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Eine gute Nacht

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_09_10_2015 - 01.09.2015

Text:  Eva Rosenfelder

Es muss nicht immer gleich ein neues Bett sein. Manchmal helfen auch ein paar Tricks, um morgens wieder wohlig ausgeruht aufzuwachen. Auf der Suche nach Entspannung zwischen Matratze und Lättlirost.

Erwachen sie morgens wie gerädert und «geknüttelt»? Der Rücken schmerzt, die Glieder zwicken und Sie rappeln sich steif aus den Federn? Statistisch gesehen leidet in der Schweiz ein Drittel der Bevölkerung im Alter zwischen vierzig und fünfzig Jahren, ab fünfzig Jahren sogar die Hälfte der Bevölkerung an Verspannungen, Schmerzen und Schlafproblemen. Das passende Bett und eine gutes Schlafklima können erholsamen Schlaf und gutes Erwachen durchaus fördern und den Rücken nachhaltig entspannen. Doch wie findet man die richtige Matratze, den passenden Rost? Und welches Kopfkissen darf es sein? Jeder Mensch habe seine besonderen Schlafbedürfnisse, deshalb sei individuelle Beratung ebenso wichtig wie ausgiebiges Probeliegen, erklärt Andreas Santschi, Liegeberater und Gründer der «Interessengemeinschaft Richtig Liegen und Schlafen». Er rät, beim Kauf eines neuen Bettes ein Rückgaberecht bis zu zehn Wochen zu vereinbaren, um die Liegequalität wirklich ausgiebig testen zu können. Schliesslich verbringt der Mensch rund einen Drittel seines Lebens im Bett, da tut man gut daran, sich etwas mehr Zeit zu nehmen. «Schlafsysteme beruhen oft auf Doktrinen. Alle haben sie zwar gute Argumente, doch für alles gibt es ein Dafür und ein Dagegen. Was zählt, ist einzig das persönliche Wohlbefinden.»

Anschmiegsame Matratze.

Für einen wohltuenden Schlaf muss der Körper anatomisch richtig unterstützt werden, Eine gute Nacht damit sich Wirbelsäule und Muskulatur entspannen können und der Kreislauf zur Ruhe kommt. Die Wirbelsäule soll in allen Positionen in ihrer natürlichen, leicht geschwungenen S-Form ruhen können. Das erfordert eine stützende Unterlage, die Bewegungen im Schlaf erlaubt, ohne nachzufedern. Je besser sich die Matratze dem Körper anpasse und ihn nach dem Umdrehen wieder stabilisiere, desto ungestörter sei der Schlaf, so Santschi. Die Matratze soll an den richtigen Stellen nachgeben, damit schwere und breite Körperteile tief einsinken und den restlichen Körper stützen. Muskeln, Haut, Gewebe und Wirbelsäule werden dadurch entlastet, weil die Schlafposition Dutzende Male pro Nacht geändert wird. Ist das Bett aber zu schmal oder zu kurz, kann dies die Bewegungsnatürlichfreiheit empfindlich einschränken. Ein zu weiches oder durchgelegenes Bett führt dazu, dass man Kraft aufwenden muss, um sich umzudrehen, was das Durchschlafen erschweren kann.

In erster Linie zähle, was der Körper nach dem Schlaf signalisiere. «Ist man schmerz- und verspannungsfrei, spielt das Bettensystem keine Rolle, da kann man auch auf dem Spannteppich schlafen. Erwacht man am Morgen aber steif und verspannt, sind dies erste Signale auf eine mangelnde Liegequalität, auch wenn die Beschwerden zu Beginn schnell wieder verschwinden.» In einer zweiten Phase würden die Schmerzen in Hals, Nacken, Schultern oder Kreuz dann schon hartnäckiger. «Meistens treten solche Beschwerden ab etwa vierzig auf, weil man sich in den vier bis sechs Tiefschlafphasen, die jeweils bis zu eineinhalb Stunden dauern, zu wenig bewegt und feine Spannungen sich so zu Schmerzreizen steigern können.»

Kleine Matratzenkunde.

Latex-Matratzen können aus Natur latex, synthetischem Latex oder einer Mischung aus beidem bestehen. Latex hat ein relativ hohes Eigengewicht, sodass diese Matratzen etwas schwer zu wenden sind. Naturlatex wird aus dem Milchsaft von Pflanzen (Kautschuk) gewonnen und besitzt antiseptische Wirkung, die Bakterien und Hausstaubmilben weitgehend fernhält. Als nachwachsender und wiederverwertbarer Rohstoff gilt Latex als umweltfreundlich. Der Begriff Naturlatex ist allerdings nicht geschützt – es gilt darum auf Qualitätssiegel für umweltverträgliche und schadstoffgeprüfte Latexmatratzen zu achten (QUL). Um Latex aufzuschäumen, werden auch beim «Naturlatex» bis zu 15 verschiedene Chemikalien sowie Konservierungs- und Alterungsschutzmittel eingesetzt. Von allen Matratzentypen hat Latex die höchste Elastizität, weil das Material Millionen von kleinen Luftkammern enthält. In Kombination mit anderen Naturmaterialien eignen sich Latexmatratzen sehr gut auch für stark schwitzende Menschen. Ab Fr. 200.– bis Fr. 1300.–.

