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Wechseljahre

Kategorie: Gesundheit

Text:  Eva Rosenfelder

Wechseljahre sind viel besser als ihr Ruf – sofern wir bereit sind, ihrem Ruf zu folgen.

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Für immer jung und knackig – zunehmend wird jedes Anzeichen von Verwelken kaschiert oder wegoperiert: Spuren eines gelebten Lebens werden geglättet, weisse oder graue Haare gefärbt. Alt und weniger leistungsfähig zu werden, gilt heutzutage als eine Art von Versagen. War es früher anders? Konnte man einst in Frieden und Harmonie alt und weise werden? Wer dies ersehnt, muss jedenfalls sehr wachsam sein, sich nicht der kollektiven Erwartung zu beugen und im Alter von Dreissig stehen zu bleiben.

Fit, smart und aktiv heisst das Leitmotiv, das längst auch für Grosseltern gilt. Wer da nicht mithält, fällt raus aus dem rasant drehenden Karussell der ewig Pubertierenden. Der Aufprall ist hart, denn alsbald wird man unsichtbar für die Gesellschaft, zieht sich vielleicht frustriert zurück oder wird gar abgeschoben. Vielleicht in eine dieser «netten» Alterswohnungen oder Pflegeheime, irgendwo am Stadtrand in Ghetto-Überbauungen. Inexistent jedenfalls für die immer schneller rotierende Gesellschaft, der es rein äusserlich immer besser gelingt, die Prozesse der Alterung zum Stillstand zu bringen.

Hauptsache wir «funktionieren»
Wen wundert es, dass in diesem Umfeld körperliche Prozesse wie die Wechseljahre einer Frau, die sich partout nicht zum Schweigen bringen lassen, mit Angst, Ablehnung und allen möglichen Verdrängungsmechanismen besetzt sind? Diese Wandlungen in unserem Körper zeigen uns eins zu eins den natürlichen Kreislauf. Unaufhaltbar kommt der Herbst des Lebens, zu dem – aller Anti-Aging-Angebote zum Trotz – Wandlungen, Zerfall und schliesslich auch der Tod gehören, dem wir mit jedem Tag entgegenwachsen. So richtig schwierig wird es, wenn zur Angst vor dem Verlust der eigenen Kraft, Gesundheit und Attraktivität auch noch andere Stressfaktoren kommen. Etwa Konflikte in einer marode werdenden Partnerschaft oder mit den pubertierenden Kindern; oder hilfsbedürftig werdende Eltern, Burn-out und Mobbing im Beruf – dann ist die Lage kaum mehr zu überblicken. Schon seltsam, dass dieser «normale» Wahnsinn des Alltags selten in Bezug gesetzt wird zum eigenen Körper, der daran ist, eine neue Lebensphase einzuleiten. Vielmehr ist es selbstverständlich, den Alltag mit aller verbliebenen Kraft klaglos zu bewältigen.

Körper schweig!
Wenn aber der Körper auf der Schwelle der hormonellen Umstellung mit Signalen und Störungen reagiert, Hilfe und Zuwendung beansprucht, neigen viele Frauen dazu, ihn zum Schweigen zu bringen. Was oft bedeutet, fast jede Art von medizinischer Hilfe anzunehmen – Hauptsache Frau funktioniert schnellstmöglich wieder nach gewohntem Muster. «Hormone sind das Natürlichste der Welt, helfen sie doch dem Körper wieder das zuzuführen, was ihm fehlt – so wie es die Natur zuvor getan hat», so in etwa die Sichtweise der Schulmedizin. Wir haben heute diese Freiheit und es steht jeder Frau zu, künstliche Hormone als Unterstützung zu nutzen. Doch gilt es, sich bewusst zu sein, dass die natürlichen Rhythmen niemals linear sind, sondern in dauerndem Wandel. Unterbricht man diesen Wandel, wird der Prozess einfach aufgeschoben. Das heisst, die zugeführten Hormone verhindern das Problem nicht, sie schieben es lediglich auf – werden die vermeintlichen Tausendsassas nämlich abgesetzt, flammen die Beschwerden mit unverminderter Heftigkeit wieder auf. Nichtsdestotrotz sollen es die fehlenden Hormone sein, welche die Schuld tragen von A wie Alzheimer bis Z wie Zellulitis – alles wird auf den Rückgang er weiblichen Östrogene zurückgeführt.

