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Über die Frühjahrskur mit Pflanzenkraft

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_03_18 - 01.03.2018

Text:  Sabine Hurni

Spriessen die ersten grünen Blättchen aus dem noch winterschläfrigen Boden, regen sich bei vielen Leuten freudige Glücksgefühle.

@ istockphoto.com

Welche Erleichterung müssen unsere Ahnen und Vorfahren verspürt haben bei diesem Anblick! Gänseblümchen, Bärlauch, Scharbockskraut und die ersten Brennnessel- und Melissenblättchen lieferten ihnen nach Monaten der vermutlich ziemlich eintönigen Ernährung endlich wieder Frischkost, die reich an Mineralstoffen und Vitaminen war. Auch wir können die Kraft der frischen Wildpflanzen nutzen. Im Frühling tut es gut, wenn wir den Stoffwechsel anregen und die winterliche Schwere aus dem Körper treiben. Ein wichtiges Organ, das sich im Frühling über eine Erfrischungskur mit frischen Wildkräutern freut, ist die Leber. Gelingt es, die Leber im Frühling in Schwung zu bringen und zu regenerieren, ist der Start in die wärmere Jahreszeit mit viel weniger Müdigkeit verbunden.

Heilmittel und Pflanzenpräparate zur Leberregeneration gibt es zwar im Fachhandel zu kaufen. Aber warum nicht die Gunst der Stunde nutzen und selber Wildkräuter sammeln? Auf www.natuerlich-online.ch finden Sie eine wunderbare Sammlung von Heilkräutern. Die bitteren, nährstoffreichen Kräuter aktivieren den Stoffwechsel, lösen Schleim in der Lunge und aktivieren die Verdauungsenzyme. Sie sind also bestens dazu geeignet, die Körpersäfte in Bewegung zu bringen. Ältere Leserinnen und Leser kennen vielleicht noch die Tradition der Neunkräutersuppe, auch Gründonnerstagssuppe genannt. Es ist eine Suppe, die aus den ersten neun Kräutern gekocht wird, die im Frühling im Garten oder am Wegrand spriessen. Vorzugsweise wird sie am Gründonnerstag, am Donnerstag vor Ostern, verzehrt. Welche neun Kräuter in der Suppe landen, spielt keine Rolle, sofern sie bekömmlich sind. Man wählt die Kräuter je nach Wohnort, Sonnenstand und Kräuterkenntnis. Wichtig ist jedoch, dass es neun Kräuter sind. In der Zahlenmystik steht die Neun für Weisheit und Vollkommenheit, da sie drei Mal die Zahl Drei enthält, die wiederum in vielen Kulturen für das Göttliche steht. Eine Möglichkeit wäre zum Beispiel diese Kräuterauswahl:
1. Brennnesseln wachsen gerne in der Nähe des Menschen: an Zäunen, am Wegrand und an Grabenrändern. Junge Blättchen können als Spinat oder Salat zubereitet werden. Da die Brennnessel eine der wichtigsten Eisenpflanzen ist und laut TCM das Leberblut nährt, gehört sie in die Hausapotheke jeder menstruierenden Frau.
2. Giersch ist an Rändern von Bächen zu finden und gehört zu den wichtigsten Gartenunkräutern, weshalb er auch unter dem Namen «Gärtnerschreck» bekannt ist. Dabei ist er sehr gesund. Aber: Bevor Sie Giersch sammeln, sollten Sie sich ein gutes Wildpflanzenbestimmungsbuch kaufen, denn man kann ihn mit anderen Doldenblütlern verwechseln, und die sind häufig giftig. Giersch passt hervorragend in den Salat oder kann wie Spinat zubereitet werden. Die aromatischen Blätter streut man wie Petersilie in und über die Gerichte und bringt auf diese Weise den Säure-Basen-Haushalt in Ordnung – ideal bei Rheuma- und Gichterkrankungen.
3. Die Blätter des Guten Heinrichs schmecken vor der Blütezeit am besten. Sie sehen aus wie kleine Gänsefüsschen und sind leicht rötlich, liefern eine Menge Mineralstoffe und Vitamine, haben einen hohen Eisengehalt und sollten nur frisch gegessen werden. Getrocknet verlieren sie ihre Wirkung.
4. Die Vogelmiere verfügt über einen hohen Gehalt an Chlorophyll und gehört zu den blutreinigenden und mineralstoffreichen Frühlingsboten. Man sollte sie im Frühling häufig zum Salat geben. Und nehmen Sie sich die Zeit, die Blüten mit der Lupe zu betrachten – sie sind wunderschön.
5. Das Scharbockskraut breitet sich im Frühling bodendeckend aus. Zu diesem Zeitpunkt sind die Blätter zart und vitaminreich. Man kann sie frisch kauen, im Salat verwenden oder gehackt über die Suppe streuen. Die Blütenknospen kann man einlegen und wie Kapern verwenden. Sobald die Blüten offen sind, werden die Blätter bitter.
6. Das Wiesenschaumkraut, auch Wiesenkresse genannt, schmückt mit seinen rosa- bis blasslilafarbenen Blüten Naturwiesen und Weiden. Man kann die ganze oberirdische Pflanze, von der Blattrosette bis zur Blüte, für Smoothies verwenden oder in den Salat geben. Allerdings nicht zu viel, da das Wiesenschaumkraut ziemlich scharf ist, ähnlich wie Kresse, und in grossen Mengen Magen und Nieren reizen kann. Wohldosiert wirkt es stoffwechselanregend, verdauungsfördernd, blutreinigend, antibakteriell und schleimlösend. Es wird gegen Rheuma, Frühjahrsmüdigkeit und Schmerzen ebenso eingesetzt wie bei Diabetes, Bronchitis, Hautproblemen und Unterleibsschmerzen.
7. Die Melde ass man lange bevor es den Spinat gab, im Frühling als Blattgemüse. Auch sie wirkt mit ihrem hohen Mineralstoffgehalt blutreinigend und stärkend. Man findet sie an Weg- und Wiesenrändern, in Gärten und auf Ödland.
7. Das Labkraut ist leider in vielen Regionen bereits dezimiert. Es heisst, dass es nur an Plätzen wächst, die eine Glücksenergie ausstrahlen. Labkraut regt das Lymphsystem an und ist deshalb ein hervorragendes Reinigungsmittel für den ganzen Körper. Als Tee, in der Suppe oder als Fussbad hilft es gegen Frühjahrsmüdigkeit.
9. Der Löwenzahn darf im Frühling auf keinen Fall fehlen. Er ist eine unserer wichtigsten Heilpflanzen – es ist kein Zufall, dass er bei uns auf Fettwiesen oft flächendeckend gedeiht. Wir sollten ihn möglichst häufig nutzen. Seine jungen Blättchen bringen den Organismus in Schwung; Ablagerungen werden aus dem Körper gespült, indem der Löwenzahn Leber, Nieren und Bindegewebe aktiviert. Eine reine Löwenzahnkur als Presssaft oder Smoothie sollte über vier Wochen durchgeführt werden.

