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Langeweile, die einfach nur gut tut.

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_07/08_2016 - 01.07.2016

Text:  Sabine Hurni

Unser durchgetaktetes Leben kann einem sprichwörtlich an die Nieren gehen – an die Nebennieren, um genau zu sein. Jetzt ist die richtige Zeit, neue Kräfte zu tanken – am besten mit süssem Nichtstun.

Sommer ist, wenn wir dem Schatten entlang schleichen, in einer Wiese liegend dem Surren der Insekten zuhören und das gesellige Zusammensein der Arbeit vorziehen. Wenn die Menschen sich plötzlich spontaner, freier und lebendiger fühlen.

Der Sommer ist das heilsamste Stress-Regulationssystem, die preiswerteste Tankstelle für Lebensenergie und die beste Erholungszeit für all jene Organe, die in Stresssituationen besonders stark belastet sind, und deshalb möchte ich an dieser Stelle an die faule Seite im Mensch appellieren, die nun endlich wieder einmal zum Zug kommen darf. Wenn jemand beruflich viel leistet, sich neben der Arbeit weiterbildet, in einer Lebenskrise steckt, Beziehungsprobleme hat, unglücklich ist oder unter chronischen Schmerzen leidet, reagiert der Körper mit der Ausschüttung von Stresshormonen. Lässt die Situation das Bedürfnis nach Ruhe über längere Zeit nicht zu, leidet nicht etwa das Herz, sondern die Nebennieren. Die beiden äusserst kleinen Organe, welche wie zwei Käppchen auf je einer Niere sitzen, produzieren das Stresshormon Cortisol. Dieses ist für viele wichtige Stoffwechselfunktionen zuständig. In den Nebennieren werden zudem Sexualhormone produziert, wie auch das Mineralocorticoid Aldosteron, das den Salz- und Wasserhaushalt und den Blutdruck steuert.

In stressreichen Zeiten sind die Nebennieren zu Höchstleistungen fähig. Sie schütten grosse Mengen an Stresshormon Cortisol aus und die Produktion von Sexualhormonen und Mineralocorticoiden geht zurück. Deshalb steigt in hektischen Zeiten der Blutdruck und die Lust auf Sex nimmt ab. Folgt nach dieser stressreichen Zeit keine Pause, in der sich Mensch und Körper erholen können, nimmt die Cortisolausschüttung ab, weil die Nebennieren erschöpft sind. Das Cortisol ist sehr tief, weil nicht mehr genug davon produziert wird, und der gesamte Stoffwechsel wie auch der Hormonhaushalt geraten durcheinander. Folgen davon sind chronische Müdigkeit, Depressionen, Erektionsstörungen, Libidoverlust, Schlafstörungen und viele weitere, stressbedingte Erkrankungen. Oft wird dieser Mechanismus unterschätzt. Viele Betroffene erhalten wegen Müdigkeit, häufiger Unterzuckerung oder Verdacht auf Burn-out ein Antidepressivum, einen Angstlöser, ein Schlafmittel oder eine Eiseninfusion. Der Zustand der Nebenniere wird jedoch nicht hinterfragt.

Eine Nebennierenschwäche wird in der Regel über einen Bioresonanztest, einen Tastbefund während der Fussreflexzonenmassage oder mittels eines Muskeltests in der Kinesiologie festgestellt. Oft merkt man aber auch selber, dass die Batterie einfach leer ist. Medikamente, Aufputschmittel wie Kaffee oder Energiedrinks sowie der Sofortkick beim Sport führen häufig nur zu noch mehr Stress. Der Körper wird aufs Funktionieren getrimmt, während er sich nach Erholung sehnt.

Die beste Therapie ist die Langeweile. Oder anders ausgedrückt: ein geregeltes Leben, das in den Augen unserer Gesellschaft als langweilig betrachtet wird. Das heisst erstens: viel schlafen. Nach lange anhaltenden Stressphasen sollte man abends um 22 Uhr ins Bett und morgens nicht vor 8 Uhr aufstehen. Dies über mehrere Tage hinweg, bis die Energie zurück ist. Zweitens sollte man sich lange Ferien gönnen: Erholsame Ferien dauern drei bis vier Wochen. Alles darunter lenkt zwar vom Alltag ab und bringt etwas Abwechslung, doch das Gefühl der Erholung setzt erst später ein. Denn wo die Langeweile anfängt, beginnt die Erholung. Je mehr Stress anfällt und je weiter sich jemand von sich selbst entfernt hat, desto wichtiger sind auch in regelmässigen Abständen eingenommene, warme Mahlzeiten. Sie stärken den Körper und die Nebennieren optimal.

Es gibt auch einige Heilpflanzen und Therapiemethoden, welche die Nebennieren zusätzlich zu diesen Grundmassnahmen unterstützen können. So hat sich zum Beispiel Hafer (Avena Sativa) zum Aufbauen nach strengen Zeiten sehr bewährt. Auch die Schwarze Johannisbeere als Knospenmazerat greift ausgleichend ins Stresshormonsystem ein. Das Schüsslersalz Nr. 2, Calcium Phosphoricum, erhöht die Energieversorgung auf Zellebene und die Melisse (Melissa Officinalis) ist ein ausgleichendes Nervenmittel, das die Schlafqualität verbessert.

Im Sommer ist Ausschlafen, Faulenzen und Nichtstun erlaubt. Es gibt keine bessere Zeit, um sich dem Jetzt, dem Sein zu widmen. Und sollten Sie, während des Lesens dieses Textes, immer tiefer und entspannter in den Sessel gesunken sein, dann lenken Sie ihre Aufmerksamkeit doch einmal auf Ihren Atem. Viele Leute haben im Laufe der Jahre verlernt, harmonisch zu atmen. Der Leitsatz «Brust raus – Bauch rein» bewirkt, dass der Atem in der Brust festgehalten wird und sich der Bauchraum verspannt. Bei einem körpergerechten Einatmen wölbt sich der Bauch nach aussen, die Brust erhebt sich und das Zwerchfell dehnt sich, um der Lunge Platz zu machen. Beim Ausatmen zieht sich der Bauch nach innen zurück und drückt so die Luft aus dem Körper wie bei einem Blasbalg. Wenn Sie die Hände auf den Bauch legen, spüren Sie, wie sich der Bauch hebt und senkt. Beim Ausatmen beginnen Sie zu zählen und atmen zwanzigmal ein und aus. Wiederholen Sie diese Übung täglich. Sie unterstützen so das Immunsystem, die Nebennieren, erholen sich schneller, sind weniger stressanfällig und lassen ihre Seele baumeln. Dazu muss man nicht einmal verreisen.

Zur Person
Sabine Hurni ist dipl. Drogistin HF und Naturheilpraktikerin, betreibt eine eigene Gesundheitspraxis, schreibt als freie Autorin für «natürlich», gibt Ayurveda-Kochkurse und setzt sich kritisch mit Alltagsthemen, Schulmedizin, Pharmaindustrie und Functional Food auseinander.



Fotos: Alex Spichale, istockphoto.com

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