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Klever kombiniert

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_12_2015 - 01.12.2015

Text:  Vera Sohmer

Intensive Aromen, leuchtende Farben: Im Winter sind exotische Früchte Gaumenfreude und Augenweide. Man sollte sie aber bewusst und zurückhaltend geniessen.

Auf den hauchdünn geschnittenen und goldgelb gebratenen Fenchelscheiben sind dunkelrote Granatapfelkerne verteilt. Diese Vorspeise ist schon fürs Auge ein Genuss – und ein Beweis dafür, wie vortrefflich einheimisches Gemüse mit Früchten aus anderen Ländern harmoniert, optisch wie geschmacklich. Das macht neugierig auf weitere Experimente. Wer zum Beispiel noch nie Sharon-Früchte gegessen hat, kann Scheibchen oder Würfelchen davon zu Chicorée oder Radicchio probieren. Interessant, wie die fruchtige Frische den bitteren Blättern eine milde Note verleiht.

Apfel der Tropen. Erdig trifft auf süsslich-herb – so lässt sich der Schwarzwurzel-Kumquat-Salat beschreiben, den es diesen Winter in den Tibits-Lokalen gibt. Weil dies einfach gut schmecke, wie Claire Honegger, Mitarbeiterin der Vegi-Restaurant-Kette versichert. Aber auch weil so ein gesundes Lebensmittel clever aufgetischt werden kann. Schwarzwurzeln gelten als hervorragende Eisenlieferanten, während Kumquats, auch Zwergorangen genannt, den Körper unter anderem mit Vitamin C versorgen. «Allgemein empfehlen wir, viele unterschiedliche Früchte und Gemüse zu kombinieren, um den Nährstoffbedarf zu decken», sagt Honegger. Gut geeignet für kreative Kombinationen sind Wintergemüse wie Federkohl oder Randen, so harmonieren Randen etwa mit Orangen, Ananas und Kokosnuss sehr gut. Bei den exotischen Früchten präsentiert sich die Mango, auch als «Apfel der Tropen» bezeichnet, als Tausendsassa. Mango passt in ein wärmendes Curry, in eine Kürbissuppe, in einheizende Chutneys genauso wie in eine süsse Creme. Und freilich ist die Frucht auch pur ein Genuss. Reif sind die Früchte dann, wenn sie auf Druck leicht nachgeben und einen zarten Duft verströmen. Es lohnt sich, die Früchte einmal in einem asiatischen Laden zu kaufen. Nicht selten sind die dort angebotenen Früchte im Vergleich zum Grossverteiler von besserer Qualität.

Auch andere Exoten wie Datteln, Kaktusfeigen, Litschis oder Sternfrüchte sind eine willkommene Abwechslung auf dem Speiseplan und bringen Farbtupfer auf den Teller. Dies vor allem in der kalten Jahreszeit, wenn das Angebot an einheimischem Obst mager ist. Ökologisch vertretbar oder nicht, daran scheiden sich allerdings die Geister. «Man sollte sich bewusst machen, wie viel Erdöl in den Früchten steckt», sagt Philip Gehri vom WWF. Problematisch seien insbesondere von weit her eingeflogene Obstsorten, zu denen spezielle Züchtungen wie Baby-Bananen oder Mini-Ananas zählen, weil sie schneller verderben und keine langen Transportwege vertragen.

Bewusster Genuss. Lieber per Schiff als mit dem Flugzeug, besser mit Bio-Label als konventionell produziert, und wenn möglich mit dem Max-Havelaar-Gütesiegel für fairen Handel. Wer darauf achtet, darf sich aber durchaus Exotisches gönnen. «Wir plädieren für bewussten und zurückhaltenden Genuss», sagt Philip Gehri. Wichtig dabei ist das Einkaufsverhalten insgesamt. Konsumenten und Konsumentinnen, die das Jahr über saisonal und regional einkaufen und hier ebenfalls biologisch Hergestelltes bevorzugen, dürfen durchaus von dieser Regel abweichen und brauchen deshalb kein schlechtes Gewissen zu haben.

Gut zu wissen ist darüber hinaus: Unsere Ernährungsweise macht im Durchschnitt fast 30 Prozent der Umweltbelastung aus. Fleisch, Fisch und Milchprodukte fallen dabei sieben Mal stärker ins Gewicht als Früchte. Auf welchem Weg sie zu uns gelangen, ist mitunter schwer nachvollziehbar. Grossverteiler Coop versieht sein «Flugobst» mit dem Aufkleber «by air». Das macht die Umweltbelastung deutlich und hilft bei der Entscheidung, zu welcher exotischen Frucht man greifen will. Und ob man allen Versprechungen glauben mag. «Flug-Mangos» oder «Flug-Papayas» werden gerne als teurere Spezialität verkauft. Denn nahe an der Genussreife geerntet, sollen sie besser schmecken und mehr Vitamine haben als jene Exemplare, die unreif gepflückt werden, per Schiff zu uns kommen und noch nachreifen müssen, heisst es. Eine Stichprobe des Institutes für Lebensmittelchemie der Technischen Universität Berlin hat dies jedoch widerlegt. Die Qualität der getesteten Mangos, Papayas und Physalis war praktisch identisch, egal, ob per Schiff oder per Flugzeug geliefert. Leichte Unterschiede im Geschmack und im Nährstoffgehalt führten die Wissenschaftler nicht auf den Transportweg zurück, sondern auf die unterschiedlichen klimatischen Bedingungen in den Ernteländern. 

