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«Tutsuiter» - der Reisedurchfall lässt grüssen!

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_07_08_2014 - 01.07.2014

Text:  Sabine Hurni

In manchen Ländern gehört der Reisedurchfall einfach mit dazu. Grund dafür sind bakterielle Infektionen. Aber auch Hitze und das ungewohnte Essen bereiten dem Darm oft Mühe.

Eingepfercht zwischen schwitzenden Menschen, beschallt von lauter Musik aus scheppernden Boxen und benommen von den vielen fremden Gerüchen fahren Individualtouristen in Bussen und Zügen durch ferne Länder. In Asien, Südamerika und Afrika nehmen Reisende einige Strapazen in Kauf, um ein Land möglichst authentisch zu erleben. Das lohnt sich. So streng die Busreise auch ist: Sie wird zur Anekdote von morgen.

Zum Alptraum kann die Reise aber werden, wenn der Darm nicht mitspielt. Gerade in asiatischen und afrikanischen Ländern, wo das Klima heiss und schwül ist und die hygienischen Standards weit weg von jenen der Schweiz sind, trifft der Reisedurchfall viele Touristen.

Auslöser sind meistens harmlose, bakterielle Infektionen mit Escherischa Coli-Bakterien (ETEC). Viel seltener sind Viren oder Parasiten für den Dünnpfiff verantwortlich. Die E.-Coli-Bakterien befinden sich im Trinkwasser oder in Eis. Oft sind auch Nahrungsmittel mit den Bakterien infiziert.

Deshalb sollte man auf Reisen keine Lebensmittel essen, die nicht während mindestens zehn Minuten über 70 Grad Celsius erhitzt wurden. Früchte müssen geschält werden. Ist dies nicht oder nur unzureichend möglich, wie bei Erdbeeren, Trauben oder Tomaten, ist zumindest am Anfang der Reise Vorsicht angesagt. Der Langzeitreisende soll sich peux à peux herantasten. Das gilt auch für frische Salate, kalte Saucen, Schlagrahm und ungenügend gekochte Fleisch- und Fischprodukte.

Die Zahl der Erkrankungen geht bei Langzeitaufenthalter massiv zurück. Denn nach einigen Wochen gewöhnt sich der Darm an die ortsüblichen Bedingungen. Wer länger im Land bleibt, isst somit bald wie ein Einheimischer.

Sofort behandeln

Der Durchfall zeigt sich in drei oder mehr flüssigen Stuhlgängen pro Tag, die möglicherweise mit Bauchkrämpfen, Übelkeit und manchmal mit Fieber einhergehen. Wenn starke Bauchkrämpfe, hohes Fieber, starker Flüssigkeitsverlust, Blut- oder Schleim im Stuhl auftreten, muss unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Ansonsten heilt der Durchfall von alleine.

Es reicht, wenn sich Erwachsene ausruhen und darauf achten, dass sie genügend Flüssigkeit zu sich nehmen. Wenn nötig hilft auch eine Bouillon oder ein Elektrolytgetränk, den Flüssigkeits- und Mineralsalzverlust auszugleichen. Das können Fertigprodukte sein oder selber zubereitete Lösungen aus abgekochtem Wasser, Schwarztee oder Fruchtsaft mit Salz, Backpulver und Zucker. Auch Tee, leichte Kost wie Brot, Bananen oder Kartoffeln und Reis, eigenen sich als Schonkost bis zur Genesung.

Medikamente wie Imodium, das den Durchfall stoppt, dürfen nur für Maximum zwei Tage eingenommen werden. Hilfreich sind diese Medikamente zum Beispiel dann, wenn eine längere Fahrt ansteht und der Durchfall nicht im Hotelzimmer auskuriert werden kann.

Bei Fieber oder Blut im Stuhl sind Durchfallmedikamente ebenfalls nicht angezeigt, weil die Gefahr besteht, dass die Bakterien im Darm zurückgehalten werden. Auch bei Antibiotika ist Zurückhaltung angesagt. Wegen Gefahr von Resistenzenbildung sollten sie nur eingenommen werden, wenn die Erkrankung sehr stark ist. Auf keinen Fall jedoch präventiv zur Verhinderung von Infektionen.

Ideal, auch zur Prävention, sind Probiotika. Sie enthalten lebende Bakterienkulturen, welche die Darmflora günstig beeinflussen. Sie gewinnen mit der Zeit überhand und entziehen in Folge dessen den E.-Coli-Bakterien die Lebensgrundlage.

