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Beine zeigen

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_06/2017 - 01.06.2017

Text:  Marion Kaden

Endlich kann man wieder Röcke und kurze Hosen tragen! Wenn da nur nicht die Venenprobleme wären, die Krampfadern und Besenreiser.

@ istockphoto.com, mauritius-images.com

Sommer, Sonne, Wasser – endlich bricht die Zeit an, in der wieder viel Haut gezeigt werden kann. Da sind schöne Beine für Frau und Mann ein Hingucker. Doch für viele Menschen sind gerade die Beine problembehaftet: Besenreiser – also kleinste Venen in der Oberhaut, die sichtbare, feine rötliche Verästelungen bilden – und Krampfadern werden als unschön empfunden und möglichst versteckt. Dabei sind solche Venenprobleme häufig: Zwei von fünf Erwachsenen leiden an Krampfadern, wobei das Risiko im Alter steigt. Krampfadern, auch Varizen genannt, sind knotig-erweiterte oberflächliche Venen, also Blutadern. Sie können an Unter- und Oberschenkeln sowie unter der Bauchdecke als Hämorrhoiden Probleme bereiten.

Vereinzelte Besenreiser sind gesundheitlich unproblematisch, also höchstens ein kosmetisches Problem. Sie können aber zu Krampfadern auswachsen. Varizen sind unnatürlich gestaute, dann erweiterte, nach Jahren verhärtete und letztlich nicht mehr richtig funktionierende Venen oder Venengeflechte. Kommen sehr viele Varizen vor, liegt eine Krampfader-Erkrankung (Varikose) vor.

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Erbliche Faktoren spielen bei der Venenbeschaffenheit eine Rolle. Zudem entstehen Krampfadern häufig durch eine Bindegewebsschwäche, von der Frauen häufiger als Männer betroffen sind. Auch Verletzungen, zum Beispiel Prellungen, können Krampfadern verursachen oder verschlimmern. Bei Schwangeren erschwert der zunehmende Druck im Bauchraum den Blutrückfluss in Richtung Herz, was an den Beinen zu Blutstauungen, dicken Beinen und Krampfadern und am Darmausgang zu Hämorrhoiden führen kann.

Die rabiaten Methoden. Nicht alle Krampfadern bedürfen einer Therapie. Für die Selbstbehandlung stehen diverse Möglichkeiten zur Verfügung. Bei starken Schmerzen jedoch und wenn die Venen stark hervortreten, bei Verletzungen leicht bluten oder gar dauerhaft entzündet sind, ist eine Therapie angebracht. Denn dann erfüllen die Venen ihre Funktion des reibungslosen Bluttransports innerhalb des venösen Blutkreislaufs nicht mehr. Zudem können Blutgerinnsel (Thrombosen) entstehen. Sogar entfernte Blutgefässverschlüsse in Organen (Embolie) sind möglich.

Zur Krampfaderbehandlung stehen verschiedene Methoden zur Verfügung. Durch viel Werbung ist das «Venen-Stripping» in den Vordergrund gerückt. Dabei werden die eher oberflächlich sitzenden Venen durch chirurgische Einschnitte gekappt und herausgezogen, also «gestrippt». Der Eingriff erfolgt meist ambulant. Eine gewisse Zeit der Immobilität muss allerdings in Kauf genommen werden, denn es braucht Zeit, bis die gekappten Venenenden verheilt sind. Als schonender gelten der Einsatz von Laserstrahlen oder Radiowellen. Bei diesen Methoden werden kleine Sonden in die zu behandelnden Venen eingeführt, wo die Hitze der Strahlen respektive Wellen die Venen veröden. Diese verbleiben im Körper.

Der naturheilkundliche Arzt Berndt Rieger aus dem deutschen Bamberg steht diesen Behandlungsformen kritisch gegenüber: «Sie können heftige Narbenreaktionen hervorrufen, mit denen sich der Körper neue Probleme einhandeln kann. Bei den Operationen werden nicht nur kranke, sondern oft auch gesunde Venen verletzt. Dabei entstehen Narbenplatten, die das Wachstum gesunder Venen behindern. Zudem umschlingen die Narbenplatten andere Adern und Nerven und können diese abdrücken. Nicht zuletzt kann der Energiefluss in den Beinen und damit im ganzen Körper empfindlich gestört werden», sagt er.

Phlebologie?
Die Phlebologie (phleb von griech. φλ′ϵψ phléps, «Blutgefäss», «Blutader», «Vene», und -logie, «Lehre») ist ein medizinisches Fachgebiet, das sich mit der Erkennung und Behandlung von Gefässerkrankungen befasst, insbesondere von Venenerkrankungen wie Krampfadern (auch Varizen oder Varikose genannt) und Hämorrhoiden. Geprägt wurde der Begriff Phlebologie von Raymond Tournay (1893 –1984).
Quelle: Wikipedia

Veröden mit Kochsalz. Auf der Suche nach alternativen Behandlungsmethoden lernte Rieger die Venenverödungstechnik des Tübinger Dermatologen und Venenspezialisten Paul Linser kennen. Der Phlebologe hatte schon 1911 eine Krampfader-Verödung (Sklerotherapie) durch Injektion einer Kochsalzlösung entwickelt. Rieger erlernte die Linser-Methode und praktiziert sie seit vielen Jahren erfolgreich. Das Credo des Naturarztes und Internisten: «Eine hypertone Kochsalzlösung ist eine biologische, dem Körper entsprechende Möglichkeit und ruft keine allergischen Reaktionen hervor.» Ziel bei der Kochsalzlösung-Injektion sei es, im Inneren der Krampfader einen intensiven Reiz hervorzurufen. «Mit Kochsalz findet eine Verklebung der Ader statt und danach eine Auflösung der Struktur ohne Zurückbleiben irgendeines Restes der Ader», erklärt Rieger. Das Besondere sei, dass es sich um eine Krampfaderentfernung handle, nicht um eine Verödung. Die Durchführung brauche allerdings erfahrene Therapeuten, denn die Kochsalzlösung müsse die richtige Konzentration haben und gründlich verteilt werden.

Anders als Linser vor hundert Jahren setzt Rieger keine 27-prozentige Kochsalzlösung ein. Denn dabei sind starke Schmerzen, Entzündungsreaktionen und sogar Nekrosen zu befürchten. Mit einer 10-prozentigen Kochsalzösung hingegen könnten Patienten effektiv, schonend und ohne Nebenwirkungen behandelt werden, sagt Rieger. «Nur etwa fünf Prozent meiner Patienten sprechen nicht zufriedenstellend auf diese Behandlung an.»

Vor dem Hintergrund seiner tausendfachen Patientenerfahrungen und deren Weitergabe an viele Therapeuten sieht Rieger in der «salinischen Sklerotherapie» eine sanfte, natürliche Methode, die über Monate hinweg Krampfadern entfernt, ohne Narben zu hinterlassen.

Fotos: istockphoto.com, mauritius-images.com

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