Doch weshalb sollte die Natur die Frau als so marodes Wesen geschaffen haben? Auch Menstruation oder Empfängnis werden medizinisch unter diesem Blickwinkel betrachtet; und Gebären gilt als gefährlicher Vorgang, der ebenfalls unter medizinische Kontrolle gehört. So wie der weibliche Körper aus schulmedizinischer Sicht ja dauernd vorsorglich untersucht werden soll, damit er nicht krebsmässig entartet oder an Osteoporose zerbröckelt. . . Und so wird – durch die Brille der Schulmedizin betrachtet – die Umstellung des Körpers auf eine gebärfreie Zeit oft zu einem krankhaften Geschehen – ein Gefühl, das sich auf viele Frauen unmerklich überträgt. Leider werden die Wechseljahre meist nur unter diesen biologischen Aspekten betrachtet. Mit dem Nebeneffekt, dass der Griff in die Hormonschublade, Mammografien ab 50 und all die Vorsorgen und (Über-)Behandlungen ein lukratives Geschäft für Medizin- und Pharmaindustrie sind.

Vertrauen in sich selbst
Der Körper braucht Zeit, um sich auf die gebärfreie Phase umzustellen. Es ist eine grosse Aufgabe, die hohe Produktion der Hormone Östrogen und Gestagen, die für Schwangerschaft, Geburt und Mutterschaft in starker Konzentration gebraucht werden, zu drosseln. Bis sich der weibliche Hormonhaushalt auf sein neues Gleichgewicht eingependelt hat, braucht es Jahre. So wie eine Pflanze wächst, blüht, Früchte trägt und ihre Samen dem Wind schenkt, aus denen dereinst neue Pflanzen gedeihen – genau so wachsen und wandeln auch wir uns im Laufe des Lebens. Wie die Pflanzen sind auch wir verankert mit den natürlichen Rhythmen, dem Werden, Fruchten und Vergehen. Gerade darum sind viele Heilpflanzen in dieser Zeit der Wandlung so wertvolle Begleiter; denn sie vermögen uns zu erden und «rückzuverbinden». 

In vielen naturnahen Kulturen war es die Aufgabe der alten Frauen, die Gemeinschaft mit den Samen ihrer Weisheit und Wahrheit zu befruchten. Viele dieser Kulturen wurden ausgerottet. Auch unsere eigenen europäischen Ahninnen, die kräuter- und heilkundigen Frauen, Hebammen und Hellsichtigen wurden im christlichen Mittelalter als Hexen verfolgt, gefoltert und getötet. Immer mehr abgeschnitten von der Natur, haben wir vergessen, dass wir Menschen hier auf Erden nur auf einer Reise sind – auf der jede Lebensphase ihre Zeit hat, an der wir reifen, und die uns zu dieser einmaligen Persönlichkeit macht, die wir sind.

Frauen zwischen vierzig und sechzig durchleben eine tiefe Metamorphose. Es kann fünfzehn Jahre dauern, bis der Körper sein neues hormonelles Gleichgewicht gefunden hat. Zuerst arbeiten die Eierstöcke etwa sieben Jahre daran, die Eizellreifung und den Eisprung einzustellen, worauf die Menopause eintritt. Und dann braucht der Körper nochmals etwa so viel Zeit, um die empfindlichen Systeme zu balancieren: damit wir gesund altern können.

Der Alpen-Frauenmantel, auch Silbermantel genannt, wächst im Gebirge und gilt als besonders heilkräftig.

Pflanzliche Begleiter für die Wechseljahre:

Ackerschachtelhalm – für Elastizität und Stärke der Knochen

Angelika – Schutzpflanze für Seele und Bauch

Baldrian – für Entspannung und Ausgleich

Basilikum – 
für Genuss und guten Schlaf

Beifuss – 
verleiht Kraft und Power; diverse Heilwirkungen bei Frauenbeschwerden

Brennnessel – 
für den Stoffwechsel, gibt Kraft

Frauenmantel – 
schützt und reguliert das Hormonsystem

Granatapfel – 
enthält wertvolle Vitalstoffe

Hirtentäschel – 
wirkt blutstillend, reinigend, zusammenziehend

Hopfen – 
enthält Phytohormone und hilft bei verschiedenen Wechseljahrbeschwerden

Kamille – 
hilft bei Unruhe, entkrampft und hemmt Entzündungen

Melisse – 
beruhigt die Nerven

Mönchspfeffer – 
hat eine hormonregulierende Wirkung

Mutterkraut – 
hilft bei Hitzewallungen und wirkt krampflösend

Nachtkerze – 
beeinflusst den Hormonhaushalt positiv und kann so viele Beschwerden regulieren

