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Heilen mit Pflanzen

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_04_18 - 01.04.2018

Text:  Andreas Krebs

Schon nur das gute Gefühl, selbst etwas für seine Gesundheit tun zu können, regt die Selbstheilungskräfte an. Für die erste Hilfe, als Essenz, Bachblüte oder Badezusatz – Heilpflanzen kann man bei vielen leiden Nutzen.

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Tees

Der Tee ist wohl die geläufigste Heilpflanzenzubereitung, wobei es verschiedene Teezubereitungsformen gibt: Aufguss (Infus): 1 TL Blüten, Blätter oder Kraut (Frisches ist Getrocknetem vorzuziehen) mit 1 Tasse kochendem Wasser übergiessen, 5 bis 10 Minuten ziehen lassen (Gerbstoffpflanzen weniger); danach absieben und möglichst warm trinken. Ätherische Ölpflanzen wie Salbei oder Thymian werden nur mit heissem (nicht kochendem!) Wasser aufgegossen und mit einem Deckel abgedeckt.
Abkochung (Decoct): Die Kräuter kalt mit Wasser ansetzen und aufkochen; 10 Minuten ziehen lassen.
Kaltwasserauszug (Mazerat): Schleimdrogen wie die Malve mit kaltem Wasser übergiessen und 1 bis 2 Stunden ziehen lassen; dann anwärmen und schluckweise trinken.

Arzneitees bestehen meist aus etwa drei bis fünf Pflanzen. Nehmen wir einen gallenwirksamen Tee. Der beinhaltet als Hauptmittel («Cardinale») saisongerecht Löwenzahn als Beipflanze («Adjuvant») nehmen wir Schafgarbe, sie unterstützt das Hauptmittel und wirkt zugleich günstig auf die verwandten Organe Leber und Darm. Als korrigierende Pflanze («Corrigentie») ist Pfefferminze beliebt, sie sorgt für den guten Geruch und Geschmack.

Anfängern seien bewährte Mischungen empfohlen. Eine Heilkräuterteekur dauert i.d.R. 4 bis 6 Wochen. Johanniskraut und Weissdorn sollten über längere Zeit eingenommen werden; Huflattichtee dagegen darf nur zweimal im Jahr 3 Wochen lang getrunken werden.

Surtipps
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• Welcher Tee bei welchen Leiden?

Bewährte Teemischungen
Tinkturen
Kräuterbäder
Räuchern


Auszugsöle

Pflanzenauszüge mittels Öl können direkt auf die Haut aufgetragen werden oder als Salbengrundlage dienen. Eine Handvoll Kräuter klein schneiden, in eine helle Flasche geben und mit einem kaltgepressten Bio-Pflanzenöl übergiessen. An einen sonnigen Ort stellen und 4 bis 6 Wochen ziehen lassen. Täglich schütteln. Dann absieben (nicht auspressen!), in dunkle Flaschen füllen und etikettieren. Kühl aufbewahren.


Tinkturen und Essenzen

Tinkturen sind alkoholische Auszüge aus Drogen, das heisst aus getrockneten Kräutern. Essenzen hingegen – wie die homöopathischen Urtinkturen – werden aus frischen Kräutern hergestellt. Dazu die klein geschnittenen Kräuter mit Schnaps übergiessen und an einem warmen, hellen Ort stehen lassen (keine direkte Sonne!). Täglich schütteln. Nach 4 bis 6 Wochen abfiltern, in kleine Fläschchen füllen und etikettieren. Dunkel und kühl lagern.

Tinkturen und Essenzen sind bedeutend länger haltbar als getrocknete Kräuter. 2 bis 3 Mal täglich 10 bis 50 Tropfen mit Wasser einnehmen. 10 Tropfen entsprechen ca. 1 Tasse Tee.


Wickel und Kompressen

Für Kräuterwickel 1 Handvoll Kräuter in 1/2 l kochendem Wasser 5 bis 15 Minuten ziehen lassen, dann abseihen und den Auszug mit 1/2 l kochendem Wasser mischen. Ein Geschirrtuch so falten, dass es die gewünschte Auflagegrösse hat, in den Tee eintauchen, gut auswringen und auf die schmerzende Stelle auflegen. Sofort ein Frottiertuch darüber legen und mit einem Wolltuch einpacken. Der Wickel kann so lange bleiben, bis er unangenehm wird. Dann entfernen und gut gewärmt mindestens 15 Minuten nachruhen.

Wickel immer nur einmal verwenden! Sie nehmen Giftstoffe aus dem Körper auf und müssen im Müll entsorgt werden. Kontraindiziert sind feucht-heisse Wickel bei akuten Entzündungen, Fieber und Herz-Kreislauf-Schwäche. Ölkompressen werden entweder mit Auszugsölen angefertigt oder mit Ölen, denen ätherische Öle zugesetzt wurden: Für ein zweiprozentiges Öl 12 Tropfen ätherisches Öl mit 30 ml Pflanzenöl (z.B. Mandelöl) mischen. Auf keinen Fall darf pures ätherisches Öl aufgetragen werden!


Räuchern

Geräuchert wird zur Reinigung (von Räumen und der Aura), Entspannung, Verbindung mit den Naturwesen, Konzentration und Meditation. Geräuchert werden Harze, Hölzer, Wurzeln, getrocknete Kräuter und Blüten.
Achtung: Eiben dürfen nicht geräuchert werden!


