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Fett im Geschäft

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_6_2018 - 21.06.2018

Text:  Tommy Dätwyler

Andreas Schmid produziert seit über 25 Jahren in sorgfältiger Handarbeit Murmeli-Kräutersalben und Massageöle, ganz ohne Chemie. Lange wurde er als «altmodisch und hinterwäldlerisch» belächelt. Das ist passé.

@ Tommy Dättwyler, zvg

Wir bekommen Bestellungen aus Texas, Australien und New York», sagt der 69-jährige Andreas Schmid alias «Murmeli» und scheint selber etwas überrascht vom weitreichenden Erfolg seiner Produkte. Dass die gut sind, daran hat er nie gezweifelt. Obwohl die Anfangszeiten nicht einfach waren.

Am Anfang dieser nicht alltäglichen Berner Oberländer Erfolgsgeschichte stand die «Gsüchti»: Schmids Schwiegervater litt stark unter Rheuma; das Murmeltierfett auf dem Ofenbänkli war so etwas wie seine Lebensversicherung. Das hat dem jungen Andreas Schmid Eindruck gemacht. Nachdem er 1981 das Jagdpatent erworben hatte, gewann er selber Murmeltierfett, auch Murmeltieröl genannt, und verkaufte es als Marktfahrer auf Fellmärkten in der ganzen Schweiz. Aber erst 1992 folgte die entscheidende Begegnung: Auf dem Fellmarkt in Thun kommentiert ein Kräuterspezialist sein Produkt mit den Worten: «Murmeltieröl ist das Beste für die Tiefenwirkung. Aber du musst Heilkräuter dazu mischen.»

Murmeltierfett: Das flüssige Gold der Alpen
In der Schweiz werden jedes Jahr im September über 5000 Murmeltiere geschossen. Mehr als 70 Prozent davon werden im Kanton Graubünden erlegt. Fell, Fleisch und Trophäen spielen zwar eine Rolle, stehen aber längst nicht mehr an erster Stelle. Zwar landet in manchen Kantonen noch Murmeltierfleisch auf dem Teller, begehrt ist aber vor allem das Fett der Nager. Denn es hilft nicht nur den Murmeltieren, den Winter zu überstehen, sondern enthält auch Substanzen, die beim Menschen heilsam wirken können. So wurde in einer wissenschaftlichen Untersuchung aus den 1980er-Jahren nachgewiesen, dass Murmeltierfett Steroidhormone wie beispielsweise Cortison und Hydrocortison enthält. Diese wirken schmerzlindernd und entzündungshemmend. Ebenso die Linolensäure (Omega 3). Zu Recht also wird Murmeltiersalbe seit Jahrhunderten genutzt für die Behandlung von rheumatischen Beschwerden, bei Muskel- und Gelenkschmerzen sowie bei entzündlichen Hauterkrankungen.

Gegen alle Widerstände

Wenig später entwickelte Schmid mit eben diesem Kräuterkundigen die wärmende Murmeli-Kräutersalbe. Wallwurz- und Johanniskraut-Essenzen, aber auch Rosmarin und andere Kräuter verwandelten fortan das Murmeltieröl in ein Stück naturreine Kulturgeschichte. «Es stand für mich seit jeher ausser Frage, dass die Salbe keine künstlichen Duft-, Farb- und Konservierungsstoffe enthalten darf. Sie muss ehrlich und natürlich sein», fasst Schmid sein Credo zusammen. Und so wurde aus dem findigen Automechaniker vor über 25 Jahren ein erfolgreicher Salbenproduzent. Gegen alle Widerstände. Und von denen gab es einige, sogar von der eigenen Frau. Aber Schmid hat immer an seine Idee geglaubt und das Projekt vorangetrieben. Der Erfolg hat sämtliche Kritiker verstummen lassen.

Familienunternehmen
Reto (links) und Silvan Schmid führen seit sechs Jahren die Geschicke der Firma, die ihr Vater Andreas gegen alle Widerstände gegründet hat.

Einst belächelt, heute bestaunt

In den Schoss gefallen ist dem pfiffigen «Murmeli» der Erfolg also nicht. Kritik begleitete seinen Weg von Anfang an. Die Wildtierfette von Murmeltier, Gams, Dachs und Hirsch als Inhaltsstoffe schürten Emotionen. «Die Salben-Idee galt als altmodisch und hinterwäldlerisch und war damals nichts für Menschen in der Stadt», erinnert sich Schmid. Trotzdem verkaufte der passionierte Jäger 1992 bereits 228 Dosen der MurmeliKräutersalben. Produziert hat er sie mithilfe eines Glühweintopfs in der Küche des Elternhauses; später dann im eigenen, umgebauten Kuhstall. Heute, 25 Jahre später, verlassen über 40 000 rote und blaue Murmeltier-Kräutersalben das 2016 gebaute, heimelig anmutende Puralpina-Haus an der Hauptstrasse zwischen Frutigen-Dorf und Kandersteg am Nordfuss des Lötschberges. Ein einladendes Verkaufslokal und ein den Büroräumlichkeiten vorgelagerter Murmeltier-Lehrpfad gehören dazu.

