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Ab an die Sonne

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_07/08_2016 - 01.07.2016

Text:  Marion Kaden

Ohne Sonnenschutz geht nichts, das weiss jedes Kind. Nun zeigen Studien aber, was die Naturheilkunde schon immer wusste: Ungeschützter Sonnengenuss ist lebenswichtig.

Sommer, Sonne, draussen sein. Licht, Luft, endlich unbeschwert und wenig bekleidet die Wärme geniessen – wie wunderbar! Oder? Bei vielen Menschen tönt im Hinterkopf ein Alarmsignal: Hautkrebs! UV-Strahlung kann Hautkrebs auslösen, das weiss heute jedes Kind. Diese Botschaft hat sich in unseren Köpfen festgesetzt – so unverrückbar, dass Studien, die in eine andere Richtung weisen, wenig bis gar keine Beachtung finden. So zum Beispiel die Arbeit des schwedischen Professors Pelle G. Lundqvist. Zusammen mit einem Forscherteam und verschiedenen renommierten Kliniken hat er eine bemerkenswert grosse und lange Untersuchung zu den Zusammenhängen zwischen Sonnenexposition und Lebenserwartung durchgeführt. Dazu waren knapp 30 000 Schwedinnen über 20 Jahre lang beobachtet worden. Zu Beginn der Studie waren die Frauen zwischen 25 und 64 Jahre alt und hatten keinen Krebs.

Weniger andere Krankheiten. Beachtenswert ist beispielsweise, dass die Lebenserwartung der Teilnehmerinnen umso höher war, desto mehr Sonne sie im Studienzeitraum genossen hatten. Der Zuwachs an Lebenszeit betrug 0,6 bis 2,1 Jahre; je mehr Sonne, desto höher die mittlere Lebenserwartung. Ausserdem wurde ein sonnenassoziierter, sehr deutlicher Rückgang der Erkrankungszahlen bei Nicht-Krebserkrankungen wie beispielsweise Diabetes mellitus, multipler Sklerose oder Lungenerkrankungen festgestellt. Und umgekehrt: Frauen, die die Sonne vermieden hatten, lebten kürzer, zum Beispiel weil ihr Herz-Kreislauf-Sterberisiko bis zu 60 Prozent höher lag als bei Sonnenliebhaberinnen. Selbst wenn vermehrte Sonnenexposition bei Frauen mit erhöhter Lebenserwartung in Zusammenhang steht, sterben auch diese irgendwann. Da sie jedoch seltener an Nicht-Krebserkrankungen versterben, wird Krebs als Todesursache relativ gerechnet häufiger. Allerdings, und dies widerspricht der Sonnenschutz-Propaganda, liegt dies an einer leichten Häufigkeitssteigerung bei allen Krebserkrankungen und nicht – wie meist behauptet – nur an Hautkrebs.

Neue Empfehlungen gefordert. Die schwedischen Forscher resümieren: Die bisherigen, allgemein ausgesprochenen Warnungen vor der Sonne sind zumindest in Schweden eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit. Sie empfehlen ein Umdenken. Die gesundheitlichen Vorteile von Sonnenbädern seien offensichtlich. Sonnenbad-Empfehlungen (oder Warnungen) sollten entsprechend dieser «neuen Einsichten» und unter Berücksichtigung der geografischen Lage (je weiter weg vom Äquator, desto geringer die UV-Strahlung), der wahren Ortszeit (Sonnenzeit) oder des Hauttyps umformuliert werden. Die vielen Studien, die beispielsweise in Australien durchgeführt worden sind und vor der Entstehung von Hautkrebs warnen, dürften nicht für die nördliche Hemisphäre gelten, so die schwedischen Forscher.

