Artikel Gesundheit :: Natürlich Online

Granatapfel - Sinnbild von Liebe und Fruchtbarkeit

Kategorie: Gesundheit

Text:  Sabine Hurni

@ iStock.com

Die älteste, mit einem Granatapfelbäumchen bemalte Vase datiert auf das 4. Jahrtausend vor Christus. Gefunden wurde sie im vorderen Orient, zwischen Euphrat und Tigris. Von dort breitete sich der Granatapfelbaum über Zentralasien nach Indien, China, Südeuropa und bis nach Amerika aus. Heute wächst er praktisch in allen warmen Ländern, insbesondere im gesamten Mittelmeerraum. Der Baum blüht im Frühling mit leuchtenden, scharlachroten Blüten und bringt im Herbst die roten Granatäpfel hervor.

In vielen Kulturen ist der Granatapfel eine Frucht voller Symbolkraft: Der reife Granatapfel mit seinen vielen Samenkernen steht für Fruchtbarkeit, Liebe und Glück; in der Antike galt er als Sinnbild göttlicher Liebe und Unsterblichkeit; und im Orient betrachtet man den Granatapfel als eine Frucht, welche die weiblichen Persönlichkeitsanteile wie Herzenergie, Hingabe, Weisheit, Bewegung und Frieden in jedem Menschen anspricht. Auch in der Kunst ist der Granatapfel oft anzutreffen – bei den Griechen und Römern, um Fruchtbarkeit darzustellen, im Mittelalter wurde aus dem aphrodisierenden Saft das Blut Christi und in der Renaissance stand der Granatapfel als Symbol für den Reichsapfel und die Macht der Könige.

Gesund ist der Granatapfel für Frau und Mann.
Die Frucht wirkt um ein Vielfaches stärker antioxidativ als grüner Tee oder Heidelbeeren; sie hat einen positiven Effekt auf das Herz-Kreislauf-System, die Blutfettwerte und den Blutzuckerspiegel. Nicht aufgrund einzelner Inhaltsstoffe, sondern dank dem Zusammenspiel von zahlreichen Nährstoffen, die nur in ihrer Ganzheit optimal wirken. Bereits 50 ml Granatapfelsaft pro Tag können den Blutdruck merklich senken und die Gehirnleistung verbessern. Darüber hinaus verfügt der Granatapfel über einen hohen Anteil an sekundären Pflanzenstoffen, die östrogenähnlich wirken. In die gleiche Familie der Phytoöstrogene gehören auch Soja, Hopfen, Mönchspfeffer (natürlich 10-18) und Yamswurzel. Pflanzliche Östrogene sind sehr gute Begleiter in den Wechseljahren: Sie sorgen für eine spürbare Linderung von Hitzewallungen oder Stimmungsschwankungen und können helfen, die östrogenbedingte Abnahme an Knochendichte zu verringern. Bereits ein Granatapfel pro Tag bringt Frauen in der Menopause einen Ausgleich im Auf und Ab der Hormone. Seit einigen Jahren wird auch die Wirkung des Granatapfels bei Prostatakrebs erforscht. Man nimmt an, dass das prostataspezifische Antigen PSA durch den regelmässigen Genuss von Granatäpfeln langsamer ansteigt.

Neben dem Granatapfelsaft gibt es im Handel auch Sirup und Pulver. Ein besonders wertvolles Erzeugnis ist das Granatapfelsamenöl aus den gepressten Kernen der Frucht. Es hat mit seinen verjüngenden und zellregenerierenden Eigenschaften die Kosmetikwelt erobert und ist in zahlreichen Pflegelinien für die reifere Haut zu finden. Ein weiteres Naturprodukt aus Granatapfelsamenöl sind Vaginalzäpfchen bei Scheidentrockenheit in und nach den Wechseljahren. Das angenehm nussig duftende Öl beinhaltet einen hohen Anteil an Punicinsäure. Diese mehrfach ungesättigte Fettsäure gehört zu den Omega-5-Fettsäuren und besitzt hohe antioxidative Eigenschaften. Das Öl ist jedoch äusserst instabil und sollte immer mit einem stabileren Öl kombiniert sein. Sonst oxidiert es rasch.

