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Das Lebenselixier Wasser

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_11/2016 - 01.11.2016

Text:  Sabine Hurni

Genug Wasser trinken ist nicht nur gesund, es ist lebensnotwendig. Die meisten Leute trinken jedoch zu wenig, besonders in der kalten Jahreszeit. Ein Plädoyer fürs Wassertrinken.

@ istockphoto.com, Alex Spichale

Kennen Sie das? Morgens füllen Sie einen Krug mit Tee oder Wasser und abends ist der Krug noch fast voll. Sie hatten halt keinen Durst oder waren den ganzen Tag so beschäftigt, dass Sie das Trinken schlicht vergessen haben. Kennen Sie? Ist nicht gut!

Im Sommer fällt das Trinken leichter. Doch sobald die Tage kühler werden, nimmt das Durstgefühl ab und entsprechend sinkt die Flüssigkeitsmenge, die wir dem Körper zuführen. Dabei wäre es gerade jetzt, wo die Heizungen wieder laufen und draussen Wind und trockene Kälte die Haut austrocknen, enorm wichtig, den Körper mit ausreichend Feuchtigkeit zu versorgen.

Trinken ist viel mehr
als oben rein und unten raus. Ohne Nahrung kommt der Mensch mitunter Wochen aus. Bei Wassermangel hingegen bricht der Kreislauf innert weniger Tage zusammen, weil die Nieren keine Giftstoffe mehr ausscheiden können. Das ist nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, dass Wasser der Hauptbestandteil des menschlichen Körpers ist: Eine Frau besteht, rein materiell gesehen, zu 50 bis 55 Prozent aus Wasser; bei Männern sind es bis zu 60 Prozent, bei einem Neugeborenen sogar bis zu 75 Prozent. Bei starkem Übergewicht kann der Wasseranteil im Körper allerdings auf 45 Prozent sinken. Das Wasser befindet sich in den Zellen, im Blut und in den Lymphbahnen. Knochen bestehen zu 22 Prozent aus Wasser, Muskeln zu 75 Prozent, Blut zu 90 bis 95 Prozent. Der Wassergehalt des Kopfes beträgt 80 bis 85 Prozent, jener der Augen sogar 99 Prozent.

Es ist das Wasser, das im Blut den Sauerstoff und die Nährstoffe transportiert, Stoffwechselendprodukte aus den Zellen holt und die Nieren aktiviert. Es ist auch das Wasser, das Stresshormone ausscheidet und Bandscheiben zu kleinen Kissen anschwellen lässt. Wasser brauchen wir zum Weinen, Schwitzen, Atmen, Ausscheiden und Einspeicheln. Ohne Wasser kein Leben!

Je nach körperlicher Aktivität und Aussentemperatur verliert der Mensch täglich zwei bis fünf Liter Flüssigkeit, auch während des Schlafs: Allein über Nacht atmen und schwitzen wir ein bis zwei Liter Wasser aus dem Körper. Husch, husch zwischen Bett und Büro ein, zwei Tassen Kaffee trinken reicht nicht aus, um den Flüssigkeitsverlust der vergangenen Nacht zu ersetzen. Es braucht mindestens zwei grosse Gläser Wasser – am besten warm –, um Stoffwechsel und Kreislauf zu aktivieren und die Verdauungsorgane auf das Frühstück vorzubereiten. Als Faustregel für eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme gelten drei Deziliter pro zehn Kilogramm Körpergewicht. Bei einer 70 Kilogramm schweren Frau sind das 2,1 Liter.

Wer zu wenig trinkt, merkt dies oft lange nicht. Doch viele Erkrankungen hängen indirekt mit der Trinkmenge zusammen. Rückenschmerzen, Rheuma, Muskelkater, Kopfschmerzen, Verstopfung, trockene Haut, trockene Schleimhäute und Arthrose zum Beispiel sind allesamt Beschwerden, die sich positiv verändern, wenn die Trinkmenge stimmt.

Wer abnehmen möchte, sollte nicht nur Kalorien zählen, sondern in erster Linie den Stoffwechsel ankurbeln. Das geht ganz einfach: Vor jeder Mahlzeit mindestens einen halben Liter (lauwarmes) Wasser trinken. Wem trockene Heizungsluft zu schaffen macht, kann sich den Luftbefeuchte  sparen, wenn er genügend Wasser trinkt. Leute mit Rückenschmerzen sollten nicht nur an ihrer Haltung arbeiten – sie sollten auch genügend Wasser trinken. Denn der Muskel besteht, wie bereits erwähnt, aus 75 Prozent Wasser; bei Wassermangel lagert sich im Muskel sehr viel Säure ein. Und die Bandscheiben können ihre Stossdämpferfunktion nur wahrnehmen, wenn bei jeder Bewegung Wasser zwischen die Wirbel strömen kann. Ausserdem kann der Körper die durch Schmerz und Stress ausgelösten Hormone nur ausscheiden, wenn genügend Wasser die Zellen durchströmt.

Trinken Sie also genug! Am besten über den Tag verteilt, vor allem am Morgen und am Nachmittag. Abends sollten Sie keine grossen Mengen mehr trinken, sonst werden Sie nachts von einer vollen Blase am Durchschlafen gehindert. Trinken Sie ungesüsste, neutrale Flüssigkeiten, am besten reines Wasser oder aber ungesüssten Tee oder stark verdünnte Fruchtsäfte. Denn je neutraler das Getränk ist, desto schneller kann es der Körper für sich nutzen. Jeder Kräutertee, jedes Süssgetränk und jeder Smoothie versorgt Körper und Geist mit Informationen, die sie zu verdauen haben. Wir müssen sonst schon enorm viele äussere Einflüsse emotional verarbeiten. So ist es für den Körper eine wahre Wohltat, wenn er bei den Getränken nicht auch noch aus der Fülle aller Einzelteile das Wesentliche herausziehen muss.

Damit der Krug in Zukunft nicht mehr nur zur Dekoration auf dem Schreibtisch steht, möchte ich Ihnen ein paar Tipps mitgeben, um Sie zum Trinken zu animieren:
1. Füllen Sie morgens zehn Gläser mit Wasser und stellen Sie diese an verschiedene Orte in Ihrer Wohnung. Jedes Mal wenn Sie an einem vorbeilaufen, trinken Sie es aus.
2. Das Glas neben dem Schreibtisch immer wieder füllen, sobald es leer ist.
3. Den Wecker jede volle Stunde stellen und jeweils ein Glas Wasser trinken. Im Büro machen Sie das am besten im Kollektiv.
4. Wasser mit Minz- oder Melissenblättchen aufpeppen, im Winter eignen sich auch Ingwerscheiben, Zitronenschnitze oder Kardamomsamen.

Zur Person
Sabine Hurni ist dipl. Drogistin HF und Naturheilpraktikerin, betreibt eine eigene Gesundheitspraxis, schreibt als freie Autorin für «natürlich», gibt Ayurveda-Kochkurse und setzt sich kritisch mit Alltagsthemen, Schulmedizin, Pharmaindustrie und Functional Food auseinander.

Foto: istockphoto.com, Alex Spichale

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