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Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_09_2014 - 01.09.2014

Text:  Heinz Haug

Viel gelobt und oft gescholten, ist sie in aller Munde und steckt als Schreckgespenst in den Köpfen: die Radiologie. Eine Spurensuche mit erstaunlichen Resultaten.

Wir Menschen machen uns gern ein Bild. Bilder helfen: beim Erinnern an die Schulzeit, die erste Liebe, die Autopanne im Gotthardtunnel. Der Volksmund weiss: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.

Die Radiologie macht Bilder. Nicht nur – aber hauptsächlich. Sie macht Bilder vom Inneren des Menschen. Dabei bedient sie sich der unterschiedlichsten Methoden. Die vier in der Schweiz am häufigsten angewendeten sind: Ultraschall, Röntgen, Magnetresonanz-Tomografie (MRI) und Computertomografie (CT). Für Ultraschall und das klassische Röntgen sind kaum verlässliche Zahlen zu bekommen. Denn fast jede Hausarztpraxis verfügt über ein Ultraschallgerät. Jeder Zahnarzt röntgt regelmässig das Gebiss seiner Patienten. Und jeder Orthopäde röntgt in seiner Praxis rasch einmal ein Knie. Allesamt Untersuchungen ohne oder mit lediglich geringer Strahlenbelastung.

Bei den MRI und CT- Untersuchungen hingegen gibt es Zahlen: Gemäss des Krankenkassenverbands Santésuisse sind im Jahr 2011 rund 520 000 MRI- respektive 385 000 CT-Untersuchungen durchgeführt worden. Zu viele, wie Kritiker monieren. «Nicht unbedingt», sagt der Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Radiologie (SGR-SSR) Tarzis Jung, «eine radiologische Abklärung wird immer auf Wunsch eines Arztes durchgeführt, der sich davon Klarheit über ein Krankheitsbild erhofft. Eine gemeinsam abgesprochene radiologische Untersuchung, die keine Krankheit zeigt, muss nicht unnötig sein. Im Gegenteil: Sie kann beruhigen und unnötige, kostspielige weitere Abklärungen oder Therapien verhindern.»

Laut aber harmlos

Eine MRI-Untersuchung ist nicht angenehm: Es rumpelt und lärmt in der Röhre, viele Patientinnen und Patienten fühlen sich dabei nicht wohl. Für den Körper aber bleibt die Untersuchung völlig harmlos und kann, wenn indiziert, auch wiederholt werden.

Anders sieht es bei der Computertomografie aus. Diese arbeitet mit Röntgenstrahlen. Dabei liegt die Strahlenbelastung oft höher als bei einer herkömmlichen Röntgenuntersuchung. Rahel Kubik, Chefärztin Radiologie am Kantonsspital Baden sagt: «Die Strahlenbelastung ist abhängig von der zu untersuchenden Region. Die heute zur Verfügung stehenden Geräte reduzieren die Strahlenbelastung auf das absolut notwendige Minimum. Eine CT wird nur angewendet, wenn der höhere Informationswert die Strahlenbelastung auch rechtfertigt. Wir Radiologinnen und Radiologen nehmen im Zweifelsfall mit den zuweisenden Ärzten Kontakt auf und machen sie, wenn immer möglich, auf ein alternatives bildgebendes Verfahren aufmerksam, das für die Diagnosestellung aber trotzdem Bilder in ausreichender Qualität liefert.»

Was macht die Radiologie?
• Untersuchungen ohne Strahlenbelastung: Ultraschall, MRI
• Untersuchungen mit Strahlenbelastung: CT, Mammografie, Durchleuchtung, Röntgen
• Radiologen greifen auch ein: Und zwar bildgesteuert und minimalinvasiv. Zum Beispiel für die Entnahme von Gewebe oder die Erweiterung eines verengten Gefässes.
• Informationen auf: www.sgr-ssr.ch

Wie viel Strahlung?

Um besser zu verstehen, wie intensiv die Strahlenbelastung einer entsprechenden radiologischen Untersuchung ausfällt, helfen Vergleiche. Eine Computertomografie des Schädels zum Beispiel entspricht der natürlichen Strahlendosis, der ein Mensch im Laufe eines Jahres in der Schweiz ausgesetzt ist. Das konventionelle Röntgen der Lungen kommt in etwa der Strahlenbelastung eines Fluges über den Atlantik gleich. In konkreten Zahlen: Die Umgebungsstrahlung pro Jahr beträgt in der Schweiz 2,8 Millisievert (mSv). Ein Röntgenbild des Beckens schlägt mit 0,7 mSv zu Buche. (Die Masseinheit ist nach dem schwedischen Physiker Rolf M. Sievert benannt.)

