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Neubeginn im Frühling

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_03_2016 - 01.03.2016

Text:  Sabine Hurni

Fasten – für einige ein lieb gewonnenes Ritual, für andere eine abschreckende Vorstellung. Auch wer nicht aufs Essen verzichten möchte, könnte jetzt die Gunst der Stunde nutzen, um dem Körper Gutes zu tun und neue Energie zu schöpfen.

Von Fasnacht bis Ostern, oder genauer gesagt von Aschermittwoch bis Ostersonntag dauert die vierzigtägige Fastenzeit in der christlichen Tradition. Eine Zeit des Innehaltens. Auf den Frühling warten. Freitags kein Fleisch essen. Eine Fastenkur machen. Bewusst setzt sich heute allerdings nur ein verschwindend kleiner Teil der Gesellschaft mit dieser Tradition auseinander. Eigentlich schade, denn man muss weder religiös noch spirituell ausgerichtet sein, um sich im angehenden Frühling dem Thema Fasten zu widmen.

Aus naturheilkundlicher Sicht hat das Fasten in erster Linie mit Loslassen und Entgiften zu tun. Die Fastenzeit verbindet den Winter mit dem Frühling. Die Natur wechselt von der Winterstarre in den Aufbruch und auch der Mensch verlässt das Sofa und greift zu den Turnschuhen. Im Frühling tut es unwahrscheinlich gut, den Estrich zu räumen, den Kleiderschrank zu entrümpeln oder Staubfänger aus dem Wohnzimmer zu verbannen. Weg  mit alten Zöpfen und Platz für Neues schaffen.

Der allmorgendliche Zwischenstopp beim Beck, die kleine Süssigkeit als Motivationsspritze, das Glas Wein am Abend aus schöner Gewohnheit; alles Dinge, die wir täglich tun, weil wir es schon seit ewig so machen. Es gibt keine bessere Zeit, alte Muster aufzugeben, als in den Wochen zwischen Aschermittwoch und Ostern. Die Energie des Aufbruchs wirkt unterstützend für Experimente aller Art. Nehmen Sie doch einmal einen neuen Weg, wenn Sie einkaufen gehen, oder ersetzen Sie den Teller Pasta am Abend mit einer Suppe. Fasten Sie einen Tag pro Woche. Lassen Sie Zwischenmahlzeiten weg. Verzichten Sie ein paar Wochen auf Alkohol. Essen Sie vermehrt vegetarisch. Auch solche Veränderungen sind eine Form des Fastens. Viele Leute denken beim Fasten immer ans Nichtessen. Doch der Schritt vom Essen zum Nichtessen überfordert viele. Zu gross ist der Spagat und zu schlecht ist die Disziplin, wenn rund um uns herum eine Fülle von Lebensmitteln ist, die Familie nach einer vollen Mahlzeit verlangt und bereits abgemachte Verabredungen zum Essen  das Nichtessen verunmöglichen. Essen ist so stark in unserem Alltag verankert, dass es schwierig ist, sich diesem Gesellschaftsritual zu entziehen. Das Essen ist das verbindende Element eines Familien- und Berufsalltags. Beim Essen wird gelacht, geschwiegen, über Wichtiges und Unwichtiges gesprochen. Begegnungen finden statt, man sitzt gemeinsam am Tisch.

Menschen,
die es sich zur Gewohnheit gemacht haben, jedes Jahr einige Tage am Stück mit Säften, Heilpflanzen oder Molke zu fasten, möchten dieses Ritual nicht mehr missen: Es verleiht neue Energie. Andere wissen, dass dies nichts für sie ist. Beides ist richtig. Doch auch jemand, der nichts von einer Fastenwoche wissen will, kann fasten. Das verbindende Element zwischen dem Essen und dem Nichtessen bleibt letztendlich das Essen. Aber vielleicht ist es ein bewussteres, achtsameres Essen, das Gewohnheiten durchbrechen kann und uns aus überholten Ernährungsmustern herausreisst.

Rezept für die Gemüse-Fastensuppe nach Hildegard von Bingen
Warum nicht ein Mal pro Woche das Zmittag und das Znacht durch eine Basensuppe ersetzen? Es gibt viele Rezepte für basische Gemüsesuppen. Eines davon stammt von Hildegard von Bingen. Die nahrhafte Suppe regt die Ausscheidungs- und Verdauungsorgane an und macht trotzdem satt. Pro Person und Mahlzeit: Eine Tasse Dinkelkörner in drei Tassen Wasser mit fein gewürfelten Karotten, Fenchelgemüse, Sellerie, Bohnen und Kräutern kochen. Nach 30 Minuten abseihen und mit Galgant und Gartenthymian würzen. Galgant regt sämtliche Verdauungsvorgänge an, ist im Reformhaus erhältlich und gehört zu den Ingwergewächsen.

Es ist noch nicht zu spät, sich der Fastenzeit zuzuwenden. Zum Beispiel könnten Lebensmittel auf den Tisch kommen, die eine direkte Verbindung zur Natur haben. Dazu zählen Wildkräuter, saisonales Gemüse und Früchte, ganze Getreidekörner, Bohnen, Linsen. Jedes dieser Lebensmittel bringt einen Samen hervor, der in der Erde wieder keimen kann: Eine neue Pflanze mit neuen Früchten wächst. Im Ayurveda gelten diese Lebensmittel als besonders wertvoll. Sie sind voller Energie und Kraft. Und genau das braucht der Körper im Frühling. Verarbeitete Lebensmittel wie Milchprodukte, Fertigprodukte, Teigwaren und Backwaren sind so verändert, dass sie nicht mehr viel mit dem ursprünglichen Lebensmittel gemein haben. Sie machen den Körper im Frühling eher schwer. Die Frühlingsmüdigkeit zum Beispiel ist mitunter eine Reaktion auf zu schweres Essen. Die Verdauungsorgane sind mit der Fülle an Lebensmitteln oft überfordert. Der Körper kommt mit Überfüllung schlecht zurecht.

Der Verzicht auf
tierische Eiweisse, jeden Tag viel Gemüse, ab 16 Uhr keine Rohkost mehr und jeden Bissen sehr gut kauen, fördert die Gesundheit nachhaltig. Besonders bekömmlich sind jetzt herbe Gemüsesorten wie Kohlarten und Spinat, Wildkräuter und bittere Salate und Pflanzentinkturen. Dazu gehören Löwenzahn, Brennnessel, Bärlauch, Tinkturen aus Artischocken oder Birkenblätter. Der herbe und bittere Geschmack dieser Heil- und Lebensmittel kurbeln den Stoffwechsel an und aktivieren die Verdauungssäfte. So können unverdaute Nahrungsresten oder Stoffwechselendprodukte über den Darm und die Nieren aus dem Körper ausgeschieden werden. Es ist besser, im Kleinen zu fasten, als vor lauter Überforderung in alten Gewohnheiten zu verharren.

Zur Person
Sabine Hurni ist dipl. Drogistin HF und Naturheilpraktikerin, betreibt eine eigene Gesundheitspraxis, schreibt als freie Autorin für «natürlich», gibt Ayurveda-Kochkurse und setzt sich kritisch mit Alltagsthemen, Schulmedizin, Pharmaindustrie und Funktional-Food auseinander.

Fotos: istockphoto.com, fotolia.com, Iskra Photo / flickr / cc

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