Salbei – 
enthält östrogenähnliche Wirkstoffe, hilft bei Hitzewallungen

Schafgarbe – 
löst Verkrampfungen

Süssholz – 
enthält östrogenähnliche Phytohormone

Traubensilberkerze – 
harmonisiert überschiessende Symptome der Wechseljahre

Weissdorn – 
für Herz und Kreislauf

Was gärt, drängt an die Oberfläche
Manch eine Frau spürt von ihren Wechseljahren kaum etwas, andere fühlen sich leicht beeinträchtigt, wieder andere klagen über zum Teil massive Einschränkungen. Diese Frauen leiden an heftigen Hitzewallungen, Schweissausbrüchen, Schlafstörungen, Blutungen und Gefühlsschwankungen. Dass solche Körperreaktionen auch für die Aussenwelt sichtbar sind, macht es nicht besser. Sind die Nerven eh schon strapaziert, wird der Zustand schlicht unerträglich. Die eigenen Lebens- und auch Krankheitsgeschichten sind massgeblich beteiligt daran, wie wir die Wechseljahre erleben: Frauen mit Erkrankungen oder Operation an Eierstöcken, Gebärmutter oder Schilddrüse oder gar mit einer Organentfernung klagen häufiger über solche Probleme. Möglicherweise reagieren auch Frauen, die nicht geboren und gestillt haben, sehr viel heftiger, wenn sich der Körper von der aktiven Phase des potenziellen Gebärens endgültig verabschiedet – vor allem, wenn ein (vielleicht unbewusster) Kinderwunsch vorhanden war. Schliesslich bedeutet dieser Wechsel doch in aller Eindeutigkeit, nie mehr körperlich fruchtbar zu sein, schwanger werden und Kinder grossziehen zu können. Offensichtlich dringen nicht verarbeitete oder im Leben schlecht verdaute Dinge in den Wechseljahren besonders heftig an die Oberfläche und verlangen unerbittlich danach, wahrgenommen und in Ordnung gebracht zu werden. Diese Kraft zuzulassen, ist vergleichbar mit einer Geburt: Immer stärker werden die Wehen, als würde das Innerste nach aussen gekehrt; alles ist Schmerz; es wird Schwerstarbeit geleistet, geschwitzt und geblutet – doch: Irgendwann ist es vollbracht, und neues Leben erblickt das Licht der Welt.

Mit der Kraft gehen
Was für eine Chance, solche archaische Körperkraft anzunehmen, die an dieser Schwelle im wahrsten Sinn des Wortes «aufwallt». «Mit dem Beginn der Wechseljahre eröffnet sich für jede Frau die Möglichkeit einer tiefen, umfassenden Heilung», sagt Psychologin und Seminarleiterin Alexandra Klinghammer: «Zu dieser Zeit erwacht in ihr eine heilende und ermächtigende Kraft. In den spirituellen Traditionen Asiens ist das seit jeher bekannt.» Klinghammer bezieht sich auf die Kundalini, die «Schlangenkraft», die wie eine zusammengerollte Schlange am unteren Ende des Rückgrates im Wurzelchakra ruht. «Zur Zeit der Lebensmitte, wenn archetypisch der geistige Aufbruch im Menschen beginnt, erwacht diese Energie bis zu einem bestimmten Grad in jedem Menschen», fährt Klinghammer fort. «Wir Frauen spüren dieses Erwachen in Form unserer Wechseljahrbeschwerden, wobei die Hitze, die in Wellen durch unseren Körper fliesst, der unmittelbarste Ausdruck dieses Vorgangs ist.» Ein tiefer Reinigungsprozess sei da im Gange, der alle Ebenen unseres Wesens erfasse, körperliche und emotionale Blockaden bearbeite und aufzulösen versuche. «Diese Wellen der Hitze, die uns durchströmen, ermöglichen uns, einen Heilungsprozess zu durchlaufen», ist sie überzeugt. Klinghammer versteht die Wechseljahre als spirituellen Prozess, bei dem Körper und Geist aufs Engste miteinander verknüpft sind: «Vertrauen wir dem, was in uns geschieht, so können die Wechseljahre zur fruchtbarsten und erfüllendsten Zeit unseres Lebens werden.»

Das Wiedererstarken dieser tiefen Weiblichkeit markiert ihrer Ansicht nach auch einen kollektiven Übergang hin zu einem neuen Bewusstsein: «Die allgemeine Geringschätzung der Gefühlsseite ist eine der wesentlichen Gründe für die gegenwärtige Lage unserer Welt», schreibt sie in ihrem Buch «Das Erwachen der weiblichen Urkraft», «denn erst über unsere Gefühle können wir anderen Wesen mit Achtung und Wertschätzung begegnen.»

Buchtipps

Sabine Hamm, Ursula Meiners «Wechseljahre: Abschied und Neubeginn», Buchverlag für die Frau 2016, ca. Fr. 25.–

Alexandra Klinghammer «Das Erwachen der weiblichen Urkraft. Die Wechseljahre als Initiation in ein höheres Bewusstsein», Astrodata 2016, ca. Fr. 22.–

Peter Germann, Gudrun Zeuge-Germann «Frauenzeiten – Naturheilkunde für die Wechseljahre», Freya Verlag 2016, ca. Fr. 26.–

Illustration: istock.com; mauritius-images.com
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