Regeln zur Vermeidung von Reisedurchfall
• Nur frisch zubereitete, gekochte Speisen essen
• Auf Eiswürfel und Glace verzichten
• Wasser aus hermetisch verschlossenen Flaschen trinken
• Früchte schälen oder mit gekauftem Wasser sehr gut waschen
• Keine Salate oder rohen Früchte im Restaurant essen
• Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte nur gut durchgebraten geniessen

Eine alte Heilpflanze

Besonders ideal ist die Kombination von Probiotika mit getrockneten Heidelbeeren (Vaccinium myrtillus). Dies nicht nur bei Durchfall nach bakteriellen Infektionen, sondern auch bei Durchfallerkrankungen als Folge von zu viel Sonne, bei einer Magen-Darmgrippe oder nach ungewohntem Essen.

Bei Herbstwanderungen sorgen frische Heidelbeeren für einen fruchtigen Zwischenstopp. Weniger bekannt ist die Durchfall hemmende Wirkung der getrockneten Beeren. Erste Hinweise auf die Verwendung von Heidelbeeren als Heilmittel sind in den Schriften von Hildegard von Bingen (1098 –1179) vermerkt. Damals wurden die getrockneten Beeren als Mittel gegen Durchfall und Bauchtyphus eingesetzt.

Heidelbeeren enthalten sehr viele Gerbstoffe. Diese wirken zusammenziehend, entzündungshemmend, antibakteriell und antiviral. Gerbstoffe haben die Fähigkeit, Eiweisse zu fällen, so auch die der Darmschleimhaut. Das führt zu einer abdichtenden Wirkung: Die Bakterien können nicht mehr in die Schleimhaut und somit in den Körper eindringen. Heidelbeeren lieben sauren Boden. Der Strauch wird bis zu 80 Zentimeter hoch, hat kleine Blätter, glockige weissliche Blüten und kleine, kugelige blauschwarze Beeren.

Ist kein Wasser vorhanden, kann man die getrockneten Beeren kauen. Ansonsten setzt man ein bis zwei Esslöffel zerquetschte Heidelbeeren in einer Tasse mit kaltem Wasser an. Nach zwei Stunden ist der Auszug trinkfertig. Man kann die gequetschten Beeren auch in kaltem Wasser ansetzen und zehn Minuten lang sieden lassen. Bis zum Abklingen des Durchfalles trinkt man mehrmals täglich eine Tasse frisch zubereiteten Tee. Sollten die Durchfälle länger als drei bis vier Tage anhalten, ist ein Arzt aufzusuchen.

Rezepte für den Notfall
• Karotten-Reisschleim: 80 Gramm weisser Reis bei leichter Hitze etwa 35 bis 40 Minuten köcheln. Dann pürieren, 1 Prise Salz und etwa 100 Gramm gut gekochte und pürierte Frühkarotten dazumischen. Dem Patienten drei- bis fünfmal täglich je drei bis fünf Esslöffel davon geben.
• Karottensuppe nach Dr. Mora: 500 Gramm geschälte Karotten in einem Liter Wasser eine Stunde lang kochen. Anschliessend durch ein Sieb drücken oder im Mixer pürieren. Mit gekochtem Wasser wieder auf einen Liter auffüllen und drei Gramm Kochsalz zugeben.
• Notfallgetränk: Ein Liter Wasser während 20 Minuten abkochen. Schwarztee oder Fruchtsaft, ein Teelöffel Salz, eine Messerspitze Backpulver und zwei bis drei Esslöffel Zucker beigeben und über den Tag verteilt trinken.
Das gehört in die Reiseapotheke
• Notfallmedikamente: Medikamente, welche die Darmbewegungen hemmen und so den Durchfall stoppen, bewirken eine Reduzierung der täglichen Stuhlgänge. Vorsicht! Diese Wirkung kann erwünscht sein. Gleichzeitig wird aber die Ausscheidung von pathologischen Keimen
verhindert. Das kann den Heilungsprozess verlangsamen.
• Probiotika: Probiotika sind lebende Mikroorganismen. Sie enthalten Bakterienkulturen und haben eine positive Wirkung auf die Darmtätigkeit. Probiotika wirken ursächlich und verkürzen die Krankheitsdauer, indem sie die natürliche Darmflora wiederherstellen und die Darmtätigkeit regulieren.
• Homöopathische Heilmittel: Die Homöopathie kennt einige Mittel für die Selbstbehandlung und Vorbeugung. Zum Beispiel Okoubaka. Das Heilmittel wirkt bei Vergiftungen durch Lebensmittel und Bakterien.
Magenbitter: Gewürzweine wie Melissengeist oder Zellerbalsam können dem Magen bei der Verarbeitung ungewohnter Kost helfen.

Foto: ffr, fotolia.com

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