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Morgenstund hat …

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_05_2016 - 01.05.2016

Text:  Andreas Walker

Die längeren Tage steigern spürbar unseren Tatendrang. Doch der Start in die helle Jahreszeit macht viele Menschen schlapp. Weshalb der Körper träger als der Geist ist, und wie man der Müdigkeit ein Schnippchen schlägt.

Endlich sind die Tage wieder länger: Mit riesigen Schritten vertreibt der Frühling die winterliche Dunkelheit. Jeder Tag wurde ab Frühlingsanfang dreieinhalb Minuten länger. In weniger als drei Wochen macht das bereits eine ganze Stunde aus. Und jetzt, Ende April, ist sie definitiv vorbei, die Zeit der langen und dunklen Nächte.

Müde trotz genug Schlaf. Wie schön sind diese längeren Tage doch! Wäre da nicht diese bleierne Müdigkeit, von der wir hin und wieder befallen werden. Das Phänomen dürfte vielen bekannt sein. Die Frühjahrsmüdigkeit ist weder ein Märchen noch eine Krankheit, aber sie ist lästig. Untersuchungen haben gezeigt, dass sich etwa 54 Prozent der Männer und 60 Prozent der Frauen zwischen März und Mai von der Frühjahrsmüdigkeit betroffen fühlen. Dabei ist sie bei den Menschen unterschiedlich ausgeprägt. Trotz ausreichender Schlafdauer werden Symptome wie Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Wetterfühligkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Gereiztheit und zum Teil Gliederschmerzen im Frühjahr verstärkt wahrgenommen. Die Frühjahrsmüdigkeit tritt typischerweise in Ländern auf, in denen sich Temperatur und Lichtverhältnisse mit den Jahreszeiten markant verändern. Sie ist keine Krankheit, sondern eine Begleiterscheinung der Vorgänge in unserem Körper, der sich an die hellere und wärmere Zeit anpasst.

Menschen machten Winterschlaf.
Forschungen haben ergeben, dass vor der Entdeckung der Elektrizität die Menschen im Winter deutlich länger geschlafen haben, weil der Lebensrhythmus durch die Tageshelligkeit vorgegeben wurde. In unserer durchorganisierten und technisierten Gesellschaft ist so etwas kaum mehr vorstellbar, denn wir leben heute nicht mehr nach dem Rhythmus des Sonnenlichtes, sondern nach der genauen Uhrzeit – nach Stunden und Minuten. In der kalten und dunklen Winterzeit schützt sich unser Körper, indem er die Temperatur um wenige Zehntelgrade senkt, den Blutdruck leicht erhöht und mehr vom Schlafhormon Melatonin bildet. Doch im Gegensatz zu unseren Vorfahren, die sich gewissermassen mit einer Art Winterschlaf auf die helle und aktive Jahreszeit vorbereiten konnten, sind wir übers ganze Jahr hinweg aktiv und produktiv.

Sobald die Sonne wieder länger scheint, reagiert der Körper erneut mit einer Veränderung des Stoffwechsels. Die Körpertemperatur steigt ein wenig, die Blutgefässe weiten sich und der Blutdruck sinkt. Nur langsam verringert die wachsende UV-Strahlung die Produktion des Schlafhormons Melatonin, um stattdessen die Herstellung des Glückshormons Serotonin anzuregen. Dieser Vorgang wird als Frühjahrsmüdigkeit spürbar, denn der Kreislauf kommt vorerst nicht so richtig auf Touren, weil das Melatonin uns immer noch auf Dunkelheit eingestellt hat.

Aktive und passive Müdigkeit
Viele Leute, die sich körperlich und geistig zu wenig bewegen, suchen «Bewegung» mit passiven Tätigkeiten: beim Fernsehen, bei Computerspielen oder bei unsinnigen Autofahrten. Somit hat man äusserlich Bewegung, ohne wirklich aktiv etwas zu tun. Dies bewirkt ein Durcheinander im Körper. Jemand erlebt beispielsweise eine fiktive Bedrohung in einem Film. Doch diese Person rennt natürlich nicht davon, was im Körper aber eine Irritation, eine innere Spannung auslöst. Solche Reize führen dazu, dass man sich in seiner Haut nicht mehr wohlfühlt; der Körper muss eine «innere Arbeit» leisten, die unproduktiv ist. Man ringt mit sich selber und ermüdet dadurch immer mehr. So kann ein ungesunder, bewegungsarmer Lebensstil zu einer chronischen Müdigkeit, aber auch zu vielen anderen Krankheiten wie Bluthochdruck oder Zuckerkrankheit führen. Im Gegensatz dazu ist eine Müdigkeit, die nach einer anstrengenden körperlichen Tätigkeit entstanden ist, gesund und lässt den betreffenden Menschen in der Nacht gut schlafen. Dies wirkt sich wiederum positiv auf sein Wohlbefinden aus.

Die Sonne als Vorbild. Glücklicherweise sind wir der Frühjahrsmüdigkeit nicht hilflos ausgeliefert. Ein entsprechender Lebensstil hilft, die Geister der Frühjahrsmüdigkeit effizient zu vertreiben. Für die Umstellung auf die wärmere und aktivere Sommerzeit braucht der Körper mehr Vitamine und Proteine als sonst. Deshalb macht eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornbrot und leicht verdaulichen Proteinen in mehreren kleinen Mahlzeiten den Körper schneller fit für das Sommerhalbjahr. Früh aufstehen – früh ins Bett gehen ist ein Tagesrhythmus, der der Sonne angepasst ist und uns guttut. Regelmässige Spaziergänge im Freien und damit im Sonnenlicht sowie genug Bewegung unterstützen zusätzlich das Wohlbefinden.

Auf Sparflamme. Die Frühjahrsmüdigkeit ist nur ein offensichtliches Symptom, das uns zu schaffen machen kann. Dabei spielen noch andere Faktoren eine wichtige Rolle, die unser modernes Leben immer mehr beherrschen. Um das Verhalten unseres Körpers zu verstehen, müssen wir einen Blick in die tiefste Vergangenheit werfen. In der freien Natur werden Tiere durch ständige Gefahren und auf der Suche nach Futter dauernd zu einer Aktivität gezwungen. In der Steinzeit galt dies auch für den Menschen. Als Folge davon hatten alle Lebewesen sehr viel Bewegung und knapp zu essen. Der moderne Mensch ist nicht mehr von Raubtieren bedroht und sein Essen kann er sich mit ein paar Klicks im Internet beschaffen. Die mangelnde Bewegung macht den Körper träge und alle Funktionen werden deshalb auf einen Ruhezustand heruntergefahren. Letztlich erstreckt sich dieser Vorgang bis zur Zelle und den Knochen, denn jedes Lebewesen geht energetisch automatisch auf Sparflamme, wenn es nicht gefordert wird. Immer weniger Menschen leisten körperliche Arbeit. Wenn diesem Zustand nicht aktiv entgegengewirkt wird, z. B. durch Wandern, Sport oder Gartenarbeit, und auch keine geistige Forderung da ist, gerät der Mensch in eine Art dauerhaftes Dösen, was sich mit der Zeit schädlich auswirkt; die Muskeln werden schwächer, das Nervensystem weniger aktiv, die Atmung flacher und die Vitalität geht immer mehr verloren. Es ist daher wichtig, dass wir uns täglich genug bewegen und richtig ernähren. Damit schlägt man der grossen Müdigkeit ein Schnippchen und kann die langen, hellen Tage aktiv und voller Energie geniessen.

Fotos: istockphoto.com, lookcatalog / flickr / cc, Quelle: Pro Natura

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