb viel zu eng gefasst, wenn wir bei Hautirritationen, Ekzemen, Neurodermitis oder Psoriasis unseren Blick ausschliesslich auf die erkrankte Haut richten würden. Eine kortisonhaltige Salbe verschafft zwar Linderung und lässt die Betroffenen für die Zeit der Anwendung zur Normalität zurückkehren. Doch mit dem Absetzen der Creme kehrt das Hautproblem meist zurück.

Um die Haut besser zu verstehen, ist es wichtig zu wissen, dass es sich um ein Ausscheidungsorgan handelt. Deshalb wird die Haut in alten Lehrbüchern auch als dritte Niere bezeichnet. Dieses grossflächigste aller Ausscheidungsorgane muss durchlässig sein, damit überschüssige Säure und Stoffwechselendprodukte über den Schweiss an die Hautoberfläche gelangen können. Viele herkömmliche Pflegeprodukte verhindern jedoch den natürlichen Hautstoffwechsel, weil sie sich wie ein Film über die Haut legen. Mit der Zeit wird die Haut welk, verliert an Spannkraft, beginnt zu jucken oder sich zu röten. Auch die Leber, das wichtigste Entgiftungsorgan des Körpers, hat einen Einfluss auf die Haut. Ist die Leber überlastet oder in ihrer Funktion eingeschränkt, muss die Haut umso mehr leisten, um die verminderte Leberaktivität zu kompensieren. Dafür ist die Haut jedoch nicht vorgesehen; entsprechend gereizt kann sie reagieren.


Wie der Lederschuh
will auch die Haut gepflegt sein. Man sollte es aber nicht übertreiben. Weniger Seife, weniger Wasser, dafür mehr Fett und mehr Luft tun der Haut gut.

Wer zu trockener und juckender Haut neigt, kann durch stoffwechselanregende Teekuren die Nieren- und Lebertätigkeit unterstützen und so den Hautstoffwechsel anregen. Das können für die Leberund Gallentätigkeit zum Beispiel der Löwenzahn (Taraxacum officinale) und die Pfefferminze (Mentha piperita) sein; sehr gut geeignet zur Durchspülungstherapie der Nieren sind die Blätter junger Birken (Betula pendula), die reichlich Flavonoide, ätherische Öle und Gerbstoffe enthalten. Aufgrund dieser Inhaltsstoffe wirkt die Birke wassertreibend. Birkenblätter lindern zudem Frühjahrsmüdigkeit, wirken unterstützend bei Gicht und Rheuma und galten früher, zusammen mit der Brennnessel, als Heilpflanze zur Blutreinigung. Unterstützt wird der Hautstoffwechsel darüber hinaus mit dem Schüsslersalz Nr. 10, Natrium Sulfuricum. Es ist DAS Ausscheidungssalz schlechthin und beeinflusst die Darm-, Leber-, Bauchspeicheldrüsen-, Nieren-, und Blasentätigkeit. Denn nur wenn diese Organe effizient arbeiten, kann auch die Haut entlastet werden.

Äusserlich braucht eine irritierte Haut vor allem eines: Erholung. Weniger Seife, weniger Wasser, mehr Fett, mehr Luft. Es lohnt sich, wieder vermehrt zum Waschlappen und zur Pflanzenseife zu greifen und sich morgens auf diese Weise zu waschen, anstatt den öligen, leicht säurehaltigen Hautfilm täglich mit heissem Wasser und Duschmittel durcheinander zu bringen. Gerade Leute mit Ekzemen und Hautirritationen tun gut daran, nur ein bis zwei Mal die Woche zu duschen und sich ansonsten am Waschbecken zu waschen. Zur Pflege irritierter Haut eignen sich natürliche Fette wie Pflanzenöle, zum Beispiel Kokos-, Sesam- oder Jojobaöl, wie auch tierische Fette wie Ghee (Butterschmalz) oder Wollfett (Lanolin).

Schwieriger wird es bei trockenen, juckenden, allergischen Hautausschlägen, Kontaktekzemen, Nesselsucht oder durch Pollen ausgelöste Hautallergien. Um die Haut zu beruhigen, helfen hier Salben auf der Basis von Cardiospermum halicacabum. Das Extrakt aus den herzförmigen Samen der Ballonrebe wirkt entzündungshemmend und juckreizstillend; man sagt ihm auch eine kortisonähnliche Wirkung nach. Natürlich sind auch die pflanzlichen Salben keine Wundermittel und Betroffene probieren sich auf der Suche nach Linderung oft durch unzählige Produkte hindurch. Mit mehr oder weniger lang anhaltendem Erfolg. Je komplexer eine Hauterkrankung ist, desto anspruchsvoller ist es, sie zu lösen oder an deren Ursache heranzukommen. Es braucht Geduld, Durchhaltewillen und die Bereitschaft zum Verzicht. Denn sehr häufig stehen Hautprobleme im Zusammenhang mit Lebensmitteln, die im Körper Stress auslösen. Diese gilt es zu vermeiden. Manchmal für eine Weile, bisweilen für immer. Denn anders als beim Lederschuh, ist unsere Haut ein Teil des lebendigen Körpers und kann nicht isoliert betrachtet werden.

* Sabine Hurni ist dipl. Drogistin HF und Naturheilpraktikerin, betreibt eine eigene Gesundheitspraxis, schreibt als freie Autorin für «natürlich», gibt Ayurveda-Kochkurse und setzt sich kritisch mit Alltagsthemen, Schulmedizin, Pharmaindustrie und Functional Food auseinander.

Fotos: iStock.com 
Tags (Stichworte):

Kategorie: Gesundheit

Erste Hilfe aus der Natur:
Heidelbeere bei Durchfall

Heidelbeeren schmecken nicht nur vorzüglich, als getrocknete Beeren stoppen sie...

Kategorie:

Kategorie: Gesundheit

Wenn der Kopf schlappmacht

Ermüdung entsteht im Gehirn: Erstmals konnten Forscher das Zusammenwirken von...