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Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_10/17 - 01.10.2017

Text:  Anja Speitel

Eine gesunde Darmflora ist Voraussetzung, damit Immunsystem und Verdauung gut funktionieren – und das wiederum ist entscheidend für unsere Gesundheit.

@ zvg, istockphoto.com

Gesundheit beginnt im Darm. Dank Fasten kein Kopfweh – das mag verwegen tönen. Aber der Darm ist für uns wie die Wurzel für einen Baum: Er ist nicht sichtbar, aber von entscheidender Bedeutung für unsere Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Ist der Darm geschwächt, so ist es auch der restliche Organismus. Das erkannte der österreichische Arzt Franz Xaver Mayr schon vor über hundert Jahren. Er bezeichnete den Darm als «Wurzelsystem des Menschen». Seine Therapieprinzipien: Schonung, Säuberung und Schulung des Verdauungsapparates, um ihn zur regenerieren, den Organismus zu entgiften und so Krankheiten vorzubeugen. «Im Darm lagern sich Giftstoffe an. Werden sie nicht entfernt, lagern sie sich irgendwann auch im Organismus an, etwa in den Gelenken, was zu schmerzhaften, degenerativen Erkrankungen wie Arthrose führen kann», erklärt Adrian Schulte, Vorstandsmitglied der Internationalen Gesellschaft der Mayr-Ärzte. «Eine Darmsanierung ermöglicht es dem Körper, alten Unrat und Giftstoffe loszuwerden. Zudem entzieht sie schädlichen Bakterien und Parasiten den Nährboden.» So werde das optimale Gleichgewicht der Darmflora mit 85 Prozent Laktobakterien und 15 Prozent Kolibakterien wieder hergestellt. Zivilisationskrankheiten könnten so vorgebeugt werden und unterschiedlichste Beschwerden sich bessern.

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Internationalen Gesellschaft der Mayr-Ärzte

Fasten kann heilen. Dass sich eine Auszeit vom Essen positiv auf eine ganze Reihe unterschiedlichster Beschwerden auswirkt, belegen mittlerweile viele wissenschaftliche Studien. So lindert Fasten allerlei Schmerzerkrankungen, z. B. Rheuma, Arthrose, Fibromyalgie und Migräne: Patienten brauchen während des Fastens weniger Schmerzmittel oder könnten ganz auf sie verzichten. Ähnlich sieht es bei Diabetes aus: Insulinpflichtige Patienten können nach einer Fastenkur teilweise aufs Spritzen oder Pillenschlucken verzichten. Auch Allergien, Bluthochdruck, Depressionen, Burn-out und Hautleiden vermag Fasten zu lindern – und natürlich zig Verdauungsprobleme, wie Reizdarm, Candida-Befall oder einen permanenten Blähbauch.

«Der Darm muss sauer sein»
Herr Feldhaus*, gibt es Frühwarnzeichen, wenn der Darm aus dem Lot gerät?
Ja, Verdauungsbeschwerden und Vollegefühl oder Müdigkeit nach dem Essen. Auch Allergien, Infektanfälligkeit, Haut- und Schleimhautprobleme können auf eine gestörte Darmflora hinweisen.
Hängen Darmprobleme immer mit der Ernährung zusammen?
Natürlich. Eine basische Ernährung wird heute zu stark propagiert. Saure und fermentierte Lebensmittel sind aus der modernen Ernährung hingegen weitestgehend verschwunden, dabei sind sie zentral für die Darm- Gesundheit. Der Darm muss sauer sein, sonst kann er nicht richtig verdauen. Und der Mensch lebt nicht von dem, was er isst, sondern von dem, was er verdaut.
Können Sie konkrete Ernährungsempfehlungen für einen gesunden Darm geben?
Raus aus dem Basen-Wahn und zurück zur Vernunft. Das heisst, nicht dauernd basisch essen oder ständig Basenpräparate einnehmen. Sich auf alte Ernährungsgewohnheiten besinnen: Unsere Grosseltern haben noch Molke getrunken und ihr Gemüse mit Essig haltbar gemacht. Heute hingegen hört es schon bei den Silberzwiebeln oder sauren Gurken zum Raclette auf.
Sollte man täglich Saures oder Fermentiertes essen?
Möglichst schon, zumindest mehrmals wöchentlich. Mit einem Schuss Apfelessig oder Zitronensaft morgens und abends ins Wasser gelingt dies sehr leicht. Und trinken Sie mal wieder Sauermilch oder Kefir. Die Milchsäure ist sehr gut für den Darm. Zudem sollte man reichlich Ballaststoffe essen. Von ihnen ernähren sich die guten Bifidus- und Laktobazillen im Darm.
Wie kann man den Darm noch stärken?
Zur Vorbeugung gesundheitlicher Störungen ist es sinnvoll, den Darm regelmässig zu entlasten. Am besten im Frühjahr und Herbst je einen Monat eine Kur durchführen. Das muss kein extremes Fasten sein. Man kann auch einfach eine Woche nur Gemüse essen, viel Kräutertee und Wasser trinken. Ab der zweiten Woche dann viele saure Lebensmittel verzehren. Auch macht es in dieser Zeit Sinn, Milch säurebakterien oder ein Mischprobiotikum einzunehmen, also ein Präparat aus möglichst vielen verschiedenen Bakteriensorten. Auch nach jeder Antibiotika-Behandlung sollte man so verfahren, denn Antibiotika zerstören die im Darm lebenden Bakterien.
*Simon Feldhaus ist Facharzt für Allgemeinmedizin sowie Heilpraktiker und TCM-Therapeut bei der Paramed AG.
Links
• Internationalen Gesellschaft der Mayr-Ärzte: www.fxmayr.com
• Paramed Kompetenzzentrum für Komplementärmedizin: www.paramed.ch

