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Heinz Knieriemen über...
Die Geburtsplaner

 Ausgabe 3 - 2009 - 01.03.2009

Text:  Heinz Knieriemen

Der Kaiserschnitt wird beim Gebären immer mehr zum Normalfall – völlig zu Unrecht. Es geht nichts über die natürliche Geburt. Medizinische Entbindung soll die Ausnahme sein.

Auch in der Gynäkologie greift die Medizin der Angst immer weiter um sich – dies nach dem Motto: Lieber einen Kaiserschnitt zu viel als einen Haftpflichtfall zu riskieren. Hinzu kommt noch, dass falsche Anreize geschaffen werden, wie Alfred Zimmermann, Direktor des Spitals Leuggern, kürzlich in der Zeitung «Sonntag» ausführte. Das Spital erhält sowohl vom Kanton als auch von den Krankenkassen eine Fallpauschale für die Geburt. Diese ist gleich hoch, ob es sich nun um eine Spontangeburt oder einen Kaiserschnitt handelt. Ab 2012 müssen die Spitäler nach einem neuen Finanzierungsmodell abrechnen, bei dem die Schwere des Falls massgebend ist. Damit wird für ein Spital ein völlig unnötiger Anreiz geschaffen, Kaiserschnittgeburten zu forcieren.

Betreuen, nicht behandeln

Die Konflikte zwischen natürlicher und reglementierter Geburt spielen sich auf verschiedenen Ebenen ab. Als wichtigste Massnahme für die Bedürfnisse schwangerer Frauen, für mehr Respekt und Zartgefühl dem ungeborenen Kind gegenüber müssen die beiden Bereiche Geburtshilfe und Geburtsmedizin klar
getrennt werden. Die Geburtshilfe ist der Regelfall. Geburtsmedizin sollte nur da intervenieren, wo Geburtshilfe überfordert ist.

Eine gesunde Schwangere bedarf nicht der Behandlung, sondern der liebevollen und wachen Betreuung durch eine kompetente Person, die Zeit und Geduld hat und das Vertrauen der werdenden Eltern geniesst. Der Beruf der Hebamme blickt in diesem Sinne auf eine lange Tradition zurück. Sie mag Hausgeburten betreuen oder in einem kleinen Geburtshaus tätig sein, auch in einer Geburtsklinik mit einer wohltuenden Atmosphäre: Ein solches «Ökosystem» verdient die Bezeichnung Geburtshilfe.

Vertrauen schaffen

Mehr als 9000 Geburten wohnte Frédérick Leboyer während seiner Tätigkeit als Arzt für Geburtshilfe bei. In dieser Zeit verfeinerte er nach und nach seine Methode, das Neugeborene willkommen zu heissen. Die von ihm eingeführten Veränderungen sind einfach. So einfach und selbstverständlich, dass es der Arzt beschämend empfand, sie immer wieder nachdrücklich betonen zu müssen.

Jede Geburt ist einmalig. Für Leboyer ist die Geburt daher nicht als starrer methodischer Rahmen zu verstehen, sondern eher als Bereitschaft, dem gerade geborenen Baby volle Aufmerksamkeit zu schenken. Er weist in seinem Buch «Sanfte Geburt» darauf hin, dass bei einem Neugeborenen die archaischen Reflexe nicht behindert werden dürfen, dass es empfänglich ist für Berührung und Hautkontakt, Licht, Gerüche und Geräusche sowie die besänftigende Wirkung der mütterlichen Stimme. Alles Erkennbare, alles Vertraute beruhigt und besänftigt, alles Neue und Unbekannte ruft Schrecken hervor.

Keine Frage: Die Qualität der Geburtshilfe muss mit Fakten untermauert werden. Es geht nicht nur um zufriedene Frauen, sondern auch niedrige Erkrankungs- und Sterbeziffern bei Neugeborenen und Müttern. Holland hat dem Druck der wachsenden medizinischen Interventionen bei Schwangerschaft und Geburt weitgehend widerstanden, hat immer noch Hausgeburtsraten von über 30 Prozent und dabei die geringste Säuglingssterblichkeit in Europa nach Schweden.

Allerdings haben sich holländische Hebammen ihre Autonomie sichern können – bemerkenswerterweise nicht nur mit Hilfe des Staates, sondern auch mit der von Hausärzten und Gynäkologen, die befürworten, dass die normale Schwangerschaft und Geburt vor unnötigen Eingriffen geschützt werden muss.

Wider die Entfremdung

Durch ein System des gegenseitigen Vertrauens wird verhindert, dass Entfremdung bereits vor dem ersten Atemzug beginnt. Dieses Vertrauen hilft gegen die überwältigenden Gefühle von Hilflosigkeit.

Ausreichende Informationen und Menschen, welche die notwendige Geborgenheit geben und Stärke vermitteln, verhindern das Ausgeliefertsein. Die Geburt ist Teil unseres Lebens. Sie wird auch unser späteres Leben und unser Verhalten in Gesundheitsfragen bestimmen.

Aus diesen Gründen sind von meinen fünf Kindern vier daheim auf die Welt gekommen und eines im Geburtshaus Storchennest in Lenzburg.

Ratgeber | Heinz Knieriemen
Heinz Knieriemen ist Spezialist für Gesundheits- und Ernährungsthemen. Seit über 20 Jahren setzt er sich für «Natürlich» kritisch mit den Methoden und den Auswirkungen der Schulmedizin und der Laborwissenschaft auseinander. Im AT Verlag hat er mehrere Bücher herausgegeben, unter anderem über Vitamine, Mineralien und Spurenelemente und Inhaltsstoffe in Lebensmitteln und Kosmetika.

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