Artikel Gesundheit :: Natürlich Online Energie tanken | Natürlich

Energie tanken

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_07_08_2015 - 01.07.2015

Text:  Modesta Bersin

Fasten ist Askese. Aber nicht nur: Der freiwillige Verzicht auf gewohntes Essen kann das Leben auch versüssen. Zum Beispiel mit dem Kirschenfasten.

Dank der Fähigkeit von Reserven – gespeicherter Nahrung – zu zehren, kann der Mensch in Notzeiten überleben: Fasten ist daher kein Verzicht, sondern vielmehr ein Gewinn. In unserer heutigen Zeit schafft das Fasten auch eine Balance zum Überangebot von Nahrungsmitteln. Durch den bewussten Verzicht sinkt der Stresspegel, der Kopf wird klarer, die Konzentrationsfähigkeit nimmt zu, die Organe werden entlastet, die Gelenke beweglicher. Fasten verjüngt, gibt Kraft und Energie und lässt überflüssige Pfunde verschwinden. Es wirkt wie ein Reset auf alle Laborwerte. Wichtig: Beim richtig durchgeführten Fasten gibt es kein Hungergefühl und die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit bleiben erhalten. Das vorbeugende Fasten ist zur Stärkung der Gesundheit und zum Abbau von Risikofaktoren gedacht.

Fasten ergreift als ganzheitliche Erfahrung den Menschen in seiner Einheit aus Körper, Seele und Geist. Sinnlichkeit kann im Alltag wieder besser über alle fünf Sinne erfahren werden. Für viele ist es heute geradezu ein Ritual geworden, jährlich einmal zu fasten. Das innere Ja zum freiwilligen Verzicht gibt Kraft und der Einstieg wird mit jeder Fastenkur leichter. Folgende Worte des 1968 verstorbenen Religionsphilosophen Romano Guardini beschreiben es vortrefflich: «Zuerst wird nur der Mangel gefühlt, dann verschwindet das Verlangen nach Nahrung … Zugleich geht beim Fasten etwas Innerliches vor sich. Der Körper wird gleichsam aufgelockert. Der Geist wird freier. Alles löst sich, wird leichter, Last und Hemmung der Schwere werden weniger empfunden. Die Grenzen der Wirklichkeit kommen in Bewegung; der Raum des Möglichen wird weiter … Der Geist wird fühliger. Das Gewissen wird hellsichtiger und feiner und mächtiger. Das Gefühl für geistige Entscheidungen wächst.» Im Folgenden möchte ich drei Fastenprogramme vorstellen.


Das Buchinger-Heilfasten – Der Klassiker

Im Buchinger-Heilfasten besteht die Verpflegung aus 1/4 Liter frisch gepresstem Saft, 1/4 Liter Gemüsebrühe und mindestens 2 1/2 Liter Wasser oder ungesüsstem Tee. Morgens beginnen Sie mit einem Tee. Mittags und abends entweder Saft oder Gemüsebrühe, dazwischen müssen Sie genug trinken. Vorteile: Dieses Fasten eignet sich für jede Jahreszeit. Man braucht sich keine Gedanken zum Kochen zu machen. Nachteile: Schwierig im Alltag durchzuführen. Sollte unter professioneller Leitung stattfinden.

Rezept Gemüsebrühe
7,5 Deziliter Wasser und zirka 400 Gramm klein geschnittenes Suppengemüse (evtl. Küchen- oder Wildkräuter) circa 30 Minuten köcheln lassen.