Naturmatratzen verzichten auf jegliche Metallteile, Kunst- und Schaumstoffe und synthetische Fasern. Als Füllmaterial wird Latex, Rosshaar, Wolle, Seegras oder Kapok verwendet. Rosshaar: Teuer, aber sehr gut, elastisch und strapazier fähig, sorgt für gute Luftzirkulation. Aus Kostengründen häufig mit Kokosfasern gemischt. Diese sind vor allem für Menschen mit Tierallergien empfehlenswert. Kokosfasern eignen sich aber nur für flache Matratzen oder kombiniert mit anderen Materialien. Kapok ist die luftgefüllte Fruchtfaser einer tropischen Pflanze mit leichten wärmeisolierenden Fasern, die als antibakteriell gelten. Vorteil: leicht, elastisch und Feuchtigkeitsabsorbierend. Fr. 650.– bis Fr. 2200.–.

Schaumstoffmatratzen bestehen aus Polyurethan-Weichschaumstoffen, die relativ wenig elastisch sind. Seine Qualitäten sind mit dem Latexschaum vergleichbar. Er wird auch als High-Resilient-Schaumstoff bezeichnet, der seine gute Luftdurchlässigkeit einer unregelmässigen, groben Porenstruktur verdankt. Reiner Schaumstoff fördert das Schwitzen. Allerdings sind heute viele dieser Materialien verbessert worden und regulieren mit ausgeklügelten Luftkammersystemen die Feuchtigkeit. Mit geeigneten Bezügen kombiniert, verbessert sich das Mikroklima. Ab Fr. 90.– bis Fr. 2300.–.

Federkernmatratzen gibt es seit rund 100 Jahren. Sie bestehen aus Stahlfedern, die miteinander durch ein Geflecht verbunden sind und einer Polsterung aus Wolle, Baumwolle und anderen Materialen. Die handwerklich hergestellten Matratzen waren neu sehr hart und bekamen mit der Zeit tiefe Löcher zwischen den Stahlfedern. Weil die Metallfedern das natürliche Erdmagnetfeld verzerren sollen, befürchten Fachleute negative Auswirkungen auf den Schlaf. Heute gibt es deshalb Modelle aus entmagnetisiertem Stahl. Unter dem Namen «Boxspring» erlebt die Federkernmatratze zurzeit ein kleines Comeback. Fr. 100.– bis Fr. 3200.–.

Wasser- und Luftbetten ermöglichen eine gleichmässige Druckverteilung, da Wasser beziehungsweise Luft nicht komprimierbar ist. Schultern und Hüften werden so druckfrei gelagert, was den Bewegungsapparat entlastet. Die Füllmenge an Wasser wird jeweils im Verhältnis zum Körper gewicht der Benutzenden berechnet. Hauptproblem ist das Liegen auf einer luft- und schweissundurchlässigen PVC-Folie. Ein dicker, saugfähiger Bezug beispielsweise aus Schurwolle ist hier unabdingbar. Fr. 750.– bis Fr. 12000.–.

Futon. Das aus Japan stammende Schlafsystem mit einer zusammenrollbaren Matratze aus wattierter Baumwolle, die auf einer Reisstrohmatte ausgelegt wird, ist nur für junge, leichte Menschen geeignet – ansonsten sind Rückenschmerzen angesagt. Ab Fr. 200.– bis Fr. 1000.–.

Lüften und Trocknen.

Matratzen werden in drei bis vier Härtegraden angeboten. Als Faustregel gilt: Personen mit hohem Körpergewicht oder empfindlichen Bandscheiben benötigen eine feste Unterlage, leichtgewichtige und ältere Personen eine eher weiche. Doch auch hier gilt das persönliche Empfinden als Massstab.

Im Schlaf verlieren wir jede Nacht bis zu einem halben Liter Schweiss. Diese Feuchtigkeit muss eine Matratze zusammen mit der Bettdecke aufnehmen und auch wieder abgeben können. Ein Bezug aus natürlichen Rohstoffen kann diesen Austausch am besten regeln. Er sollte abnehmbar und einfach zu waschen sein. Auch für Bettdecken, Kissen und Auflagen gilt: Sie sollen Wohlgefühl schenken. Was für den Naturliebhaber Schafwolle oder Seide, ist für den Allergiker ein synthetisches und waschbares Duvet.

So oder so – Betten und Auflagen gehören am Morgen gut ausgelüftet und getrocknet, Matratzen häufig gekehrt. Griffe oder Trageschlaufen sind deshalb ein Muss. Entspricht die Schlafhöhle wirklich der Liegepersönlichkeit, fällt es leicht, Stressfaktoren des Alltags vor der Schlafzimmertür zu lassen. Die beste Voraussetzung, morgens erfrischt und mit dem rechten Bein aus dem Bett zu hüpfen.

Surftipps
www.ig-rls.ch
www.bettendoktor.ch
• www.einfach-gut-schlafen.ch

Foto: Pug50 / flickr / cc, Illustrationen: Lina Hodel, Foto: Rainer Hallmann / flickr / cc

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