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Über Reisedurchfall

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_07_08/2017 - 01.07.2017

Text:  Sabine Hurni

Damit während einer Reise nichts in die Hose geht, kann man seinen Körper unterstützen: Hygiene, Huminsäure und Präbiotika zählen zu den wirkungsvollsten Mitteln gegen Verdauungsprobleme.

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Ich kenne Leute, die verreisen nicht ohne eine kleine Flasche Whisky im Gepäck; andere schwören auf Klosterfrau Melissengeist; ich halte mich an das homöopathische Mittel Okoubaka. So hat jeder seine Tricks, um die Ferien ohne Verdauungsprobleme geniessen zu können. Dass man seinen Körper bei einem «Tapetenwechsel» entsprechend unterstützt, macht Sinn. Denn in fremden Ländern kommt man mit Bakterien in Kontakt, die der Körper noch nicht kennt. Die Speisen sind würziger, es herrschen andere hygienische Standards, zudem ist das Klima anders und auch viele neue Eindrücke gilt es zu verarbeiten. So geht eine Reise mit einer Bewusstseinserweiterung einher, die wir zu Hause auf Balkonien nicht erleben. Es ist eine Auszeit, die uns die Dinge durch eine andere Brille betrachten lässt – und uns so mehr oder weniger stark prägt und verändert. Beim Reisen lassen wir uns auf eine Veränderung ein; wir schauen über den Tellerrand hinaus und kommen auf neue Ideen. Nicht nur geistig, sondern eben auch körperlich.

Das Risiko, an Reisedurchfall zu erkranken, ist in den ersten Tagen im neuen Land besonders gross. Schuld daran sind nicht etwa Parasiten wie Amöben oder Lamblien; es ist schlicht die neue bakterielle Umgebung, an die der Darm sich gewöhnen muss. Ist die Umstellung vollbracht, können Touristen oft dasselbe essen und trinken wie die Einheimischen.

In den ersten zwei Wochen jedoch sind die üblichen Vorsichtsmassnahmen gefragt: «Cook it, boil it, peel it, or leave it!» Heisst, nur gekochte Speisen essen, nur Wasser aus verschlossenen Flaschen trinken, Früchte schälen oder mit sauberem Wasser waschen. Eiswürfel, Glace und Salate sind tabu.