Das Kirschfasten – Glücklich durch Früchtefasten

Früchtefasten ist die sanfte Art des Fastens. Sie verlieren überflüssige Pfunde und gewinnen neue Vitalität, Ausstrahlung und einen schönen, energiegeladenen Körper – dank der ureigenen Heilmittel der Früchte. Kirschen sind ausserordentlich gesund. Die Kirschenzeit beginnt im Juni und endet etwa Mitte August. Sie enthalten viel Kalium, Calcium, Phosphor, Eisen, Vitamin B1, B2, B6, C und Folsäure. Die gesundheitsbildenden sekundären Pflanzenstoffe sind entzündungshemmend, fördern eine schöne Haut, beugen Herz-Kreislauf-Beschwerden und Krebs vor, lindern rheumatische Gelenkerkrankungen, schützen vor Karies und Parodontose und sorgen für eine gute Stimmung. Nach dem Trinktag (siehe «Der erste Fastentag») mit Darmentleerung schliessen sich je nach Möglichkeit drei bis sechs Obsttage an. Morgens beginnen Sie mit einem Tee. Eine halben Stunde später gibt es einen Obstsalat, dafür schneiden Sie drei bis vier Früchte nach Wahl klein und geben den Saft einer halben Orange darüber. Meine Erfahrung zeigt: Obstsalat hält über Stunden satt. Isst man die Früchte einzeln, bekommt man rasch wieder Hunger. Der Mittag und Abend gehört dann ganz den Kirschen, hier können sie nach Herzenslust zugreifen. Um Blähungen zu vermeiden, sollten Sie 15 Minuten vor den Mahlzeiten und 15 Minuten danach nicht trinken. Da die Früchte reichlich Flüssigkeit enthalten, reicht es, über den Tag 1 1/2 Liter Wasser oder Tee zu trinken. Vorteile: Schlemmen trotz Fasteneffekt. Einfach und man kann so viel essen, wie man will. Nachteile: Bei Fruchtzuckerunverträglichkeit nicht möglich. Geht nur während der Kirschensaison.


Die Rohkostkur – Veganes Rohkost-Basenfasten

Dieses vegane Rohkost-Basenfasten ist aus meiner langjährigen Kurserfahrung entstanden. Genau wie das Kirschfasten enthält es Elemente des Buchinger-Heilfastens und führt schrittweise zu einer gesunden Ernährung. Es ist das einfachste, natürlichste und nachhaltigste Abnehmprogramm: Die Energiespeicher werden aufgefüllt, der Körper wird entgiftet und es wird Übergewicht abgebaut, obwohl man so viel essen kann, wie man will. Die Vitalspeicher werden gefüllt; danach kann man lange nicht mehr so viel essen wie vorher.

Jedes Obst, jedes Gemüse und alle Kräuter stellen uns nährende, krankheitsvorbeugende und heilende Biostoffe zur Verfügung. Gemüse hat noch eine bessere Nährstoffdichte als Obst. Die Stoffe wirken entzündungshemmend, regulieren den Blutzuckerspiegel, senken das Cholesterin, sorgen für bessere Nerven, steigern die Stressfähigkeit, verbessern die Konzentration, aktivieren den gesamten Stoffwechsel und verscheuchen Müdigkeit. Nach dem Trinktag mit Darmentleerung  (siehe «Der erste Fastentag») schliessen sich je nach Möglichkeit und Zeit drei bis 14 Tage Rohkost an. Durch die Darmentleerung wird die Rohkost gut vertragen. Morgens gibt es einen Obstsalat (drei bis vier Sorten gemischt) wie im Früchtefasten, mittags und abends eine Rohkostplatte. Das Gemüse sollte vorwiegend saisonal und regional sein, möglichst wenig behandelt. Tomaten, Paprika und Gurken kann man einfach schneiden. Harte Gemüse wie Karotten, Sellerie, Blumenkohl, Broccoli und Pastinaken sollten fein geraffelt werden (frischen Orangensaft darüber geben, damit es die Farbe behält), so ist es verträglicher. Dazu gibt es eine einfache Vinaigrette. Der Salat sollte mit Zimmertemperatur genossen werden. Wie beim Früchtefasten 15 Minuten vor und 15 Minuten nach den Mahlzeiten nichts trinken. Täglich 1 1/2 Liter Wasser oder ungesüssten Tee trinken. Vorteile: Dieses Programm wirkt am nachhaltigsten, wenn es darum geht, die Ernährung umzustellen. Gemüse hat die grösste Nährstoffdichte. Nachteile: Im Frühling ist das Angebot an Gemüse und Früchten klein, im Winter noch kleiner.

Rezept einfache Vinaigrette
1 El Balsamico oder Zitronensaft
2 El kalt gepresstes Öl
1 El frisch gehackte Kräuter
1 bis 2 El kohlensäurehaltiges Wasser


Vorbereitung ist alles.

Damit das Wohlbefinden beim Fasten steigt, brauchen alle drei Methoden vorbereitende Entlastungstage; mindestens einen Tag, sieben wären optimal. Das Essen an diesen Vorbereitungstagen ist vornehmlich basisch: morgens ein Birchermüsli, mittags ein Kartoffelgericht und einen Rohkostteller, abends Gemüsegerichte oder Suppen. Während des Tages sollten mindestens zwei Liter kohlensäurearmes Mineralwasser oder ungesüsster Tee getrunken werden. Gerade für Fastenneulinge, aber auch für Fastenerfahrene hat sich eine gute Vorbereitung bewährt.