Blaubeerensaft als Kontrastmittel

Um die bildliche Darstellung zu verbessern, arbeitet die Radiologie manchmal auch mit Kontrastmitteln. Je präziser sich einzelne Organe und je genauer sich Strukturen bildlich darstellen lassen, desto einfacher fällt es den Fachärzten, die Diagnose zu stellen.

John Fröhlich ist Apotheker und medizinischer Direktor eines weltweit führenden Kontrastmittelherstellers. Wer meint, er sei auf Technik und Chemie eingeschworen, der irrt. Wem eine radiologische Untersuchung bevorsteht, dem rät er erst einmal alles Belastende – wenn immer möglich – zur Seite zu schieben und sich gut vorzubereiten. So sollten Allergiker beispielsweise in der Heuschnupfenzeit darauf achten, dass sie nicht mit aufgequollenen Augen und angeschwollen Schleimhäuten zur Untersuchung kommen. Es gilt, das Immunsystem ins Gleichgewicht zu bringen. Die körpereigenen Abwehrkräfte sollen nicht überschiessen, sondern in geordneten Bahnen reagieren. Zudem können die Nieren durch viel Trinken geschützt werden. Am besten schon zwei, drei Tage vor der Untersuchung beginnen. John Fröhlich braucht das Bild vom ausgetrockneten Bachbett: «Je weniger Wasser fliesst, desto einfacher können sich Ablagerungen bilden. Je mehr Wasser fliesst, desto besser wird Schädliches ausgeschwemmt.»

Nicht jedes Kontrastmittel muss nach dem Untersuch extra ausgeschwemmt werden. Ganz hervorragend zur Darstellung des Magen-Darm-Traktes in der Magnetresonanz-Tomografie eignet sich beispielsweise der Saft von Blaubeeren. Allen voran der Biotta-Wald-Heidelbeer-Saft. Der Apotheker führt dies auf den hohen Gehalt an Mangan und Eisen zurück. Braucht es trotz allem chemische Kontrastmittel, dann gilt es, sich gegen allergische Reaktionen zu wappnen, die Funktion der Nieren zu unterstützen und die Schilddrüse zu schützen. Jodhaltige Kontrastmittel belasten die Schilddrüsen. Deshalb sollen die Schilddrüsen mit natürlichem Jod «gefüllt» werden. Das künstliche Jod bekommt so keine Chance anzudocken und wird ausgeschwemmt.

Stress für den Körper

Strahlenbelastung heisst für den Körper auch einen erhöhten oxydativen Stress mit einer vermehrten Bildung von freien Radikalen. Die richtige Ernährung kann helfen, die Zellen vor freien Radikalen zu schützen.

Natürliche Antioxidantien finden sich vor allem in frischem Obst und im Gemüse. Die besten Radikalfänger auf einen Blick: Vitamine A, C und E, Zink, Selen, Mangan, Co-Enzym Q10 und Gelée royale. Ob Schul- oder Alternativmedizin – alle raten, das Immunsystem vor und nach einem Untersuch auf Vordermann zu bringen. Die Spagyrik (Griechisch für herausziehen, trennen) bietet eine grosse Auswahl an Tinkturen.

Um den Stoffwechsel und die Ausscheidung des Zwischenzellgewebes anzuregen, werden in der anthroposophischen Therapie Präparate mit Moorextrakt, Rosskastanie und Schachtelhalm empfohlen: zum Beispiel Solum uliginosum Globuli und/oder Öl. Das Öl nicht vor einer Untersuchung auftragen, sondern erst danach. Zusätzlich kann eine Unterstützung der entgiftenden und ausleitenden Organsysteme sinnvoll sein. Hierzu eignen sich Präparate oder verschiedene Tees aus Extrakten des Löwenzahns, der Brennnessel, der Birke, der Goldrute und des Schachtelhalms.

Fazit: Die Radiologie steht nicht im Widerspruch zur Natur oder dem Streben nach einer umweltgerechten, natürlichen Medizin. Die genaue bildliche Darstellung und das Erkennen einer Krankheit erlauben ein rasches Handeln und lassen die Patienten bei der Wahl der Therapie von Anfang an autonom mitentscheiden.

Fotos: KSB, istockphoto.com

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