Die Produktionsbedingungen haben sich verändert, nicht aber die erlesenen und kräftigen Kräuter, die der Frutiger Murmeli-Kräutersalbe seit einem Vierteljahrhundert in fast unveränderter Zusammensetzung eine wärmende respektive kühlende Wirkung geben. Genauso wie der unverkennbare Duft, der auch dem beliebten Murmeli-Massage-Öl eigen ist.

Trifft den Zeitgeist

Diese «Handschrift im Dösli» sei aber nur die halbe Basis für den wirtschaftlichen Erfolg, analysieren Schmids Söhne Reto und Silvan Schmid die bewegte Geschichte ihres Vaters. Sie beide sind vor bald sechs Jahren in dessen Fussstapfen getreten und führen seither die Geschicke der Puralpina AG als Co-Geschäftsführer. Sie wissen: «Unser Vater hat früh gemerkt, dass er nicht irgendein Produkt verkauft, sondern ein Stück Kulturgut aus den Alpen.» Damit ein solches Projekt Erfolg haben könne, brauche es aber auch noch etwas anderes: Glück. «Und auch das hatten wir», räumen sie ein, «wer konnte schon voraussagen, dass der Zeitgeist zu Beginn dieses Jahrhunderts im Zuge der Globalisierung derart umschlägt.»

Natürliche Produkte, lokale Produktion, Verzicht auf Zusatzstoffe, Tradition, Geschichte, verständliche Beipackzettel und Grosis Rezept – solche Swissness-Qualität war plötzlich wieder gefragt. Und die Murmeli-Kräutersalbe lag plötzlich im Trend. Auf einmal erinnerte man sich daran, dass Murmeltierfett, das bei Arthrose, Rheuma, Muskel- und Gelenkschmerzen eingesetzt wird, im Alpenraum eine jahrhundertelange Tradition hat.

Kulturgut
Murmeltierfett wird seit Jahrhunderten bei Muskel- und Gelenkschmerzen angewandt. Dieses Wissen weiterzugeben ist ein Ziel der Puralpina AG.

Erbe der Volksmedizin

Bei einer wissenschaftlichen Studie an der Universität München wurden Ende der Achtzigerjahre im Murmeltierfett Cortison und andere entzündungshemmende Substanzen nachgewiesen. Weil die Inhaltsstoffe bei Wildtierfetten natürlichen Schwankungen unterworfen sind, kann die MurmeliKräutersalbe jedoch nicht als Arzneimittel registriert werden. Produktion, Verkauf und Einsatz der Salben unterliegen deshalb der Aufsicht der nicht minder kritischen Lebensmittel-Kontrolleure.

Dass für die Produktion der MurmeliKräutersalbe ein «Abfallprodukt» aus der heimischen Jagd genutzt wird, stört nicht, findet Firmengründer Andreas Schmid, im Gegenteil: «Es macht doch Sinn, wenn man möglichst alle anfallenden tierischen Produkte nützt und verwertet», sagt der passionierte Jäger. Diese Haltung zur möglichst vollständigen Verwertung von in der Hegejagd geschossenen Wildtieren werde sogar von vielen Vegetariern unterstützt.

Das Murmeltierfett und die übrigen Wildfette in den Puralpina-Murmeli-Salben stammen ausnahmslos direkt von Schweizer Jägern. Bei rund zehn Prozent liegt der Anteil des Murmeltieröls. Hinzu kommen Gamsfett, das für die pomadige Konsistenz sorgt, ein geringer Anteil an Dachs- und Hirschfett und neben den ätherischen Ölen und Kräutern auch ein geringer Anteil an Olivenöl. Das genaue Rezept bleibt natürlich ein gut gehütetes Familiengeheimnis.

Leserangebot
natürlich-Leser erhalten bei einer Bestellung von

1 Murmeli-Kräutersalbe wärmend 100 ml und 1 Murmeli-Kräutersalbe kühlend 100 ml (je Fr. 24.–) eine Murmeli-Kräutersalbe wärmend 50ml im Wert von Fr. 16.– geschenkt. Versandkosten: Fr. 7.–
Bestellen: Codewort «natürlich-Angebot» (bei Bestellung angeben)
Telefon 033 671 29 48, kontaktwhatever@puralpina.ch, www.puralpina.ch
Gültig bis am 30. Juli 2018

Das Murmelifett
Während normales Fett unter 25 Grad hart und starr wird, bleibt Murmeltierfett dank einem hohen Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren auch bei tiefen Temperaturen flüssig oder zumindest weich und elastisch. So ist es den Tieren möglich, auch bei abgesenkten Körpertemperaturen im Winterschlaf Fettreserven als Energiereserven anzuzapfen. Das von den erlegten Tieren gewonnene Fett wird in Frutigen schonend aufgekocht und gereinigt, gekühlt und lichtgeschützt so lange gelagert, bis es in die Produktion einfliesst, dann abgefüllt und schliesslich verschickt – vom Berner Oberland bis nach Australien und New York.

Fotos: Tommy Dätwyler, zvg 

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