Man kann den Körper unterstützen, damit er sich rasch an die neue Umgebung gewöhnen kann. Hilfreich sind Heilmittel, welche die Verdauungssäfte aktivieren, Bakterien schnell ausleiten und so verhindern, dass sie in die Darmschleimhaut eindringen. Einige Methoden möchte ich hier vorstellen; die Liste ist natürlich nicht vollständig.
1. Pflanzliche Heilmittel: Zu dieser Gruppe gehören bittere, gerbstoffreiche Heilpflanzen, wie sie zum Beispiel im Zeller Balsam, im Melissengeist, in bitteren Tees und Kräuterschnaps enthalten sind, etwa Engelwurz, Galgant oder Wermut. Bitterstoffpflanzen unterstützen die Verdauungssäfte. Gerbstoffpflanzen, wie zum Beispiel die Tormentillwurzel, aber auch die Gerbsäure im Whisky verhindern, dass Bakterien in die Darmwand eindringen. Durch die Anregung von Verdauungsenzymen wird die fremde Nahrung besser verdaut und die Umstellung erfolgt reibungsloser. Eine weitere hilfreiche Heilpflanze ist das homöopathische Heilmittel Okoubaka. Es ist ein wirksamer Verdauungshelfer, wird bei Lebensmittelunverträglichkeiten ebenso eingesetzt wie zur unterstützenden Behandlung von Tropenkrankheiten. Okoubaka, bitter- und gerbstoffreiche Tinkturen, Tees oder Schnäpse können während der ganzen Reise eingenommen werden.
2. Kohletabletten: Aktivkohle gehört zu der Wirkstoffgruppe der Adsorbenzien. Die Kohle absorbiert, das heisst bindet Lebensmittelgifte, Bakterien und Bakterientoxine an sich und wird danach mit dem Stuhl ausgeschieden. Der Nachteil: Kohle bindet auch Wirkstoffe von Medikamenten. Diese sollten deshalb zeitlich versetzt eingenommen werden.
3. Huminsäure: Die aus Braunkohle, Torf oder Moor gewonnene Huminsäure hat wie die Kohle ein sehr gutes Bindevermögen. Pilze, Lebensmittelgifte und Bakterien werden von der Huminsäure angezogen und ausgeschieden. Gleichzeitig legen sich die Huminsäuren filmartig über die Darmschleimhaut, um ein Anhaften oder Eindringen der Toxine zu verhindern. Huminsäuretabletten sollten einige Tage vor, während und wenn nötig auch noch einige Tage nach der Reise eingenommen werden.
4. Präbiotika: Bakterienkulturen sorgen dafür, dass die hilfreichen Bakterien immer Überhand behalten gegenüber den schädlichen Bakterien. So ist der Darm gut gewappnet. Ich würde diese Präparate präventiv vor und während der Reise einnehmen.
5. Medikamente: In der medikamentösen Behandlung von Durchfall wird in der Regel der Wirkstoff Loperamid eingesetzt. Er reduziert die verstärkte Darmbewegung. So hat der Körper mehr Zeit, Wasser und Elektrolyte aus dem Darm zu ziehen und der Stuhl wird wieder dicker. Mit diesen Medikamenten wird eine Dehydratation des Körpers verhindert. Der Nachteil: Die Bakterien bleiben im Darm und die körpereigene Immunabwehr ist gefordert. Sie sind aber ideal als Notfallmittel, um überhaupt reisetauglich zu sein.
6. Hygiene: Was nicht viel bringt sind Desinfektionssprays. Häufiges Händewaschen mit Seife genügt, um sich vor den fremden Eindringlingen zu schützen.

Elektrolytlösung selbst gemacht
Ein wirkungsvolles Elektrolytgetränk kann man mit Bestandteilen herstellen, die überall auf der Welt erhältlich sind: 1 Liter kochendes Wasser, 1 gestrichener Teelöffel Kochsalz, 8 Teelöffel Zucker, wenn möglich 2 – 3 Gläser Fruchtsaft. Nach jeder dünnflüssigen Darmentleerung sollte man ein Glas von dieser Lösung trinken. Geeignet sind auch gezuckerte Tees mit Salzgebäck oder heisse Bouillon. Und viel warmes Wasser. Dazu ein bis zwei Bananen pro Tag.

Trotz aller Vorsicht kann der Reisedurchfall zuschlagen. Er ist oft begleitet von heftigen Bauchkrämpfen, Übelkeit, Erbrechen und Fieber, welche nach einigen Tagen wieder abklingen. Wenn Fieber und Durchfälle über mehrere Tage anhalten, sollte ein Arzt aufgesucht und ein Antibiotikum eingenommen werden.

Doch im Normalfall kann man eine Durchfallerkrankung selber behandeln. Wichtig ist, dass man sehr viel trinkt, insbesondere eine Elektrolytlösung, die den Verlust von Mineralstoffen und Wasser ausgleicht. Coca-Cola ist dazu nicht geeignet. Es wird bei Übelkeit zwar als angenehm empfunden, kann den Flüssigkeitsverlust aber nicht ausreichend ersetzen. Am Anfang sollte man strikt fasten und nur Flüssigkeit zu sich nehmen. Ist die akute Durchfallphase vorbei, kann der Verdauungsapparat mit leichter Kost wieder aufgebaut werden.

Zur Person
Sabine Hurni ist dipl. Drogistin HF und Naturheilpraktikerin, betreibt eine eigene Gesundheitspraxis, schreibt als freie Autorin für «natürlich», gibt Ayurveda-Kochkurse und setzt sich kritisch mit Alltagsthemen, Schulmedizin, Pharmaindustrie und Functional Food auseinander.

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