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Hautsache

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_10_2014 - 01.10.2014

Text:  Marion Kaden

Stimmt etwas im Körperinnern nicht, zeichnet sich das oftmals auf der Haut ab. Ein Plädoyer für mehr Rücksicht im Umgang mit unserer Haut.

Schon vor Jahrzehnten definierte die Biomedizin die Haut als Grenze und Barriere – im Sinne eines «Eisernen Vorhangs». Die oft widersinnigen und allein symptomatischen Hilfen der Schulmedizin bestehen aus der Bekämpfung alles Fremden und Unbekannten wie Bakterien, Viren, Pilze, Würmer oder Insekten auf der Haut. In keiner anderen medizinischen Disziplin wird «Anti-» – also gegen – im Zusammenhang mit Wirkstoffen mehr erwähnt als in der Dermatologie. Hilft trotzdem alles nicht, werden die natürlichen Lebensäusserungen der Haut selbst unterdrückt, beispielsweise eigentlich physiologische Reaktionen wie Juckreiz oder überschiessende Entzündungserscheinungen. Die am häufigsten dabei eingesetzten Wirkstoffe – umgangssprachlich gerne als «Kortison» bezeichnet – führen allerdings dazu, dass die Haut allmählich immer dünner und empfindlicher wird und ihre eigentlichen Funktionen verliert.

Welche Aufgaben hat die Haut?

Wer vorurteilsfrei die menschliche Haut anschaut, wird rasch bemerken, dass ihr selbst einfachste biologische Mechanismen eines effektiven Schutzmechanismus fehlen. Es gibt weder Schuppen (wie bei Fischen), Hornschilder (wie bei einigen Reptilien), Knochenpanzerung (wie bei Schildkröten) oder andere feste Exoskelette (wie bei Insekten). Es gibt beim Menschen nur ein flächenmässig zwar grosses, aber gleichzeitig recht dünnes und zudem extrem sensibles Organ. Die naturheilkundliche Frage lautet also: Welche Aufgaben erfüllt die Haut, wenn sie uns nicht schützt?

Unsere Haut ist zunächst eine Übergangszone, an der Innenraum Mensch und Aussenraum Biosphäre (Lebenswelt) ineinander übergehen. Die Haut ist ein Organ fliessender Grenzflächen, der Begegnung und der Erfahrung: Über die vielen und verschiedensten Rezeptoren erleben wir die Wärme des Sonnenlichts, die Kälte der Luft, die Härte der Steine, die Weichheit des Sandes, die Schwere des Körpers (Erdanziehung), das Strömen des Windes, das Fliessen des Wassers, die Dornen eines Brombeerbusches, die nicht-hörbaren Schwingungen von Musik oder die sanften Hände eines liebenden Menschen. Auch unsere gegenseitigen Gefühle oder sexuellen Gelüste teilen wir untereinander über schweiss- und luftübertragene Pheromone, über Hautberührungen oder unseren Tastsinn. Und dies im Zusammenleben mit Milliarden Bakterien, die unsere Haut zu gegenseitigem Nutzen der verschiedenen Arten besiedeln. Für Naturheilkundler sind die «grenzüberschreitenden» Eigenarten der Haut weitaus nachvollziehbarer als für Schulmediziner, da sie Konzepte wie Dysbiose (Störungen der Darmflora) oder Darmsanierung schon lange kennen und therapeutisch nutzen. Und sie betreiben schon lange eine systemmedizinische Heilkunde, die die überaus komplexen Vernetzungen und Interaktionen alles Lebendigen kennt und bei der Behandlung von Krankheiten individuell berücksichtigt.

