Artikel Gesundheit :: Natürlich Online Vorsicht! Giftig! | Natürlich

Vorsicht! Giftig!

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_01/02_2016 - 01.02.2016

Text:  Martin Arnold

Zur Produktion von Kosmetika und Körperpflegeprodukten können Hersteller auf über 10 500 verschiedene Substanzen zurückgreifen. Viele davon sind nicht hinreichend erforscht und können die Gesundheit schädigen.

Cremen, Lotionen, ein Aftershave-Balsam, eine Spezialspülung für die Haare, ein Peeling für die Füsse: In vielen Badezimmern sieht es heute aus wie in der Kosmetikabteilung eines Warenhauses. Frauen und auch immer mehr Männer greifen täglich in verschiedene Töpfchen und versorgen so Haut und Haar mit Pflegestoffen; dabei gelangen aber auch viele chemische Stoffe in den Organismus.

Während heute etliche Konsumentinnen und Konsumenten beim Essen Vorsicht walten lassen und auf biologisch produzierte Lebensmittel umsteigen, fehlt dieses Bewusstsein beim Kauf und Gebrauch kosmetischer Artikel weitgehend. Obwohl diese Produkte Stoffe enthalten, die das physische und geistige Wachstum von Kindern beeinträchtigen können, den Hormonhaushalt stören, das Erbgut verändern, die Geschlechtsorgane schädigen und/oder Allergien auslösen können. Die Haut, unsere lebende und atmende Hülle, saugt alle Inhaltstoffe auf und unerwünschte Chemikalien lagern sich ins Bindegewebe ein.

Doch während auf einer Zigarettenschachtel drastische Warnhinweise aufgedruckt sind, müssen kosmetische Produkte beispielsweise in den USA nicht einmal Sicherheitstests bei der Gesundheitsbehörde bestehen. Nur wenige der Tausenden handelsüblichen Chemikalien wurden auf ihre toxische Wirkung getestet. Die europäische Kosmetikverordnung nimmt zwar die Hersteller und Importeure in die Pflicht, damit sie die gesundheitliche Unbedenklichkeit ihrer Produkte garantieren. Auch die Schweiz setzt auf Selbstkontrolle. Doch genügt das? Die Deutsche Umweltorganisation BUND untersuchte in einer Studie die Wirkung von Kosmetika auf den Hormonhaushalt. Das Ergebnis verspricht nichts Gutes: Bei einem Drittel von 60 000 getesteten Kosmetikprodukten fand der BUND hormonell wirksame Substanzen. Insgesamt gibt es laut derselben Studie 10 500 verschiedene Substanzen, die in Kosmetika enthalten sein können. Viele davon wurden nicht ausreichend erforscht. Deshalb gilt auch bei kosmetischen Produkten: weniger ist mehr. Die nachfolgende Liste gibt einen Überblick über problematische Zusatzstoffe und ihre Wirkung.

Heikle Zusatzstoffe in Kosmetik- und Pflegeprodukten

Phthalate (beispielsweise Dimethyl-, Diethyl- oder Dibutylphthalat), teilweise als Alcoholdenat. deklariert.
• In Deos, Gesichtswasser, Haarspray und andere Kosmetika.
• Funktion: Fixierer für Duftstoffe, gelierende Weichmacher, filmbildend und haarkonditionierend.
• Folgen: Erbgutverändernd, krebsfördernd.

Formaldehyd (In kosmetischen Produkten auch unter Imidazolidinylurea und DMDM Hydantoin als Abspalter zu finden.)
• In Körperpflegeprodukte, Nagellacke, Haarfärbe- und Haarglättungsmittel.
• Funktion: Konservierungsmittel. Macht Stoffe fest und widerstandsfähig. Heute seltener eingesetzt.
• Folgen: Kopfschmerzen, Müdigkeit, Reizung der Atemwege und der Haut, Allergien, krebserregend.

Aluminiumsalze, Anti-Transpirante. (Zu finden als Aluminum Silicate und Aluminum Chlorohydrate.)
• In den allermeisten Deos ohne Alkohol enthalten.
• Funktion: Dichte Schicht. Unterdrücken Schweissbildung.
• Folgen: Zellschädigende Wirkung Verkleben Schweissporen, reizen die Haut. Verdacht Brustkrebs auszulösen. Behindern Nervenaktivität.

Parabene. Auf Produkten unter den Bezeichnungen wie Butylparaben, Propylparaben, Ethylparaben, Methylparaben.
• In Cremes, Lotionen, Lippenstifte, Sonnenschutzmittel, Enthaarungsmittel, Shampoos. Auch in Gelees, Sirupen, Marmeladen.
• Funktion: Konservierungsstoffe mit Bakterien und Pilze tötender Wirkung.
• Folgen: Hormonell wirksam. Könnten Unfruchtbarkeit, Schädigung von Embryos, Allergien und Brustkrebs verursachen.

Toluol (auch Toluen), Lösungsmittel. Auch Derivat Butylhydroxytuluol (BHT) in Kosmetik.
• In Nagellackentferner. Auch in Leimen und Filzstiften.
• Funktion: Antioxidationsmittel. Verhindert Veränderung des Produkts in Verbindung mit Sauerstoff. Dämpfe sind narkotisierend.
• Folgen: Kann Nerven, Nieren und Leberschäden verursachen. Fortpflanzungsgefährdend.

Paraffine / Silikone und andere MOAHs sind aromatische Kohlenwasserstoffe (Mineralölverbindungen).
• In Lippenstifte, Cremes, Shampoos, aber auch Lebensmittel.
• Funktion: Fettend, blockieren jedoch die Hautatmung.
• Folgen: Billiger Ersatz für pflanzliche Öle. Umstritten, ob schädlich für Leber und Nieren.

Triclosan. Gehört zu den polychlorierten Phenoxyphenolen, die auch als Biozide (Schädlingsbekämpfung) in der Landwirtschaft bekannt sind.
• In Handseifen, Duschgels, Zahnpasta. Seit 2015 in Kosmetika in der EU verboten. CH lehnte ein Verbot ab.
• Funktion: Konservierungsstoff. Gilt als Keimkiller. Von Ärzten wird generelles Verbot gefordert.
• Folgen: Hormonwirksam. Keimresistenzfördernd. Problematisch in Schwangerschaft. Lagert sich in Fettgewebe ab.

Quellen: BUND / Gesundheitstabelle.de / ARD w wie wissen / Wikipedia / Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) / Schweizer Zeitschrift für Ernährungsmedizin / SPIEGEL Online.

Illustration: Rahel Blaser

Tags (Stichworte):

Kategorie: Gesundheit

Nicht nur für die Katz

Naturheilkunde hilft kranken Hunden, Katzen und Kühen wieder auf die Beine –...

Kategorie:

Kategorie: Gesundheit

Gesundheit: Ballaststoffe halten Darm fit

Amerikanische Forscher haben erstmals nachgewiesen ...