Kräuterbäder

Ein Voll-, Sitz- oder Fussbad mit anregend wirkenden Pflanzen wie Rosmarin, Lavendel oder Weissdorn sollte morgens, eines mit beruhigend wirkenden wie Baldrian oder Lindenblüten abends gemacht werden. Die Badedauer sollte 15–20 Minuten betragen, die Wassertemperatur 35–37 ºC. Anschliessend nur leicht abtupfen und 1/2 Stunde nachruhen, da Kräuterbäder den Kreislauf belasten können. Statt frische oder getrocknete Kräuter kann man auch ätherische Öle verwenden. Diese müssen emulgiert werden, damit sie nicht oben auf dem Wasser schwimmen und die Haut reizen. Dazu 3 –10 Tropfen in Rahm oder Honig geben, gut schütteln und erst dann dem Badewasser beigeben.


Honigauszüge

Für den sogenannten Erdkammerhonig werden Kräuter wie Spitzwegerich, Ysop, Malve, Eibisch, Königskerze, Thymian, Seifenkraut, Dost etc. klein geschnitten. Danach abwechselnd eine Schicht Kräuter und eine Schicht Honig in ein gut verschliessbares Glas gegeben. Dann das Glas für 90 Tage in die Erde eingraben, damit der Erdkammerhonig in Dunkelheit und bei gleichbleibender Temperatur fermentieren kann. Ausgraben, filtrieren und in saubere Gläser füllen.


Medizinalweine und –liköre

30 g frische Kräuter mit 1 Liter Wein übergiessen und etwa 100 ml Weizenkorn- oder einen ander en Schnaps dazugeben. Mischung für ca. 2 bis 3 Wochen an einen warmen Ort stellen, ab und zu schütteln, dann filtrieren und kühl (Keller oder Kühlschrank) aufbewahren. Täglich 2 bis 3 Mal 1 Schnapsglas davon trinken. Liköre werden ebenso hergestellt, jedoch verwendet man statt Wein höherprozentigen Schnaps, Gin oder Cognac. Die Kräuter sollen auch länger ziehen, i.d.R. 4 bis 6 Wochen.


Kräuterkissen

Kleine Leinen- oder Baumwollsäckchen füllen mit zerkleinerten Kräutern und entweder ins warme Bett nehmen oder ähnlich einem Wickel auflegen. Bei Schlaflosigkeit haben sich Hopfen, Dost, Lavendel, Quendel und Waldmeister bewährt.


Lebenselixiere — Theriak

Lebenselixiere sind Essenzen, in denen vielerlei Kräuter ausgezogen werden, vorwiegend Bitterstoffpflanzen. Lebenselixiere wurden auch Theriak genannt. Heute ist der Schwedenbitter bekannt. Er wird innerlich als Soforthilfe oder als Kur zur allgemeinen Kräftigung angewendet sowie äusserlich für Umschläge (sie wirken entzündungshemmend, zusammenziehend, desinfizierend und durchblutungsfördernd). Die Herstellung von Schwedenbitter ist relativ aufwendig. Man kann ihn auch in der Apotheke kaufen.


Erste Hilfe

Heilkräuter können wunderbar für die Erste Hilfe angewendet werden. So lindert der kühlende Pflanzensaft von Huflattichblättern leichte Verbrennungen, bei Juckreiz und brennendem Schmerz helfen Wegerich, Ampfer, Gundermann oder Gänseblümchen; das Gänsefingerkraut lindert Muskelkrämpfe; Schürf- und Schnittwunden sowie Insektenstiche behandelt man mit Spitzwegerich; Breitwegerich hilft bei Blasen an den Füssen und Beifuss macht müde Beine munter. Dazu einfach einige Blätter verreiben bis Pflanzensaft austritt; diesen auf die betroffenen Stellen reiben resp. das ganze gequetschte Blatt darauf platzieren.

Bei Kopf- und anderen Schmerzen kann man einige Blätter Mädesüss, Minze, Silberpappel oder Weide kauen. Schafgarbe kann kleine blutende Verletzungen heilen und Nasenbluten stillen: Dazu zerdrückte Blätter vorsichtig in die Nase stopfen und sich dann eine Weile ausruhen. Bei Hexenschuss die schmerzende Stelle mit frischer Brennnessel abreiben. Das fördert die Durchblutung und lindert die Schmerzen.


Weitere Anwendungen

Man kann Wildkräuter in der Küche verwenden, mit ihnen basteln, färben (z.B. Eier oder Kleider), flechten und Hände und Kleider waschen (Seifenkraut, Kastanien); man kann sie als Blumenstrauss oder Kaffeeersatz (Eichel, Löwenzahnwurzel, Wurzel von Wegwarte = «Zichorienkaffee») nutzen, Kräuterzucker, -salz, -öl, -essig, -salbe sowie Blütensirup, und -wasser (Hydrolate) machen oder ätherisches Öl (Destillation mit Wasserdampf), Naturkosmetik (Shampoo, Deo, Rasier- und Gesichtswässer) und Mundspülungen herstellen.

Buchtipp
Ursula Stumpf «Meine Pflanzenmanufaktur: Bewährte Traditionen neu entdecken», Kosmos 2016, Fr. 39.90

Illustrationen: istockphoto.com

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