Schädliches Sonnenlicht?
Die mit zum Tode von Hannelore Kohl, der ersten Gattin des deutschen Ex-Kanzlers, beitragende Sonnen-Allergie hat scheinbar bestätigt: Sonne ist ungesund. Doch das von interessierten Kreisen seit Jahrzehnten gepredigte Glaubensbekenntnis «Sonnenlicht verursacht Hautkrebs» ist zunehmend entkräftet worden. Schon lange weiss man beispielsweise, dass die weissen Australier schwarzen Hautkrebs besonders an Stellen entwickeln, wo das Sonnenlicht kaum hinscheint, so etwa unter den Achseln. Italienische Forscher konnten gerade erst Ergebnisse anderer Wissenschaftler-Gruppen bestätigen, dass natürliches Sonnenlicht vor Hautkrebs sogar schützt. Vermutlich über eine vermehrte Bildung von Vitamin D. Die Jahrmillionen währende Anpassung an das Sonnenlicht hat zu vielen biologisch hoch sinnvollen Funktionen geführt, die Grundlage unserer Gesundheit sind und bleiben. Dicke Schichten teilweise ungesunder Sonnenschutzcremes oder gar das völlige Vermeiden von natürlichem Sonnenlicht sind nicht gut für unsere Haut. Sie liebt Licht, Luft und bei Bedarf Wasser. Klar ist übrigens auch, dass eine Vielzahl aller Hautprobleme und -störungen durch weitgehenden Kosmetika-Verzicht vermeidbar sind. Das hört keine Frau gerne. Möchte sie jedoch naturnah gesund leben, liegt der Verzicht auf die meisten dieser Industrieprodukte nahe.

Die Haut als Ausscheidungsorgan

Bei der Behandlung von Hauterkrankungen sind funktionelle Störungen bedeutsamer Einzelfunktionen wie beispielsweise die Regulation des Wärmehaushaltes immer mitzuberücksichtigen. In der Schulmedizin gerne vergessen, in der Naturheilkunde manchmal exzessiv genutzt, ist die Fähigkeit der Haut, als ersatzweises Ausscheidungsorgan die Aufgaben einer versagenden Leber, Niere oder des Darms (teilweise) zu übernehmen. So gelingt es beispielsweise, Patienten mit sehr fortgeschrittener Nierenfunktionsstörung durch naturheilkundlich intensiviertes Saunieren noch einige Zeit vor einer irgendwann nötig werdenden Dauer-Blutwäsche zu bewahren. Durch eine Vielzahl von Manipulationen an der Haut, so etwa wassertherapeutische Behandlungen nach Priessnitz oder Kneipp oder Ausleitungsverfahren wie Senfpflaster, Schröpfen, Wickel, Schwitzkuren oder Blutegel, wird die Ausscheidung von Stoffwechsel-Endprodukt (oft als Schlacke bezeichnet) gefördert. Gleichzeitig stimulieren viele dieser Verfahren über sogenannte Somatotopien Stoffwechselfunktionen. Somatotopien beschreiben die entwicklungsgeschichtlich bedingte Verknüpfung von Gehirnarealen mit zugeordneten Körperarealen. Dabei sind mehr oder weniger direkt auch Hautgebiete mit inneren Organen quasi reflektorisch verschaltet. Die naturheilkundliche Erfahrungsmedizin hat eine Vielzahl von Hautpunkten und -flächen gefunden, deren Reizung, zum Beispiel mit einem Reizpflaster, zur heilungsanregenden Stimulation eines korrespondierenden Organs führt.

Eine Bürstenmassage mag die Haut

Eine gute Möglichkeit, neben der Hygiene etwas für die Haut zu tun, ist tägliches Trockenbürsten. Verwendet werden dazu langstielige Hautbürsten mit echten Borsten oder raue Spezialhandschuhe aus Naturfasern. Das Trockenbürsten regt die Hautdurchblutung an. Die Haut wird widerstandsfähiger gegen Entzündungen, Pickel, Pilzinfekte oder Hauterkrankungen. Das regelmässige Bürsten regt aber nicht nur den äusseren Blutkreislauf an, sondern es werden über die Reflexzonen auch innere Organe stimuliert und der Lymphfluss angeregt. Insgesamt wird so auch die körpereigene Abwehr angeregt. Auch das sogenannte Hautbild verbessert sich: Die Haut sieht schöner und frischer aus. Trockenes Hautbürsten wird zur Verbesserung des Hautzustandes auch bei Hautkrankheiten wie Pickel, Akne, Schuppenflechte oder Entzündungen empfohlen. Allerdings wird jeweils um die Entzündungen oder befallenen Hautflächen herum gebürstet, niemals darüber. Und so gehts: Am herzentferntesten Punkt am rechten Fuss wird begonnen. Handschuh oder Bürste mit gleichmässigem, leichtem Druck und kreisenden Bewegungen von unten nach oben (herzwärts) führen. Auch Bauch, Po, Arme und den Rücken so behandeln. Schliesslich werden Kopf, Hals, Schulter und Dekolleté noch von oben nach unten (herzwärts) massiert. Die Haut wird dabei leicht gerötet, gut durchblutet und pulsiert angenehm. 

Foto: mauritius-images.com

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