Der erste Fastentag wird mit einer gründlichen Darmentleerung eingeleitet (siehe «Der erste Fastentag» und «Darmpflege»), sie bewirkt die Umstellung des Körpers auf das Programm Fasten; der Körper lebt aus der Zelle, ist leistungsfähig und das Hungergefühl verschwindet. Die weiteren Tage bestehen je nach Fastenprogramm aus flüssiger Nahrung, Früchten oder veganer basischer Rohkost. Fastenunterstützende Massnahmen wie Bewegung an der frischen Luft und Kneipp-Anwendungen fördern die Entgiftung und regen den Stoffwechsel an. Regelmässige Entspannung hilft, auf die Bedürfnisse des Körpers zu achten, weckt die Intuition und die Selbstheilungskräfte des Körpers werden aktiviert. Mit einem Leberwickel (siehe «Leberwickel») unterstützen Sie die vielfältigen Aufgaben der Leber, sie speichert Nährstoffe aus der Nahrung, scheidet Stoffwechselendprodukte aus und ist für die Energiegewinnung aus Depots zuständig. Stoffwechselendprodukte werden durch die Darmpflege ausgeschieden. Beim Buchinger-Heilfasten ist die Darmpflege notwendig, bei den Früchten und der Rohkost entleert sich der Darm oft von alleine, kann aber auch hier durch Einläufe unterstützt werden.

Aufbauzeit
• Frühstück: Obstsalat oder Birchermüesli.
• Mittagessen: Kartoffelgericht und Rohkostteller.
• Abendessen: warmes Gemüse- oder Kartoffelgericht
Der erste Fastentag
Bei allen Fastenprogrammen besteht die Verpflegung an diesem Tag aus
• 1/4 Liter reinem Fruchtsaft
• 1/4 Liter Gemüsebrühe
• und mindestens 2 1/2 Liter Wasser oder ungesüsstem Tee.
Leberwickel
Man nimmt eine heisse Bettflasche und umwickelt diese zuerst mit einem feuchten und dann mit einem trockenen Tuch. Dann legt man die Bettflasche 20 Minuten lang auf den rechten Oberbauch.
Darmpflege
Die Darmpflege ist vor allem beim Buchinger-Heilfasten notwendig. Dazu wird alle zwei Tage ein Einlauf gemacht. Alternativ gehen auch Tropfen oder Glaubersalz

Aufbauzeit.

Noch wichtiger als die Vorbereitungstage ist die einwöchige Aufbauzeit nach dem Fasten. Denn nur durch basische Lebensmittel wird der Erfolg des Fastens bewahrt und der Jo-Jo-Effekt verhindert. Am ersten Aufbautag trinken Sie wie gewohnt morgens einen Kräutertee. Mittags beenden Sie das Fasten mit einem guten reifen oder gedünsteten Apfel. Abends gibt es eine Gemüsesuppe. Die weiteren Aufbautage sollten aus basenreicher Kost bestehen: also vor allem aus Kartoffeln und Gemüse. Alles, was im normalen Leben zu kurz kommt, wird jetzt eintrainiert. Dann können Sie nach dieser Aufbauzeit die restlichen Lebensmittel als Beilage dazunehmen, und schon haben Sie einen gesunden Speiseplan ohne grosse Umstellung. So einfach ist das! Die Aufbauzeit sollte mindestens ein Woche betragen. Die Hälfte der Nahrung sollte in dieser Zeit roh sein.

Zur Person
Modesta Bersin ist ausgebildete Ernährungsberaterin, Diabetesassistentin und Fastenleiterin mit Zusatzausbildung in Prävention und Naturheilkunde. Seit 20 Jahren begleitet sie Fastenwochen, gibt Kurse und hält Vorträge zu Themen der Ernährung und Gesundheitsförderung. Modesta Bersin ist auch als Kochbuchautorin für den AT Verlag

Fotos: istockphoto.com

Tags (Stichworte):

Kategorie: Gesundheit

Tipps für den Sonnenschutz

Die Krebsliga emphielt.

Kategorie:

Kategorie: Gesundheit

Sabine Hurni über die Liebe

Kennen Sie das Gefühl der Freude, wenn Sie vor einer Blume stehen, daran...