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Nicht nur für die Katz

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_07/08_2016 - 01.07.2016

Text:  Gundula Madeleine Tegtmeyer

Naturheilkunde hilft kranken Hunden, Katzen und Kühen wieder auf die Beine – deshalb findet die sanfte Medizin bei Tierhaltern immer mehr anklang. Doch Bachblüten, Globuli und Akupunktur sind auch in der Veterinärmedizin umstritten.

Die Nachfrage nach homöopathischer Behandlung am Tier steigt kontinuierlich, sowohl in der Landwirtschaft wie auch im Heimtierbereich», sagt Nathalie Heuer, Präsidentin des BTS, dem Schweizer Tierheilpraktikerverein. Und weiter hält sie fest: «Es sind Tierbesitzer, welche für sich selbst Homöopathie oder andere komplementärmedizinische Therapieformen nutzen, aber auch Menschen, die durch die Erkrankung ihrer Tiere erstmals mit der Alternativmedizin in Berührung kommen.»

Benno Blum, Product Manager für Einzelmittel und Tierhomöopathie bei Omida Schweiz, bestätigt den Trend. «Die Nachfrage nach Alternativen zur Schulmedizin nimmt zu und ist besonders bei der Behandlung von Nutztieren sehr gefragt. Auch konventionelle Landwirte möchten für Nutztiere wie Milchkühe den Einsatz von Antibiotika reduzieren, denn so entstehen für sie keine Absetzfristen, in denen die Milch nicht verwendet werden darf.» Das und die Tatsache, dass Homöopathie keine Nebenwirkungen hat, sind die Vorteile, die laut Blum immer mehr Tierbesitzer zu schätzen wissen.

Eine Medizin, die keine ist. Beim Menschen ist die Zuneigung durch den Arzt eine wissenschaftlich anerkannte Erklärung für den Placeboeffekt. Laut Manfred Schedlowski, Medizinpsychologe an der Universität Duisburg-Essen und ebenfalls Placeboforscher, lässt sich das auch auf Tiere übertragen. Auch die Ärztin Natalie Grams spricht vom therapeutischen Setting Zeit, Empathie und Zuwendung. Grams war durch eine, wie sie rückwirkend resümiert, «fehlgedeutete eigene Erfahrung» zur Homöopathie gekommen. «Ich war krank, war bei einer Homöopathin und danach ging es mir besser.» Weiter hinterfragt habe sie ihre Genesung zu jenem Zeitpunkt nicht, im Gegenteil, danach führte sie lange eine homöopathische Privatpraxis. Als Naturwissenschaftlerin kamen ihr im Laufe der Jahre jedoch Zweifel.

Ursprünglich war ihr Buch «Homöopathie neu gedacht» als Plädoyer für die Globuli-Medizin vorgesehen, aber es kam anders. «Ich beschäftigte mich mit den Grundlagen der Homöopathie und führte mir vor Augen, in welcher Zeit sie von Hahnemann erdacht wurde und wie sich Medizin und Wissenschaft seither weiterentwickelt haben.» Ihre eigenen therapeutischen Beobachtungen fasst sie heute wie folgt zusammen: «Was wirkt an der Homöopathie, das sind Aspekte der Psychologie, der Zuwendung, der Beachtung, der intensiven Gespräche und die Möglichkeit, selbst etwas tun zu können.»

Auch die positiven Assoziationen von sanft und natürlich, wie die Wirkung der Homöopathie gerne beschrieben wird, spielen eine wichtige Rolle, sowie die Zeit, die vergeht, bis man selber oder das Tier wieder gesund wird. Gams: «Das nennt man Placebo- und Kontexteffekte. Die Wirkung ist erstaunlich, aber nicht spezifisch, verlässlich oder steuerbar und somit eigentlich keine Medizin.»

Versuchsreihen des Harvard-Psychologen Richard J. Herrnstein brachten noch etwas anderes zutage. Tiere sprechen durchaus auch auf Scheinpräparate an. Nachdem Herrnstein seine Versuchsratten entsprechend konditioniert hatte, reichte bereits das Verabreichen einer Spritze, um eine biologische Wirkung zu erzielen, völlig unabhängig davon, ob ein Wirkstoff oder eine reine Kochsalzlösung injiziert wurde.

Von Schulmedizin bis TCM – die häufigsten Therapieformen für Haus- und Nutztiere
• Schulmedizin
Sie ist vom Denkansatz her primär krankheitsorientiert und sucht mit anerkannt wissenschaftlichen Methoden nach Ursache und Wirkung. Mit demselben Denkansatz werden entsprechende Therapien und Medikamente entwickelt und angewendet.
• Naturheilkunde
Sie denkt vernetzt, das heisst sie betrachtet die Gesamtheit von Körper, Seele und Geist in einem ganzheitlichen Ansatz. Eine naturheilkundliche Behandlung dient der Anregung der Selbstheilungskräfte sowie der Wiederherstellung des inneren Gleichgewichts. Auf diese Weise erzielt die Naturheilkunde ihre Heilerfolge.
• Homöopathie
Vor über 200 Jahren schrieb der Vater der Homöopathie, der Arzt und Apotheker Samuel Hahnemann, in seinem Werk «Organon der Heilkunst», nieder, dass «Ähnliches mit Ähnlichem» geheilt werden könne. Folglich wird im Patienten durch die verabreichte Arznei eine «Kunst-Krankheit» ausgelöst, durch die der Patientenkörper die tatsächliche Krankheit erkennt und die nötigen Schritte zur Selbstheilung veranlasst. Die Ursprungssubstanz wird schrittweise mit Alkohol oder Wasser verdünnt bis die gewünschte Potenz erreicht ist.
• Globuli
Milchzuckerkügelchen mit der potenzierten homöopathischen Substanz.
• Homöopathisches Prinzip
Je geringer die Konzentration eines Wirkstoffes, desto höher soll seine Wirksamkeit sein.
• Bachblüten-Therapie
Sie basiert auf der Idee, dass die gebundene Energie von Blüten eine regulierende Wirkung auf die psychischen Zustände hat.
•Traditionelle Chinesische Medizin
Fünf Hauptsäulen tragen die TCM: Chinesische Arzneimitteltherapie, Akupunktur, Tuina (eine chinesische Massageform), chinesische Diätetik (Ernährungslehre) und die Bewegungstherapien Qigong und Tai Chi.

Zuwendung macht den Unterschied. Anhänger der Tierhomöopathie verweisen gerne auf ihre eigenen Studien, deren Aussagekraft Kritiker jedoch infrage stellen. Tierärzte bemängeln zum Beispiel, dass viele Studien der Befürworter der Tierhomöopathie nicht die Kriterien der evidenzbasierten Medizin erfüllen. So sei oft die Anzahl der Versuchstiere zu gering. Ein Beispiel zur Veranschaulichung: Wird eine Fallstudie an fünf Versuchstieren durchgeführt, von denen vier mit Homöopathie geheilt worden seien, suggeriere dies eine Heilungsrate von 80 Prozent.

Links zum Thema
• Homöopathieverband Schweiz: www.hvs.ch
• Tierheilpraktikerverband Schweiz: www.tierheilpraktikerverband.ch
• Akademie für Tiernaturheilkunde: Schweiz: www.atn-ag.ch
• Kometian, das komplementärmedizinische Tierheilangebot: www.kometian.ch

Fotos: istockphoto.com

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