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Watte im Kopf

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_04_2015 - 01.04.2015

Text:  Stella Cornelius-Koch

Viele Frauen klagen in den Wechseljahren über Gedächtnisprobleme. Eine genau Betrachtung der Lebensumstände, Akzeptanz der Veränderungen und eine Neupositionierung können helfen.

Das Leben ist eine Reise, auf der wir verschiedene Durchgangsdestinationen ansteuern. Eine solche Destination im Leben einer Frau sind die Wechseljahre. Dieser «Transit» macht sich körperlich nicht nur durch Hitzewallungen, Schweissausbrüche, Schlafstörungen oder Stimmungsschwankungen bemerkbar. Viele Frauen haben in dieser Zeit auch das Gefühl, ihr Denken sei verschwommen und sie hätten regelrecht «Watte im Kopf».

Dass es sich hierbei keineswegs um Einbildung handelt, konnte die Neuropsychologin Miriam Weber der Universität Rochester in den USA in einer Studie belegen. Die Forscher hatten 117 Teilnehmerinnen in vier Gruppen eingeteilt: Frauen in ihren späten fruchtbaren Jahren, die erste Veränderungen im menstruellen Zyklus verspürten, in der frühen und späten Phase des Übergangs in die Menopause (der letzten Regelblutung) sowie in der frühen Phase danach. Die Probandinnen unterzogen sich verschiedenen Tests, in denen Aufmerksamkeit, sprachliches Lernen und Erinnern, Feinmotorik und Geschicklichkeit sowie das Arbeitsgedächtnis überprüft wurden. Die Aufgaben entsprachen alltäglichen Anforderungen wie dem Merken einer neuen Telefonnummer oder dem gedanklichen Erstellen einer Einkaufsliste. Wie sich herausstellte, traten Gedächtnisprobleme am häufigsten im ersten Jahr nach Ende der letzten Periode auf. Die betroffenen Frauen schnitten bei fast allen Aufgaben am schlechtesten ab – egal, ob sie noch andere Wechseljahrsbeschwerden hatten. Da die ermittelten Gesamt-Hormonwerte nicht im Zusammenhang mit den Gedächtnisproblemen standen, vermutet die Wissenschaftlerin die in dieser Zeit auftretenden Hormonschwankungen als Ursache.

Den Kopf befreien. «Die Hormonveränderungen sind sicherlich ein Grund für Gedächtnisprobleme; es spielen jedoch viele andere Faktoren eine Rolle», glaubt Naturheilpraktikerin Heidi Ensner aus Bern. Die gelernte Krankenschwester und Mitbegründerin des Frauengesundheitszentrums Bern beschäftigt sich seit über 30 Jahren schwerpunktmässig mit dem Fachgebiet Gynäkologie und hat in ihrer Praxis «marEmma» schon zahlreiche Frauen behandelt, die in den Wechseljahren über Konzentrations- und Gedächtnisstörungen klagten. Für sie ist eine ganzheitliche Sicht wichtig: «Ich betrachte die Wechseljahre als einer der grössten Übergänge im Leben – vergleichbar mit der Pubertät.» Da Beschwerden in dieser Zeit mit ganz vielen Bereichen zusammenhingen, gelte es – neben einer naturheilkundlichen Behandlung – zusammen mit den Frauen ganz konkret zu schauen, was sie in diesem grossen Übergang möglicherweise besetzt und dadurch ihr Denkvermögen beeinträchtigt. «Ist zum Beispiel die Beziehung zum Partner nicht stimmig, dann verweilt man dort andauernd mit den Gedanken und kann sich nicht richtig konzentrieren», glaubt Ensner. Wichtig ist ihr auch, Frauen im Umgang mit ihrer Vergangenheit zu unterstützen. So hätten viele Mütter ein schlechtes Gewissen wegen Fehler bei der Erziehung ihrer Kinder. Dies könne ebenfalls gedanklich besetzen und sich in den Wechseljahren als Konzentrations- und Gedächtnisschwäche bemerkbar machen. Die negativen Gedanken sollten jedoch nicht überwiegen. Es helfe, Vergangenes gedanklich loszulassen und sich zu (er-) finden.

Hilfe aus der Natur. Linderung der Beschwerden können zahlreiche pflanzliche Heilmittel bringen. Heidi Ensner setzt bei ihren Patientinnen bevorzugt Urtinkturen ein. Hierbei berücksichtigt sie auch die symbolische Bedeutung der Pflanzen: So ist Beifuss (Artemisia vulgaris) ein uraltes Frauenkraut, das besonders reinigend wirkt. Der Gelbgrüne Frauenmantel (Alchemilla xanthochlora) dagegen gibt Frauen Geborgenheit und Schutz, indem er sie regelrecht «ummantelt». Die darin enthaltenen Gerbstoffe machen zudem widerstandsfähiger. Sinnvoll ist eine kurmässige Anwendung der Urtinkturen über drei Monate. Danach sollte eine Pause eingelegt werden. Bei Bedarf kann man die jeweilige Urtinktur erneut anwenden. Salbei (Salvia officinalis) ist eine ätherische Droge, die hilft, Hitzewallungen zu besänftigen und gleichzeitig entzündungshemmend wirkt. Tipp: Ein paar Tropfen ins Duschgel geben.

Ferner empfiehlt die Berner Naturheilpraktikerin spagyrische Essenzen, da sie Frauen während der Wechseljahre auf ideale Weise begleiten. Der Vorteil: Je nach Beschwerdebild lassen sich individuell verschiedene Kräuter zusammenmischen. Bewährt haben sich Borretsch (Borago offi cinalis), Granatapfel (Punica granatum) und Echtes Johanniskraut (Hypericum perforatum). Daneben gibt es Mischungen, die Frauen in Übergangsprozessen unterstützen, die nur am Rande mit eigentlichen Wechseljahrsbeschwerden zu tun haben. So ist zum Beispiel der Meisterwurz (Peucedanum ostruthium) eine Pflanze, die Frauen mit vermindertem Selbstwert aufrichtet.

Auch bei den spagyrischen Essenzen sollte eine kurmässige Anwendung über mindestens drei Monate erfolgen. Heidi Ensner rät, die jeweilige Essenz als Sprühfläschchen wie einen Talisman immer bei sich zu tragen und bei Bedarf (sechs bis acht Mal täglich) auf die Mundschleimhaut zu sprühen. Speziell bei Gedächtnisproblemen hat sich eine Behandlung mit Ginkgo-Extrakten bewährt. Es gibt verschiedene Ginkgo-Präparate (Tropfen, Tabletten). Die empfohlene Tagesdosis beträgt 120 bis 240 Milligramm. Bevorzugen Sie standardisierte Produkte mit gleichbleibendem Wirkstoffgehalt. Die empfohlene Behandlungsdauer beträgt mindestens acht Wochen, richtet sich jedoch nach Art und Dauer der Beschwerden. Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) ist eine weit verbreitete Heilpflanze, die bei körperlichen und psychischen Beschwerden in den Wechseljahren gleichermassen helfen kann. Sie ist sowohl bei Stimmungsschwankungen und Reizbarkeit als auch bei Konzentrationsschwäche und depressiven Verstimmungen einen Versuch wert. Extrakte aus der Traubensilberkerze werden meist als Tabletten angeboten. Es gibt sie aber auch als spagyrische Essenz. Die empfohlene Tagesdosis beträgt je nach Beschwerdebild 40 bis 160 Milligramm, die Behandlungsdauer maximal sechs Monate. 

Fotos: istockphoto.com

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