Sonnenschutz meint seit einigen Jahrzehnten vor allem Schutz vor der UV-Strahlungder Sonne. Dieser Anteil des Lichts soll Hautkrebs verursachen. Nun werden aber mithilfe des UV-Wellenanteils in der Haut von Menschen und Säugetieren aus Vorstufen von Vitamin D, die biologisch aktiven Formen hergestellt (Vitamin D3). Dabei ist der Begriff Vitamin eigentlich falsch. Er wurde in Zeiten der Vitamin-Entdeckungen im 19. Jahrhundert und Anfang des 20. Jahrhunderts geprägt. Heute ist sicher, dass das fettlösliche Vitamin D3 ein zentrales, für sehr viele Lebensfunktionen unverzichtbares Hormon ist. Am längsten bekannt ist seine Bedeutung bei der Regulation der Knochenmineralisierung, zuerst bei Rachitis, heute bei Osteoporose. Neuere Forschungen beschäftigten sich mit vielfältigen neu entdeckten Funktionen des Hormons: So ist es zentral am Immunsystem, dem Energiestoffwechsel, der Wärmebildung oder an Gehirnfunktionen beteiligt. Typische Erkrankungen im Zusammenhang mit einem Vitamin-D-Mangel sind vermehrte Infektionen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Allergien und Autoimmunerkrankungen, Osteoporose, Demenz und zahlreiche Krebserkrankungen. Kaum ein Bereich der modernen biomedizinischen Forschung ist derzeit so aktiv wie die Vitamin-D-Forschung.

Bessere Melanom-Heilung
Aktuelle Analysen von US-Krebsdaten zeigen, dass bösartiger Hautkrebs (Melanom) umso seltener auftritt, je höher die UV-Einstrahlung ist, vor allem bei Weissen. Immer öfter wird ein Zusammenhang zwischen Melanom-Hautkrebs und Sonnenkonsum bezweifelt. Nicht zuletzt, weil weltweit eine massive, von der UV-Belastung unabhängige Zunahme dieses Hautkrebses beobachtet wird. Aus naturheilkundlicher Sicht interessant ist der Zusammenhang von UV-Licht und dem Überleben bei dieser lebensbedrohlichen Krebserkrankung: Schon 2005 setzte sich die US-Arbeitsgruppe um Marianne Berwick in alle verfügbaren Nesseln. Sie hatten nämlich herausgefunden und publiziert, dass das Überleben von Melanom-Patienten umso besser ist, umso mehr Sonne sie vorher ausgesetzt gewesen waren. Dieser vorteilhafte Effekt von Sonnenlicht wurde später auch von anderen Arbeitsgruppen weltweit bestätigt, zum Beispiel in Italien. Nach einer sehr viel grösseren Folgestudie schränkte Berwicks Arbeitsgruppe zwar ihre weitreichenden Aussagen etwas ein. Ihr Ergebnis, dass eine hohe UVB-Dosis nicht allzu lange vor einer Hautkrebs-Diagnose die Gesamtsterblichkeit um 35 Prozent verringert, ist angesichts der allgegenwärtigen Sonnenphobie aber bemerkenswert.

Tiefer Vitamin-D-Spiegel. Bei der Abwägung der gesundheitsfördernden gegenüber den krankmachenden Wirkungen von Sonnenlicht ist der Vitamin-D-Spiegel im Blut ein zentraler Messwert. Dieser Wert zeigt an, wie viel oder wie wenig Sonne genossen wurde. Anders als die Sonnenschutz-Propagandisten oft behaupten, finden sich auch in Weltregionen mit sehr viel Sonneneinstrahlung häufig tiefe Vitamin-D-Spiegel. So wurde im Rahmen einer aktuellen Studie in den Vereinigten Arabischen Emiraten mit 60 000 Menschen aus verschiedenen Ländern festgestellt, dass nahezu 85 Prozent der Untersuchten einen Vitamin-D-Mangel hatten, davon wurden 26 Prozent als dringend behandlungsbedürftig eingestuft. Und das in einem Land mit der höchsten Sonneneinstrahlung auf der Erde überhaupt. Ähnliches zeigen auch Studien aus anderen tropischen Ländern, selbst solchen, in denen die Bekleidungsvorschriften nicht so streng wie in muslimischen Ländern sind. Die Mode der vornehmen Blässe in Kombination mit zunehmendem Einsatz von Sonnenschutzmitteln sowie kulturell bedingte Sonnenvermeidung könnten über allgegenwärtigen Vitamin-D-Mangel an der epidemischen Verbreitung systemischer Erkrankungen, Bluthochdruck, Diabetes und Übergewicht in diesen Ländern beteiligt sein, so die Forscher aus den Arabischen Emiraten. 

Foto und Illustration: istockphoto.com

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