Selten liegen hierzulande Granatäpfel in der Früchteschale. Dabei wäre es die perfekte Frucht, um sich im Winter mit genügend Vitaminen zu versorgen. Beim Kauf von frischen Granatäpfeln sollten Sie darauf achten, dass die Früchte reif geerntet wurden; denn sie reifen nicht nach. Hingegen können sie bei Zimmertemperatur mehrere Wochen gelagert werden. Man findet solche Früchte zwischen September und Januar in türkischen Läden, wo sie meist direkt vom Ursprungsland bezogen werden. Im Umgang mit den Granatapfelkernen dürfen Sie ruhig kreativ werden – die herb-sauren Fruchtsamen schmecken nämlich nicht nur im Dessert oder im Frühstücksmüesli; sie eignen sich auch für die pikante Küche im Salat oder im orientalisch gewürzten Voressen und selbst zum klassischen Sonntagsbraten.

Doch wie kommt man an die Fruchtkerne, ohne dabei die ganze Küche zu verspritzen und die Kleider zu ruinieren? Mit diesen zwei bewährten Rüstmethoden klappts ganz leicht:

1. Den Granatapfel horizontal in zwei Hälften schneiden. Am besten mit einem sehr scharfen Messer, damit möglichst wenig Saft verloren geht. Nun halten sie eine Hälfte in der Hand, mit der Schnittfläche nach unten, und klopfen mit einem Kochlöffel leicht auf die Schale, ohne sie zu verletzen. So lösen sich die Kerne ganz leicht.

2. Mit einem scharfen Messer die ledrige Schale rund herum einschneiden, ohne die Frucht zu halbieren. Mit der Messerspitze in die kleine Krone des Blütenansatzes stechen und die Frucht auseinanderbrechen. Nun die Frucht in eine Schüssel Wasser tauchen und mit den Fingern unter Wasser die Kerne herauslösen. Da die Kerne nach unten sinken, lassen sich auch so Schale und Kerne gut trennen.

Um Saft zu gewinnen, kann man den Granatapfel mit einer herkömmlichen Zitronenpresse auspressen. Dazu unbedingt eine Schürze tragen, denn Granatapfelsaft ist ein Färbemittel, das nicht auswaschbar ist und auf den Kleidern bleibende Flecken hinterlässt. Wesentlich spritzfreier ist das Prozedere, wenn man den Saft direkt aus der Frucht trinkt. Dazu legt man den Granatapfel auf ein Holzbrett und rollt ihn mit etwas Druck so lange hin und her, bis er sich weich anfühlt. Dann bohrt man ein Loch in die Schale, stösst einen Trinkhalm hinein und geniesst den frischen Saft.

*Sabine Hurni ist dipl. Drogistin HF und Naturheilpraktikerin, betreibt eine eigene Gesundheitspraxis, schreibt als freie Autorin für «natürlich», gibt Ayurveda-Kochkurse und setzt sich kritisch mit Alltagsthemen, Schulmedizin, Pharmaindustrie und Functional Food auseinander.

Buchtipp




Rita Henss
«Granatapfel»
aus der Reihe «mandelbaums kleine gourmandisen», Mandelbaum 2018,
ca. Fr. 17.–

 

 
 
 
 
 
Fotos: iStock.com, zvg
Tags (Stichworte):

Kategorie: Gesundheit

Wenn die Seele weint

Schreckliche Erlebnisse wirken lange nach, besonders solche aus der Kindheit....

Kategorie: Gesundheit

Gäääähn!

Gähnen ist ansteckend – allerdings mit zunehmendem Alter immer weniger.

Kategorie: Therapien

Das Blut als Fenster in den Körper

Ein winziger Blutstropfen erlaubt erfahrenen Dunkelfeld-Therapeuten Einblicke...