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Reizdarm-Syndrom: endlich kehrt Ruhe ein!

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_07_08_2014 - 01.07.2014

Text:  Stella Cornelius-Koch

Ein Reizdarm-Syndrom kann die Lebensqualität stark beeinträchtigen.

Die Beschwerden können die Lebensqualität stark beeinträchtigen und sind nicht selten. «10 bis 15 Prozent der erwachsenen Bevölkerung leiden unter einem sogenannten Reizdarm-Syndrom. Frauen sind etwa zweimal häufiger betroffen als Männer», sagt Prof. Dr. Peter Bauerfeind, Präsident der Magen-Darm-Liga Schweiz.

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Das Problem sei, dass es für die Bestimmung eines Reizdarms keinen Test gebe. Daher müsse er mittels Ausschlussdiagnose bestimmt werden. Das heisst: Die Beschwerden müssen innerhalb eines Jahres mindestens drei Monate bestanden haben und eine organische Ursache wie ein Tumor oder eine entzündliche Darmerkrankung wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind ausgeschlossen.

Bauerfeind rät Menschen ab 40, unklare Bauchschmerzen mit veränderten Stuhlgewohnheiten in folgenden Fällen abklären zu lassen:

• bei deutlichem Gewichtsverlust
• bei anhaltendem, hohen Fieber
• bei Blutarmut.

Patienten, die noch keine Diagnose erhalten haben, sollten laut Bauerfeind keineswegs mit Abführmitteln pröbeln, sondern die Beschwerden vom Hausarzt abklären lassen. «Dieser kann den Patienten bei Bedarf zur weiteren Untersuchung, zum Beispiel zu einer Darmspiegelung, an einen Gastroenterologen überweisen.»

Folge einer Unverträglichkeit?

Patienten mit Reizdarm leiden häu ger als Gesunde an weiteren funktionellen Störungen des Verdauungstraktes wie Sodbrennen, Oberbauchschmerzen oder Völlegefühl mit Übelkeit. Diese Störungen werden auch als Reizmagen oder Funktionelle Dyspepsie bezeichnet. Wie der Reizdarm wird der Reizmagen im Ausschlussverfahren diagnostiziert. Allerdings ist das Reizmagen-Syndrom weniger klar klassifiziert als das Reizdarm-Syndrom. So gelten oft alle Beschwerden, die sich nicht eindeutig der Galle oder einem Reflux zuordnen lassen, als Reizmagen.

Sind Durchfall und/oder Blähungen die vorherrschenden Symptome, sollte man eine Nahrungsmittelunverträglichkeit in Betracht ziehen. Diese kann auch zusätzlich zu einem Reizdarm-Syndrom bestehen und die Symptome verstärken. So führt bei der Sprue (Zöliakie) eine Allergie gegen das Klebereiweiss Gluten in manchen Getreidesorten wie Weizen, Roggen, Hafer oder Gerste zu entsprechenden Bauchbeschwerden. Das Gleiche gilt für eine Unverträglichkeit gegenüber Milchzucker (Laktose) und Fruchtzucker (Fruktose). In diesen Fällen ist eine Ernährungsberatung wichtig. Kritische Lebensmittel gilt es zu meiden; so werden sich die Beschwerden mildern. Eine Ernährungsumstellung erfordert Wille und Geduld. Aber wenn Ruhe in den Darm einkehrt, lohnt sie sich alleweil.

Der Faktor Stress

Beatrice Stutz-Lämmli ist überzeugt, dass ein Reizdarm nicht von heute auf morgen entsteht. «Meist erkennen Betroffene Symptome, wenn sie in einer besonders belastenden Lebenssituation stecken. Dementsprechend können die Beschwerden je nach Situation und Lebensumständen zu- oder abnehmen», sagt die Naturheilpraktikerin, die in Adligenswil (LU) eine Praxis für klassische Homöopathie betreibt.

Sie erlebe immer wieder, dass hinter den Beschwerden viel mehr stecke, als man anfangs angenommen habe. «Manche Betroffene haben jahrelang Probleme geschluckt, nur um die Harmonie in der Familie aufrechtzuerhalten. Andere geben sich die Schuld, oder sind nicht in der Lage, Konflikte auszutragen oder zu ver arbeiten. Oder es werden Aggressionen verdrängt.» In diesem Fällen könne eine Therapie helfen, neue Wege zu gehen und alte Verhaltensmuster zu durchbrechen.

Tipps für den Alltag
• Entspannung: Nehmen Sie sich ausreichend Zeit für sich. Schalten Sie regelmässig ab. Lernen Sie ein Entspannungsverfahren wie Yoga oder
Autogenes Training. Das verbessert zusätzlich die Organfunktionen.
• Ernährung: Essen Sie frische pflanzliche Lebensmittel. Verzichten Sie möglichst auf Zucker, Kaffee, Alkohol und Zigaretten.
• Wärme: Gönnen Sie sich entspannende Bäder oder Saunagänge. Ein bewährtes Hausmittel bei Bauchkrämpfen ist Wärme. Sie können eine Bettflasche, ein Körnerkissen oder einen feuchtwarmen Bauchwickel auflegen.
• Massagen: Den Bauch mit angewärmtem Sesamöl sanft im Uhrzeigersinn massieren.
• Sport: Bewegung an der frischen Luft wirkt sich positiv auf die Darmfunktion aus und baut innere Anspannung ab. Ideal sind tägliche ausgiebige Spaziergänge. Auch gut ist moderater Sport, zwei- bis dreimal pro Woche walken, schwimmen, oder Velo fahren zum Beispiel.
• Rhythmus: Sorgen Sie für einen ge - regelten Tagesablauf mit ausreichend Schlaf, einem nicht zu vollen Terminplan und regelmässigen Mahlzeiten. Geniessen Sie diese bewusst und in Ruhe.
• Achtsamkeit: Lernen Sie, auf Ihr Bauchgefühl zu hören. Sie werden ihm so immer mehr vertrauen können. Das ist in vielen Lebenslagen hilfreich.

Was tun?

Je nach Beschwerdebild kommen beim Reizdarm oft krampflösende Medikamente oder pflanzliche Mittel zum Einsatz. Bewährt haben sich folgende Heilpflanzen: bei krampfartigen Bauchschmerzen Kamille, Melisse, Süssholz und Bittere Schleifenblume; bei Blähungen Anis, Fenchel, Kümmel, Koriander, Kamille und Pfefferminze; und bei Verstopfung Weizenkleie, Lein- oder Flohsamen. Beim Reizdarm-Syndrom ohne schwere Verstopfung oder starkem Durchfall ist auch Pfefferminzöl in Kapseln gut geeignet; es wird erst im unteren Darm freigesetzt, wo es wohltuend wirkt.

Studien zeigen, dass bestimmte Bakterienstämme wie Lactobacillus plantarum und Bifiobacterium infantis Blähungen und Durchfall bei Reizdarm lindern können. Probiotische Nahrungsergänzungsmittel (erhältlich in Apotheken) sollten jedoch nur nach ärztlicher Absprache eingenommen werden. Ebenfalls günstig sind (Natur-)Joghurts mit lebenden Kulturen. Nach Angaben der Magen-Darm-Liga können auch Hypnotherapie und Akupunktur-Behandlung einen positiven und lange anhaltenden Effekt auf die Reizdarm-Symptomatik ausüben.

Buchtipp
Florence Kunz-Gollut: «Auszeit für den Darm durch Regulationsmedizin», sokutec Verlag, 2013, Fr. 36.–.

Foto: thinkstock.com

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