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Nicht Sünde, sondern Gewohnheit macht dick

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_01/02_2016 - 01.02.2016

Text:  Angela Bernetta

Das Wohlfühlgewicht des Körpers entspricht selten dem Wunschgewicht des Individuums. Eine Ernährungsumstellung und ein neues Körperbewusstsein helfen, sich nachhaltig schön und gesund zu fühlen.

Galten füllige Menschen früher als gemütliche Zeitgenossen und gute Futterverwerter, stehen sie heute für Disziplinlosigkeit und Kontrollverlust. Dabei gelten in bestimmten Kulturen beleibte Menschen durchaus als schön, wie beispielsweise bei den Südsee-Insulanern. Dick zu sein gilt dort überdies als Statussymbol. Hierzulande ist Schlanksein zeitgemäss, doch das ist nicht nur gesund.

Es liegt in den Genen. Zu viel, zu fett, zu süss: Etwas neidisch blickt man zu jenen Leuten, die trotz ungesunden Essgewohnheiten, kein Gewichtsproblem haben. «Ihrer Veranlagung gemäss verbrennen die einen überschüssige Energie schneller als die anderen. Auch das Alter, Geschlecht, die Grösse und die Muskelmasse beeinflussen Körpergewicht und Körperfülle», sagt Daniela Schneider, diplomierte Ernährungsberaterin FH/HF bei der Ernährungsberatung Zürich. Wichtig sei es, die Ernährung und die Bewegung den Lebensumständen, dem Lebensstil und dem Alter anzupassen, führt sie aus. «Das Gewicht eines Menschen hängt mit seiner Disposition zusammen», erklärt David Infanger vom Adipositas und Stoffwechselzentrum Zürich. Wissenschaftler haben verschiedene Gene identifiziert, die Übergewicht begünstigen. So belegen Studien mit adoptierten Kindern, dass es keinen wesentlichen Einfluss auf deren Gewicht hatte, ob diese in ernährungsbewussten Familien aufwuchsen oder bei Fast-Food-Essern lebten. Die Kinder waren dann dick, wenn auch ihre leiblichen Eltern zur Fettleibigkeit neigten. Wer also mit einer Neigung zur Fülle geboren worden ist, muss somit lebenslang auf sein Gewicht achten.

«Bei 95 Prozent der übergewichtigen Menschen ist die Körperfülle eine Folge ihres individuellen Lebensstils», sagt David Infanger. «Nicht die kleine Sünde führt zu Überwicht, sondern die Gewohnheit.» Daniela Schneider ergänzt: «Unser Organismus funktioniert wie in der Steinzeit. Das ständig verfügbare Essen sowie die energiedichten Lebensmittel überfordern diesen.» Schneider empfiehlt, die Nahrungszufuhr dem Bedarf anzupassen, zwischen den Hauptmahlzeiten eine Pause einzulegen und saisonal frische, unverarbeitete Nahrungsmittel den industriell gefertigten Nahrungsmitteln vorzuziehen. Ergänzend dazu rät sie zu Ausdauer- und Krafttraining. David Infanger hält es folgendermassen: Nicht leiden, entbehren, verzichten oder hungern, sondern umstellen und optimieren. «Eine Diät, wie wir sie anbieten, ist eine Ernährungsumstellung mit fachmännischer Begleitung. Sie erlaubt Nahrungsmittel, die man gerne isst. Die Mahlzeiten sind zwar kalorienärmer, aber ausgewogen zusammengestellt.» Dies bedeutet weniger Fett, Zucker und Kohlehydrate, keine Süssgetränke und kaum Alkohol. «Mit einem kontrollierten Ess-, Trink- und Bewegungsverhalten kann man fünf bis zehn Prozent des Körpergewichts verlieren. Besser ist aber, gar nicht erst dick zu werden», sagt David Infanger. Denn wer abnehmen muss, wird erleben, dass der Körper immer wieder zum Ausgangsgewicht zurück will.

Der BMI
Der BMI (Body-Mass-Index) ist eine Masszahl für die Beurteilung des Körpergewichtes. Er wird berechnet aus dem Gewicht, dividiert durch die Körpergrösse in Metern im Quadrat. Diese Formel ist eine Orientierungshilfe zur Beurteilung des Körpergewichts. Dabei sind weder das Geschlecht noch Muskel- und Fettanteil sowie Knochenbau berücksichtigt. Ein BMI zwischen 20 bis 25 gilt als optimal. BMI-Rechner: www.ebalance.ch, www.avogel.ch

Ungesunder Jo-Jo-Effekt. Diät-Veteranen dürften mit dem heimtückischen Phänomen des Jo-Jo-Effekts bestens vertraut sein. Aktuelle Studien weisen darauf hin, dass das Auf und Ab der Kilos nicht nur das Körpergewicht meist weiter steigen lässt, sondern auch der Gesundheit schadet. So hat Steven Blair, Sportmediziner am Cooper-Institut in Dallas USA, vor einigen Jahren in einer Langzeitstudie nachgewiesen, dass sich das Risiko fülliger Männer, an einem Herzinfarkt zu sterben, verdoppelt, wenn ihr Gewicht mehrmals um über fünf Prozent schwankt. Bei einem 90 Kilogramm schweren Mann entspricht das einer Zu- oder Abnahme von jeweils 4 1/2 Kilogramm. Eine Studie des deutschen Instituts für Ernährungsforschung aus dem Jahr 2005 hält fest, dass Menschen mit rasch wechselndem Körpergewicht viel häufiger an Bluthochdruck litten als Probanden, die ihr Gewicht hielten oder lediglich zunahmen.

Deshalb raten Ernährungsexperten wie Daniela Schneider auch von Radikaldiäten ab: «Die Einschränkungen, die damit einhergehen, frustrieren ungemein und sind kaum durchzuhalten. Rund 95 Prozent nehmen nachher mindestens das verlorene Gewicht wieder zu.»

So halten Sie Ihr Gewicht
• Gelegentlich spazieren gehen, anstatt vor dem Fernseher zu sitzen.
• Früchte statt Süssigkeiten naschen.
• Früh zu Bett gehen. Schlafen macht schlank.
• Sich gelegentlich ein üppiges Essen gönnen und dieses auch geniessen.
• Ungesüsste, nicht-alkoholische Getränke trinken. Mindestens 2 Liter am Tag.
• Zu Fuss einkaufen gehen.
• Statt raffinierte Lebensmittel vermehrt Vollkornprodukte essen.
• Einmal pro Woche Fisch essen.
• Schwimmen entspannt, trainiert und festigt den Körper.
• Langsam essen. Das fördert Genuss und Bekömmlichkeit.
• Zwischen den Mahlzeiten mindestens fünf Stunden Pause machen.
• Zwischendurch vegetarische Tage einschalten.
• Velofahren ist gut für Körper, Kreislauf und das Gemüt.
• Bevorzugt saisonale Produkte essen.
• Nicht täglich Alkohol trinken.

Fotos: istockphoto.com

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