Neunkräutersuppe
Zutaten
★ Je eine Handvoll von neun frischen Frühlingskräutern
★ 1 Zwiebel
★ Butter oder Öl zum Anbraten
★ 0.5 Liter Wasser
★ Salz, Pfeffer, Muskatnuss, ein Spritzer Zitronensaft zum Abschmecken
★ Etwas Rahm oder ein Esslöffel Mandelmus zum Abrunden
Zubereitung
Feingewürfelte Zwiebel im Fett anschwitzen, jeweils eine Handvoll Kräuter klein hacken und dazu geben. Mit Wasser aufgiessen und 5 Minuten köcheln lassen. Anschliessend mit Salz, Pfeffer, einem Spritzer Zitronensaft und Muskatnuss abschmecken. Die Suppe pürieren und mit Rahm oder Mandelmus verfeinern.

Des Weiteren kommen Bärlauch, Gundermann, Spitzwegerich, Gänseblümchen, Kleiner Wiesenknopf (Pimpinelle), Weidenröschen, Rauke (Rucola) und viele andere in Frage; ebenso ganz normale Küchenkräuter wie Basilikum, Rosmarin oder Thymian. Man muss also nicht zwingend die Wanderschuhe anziehen, um zu den Kräutern zu gelangen. Aber Wildpflanzen enthalten generell mehr Nährstoffe als Zuchtpflanzen. Und vielleicht haben Sie ja Lust, während des nächsten Spaziergangs Ihren Blick auf die Blumen und Kräuter am Wegesrand zu richten und neben den wohlbekannten Kräutern einige Neue kennenzulernen. Es ist bereichernd, sich auf diese Weise der Natur zu nähern. 

Zur Person
Sabine Hurni ist dipl. Drogistin HF und Naturheilpraktikerin, betreibt eine eigene Gesundheitspraxis, schreibt als freie Autorin für «natürlich», gibt Ayurveda-Kochkurse und setzt sich kritisch mit Alltagsthemen, Schulmedizin, Pharmaindustrie und Functional Food auseinander.

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