Bakterien im Fokus. Der Darm wird kurz nach der Geburt mit Bakterien besiedelt. Seit wenigen Jahren ermöglichen uns moderne Analysemethoden einen genaueren Blick auf den Mikrokosmos Darm: Hundert Billionen Keime tummeln sich dort, insgesamt rund zwei Kilo schwer. Sie bilden ein topaktuelles Forschungsgebiet und fast täglich kommen neue Studienergebnisse hinzu. « Heute ist wissenschaftlich belegt, dass die Darmflora – also die im Darm lebenden Bakterien, wissenschaftlich als Mikrobiom bezeichnet – unglaublich stark mit dem Gesamtkörper vernetzt ist», weiss Simon Feldhaus, ärztlicher Leiter des Paramed-Kompetenzzentrums für Komplementärmedizin in Baar. « Im Darm werden zum Beispiel Hormone und andere Botenstoffe gebildet. 80 Prozent unseres Immunsystems befinden sich im Darm. Auch der Einfluss des ‹Bauchhirns› auf die Psyche gewinnt an Bedeutung.» Durch diese Vernetzung auf allen Ebenen gebe es quasi keine gesundheitliche Störung, bei der eine Darmsanierung nicht von Nutzen sei. «Der Darm ist das Zentrum der Gesundheit und sollte viel öfter therapeutisch integriert werden.»

Schmauen – die Kunst des Kauens
Ausgiebiges Kauen ist unverzichtbar, um die Speisen mechanisch so vorzubereiten, dass sie im weiteren Verdauungsapparat von den Bakterien abgebaut werden können. Nur dann profitiert der gesamte Organismus von gesundem Essen. Ausserdem ist unzerkleinerte Nahrung eine Belastung für Magen und Darm und es kommt zu Beschwerden wie Vollegefühl und Blähbauch.
Kleine Bissen nehmen und mitzählen, wie oft Sie kauen. Als ideal gilt, jeden einzelnen Bissen 40 bis 50 Mal zu «schmauen». Denn das Essen sollte sich in einen vollkommen flüssigen Nahrungsbrei verwandeln, bevor es geschluckt wird.
Durchhalten, auch wenn Sie anfangs lediglich 15 Mal kauen schaffen sollten. Die meisten schlucken das Essen fast unzerkaut. Durch konstantes Üben werden sie sich schnell steigern und nach rund drei Wochen gar nicht mehr anders können, als jeden Bissen gründlich zu kauen. Denn erst dann schmecken Sie die Nahrung wirklich.
Zeit nehmen: Mindestens eine halbe Stunde sollte man sich pro Mahlzeit gönnen. Das bedeutet langsam essen und sich bewusst darauf konzentrieren.
Als Belohnung schenkt Ihnen der Körper mehr Vitalität und Lebensfreude!

Gute und schlechte Darmbakterien. Bei einer Darmsanierung werden die im Darm lebenden Bakterien modifiziert, was Einfluss hat auf den ganzen Menschen. Im Verdauungstrakt unterscheiden wir grob zwei Arten von Bakterien: Die krank machenden Fäulnisbakterien (Kolibakterien) und die gesundheitsförderlichen Verdauungsbakterien, zu denen u. a. die Lakto- und Bifidobakterien zählen. Ihr gesundes Gleichgewicht (15 : 85) wird durch einseitige, zuckerlastige oder konservierungsstoffreiche sowie ballaststoffarme Ernährung gestört. Bei einer Darmsanierung kommen daher auch die «guten» Lakto- und Bifidobakterien zum Einsatz: «Wir nutzen aber nicht nur Probiotika, also Präparate aus Bakterien oder deren Bestandteile zur Beeinflussung der Darmflora, sondern es braucht auch immer Präbiotika als Nahrungsmittel für die Bakterien», sagt Feldhaus.

Meist brauche es auch noch dritte Mittel, um das Milieu im Darm wieder zu normalisieren. Denn heute sei der pH-Wert im Darm bei den meisten Menschen viel zu wenig sauer, betont der Komplementärmediziner. Das dränge die Lakto- und Bifidobakterien enorm zurück und leiste den Fäulnisbakterien Vorschub. «Daher muss man zuerst dafür sorgen, dass das Darmmilieu wieder ins Saure verschoben wird.» Dazu verwendet er z. B. Milch-, Zitronen-, Essig- oder Huminsäure. «Ein saures Darm-Milieu ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für unsere Gesundheit», betont Feldhaus. Es schafft optimale Wachstumsbedingungen für die positiven Darmbakterien. So regulieren sich die Keime im Darm schon von alleine recht gut in eine gesunde Balance.» Dafür könne jeder selbst viel tun und so der Entstehung vieler Erkrankungen vorbeugen.

Buchtipps
• Adrian Schulte: «Alles Scheisse!? Wenn der Darm zum Problem wird », Scorpio Verlag, 2017, Fr. 26.90
• Jörn Reckel, Wolfgang Bauer: «Darm krank – alles krank. Hilfe mit ganzheitlicher Therapie», Verlagshaus der Ärzte, 2016, Fr. 21.90

Fotos: zvg, istockphoto.com

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