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«Den Menschen die Angst nehmen»

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe 3 - 2009 - 01.03.2009

Text:  Natürlich

Heftige, periodisch auftretende Kopfschmerzen sind die hauptsächliche Form einer Migräne. Dazu kommen Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit und manchmal sogar Lähmungserscheinungen oder Sprachstörungen. Eine Million Menschen in der Schweiz leiden unter Migräne. Schmerzspezialist Hans Ogal gibt Auskunft über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten dieses Leidens.

Welches sind die Ursachen einer Migräne?
Zur Migräne gehört eine familiäre Neigung. Wenn dazu noch belas­tende Faktoren kommen, entsteht ein Migräneanfall.

Welches sind solche belastende Faktoren?
Stress ist einer der wichtigsten Auslöser. Stress kann vielschichtig sein. Nicht nur der psychische Stress kommt in Frage. Auch hormonelle Um­stellung zum Beispiel vor der Menstruation, Mus­kelverspannungen, Schlafentzug, Nahrungsmittel­unverträglichkeiten, Darmstörungen, Störungen des Flüssigkeitshaushaltes oder chronische Infektionen können Stress bedeuten.

Dennoch bleiben die Ursachen unerklärlich und eine Migräne tritt oft wie aus heiterem Himmel auf.
In der Tat sind die ursächlichen Faktoren zuweilen schwer erklärbar und höchst individuell: Eine meiner Patientinnen, die normalerweise während der Woche früh aufstehen muss, schlief am Wochenende aus – was eine Migräneattacke nach sich zog. Das zeigt, dass auch Veränderungen der gewohnten Abläufe Migräne auslösen können. Ferien in anderen Klimazonen sind für die meisten kein Problem, können aber bei Migränepatienten zum Migränealptraum ausarten. Wetterwechsel ist ein weiteres Beispiel, das zu starken Anfällen führen kann.

Ist eine Migräneerkrankung auch konstitutionsbedingt?
Ja, jeder Mensch hat aufgrund seiner Konstitution ein gewisses Potenzial, das ihm erlaubt, Belas­tungen ohne Krankheitssymptome oder Störungen zu tragen. Ich vergleiche dieses Potenzial gerne mit einem Gefäss. Dieses Gefäss ist nicht bei allen gleich gross und wird mit Belastungen gefüllt. Je nach Grösse des Gefässes kann es mehr oder weniger aufnehmen. Die Störung tritt dann auf, wenn das Gefäss bis zum Rand gefüllt war und nun zusätzlich eine Belastung, auch wenn sie gar nicht so stark war oder nicht unbe­dingt mit der Migräne in Zusammenhang stehen muss, hinzukommt und es überläuft. Zwar bestimmt das Fassungsvermögen des Gefässes, wie viel es aufnehmen kann. Doch selbst grosse Gefässe überlaufen, wenn sie gefüllt sind und weitere Belastungen zugegeben werden.

Wie gehen Sie in der Behandlung vor?
Ziel einer ganzheitlichen Migränetherapie ist das Ergründen belastender Faktoren. Wichtigste Informationsquelle ist das Gespräch. Zusätzlich führen wir einige Untersuchungen durch, die uns helfen, solche Faktoren zu ergründen. Neben Stress können auch regelmässig angewandte Schmerzmittel oder sogar die speziell für Migräne einsetzbaren Triptane Migräne auslösen.

Sind bekannte Migränemittel untauglich?
Nein, sie leisten in der Akutphase gute Dienste. Sie haben jedoch den Nachteil, wenig nachhaltig zu wirken und immer wieder eingesetzt werden zu müssen. Zudem schränken Prophylaxen mit Beta-Blockern und Kalzium-Antagonisten den Menschen ein, indem sie Müdigkeit erzeugen oder beispielsweise Impotenz begünstigen.

Wie ist Nachhaltigkeit zu erzielen?
Neben der Sanierungsphase steht die Regula­tionsphase. Dort setzen wir bewährte regulative Verfahren ein wie zum Beispiel Akupunktur, Neuraltherapie, Homöopathie, pflanzliche Heil­mittel, Craniosacraltherapie oder Eigenbluttherapie. Diese Verfahren werden mit modernen Medi­kamenten kombiniert, die bei einem akuten Anfall eingesetzt werden.

Wie hoch ist Ihre Erfolgsquote?
Erfolg ist relativ. Zudem handelt es sich bei Migräne um ein komplexes Geschehen. Wenn Erfolg darin gemessen wird, dass Menschen wieder am Alltagsleben teilnehmen, die Arbeit verrichten, Konzerte besuchen und in die Ferien fahren können, dann meine ich, dass wir in 80 Prozent der Fälle gut bis sehr gut helfen kön­nen. Mitentscheidend ist es, den Menschen die Angst vor einer Attacke zu nehmen. Denn Angst – auch sie bedeutet Stress – ist häufig der Auslöser für den nächsten Migräneanfall.

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