Buchtipp
Gabriele Lehari, Exotische Früchte, Ulmer Verlag

Bekannte und unbekannte Exoten
Ananas: Ananas hat viel Vitamin B1 und B2. Ein wichtiger Inhaltsstoff ist zudem Bromelain. Es hat eine eiweissspaltende und damit verdauungsfördernde Wirkung. Am besten den Saft beim Schälen und Zerkleinern auffangen. Man kann ihn pur trinken oder für Rezepte weiterverarbeiten.
Banane: der Klassiker unter den Exoten. Bio-Qualität kaufen. Bei herkömmlicher Ware können sich Pflanzenschutzmittel im Fruchtfleisch ablagern. Nicht im Kühlschrank aufbewahren, sie werden braun und verlieren das Aroma. Bananen sind nach Datteln und Avocados, die Früchte mit dem höchsten Anteil an Kalium. Es soll Bluthochdruck vorbeugen. Für Sportler liefern die nährwertreichen Früchte den idealen Energiekick. Bananen werden zudem für Schon- und Aufbaukost bei diversen Erkrankungen verwendet.
Granatapfel: die alten Griechen setzten den Saft der Frucht gegen Herz- und Magenbeschwerden ein. Heute wird der Granatapfel dank einem hohen Gehalt an Antioxidantien auch gerne für Kosmetika verwendet und steht für Schönheit und Jugendlichkeit. Er liefert Mineralstoffe wie Kalium, Eisen und Vitamine aus dem B-Komplex.
Guava: Die geballte Ladung Vitamin C. Der Gehalt ist bis zu fünfmal höher als jener von Zitrusfrüchten. Guaven eignen sich gut zum Rohverzehr, das Fruchtfleisch am besten auslöffeln. Wegen ihres hohen Pektin-Anteils lassen sich die geschälten Früchte zu Gelee verarbeiten.
Karambole: Die aus Südostasien stammende Frucht wird gerade zur Weihnachtszeit dank ihrer charakteristischen fünfzackigen Sternenform gerne zur Dekoration von Vorspeisen und Desserts verwendet. So hübsch sie anzusehen ist, meist schmeckt sie fad bis säuerlich.
Kiwi: die ideale Begleiterin für den Winter. Kiwis sind reich an Kalium, Magnesium, Phosphor, Eisen und übertreffen mit ihrem Vitamin-C-Gehalt jede Zitrusfrucht. Besonders mild und süss schmecken die Sorten mit goldgelbem Fruchtfleisch. Die ursprünglich aus Neuseeland stammende Kiwi wird inzwischen in der Schweiz angebaut; im Waadtland etwa gedeihen sie sogar ohne Gewächshaus. Bei der Ernte sind die Kiwis noch hart. Daheim kann man die Früchte zum Reifen in den Kühlschrank legen. Sie halten sich so mehrere Wochen gut. Ebenfalls einen Versuch wert sind Schweizer Mini-Kiwis in Stachelbeergrösse.
Kumquat: Sie sieht nicht nur aus wie eine kleine Orange, sie wird umgangssprachlich auch als Zwergorange bezeichnet Entgegen ihrer Ähnlichkeit gehört die Kumquat jedoch nicht zu den Zitrusfrüchten und trotz des leicht säuerlich-würzigen Geschmacks hat die Frucht einen höheren Anteil an Zucker als etwa die Orange. Die Schale wird mitgegessen. Relativ reich vertreten ist der Mineralstoff Kalzium, der günstige Effekte für Knochen und Zähne besitzt.
Mango: Eine richtig reife Mango vergeht fast wie Butter im Mund. Der Geschmack ist herbsüss und sie wird dank ihrer Vielseitigkeit nicht nur für Süssspeisen, sondern auch für salzige Gerichte wie Currys oder für die indischen Churneys verwendet. Die Schale ist ungeniessbar. Die Frucht hat den höchsten Anteil an Provitamin A von allen Obstarten. Dieses ist unter anderem wichtig für die Zellerneuerung. Auch der Gehalt an Vitamin C ist relativ hoch.
Maracuja: eine häufig angebotene Art der Passionsfrucht. Die intensiv aromatische, schrumpelige Kugel ist der ideale Snack für zwischendurch: halbieren, den Saft samt Kernen auslöffeln und dabei munter werden. Passionsfrüchte enthalten unter anderem viel Vitamin C und Betakarotin, zudem ist ihr Eisengehalt sehr hoch. Bemerkenswert ist darüber hinaus der Gehalt an Niacin. Es unterstützt die Funktion des Nervensystems und soll Müdigkeit und Erschöpfung vertreiben.
Physalis: auch Kapstachelbeeren genannt. Sie gehören wie Tomaten und Kartoffeln zu den Nachtschattengewächsen und sind mit ihren papierdünnen Blütenkelchen und den leuchtend orangefarbenen Beeren eine aparte Garnitur auf Käseplatten oder im Fruchtsalat. Die Früchte werden übrigens auch hierzulande angebaut. Erntezeit ist bis etwa Oktober.
Sharon: eine Neuzüchtung der aus Japan und China stammenden Kaki. Die Sharon ist samenlos, kann mit Schale verzehrt werden und schmeckt süsser und intensiver als die Ursprungsfrucht. Man kann sie – wie viele exotische Früchte – bei Zimmertemperatur nachreifen lassen. Die Frucht hat einen hohen Gehalt des Provitamins A, er ist mit jenem von Karotten vergleichbar. Die Früchte sind bekömmlich und leicht verdaulich.

Illustration: Lina Hodel

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